Die Notwendigkeit der globalen Bereitschaft

Die Hoffnung in die Zukunft ist von jeher bei der Erweiterung und Ausdehnung zwischenmenschlicher Beziehungen ein wichtiger Faktor gewesen. Von daher hat die Beantwortung der Frage, wie der Mensch in der Endzeit sein wird, einen großen Einfluss auf das Leben der heutigen Menschen. Genau diese Fragestellung ist es, die zur Folge hatte, dass alle göttlichen Religionen und die meisten Denkschulen sich hierzu geäußert haben. Grundsätzlich werden die verschiedenen Denkschulen im Zusammenhang mit der Endzeit und der Zukunft in zwei Kategorien eingeteilt: Eine Gruppe versteht die Endzeit als dunkel und neblig, inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen, wie im „Kampf der Kulturen“ Huntingtons, der die Ansicht vertritt, dass die Welt aufgrund eines Krieges zwischen dem Islam und dem Konfuzianismus auf der einen und einem Krieg mit dem Westen auf der anderen Seite zum Ende kommen wird. Die zweite Gruppe sieht die Endzeit als lichterfüllt und die Menschen in jener Zeit als glücklich an. Es bestehen jedoch hinsichtlich dessen, auf welche Weise der Mensch in der Endzeit glücklich sein wird, Unterschiede zwischen den verschiedenen menschlichen Denkschulen.

Die Eigenschaften des Menschen in der Endzeit

Im Allgemeinen hat der Mensch in den westlichen Denkschulen bei Denkern wie Kant, Machiavelli, Hobbes, Hegel und ebenfalls Fukuyama drei Besonderheiten:

  1. Er ist macht- und geldgierig
  2. Er ist selbstsüchtig und heuchlerisch
  3. Er will in der Gesellschaft akzeptiert und geachtet werden, also möchte er von den anderen respektiert werden.

Kant wirft die These der ersten genannten Eigenschaften auf, Hobbes die zweite – er hat zudem den bekannten Ausspruch: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ aufgeworfen – und Hegel schließlich beharrt auf der dritten Eigenschaft.

Aber die Ansicht, die alle göttlichen Religionen gemeinsam haben, ist, dass sich die Gerechtigkeit und der Weltfrieden am Ende der Zeit ausbreiten wird. Gott hat im heiligen Qur’an ein Ende mit Frieden, Gerechtigkeit und Vollkommenheit für den Menschen vorausgesagt:

„Verheißen hat Allah denen von euch, die glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewiß zu Nachfolgern auf der Erde machen wird, wie Er jene, die vor ihnen da waren, zu Nachfolgern machte; und dass Er gewiß für sie ihre Religion befestigen wird, die Er für sie auserwählt hat; und dass Er gewiß ihren (Stand) nach ihrer Furcht in Frieden und Sicherheit verwandeln wird, auf dass sie Mich verehren (und) Mir nichts zur Seite stellen. Wer aber hernach undankbar ist, wird ein Frevler sein.“ (An-Nur:55)

Auf Grundlage dieses Verses verheißt Gott den Überzeugten [mu’minin], die gute Werke verrichten, die Herrschaft über die Welt Basierend auf der himmlischen Religion und weist darauf hin, dass unterdessen eine Veränderung der Gesellschaft in Richtung Sicherheit und Monotheismus stattfinden wird.

„Und Wir wollen denen, die im Lande als schwach erachtet worden waren, Huld erweisen und sie zu Führern machen und als Erben einsetzen. (Al-Qasas :5)

Diese Verse sind ein Ausblick in die Zukunft des Menschen, in der das Prinzip des Optimismus in der gesamten Schöpfungsordnung und die Beseitigung des Pessimismus hinsichtlich des menschlichen Endes vertreten wird.

In der islamischen Denkweise ist das eigentlich Entscheidende in der Endzeit der Mensch. Jedoch nicht der Mensch, der ein Angeber oder ein Egoist ist, sondern ein Mensch, der der Stellvertreter Allahs auf Erden ist: „Wahrlich, Ich werde auf der Erde einen Nachfolger einsetzen.“ (Al-Baqara:30). Der Mensch am Ende der Zeit ist kein machtgieriger Mensch oder jemand, der nach Wohlstand sucht, sondern ein Mensch, der ein Führer und ein Erbe der Erde ist: „[…]Wir wollen sie zu Führern machen und als Erben einsetzen.“ (Al-Qasas:5)

In der islamischen Denkweise ist beim Menschen der Endzeit nicht das Vergnügen und der Gewinn das Wesentliche, sondern das Verstehen und das Streben nach Wahrheit die Achse des menschlichen Verhaltens.

Imam Baqir (a.s.) sprach:

إذَا قَامَ قَائِمُنَا وَضَعَ يَدَهُ عَلَى رُؤوسِ الْعِبَادِ فَجَمَعَ بِهِ عُقُولَهُمْ

„Der Mensch zu Zeiten des Erlösers wird nicht lügen und ist nicht habgierig.“[1]

Der Prophet (s.a.s.) sprach:

بِالمَهدی یَمحَقُ اللّهُ الکَذِبَ وَ یُذهِبُ الزَّمانَ الکَلِبَ

„Gott wird durch den Mahdi (a.s.) die Lüge vernichten und die Habgier und den Geiz aus dem Alltag entfernen.“[2]

In der islamischen Denkweise sind die Menschen der Endzeit einander keine Wölfe, sondern ihr Ethik bzw. Moral wird zur Vollkommenheit reifen.

Genau dieses Prinzip führt zur Freude, Heiterkeitund Hoffnung unter den Muslimen und zur täglich anwachsenden Tätigkeit und Ausbreitung der Beziehungen in verschiedenen Gemeinschaften. Die Begründung für diese These kann erbracht werden, da kein Zweifel daran besteht, dass die Menschen vor der Endzeit für jenes Zeitalter die Tage zählen und in der Zeit des Erwartens darüber nachsinnen. Es sollte aber beachtet werden, dass es zwei Arten der Erwartung gibt:

  1. Bekümmertes Erwarten und
  2. Aktives Erwarten.

Was ist aktives Erwarten?

Beim bekümmerten Erwarten ist das Erwarten für den Einzelnen schwer und schmerzhaft, macht ihn müde und führt ihn zur Erschöpfung. Zum Beispiel trifft dies auf jemanden zu, der an der Bahnhaltestelle die Bahn erwartet. Er selbst macht nichts. Die Bahn ist es, die kommen muss und es ist eine Tatsache, dass er das Erwarten aushalten muss. Beim aktiven Erwarten hingegen ist der Erwartende zum Zeitpunkt des Erwartens gleichzeitig aktiv, da er weiß, dass er es selbst ist, der die Zukunft aufbauen muss.

In der islamischen Denkweise ist das Erwarten der Rückkehr des Imam Mahdi (a.s.) von der Art des aktiven Erwartens. Dies liegt daran, dass die Menschen das Gefühl haben, dass sie Einfluss auf die Beschleunigung der Rückkehr nehmen und für die Schaffung der Rahmenbedingungen seiner Rückkehr sorgen können. Der Gesandte Gottes (s.a.s.) sprach: „Die beste Handlung (meines Volkes) ist das Erwarten der Rückkehr.“ Er sprach auch: „Das Erwarten des Mahdi (a.s.) ist für euch die Lösung eurer Probleme “ Es gibt noch zahlreiche weitere Überlieferungen, die auf diese Weise klarstellen, dass das Erwarten in der Denkweise der Schiiten ein aktives Erwarten und eine Handlung für das Anwachsen und Erblühen der Fähigkeiten der Menschen ist.

Das Erwarten ist eigentlich die Wechselwirkung zwischen zwei Prinzipien, nämlich der Wahrheit und der Wirklichkeit. Denn ein erwartender Muslim versucht gleichzeitig unter seinen tatsächlichen Rahmenbedingungen das was sein muss, und das, was man als „die Wahrheit“ bezeichnet, mit der Wirklichkeit zu verbinden und ist mit der Veränderung der gegebenen Situation zu einer vollkommeneren Gemeinschaft beschäftigt.

Ihm ist bewusst, dass jene morgige Gemeinschaft mit den Anstrengungen von heute zustande kommt. Dies ist auch der Grund, weshalb Imam Mahdi (a.s.) mehrfach gesagt hat, dass man für die Beschleunigung der Rückkehr beten solle, was bedeutet, dass die Rückkehr des Imams durch die Erwartenden zustande kommen wird.

Aktives Erwarten bedeutet, sich für eine bessere Zukunft anzustrengen und hierfür ist es notwendig, mit der jetzigen Situation unzufrieden zu sein. Jemand, der nicht erwartet, versucht im Gegenteil die Gegenwart beizubehalten und fürchtet sich vor der Zukunft. Er hat den Wunsch und strengt sich sogar dafür an, dass seine gegenwärtige Situation keine Veränderung erfährt.

Es wird in zahlreichen Überlieferungen die richtige Umgangsform des Erwartens überliefert, was bedeutet, dass das Erwarten der Rückkehr aus der Sicht der Schiiten ein aktives Erwarten ist, was einen großen Unterschied zur Erschöpfung, dem Stillhalten und dem Beibehalten der Situation macht. Dies wird in dieser Überlieferung Imam Sadiqs (a.s.) deutlich, in der es heißt:

إنتِظارُ الفَرَجِ بِالصَّبرِ وَ حُسنِ الصُّحبَه وَ حُسنِ الجوار

„Geduldig sein, gute Freundschaften zu pflegen und einen guten Umgang mit den Nachbarn zu pflegen ist ein Teil der Besonderheiten eines aktiv Erwartenden.“[3]

Die Notwendigkeit weltweiter Bereitschaft für die Rückkehr des Mahdi (a.s.)

Einer der wichtigsten Aspekte, der bei dem Thema des Mahditums beachtet werden sollte, ist, dass der Aufstand zum Erreichen der weltumfassenden Gerechtigkeit in der Endzeit nicht nur mit dem Erscheinen des Mahdi, sondern in Begleitung von 313 tugendhaften oder gesegneten Personen aus dem Zeitraum der Verborgenheit, gefolgt von 10.000 weiteren derartigen Personen, zustande kommt, so dass der Aufstand für Frieden, Sicherheit und Bewegung in Richtung Vollkommenheit zu Zeiten der Rückkehr Imam Mahdis begonnen wird.

Dies bedeutet, dass der Aufstand jener Heiligkeit an zwei wichtige Handlungen gekettet ist. Erstens an die Rückkehr des Imams und der Regierung des Unfehlbaren Imams und Fuehrers sowie zweitens die Anwesenheit und Bereitschaft einer Anzahl überzeugter und tätiger Personen, die im Zeitraum der Verborgenheit für die Reform der Gemeinschaft Maßnahmen ergriffen haben. Eben dieses Prinzip führt dazu, dass die Erwartenden wissen, dass sie im gesamten Zeitraum der Verborgenheit und an jedem Ort dieser Welt mit Mühe und Anstrengung die Möglichkeit haben, an der Errichtung jener großen Wahrheit teilzuhaben. Deshalb strengen sie sich noch mehr für die Verbesserung und Vervollkommnung der Situation anderer an.

Dies ist auch der Grund, weshalb die Muslime sich in der gesamten Geschichte gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit aufgelehnt haben, wenn sie nach den Lehren des Islam gehandelt haben. Gleichzeitig haben sie sich für das Verbreiten von Frieden und Freundschaft und ein gesundes Anwachsen der gesellschaftlichen Beziehungen eingesetzt und haben die Welt zu Wissen und Erkenntnis gebracht. Deshalb kann die Kultur des Mahditums als eine der Ursachen für das heutige Anwachsen der Anhänger des Islam in der Welt betrachtet werden.

Auf Grundlage dieser Analyse wird jedem Muslim bewusst, dass er, sofern er alles daran setzt, in der Gemeinschaft Rechtschaffenheit zu verbreiten und Verdorbenheit zu vermeiden, eine der Ursachen für die Beschleunigung der Rückkehr des Imams der Zeit ist.

Wenn die Welt heute Zeuge davon wird, wie sich die Völker zum Islam bewegen, dann sind in Libyen, Ägypten, Jemen, Bahrain usw. allesamt die Zeichen für die Rückkehr, die die Menschen in der gesamten Zeitgeschichte erwartet haben, zu erkennen. Alle jene Bewegungen, die sich den Islam herbeisehnen und die Unterdrückung bekämpfen, sind die Ernte von tausenden und abertausenden Rufen erwartender Menschen, die heute erhört werden.

Jener Ruf Imam Khomeinis (r.), den er vor 33 Jahren gegen die Unterdrückung und Verdorbenheit in Iran und das widerstandsfähige iranische Volk, das von der Kultur des Erwartens der Rückkehr profitiert, ausgerufen hat, hat die Revolution ermöglicht. Jawohl, die islamische Revolution Irans und alle reformerischen Revolutionen auf der Welt sind die Ernte des Glaubens an das Mahditum. Ein Glaube der die Menschen immer noch berührt und bewegt und dazu führt, dass sie sich selbst und die anderen nicht vergessen.

Deshalb ist die Frage, ob der Erscheinungszeitpunkt des Erretters im islamischen Gedankengut festgelegt ist und die Menschheit lediglich darüber in Unkenntnis ist oder ob der Zeitpunkt der Rückkehr grundsätzlich nicht festgelegt ist. Diese Frage ist in Anbetracht der Rolle der Menschen bei der Rückkehr einfach und gut zu beantworten, denn auf dieser Basis muss gesagt werden, dass der Erscheinungszeitpunkt des Imam Mahdi (a.s.) nicht festgelegt ist und der Zeitpunkt in den Händen der Menschen liegt. Es kann also gesagt werden, dass die Menschen die entscheidende Rolle dabei spielen, ob die Rückkehr früher oder später Gestalt annimmt. Es ist demnach so, dass durch jeden Schritt, der zur Rechtleitung der Menschen unternommen wird, gleichzeitig ein Schritt für die Rückkehr des Mahdi getätigt wird. Gleichzeitig ist es so, dass jeder Schritt, der zur Verdorbenheit der Gemeinschaft unternommen wird, wieder um einen Schritt vom Erreichen des Ziels, eine weltumfassende gerechte Ordnung aufzubauen, zurückwirft.

Die Beachtung dieses Prinzips führt zu einem Anwachsen der zielgerichteten Beziehungen unter den Muslimen. So kann gesagt werden, dass die Menschen einander zu jeder Zeit und an jedem Ort als Partner beim Erreichen der Rückkehr des Erretters betrachtet haben.

Dieses Prinzip liefert zweifellos eine Erklärung, welche Verpflichtungen die Menschen in der heutigen Zeit haben, so dass es auf Basis all der Gebote und Verbote des Religionsgesetzes ein Programm bietet, mit dem die Menschen und Gemeinschaften die notwendigen Bedingungen zur Rückkehr des Imam Mahdi (a.s.) herbeiführen können. Es kann tatsächlich gesagt werden, dass die islamische Art die Menschen an die Rückkehr des Mahdi (a.s.) heranzuführen, gleichbedeutend ist mit dem islamischen Religionsgesetz und den religiösen Verpflichtungen, die aus dem Blickwinkel eines in die Zukunft Blickenden errichtet worden sind.

Die Rolle der Moscheen bei der Rückkehr des Imams (a.s.)

Einer der effektiven Faktoren bei der zielgerichteten Ausweitung der Beziehungen und beim Aufbau der Rahmenbedingungen für die Rückkehr des Mahdi sind die Moscheen. Die Aufgabe der Moschee als Örtlichkeit, die das Wachstum und die Verbreitung der Aufklärung, Entstehung von Freundschaften unter den Menschen, ohne dem Geld, der Nationalität, dem Reichtum und anderen Dingen Beachtung zu schenken, fördert, macht diesen heiligen Ort zu einem unersetzlichen Sammelort in der islamischen Gesellschaft, der ohne großen Ehrgeiz und den Glauben an Gott nicht besucht würde. Deshalb spricht Allah: „Wahrlich, der allein vermag die Erhaltung der Moscheen Allahs vorzunehmen, der an Allah und an den jüngsten Tag glaubt und das Gebet verrichtet und die Zakah entrichtet und keinen außer Allah fürchtet: diese also mögen unter denen sein, welche den rechten Weg finden.“ (At-Tauba: 18)

Die Moschee ist im Islam laut diesem Qur’anvers ein Ort zur Stärkung des Glaubens an Gott, zum Verrichten des Gemeinschaftsgebets, zum Anregen wirtschaftlichen Fleißes, um der Armut vorzubeugen , zur Entwicklung der Städte und schließlich zur Mehrung der Tapferkeit und des Selbstbewusstseins der Gläubigen.

Auf der anderen Seite spricht der heilige Prophet (s.a.s.), dass die Moscheen zur Zeit der Verborgenheit ein Ort ist, der den Gläubigen Sicherheit vor Spaltung und Abweichung bietet und sie von Problemen befreit.

Der Prophet (s.a.s.) sprach: „Zu einer Zeit, in der die Menschen von Katastrophen und Problemen heimgesucht werden, sind die Moscheegänger in Sicherheit.“[4]

Es muss jedoch gesagt werden, dass alle heiligen Orte zugunsten der Beziehung mit Gott oder einer heiligen Handlung errichtet wurden und in Wirklichkeit die Moscheen und andere heilige Orte wie Kirchen und Synagogen allesamt zur Stärkung und Errichtung der Beziehung zwischen Mensch und Gott eine unersetzliche Rolle gespielt haben, bis Gott der Moschee seinen Stellenwert gegeben und die Moschee als Gottes Haus bezeichnet hat. Die Moschee ist gewissermaßen ein Teil des Himmels oder der Welt der Engel auf der Erde, zu der sich die Menschen zur Sicherung ihres Geistes hinwenden.

Ein deutscher Intellektueller namens Rudolf Otto äußert in seinem Buch „Das Heilige“ die Meinung, dass der Mensch an heiligen Orten wie einer Kirche oder einer Moschee drei besondere Gefühle erfährt:

  1. Das Gefühl eines Geschöpfs. Das bedeutet, dass er das Gefühl hat, dass der Erschaffer der Geschöpfe besser ist als er. Dies ist genau das, was Schleiermacher als das Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit bezeichnete. Grundsätzlich führt die Anwesenheit des Menschen an solchen Orten zur Rezitation von Gebeten und zur Beziehung zwischen den Menschen und dem Schöpfer allen Seins, so dass ein Gottesbewusstsein entsteht. Und tatsächlich bedeutet die Anwesenheit in den Moscheen, dass der Mensch einen Ruheort findet, wodurch das angeborene menschliche Gefühl entsteht, ein Geschöpf zu sein und ihm bewusst wird, dass er einen Schöpfer hat.
  1. Das Gefühl einem gewaltigen Geheimnis gegenüberzustehen: Das bedeutet, dass dem Menschen etwas gegenübersteht, das ihm erstens ein Geheimnis ist, da sein Verstand nicht mächtig ist, es vollkommen zu erfassen, obwohl er dazu fähig wäre, ihn zu entdecken. Und zweitens ist es in der Hinsicht gewaltig, dass der Mensch feststellt, dass er einem Wesen, das unendlich und gewaltig ist, gegenübersteht.
  1. Das Gefühl des Verlangens, sich mit diesem Schöpfer zu verbinden, was in Wirklichkeit genau dem Ruheort des angeborenen menschlichen Durstes nach Vervollkommnung entspricht.

Die Vernunft – das Fundament der weltweiten Regierung Imam Mahdis (a.s.)

Einer der Faktoren, ohne den die Rückkehr Imam Mahdis (a.s.) grundsätzlich nicht stattfinden kann, ist die Vernunft. Dieses sehr wichtige schöpferische Geschenk, das Gott der Erhabene im Menschen hinterlassen hat, ist ebenfalls der wichtigste Faktor für die Beschleunigung der Rückkehr des Imams der Zeit. Und es ist im Allgemeinen so, dass jede Glückseligkeit oder jeder Sieg, den der Mensch erlangt, mit Rücksicht auf diesen grundlegenden Faktor der Vernunft im Menschen erlangt wird.

Der Mensch war von Beginn der Schöpfung an mit Verstand und Denkvermögen ausgestattet, was genau das ist, was ihn vor den übrigen Geschöpfen auszeichnet. Im Vergleich zu vielen anderen Religionen ist der Islam die Religion, die dem Verstand und dem Nachdenken den größten Wert beimisst. Deshalb sieht der Islam, insbesondere das Schiitentum, die Grundlage aller Lebenseinstellungen und Gedanken eines Menschen basierend auf Vernunft und Verstand.

Der Prophet (s.a.s.) sprach:   لا دینَ لِمَن لا عَقلَ لَه

„Derjenige, der keinen Verstand hat, der hat auch keine Religion.“[5]

Aus diesem Blickwinkel ist der Verstand, weil er das einzige Mittel ist, um die Realität zu erfassen, genau das, was es dem Menschen ermöglicht, Gott zu erkennen, seinen Propheten zu finden und der Wahrheit zu folgen. Und es ist eben dieser Verstand, der dem Menschen sagt, dass er das beste Leben führen soll anstatt sich unterdrücken zu lassen und sich für den Dienst am Menschen und dessen Rechtleitung anstrengen soll. Resultierend kann gesagt werden, dass der Verstand der beste Führer des Menschen zur Vollkommenheit und zum Glück ist, weil er ihn von Gemeinheit und Schändlichkeiten fernhält. Der Grund hierfür ist, dass mit eben diesem Verstand begriffen wird, dass Lüge und Unterdrückung, die Beschneidung des Rechts eines anderen beschneiden, Diebstahl etc. schlecht sind und vermieden werden müssen.

Dies ist genau der Inhalt der berühmten Überlieferung, in der Imam Sadiq (a.s.) sprach:

العَقلُ ما عُبدَ به الرَّحمنُ وَ اکتُسِبَ به الجِنان

„Der Verstand ist das, was zur Dienerschaft des Barmherzigen führt und ist eine der Ursachen für das Erreichen einer paradiesischen Stufe.“[6]

Auf der anderen Seite ist der Verstand die einzige Gemeinsamkeit, deren Norm und Grundlage bei allen Menschen gleich ist. Egal welcher Denkschule oder Religion man angehört, jeder kann auf Grundlage des Verstandes mit anderen kommunizieren und sich austauschen. Der Verstand ist eine wichtige Grundlage für die globale Verständigung der Menschen und für eine gemeinsame Zielsetzung in den menschlichen Wissenschaften.

Ohne Zweifel ist das heutige Anwachsen des Wissens ein Produkt und Resultat der zahlreichen Intellekte, die dem Menschen zu Diensten stehen. Obgleich diese Aneignung von Wissen durch den Menschen zu einer Erhöhung desselben geführt hat, derselbe Verstand ebenfalls als Werkzeug zur Unterdrückung und Erniedrigung genutzt werden. Deshalb ist die heutige Unterdrückung komplizierter und gefährlicher als die Unterdrückung der Vergangenheit geworden. Gleichzeitig hat der Verstand es ebenfalls geschafft, ernstere und kompliziertere Wege zu konstruieren, um jeglicher Habgier entgegenzuwirken. Hieraus kann gefolgert werden, dass für die Verteidigung der Wahrheit und Gerechtigkeit es heute notwendig ist, dass Meinungen und Überzeugungen durch den Einsatz des Verstandes, mittels Planung und auf Basis des Vernunftes geschehen.

Tatsächlich kann gesagt werden, dass der Kampf zwischen Wahrheit und Falschheit auf der Welt kein Kampf der Intellekte ist, sondern ein Kampf zwischen den Begierden und der Veranlagung des Menschen. Andernfalls versuchen beide Seiten die Gedanken und Ideen zu ihrem eigenen Profit zu nutzen. Auf dieser Grundlage ist der Mensch sowohl auf der Suche nach Macht als auch auf der Suche nach Vollkommenheit und das einzige Werkzeug hierfür ist sein Verstand und sein Nachdenken. Es kann gefolgert werden, dass es der Verstand ist, der die grundlegenden Rahmenbedingungen für die Rückkehr des Imam Mahdi (a.s.) schafft.

Vielleicht ist diese Erklärung so zu verstehen, dass der Verstand des Menschen durch Imam Mahdi (a.s.) vervollkommnet oder geschärft wird, wenn der Imam der Zeit zurückkehrt. Insgesamt kann gesagt werden, dass die Grundlage der Regierung des Imams auf dem Verstand basiert, weil es ohne den Verstand nicht möglich ist, alle Menschen mit all ihren Unterschieden zu vereinigen. Denn die einzige gemeinsame Grundlage in Bezug auf die Gedanken der Verstand.

[1] Usul Al-Kafi, B. 1, S. 25.

[2] Bihar-ul-Anwar, B. 51, S. 75.

[3] Tuhaf Al-Uqul, S. 416.

[4] Mustadrak Al- wasa’il, B. 3, S. 356.

[5] Tuhaf Al-Uqul, S. 54.

[6] Elal Ul-Scharaye, S. 223