Eine philosophische Betrachtung der Definition von Freiheit

Hudschat-ul-Islam Seyed Masoud Masoumi

Obwohl die Diskussionen über die Freiheit langwierige Wurzeln besitzen, bedarf es bei der philosophischen Betrachtung weiterer Untersuchungen. In diesem Artikel wird mit einer philosophischen Betrachtung der Freiheit versucht, eine neue Atmosphäre für die verehrten Leser zu bewirken.

Wie definiert sich Freiheit? Welche Grundlage besitzt die Freiheit? Welche Beziehung herrscht zwischen der Kontrolle und der Freiheit? Kann man behaupten, dass eine Denkschule mit einer geringeren Anzahl an Regeln, Bestimmungen und Verboten im Gegensatz zu einer Denkschule mit einer höheren Zahl an Ritualen und Gesetzen die Freiheit eher unterstützt? In diesem Artikel wird versucht, auf genau diese Fragen einzugehen.

Vorwort

Man muss beachten, dass sich die Freiheit nicht über die Freiheit in ihrer Entstehung oder die Entscheidungsmacht über die Durchführung oder Abkehr von einer Handlung definiert. Die Ungezwungenheit des Menschen oder sein Genuss der Eigenständigkeit und Entscheidungsmacht zählen zu den angeborenen Privilegien des Menschen. Es ist auch unbestreitbar, dass man dem Menschen diese Privilegien nicht rauben kann. Aus diesem Grund hinterfragt man bei der Diskussion um die Freiheit nicht die Entscheidungsmacht; der Mensch verfügt nämlich immer und unter allen Umständen über seine Entscheidungsmacht, die von keiner Person begrenzt werden kann; auch wenn ein Mensch zu einer Aufgabe gezwungen wird, behält er immer noch seine Entscheidungsmacht über die Durchführung oder Abkehr von der Handlung. Es ist erwähnenswert, dass die Freiheit aus Veranlagung in den vielen Diskussionen der unterschiedlichen Denkschulen bezüglich der Freiheit nicht explizit angesprochen wird.

Außerdem definiert sich die Freiheit auch nicht über die Durchführung körperlicher Begierde oder Abkehr von dieser. Diesbezüglich weisen alle Lebewesen aufgrund ihrer natürlichen Bedürfnisse bestimmte Vorlieben und Verhaltenszüge auf. Beispielsweise saugt ein Baby an der Brust seiner Mutter, wobei ihm dies niemand vorschreibt und man bei diesem Verhalten seitens des Babys auch nicht von Freiheit sprechen kann. Folglich zählt die Befriedigung einiger natürlicher Bedürfnisse des Tieres und des Menschen, wie beispielsweise das Verlangen nach Nahrungsaufnahme oder das Gefühl der Verteidigung gegenüber Gefahren oder die Zuneigung zum eigenen Kind und anderes niemals zur Freiheit. Des Weiteren gehören alle natürlichen Handlungen, wie beispielsweise das Herabfließen des Wassers von einer Erhöhung, das Wehen des Windes und die Bewegung der Laubblätter nicht zur Freiheit. Hierüber berichtet John Locke detailliert, wobei er den Verstand und den Willen zu den Voraussetzungen der Freiheitsdefinition zählt und aus diesem Grund Handlungen, die jenseits des Verstandes, der Intention und des Willens liegen, aus der Diskussion über Freiheit ausschließt. Nichtsdestotrotz schließt er auch alle natürlichen Handlungen aus der Diskussion über Freiheit aus.

Die Bedeutung von Freiheit

Um die Bedeutung von Freiheit verstehen zu können, ist es zunächst wichtig, die Vorstufen der Durchführung einer Handlung zu analysieren. Bevor ein Mensch zu einer Handlung greift oder von dieser ablässt, durchläuft er einige Stufen. Zuerst stellt er sich die Handlung vor und anschließend deren Folgen und Einflüsse. Falls ihm die Handlung und deren Konsequenzen recht sind, findet er Freude daran, diese durchzuführen. Manchmal jedoch stellt der Mensch sich Konsequenzen und Eigenschaften vor und malt sich dann diejenige Handlung aus, welche zu der gewünschten Folge führt und weckt sein Interesse für die Durchführung dieser Handlung, um sein Ziel zu erlangen. Auf jeden Fall malt sich ein Mensch je nach Interesse an der Durchführung einer Handlung Hindernisse und Probleme aus, die diese mit sich brächte. Falls er hierbei ein Hindernis für die Durchführung der Handlung sieht, könnte es sein, dass er von dieser aufgrund des Hindernisses absieht, obwohl er ein Interesse daran hat.

Bei diesen Hindernissen handelt es sich manchmal um natürliche Hindernisse, wie beispielsweise um einen Menschen, der sich vorstellt zu fliegen. Er malt sich gleichzeitig dessen Konsequenzen aus und empfindet alles als passend. Nach der Betrachtung existierender Hindernisse, wie beispielsweise der fehlenden Fähigkeit zum Fliegen oder des eigenen, hohes Gewichts und der Schwerkraft sowie weiterer Faktoren weicht er von seinem Entschluss ab und die Vorstellung des Fliegens verbleibt in der Interessenphase.

Manchmal existieren diese Hindernisse aufgrund der notwendigen Durchführung von Handlungen, die dem Menschen schwierig oder ungünstig erscheinen. In diesem Fall wird der Mensch aufgrund genau dieser Schwierigkeit oder Hemmung von der Durchführung der Handlung absehen, obwohl er im Stande wäre, die ersten Schritte einzuleiten und die Hindernisse zu beheben.

Im zweiten Fall, bei dem das Hindernis in der Durchführung einer schwierigen und ungünstigen Handlung liegt, steht die Person eigentlich zwischen zwei Kontroversen. Die erste betrifft die die Abkehr von der Handlung und deren Genuss aufgrund der Abneigung vor Schwierigkeits- und Leidenserfahrungen und deren Duldung, die andere die Überwindung der Schwierigkeiten und Einleitung notwendiger Schritte zur Erlangung der gewünschten Handlung. Die Entscheidung, welcher Weg eingeschlagen wird, hängt von dem Interesse der Person für die Handlung ab im Verhältnis zur Tolerierung von deren anfänglichen Problemen. Der Mensch wird einen Weg bevorzugen und aussuchen. Eigentlich bevorzugt der Mensch bei der Entscheidung über die Durchführung oder Abkehr von einer Handlung eine Vorliebe im Gegensatz zu einer anderen und das Ergebnis dieser Bevorzugung ist die Handlung oder die Abwendung von dieser. In dieser Phase, bei der ein Mensch über die jeweiligen Wege entscheiden kann, spricht man noch nicht von Freiheit, sondern von Entscheidungsmacht. Manchmal entscheidet der Mensch jedoch aufgrund seiner Bedürfnisse über die Durchführung oder Abwendung von einer Handlung. Daher kann der Mensch manchmal aufgrund seiner Bedürfnisse und manchmal aufgrund seines Verstandes und seinen Intellekts seine Entscheidung fällen.

Hierbei ist es notwendig, ein weiteres Beispiel zu erwähnen, um alles verdeutlichen zu können. Wenn ein Mensch sich vorstellt, in eine schöne Stadt zu gehen und in der darauffolgenden Stufe die Hindernisse untersucht und zu dem Entschluss kommt, dass er einen Weg durchlaufen muss, um diese Stadt zu erreichen, steht dieses «Muss» keinesfalls in Kontrast zu seiner Entscheidungsmacht. Diese Beziehung (das Erreichen der Stadt und das Passieren des Weges) gehört nämlich zu den natürlichen Dingen und deren Unabdingbarkeit ist schließlich kein Zwang. Daher kann man nicht behaupten, dass der Mensch gezwungen ist, den Weg zu passieren, um diese Stadt zu erreichen.

Dies bedeutet, dass auf natürliche Weise zwischen dem Aufenthalt in der Stadt und dem Passieren des Weges ebenso wie bei Ursache und Wirkung ein Zusammenhang besteht. Dieser Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ist ein Teil unserer Schöpfung und der Mensch sieht sich darin schließlich nicht gefangen. Wird einer Person nämlich gesagt, dass sie zum Erreichen einer beliebigen Stadt einen Weg passieren soll, fühlt sie sich in ihrer Freiheit nicht bedrängt und auch nicht dazu gezwungen, einleitende Schritte zu tätigen. Ansonsten müsste man weltweit Zwang befürworten, da auch weltweit eine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung vorhanden ist. Aber das «Muss» zwischen Bedingung und Notwendigkeit gehört in Wirklichkeit zu den natürlichen Dingen. Es wird nämlich niemals behauptet, dass das Herabfließen des Wassers von einer Erhöhung erzwungen ist und das Wasser somit gezwungen wird herabzufließen. Daraus folgt, dass jegliche Art veranlagter Zwänge auf der Welt niemals für das Fehlen der Freiheit steht. Ein Mensch kann nämlich nicht verlangen frei zu sein, um mit dem Trinken von Wasser durstig zu werden, anstatt seinen Durst zu stillen. Hierbei hat die Freiheit keine Bedeutung; das Trinken von Wasser verfolgt nämlich das Ziel, den Durst zu stillen und man kann nicht erwarten, mit der Durchführung einer Ursache keine Wirkung zu erlangen.

Diese Art von Zusammenhängen existiert auch in einigen rationalen Zusammensetzungen. Wenn man die Ansätze akzeptiert, dass „Sokrates ein Mensch ist“ und „alle Menschen sterben werden“, folgt aus der logischen Annahme dieser beiden Ansätze, dass auch Sokrates stirbt. Dies bedeutet, dass eine logische Beziehung zwischen den beiden Ansätzen und dieser Schlussfolgerung herrscht, sodass jeder Mensch mit der Zustimmung dieser beiden Ansätze die Schlussfolgerung unbedingt akzeptieren muss. Also kann kein Mensch behaupten, dass er beide Annahmen akzeptiert, aber frei ist und den Schluss ziehen möchte, dass „Sokrates nicht sterben wird“, obwohl beide Annahmen stimmen.

All diese Beispiele dienen dazu aufzuzeigen, dass der Mensch beim Vergleich von zwei Dingen, zwischen welchen eine logische oder veranlagte Beziehung herrscht, diese annimmt und sich niemals seiner Freiheit beraubt fühlt, wenn er sie für verbindlich hält. Solche Beziehungen können eigentlich weder gefälscht noch aufgelöst werden. Wenn sich ein Mensch also eine Handlung vorstellt, malt er sich augenblicklich danach die logischen und natürlichen Beziehungen dazu aus und erkennt diese. Schließlich steht er zwischen zwei Interessen. Zum Einen das Interesse an der Durchführung dieser Handlung und schließlich die Duldung von deren Beziehungen (logisch oder auch veranlagt) oder zum Anderen das fehlende Interesse an der Durchführung der Handlung und der Duldung ihrer Beziehungen. Es ist aber offensichtlich, dass die fehlende Duldung der Beziehungen selbst mit einem anderen Interesse in Verbindung steht. Wenn man also den Schmerz und die Schwierigkeiten des Passierens zwecks Erreichens der Stadt meidet, bevorzugt man eigentlich das Interesse an Bequemlichkeit und Ruhe. Dies umfasst die Bedeutung jenes Satzes, der besagt, dass der Mensch bei der Durchführung oder Abkehr von einer Handlung gleichzeitig ein Interesse einem anderen Interesse vorzieht, nämlich dem Interesse, das für deren Durchführung oder Abkehr notwendig erscheint.

In jedem Fall empfindet der Mensch nach der Bevorzugung der Handlung ein höheres Interesse daran, da er sie als angemessen erachtet und keine bedeutenden Hindernisse auf seinem Weg sieht, die ihn daran hindern könnten. Schließlich fühlt er sich seinem Ziel näher. Wissenschaftler bezeichnen diese Phase als emphatische Begeisterung, woraus der Wunsch, der Wille und die Bewegung des Menschen in Richtung der Handlung folgen. Während dieses Prozesses, d.h. der Vorstellung der Handlung, der Vorstellung der Hindernisse und deren Betrachtung im Gegensatz zu anderen Interessen, der Bevorzugung eines Interesses, dem Wunsch und dem Wille zur Handlung oder deren Abkehr, kann man noch nicht über Freiheit diskutieren.

Wann diskutiert man über Freiheit?

Nach der bisherigen Betrachtung kann man zunächst einmal feststellen, dass man bei den natürlichen und veranlagten und auch logischen Beziehungen zwischen Dingen, Verhaltensmustern oder auch Interessen nicht über Freiheit diskutieren kann. Außerdem wurde klar, dass die Beziehung zwischen der Existenz von Freiheit und deren Fehlen keine inkonsequente Beziehung darstellt, sondern eine Beziehung zwischen Begabung und fehlender Begabung aufzeigt, da viele Handlungen, wie beispielsweise natürliche Bewegungen oder unbewusste Handlungen weder die Eigenschaften der Freiheit noch ihr Fehlen festlegen.

Hierbei muss nur noch verdeutlicht werden, ob die Freiheit eine Begabung darstellt und dem gegenüber eine fehlende Begabung steht oder ob sie selbst ein Nichtsein darstellt, dem eine Existenz gegenüber steht? Mit anderen Worten stellt sich die Frage, was genau fehlt, wenn keine Freiheit herrscht. Fehlt eine existentielle oder absente Begebenheit?

Offensichtlich existiert bei der „fehlenden Freiheit“ eine Art „Zwang“, welche die Menschen als erforderlich erachten, sodass sie sich schließlich nicht als frei fühlen können. Hieraus kann man folgern, dass das Konzept der Freiheit eine fehlende Verpflichtung zwischen zwei Begebenheiten impliziert; Im Konzept der Freiheit ist die Zwanglosigkeit und Ungebundenheit inbegriffen.

Schließlich handelt es sich beim Freiheitskonzept um eine absente Begebenheit, dem eine existentielle Begebenheit gegenübersteht. Obwohl sich die Wissenschaftler bei der Bedeutung von Freiheit nicht einig sind, ist es bemerkenswert, dass sie beim Fehlen der Freiheit eine erstaunliche Einigung gefunden haben. Diese besteht darin, dass der Mensch beim Fehlen der Freiheit dazu gezwungen ist, eine Beziehung beachten zu müssen. An genau diesen Punkt kann man also an das Freiheitskonzept und deren Bedeutung anknüpfen.

Da nun verdeutlicht wurde, dass im Konzept der Freiheitsabsenz eine Art Beziehung und «Muss» herrscht, kann man behaupten, dass es sich hierbei um eine logische oder natürliche Beziehung oder manchmal auch um eine übertragene Beziehung handelt. Aufgrund ihrer Macht gibt manchmal eine mächtige Gewalt zwischen einer Handlung oder ihrer Abkehr und Dingen, die logisch oder veranlagt nicht erforderlich sind, eine Verbindung vor, sodass die Menschen mit der Wahl von Beziehungen konfrontiert werden, zu der sie von Natur aus nicht gezwungen sind.

Wenn man beispielsweise eine Gefängnisstrafe auf Diebstahl ansetzt, führt die Exekutive eigentlich eine Beziehung zwischen der Diebstahlshandlung und dem Gefängnis ein, sodass sich ein Mensch bei der Vorstellung seines Diebstahldelikts abgesehen von den veranlagten Beziehungen auch die übertragenen Verbindungen ausmalt und aufgrund dieser Tatsache vielleicht von der Durchführung der Handlung absieht. Er steht nämlich zwischen der Akzeptanz von zwei Interessen: einerseits den Vorteilen des Diebstahls und dem daraus folgenden Gefängnisaufenthalt sowie der Abkehr vom Diebstahl ohne Freiheitsentzug. Wenn die Exekutive nicht eine solche Macht oder Verbindung vorgegebewn und mithilfe juristischer Mittel nicht ein solches Gesetz verabschiedet hätte, würde der Mensch offensichtlich keinerlei Verbindung zwischen seiner Handlung und dem Gefängnis sehen und die Gefängnisstrafe bei seinem Entschluss über die Handlung oder deren Abkehr schließlich nicht mit einbeziehen. Diese Tatsache trifft auf alle Gesetze zu; die eigentliche Bedeutung aller Gesetze besteht darin, dass ein Herrschaftssystem mittels Machtnutzung eine Verbindung zwischen einigen Verhaltenszügen herstellt und dadurch die Menschen in ihrer Wahl zwischen einer Handlung oder deren Abkehr beeinflusst.

Das Bewusstsein über dieses Gesetz und deren sichere Anwendung führen dazu, dass sich der Mensch in Bezug auf seiner Wahl zwischen einer Handlung und deren Abkehr seiner Freiheit beraubt fühlt. Obwohl nämlich eigentlich keine wahre Verbindung zwischen der Handlung und der gesetzlichen Bestrafung existiert, hat das Herrschaftssystem eine übertragene Beziehung hervorgerufen, sodass der Mensch sich dessen bewusst ist, das er bei gesetzeswidriger Handlung Konsequenzen davon tragen wird. Wenn seitens des Herrschaftssystems Verbindungen zwischen Dingen eingeführt werden, zwischen denen normalerweise keine natürliche und wahre Beziehung existiert, kann man behaupten, dass dem Menschen die Freiheit aberkannt wird. (Hierbei muss unbedingt beachtet werden, dass dem Menschen die Entscheidungsmacht niemals aberkannt wird, sodass ein Mensch immer selbst die Wahl darüber trifft, ob er eine Handlung durchführt und deren Konsequenzen akzeptiert oder nicht.)

Andererseits bauen die Gesetzgeber normalerweise eine Verbindung zwischen Handlungen und Dingen auf, deren Konsequenzen von den Menschen normalerweise nicht akzeptiert werden und die sie nur aufgrund von Gesetzen tun. Wenn die Gesetzgeber jedoch eine Verbindung zwischen einer Handlung und etwas anderem aufbauen, bei dem die Menschen dem Gesetz leicht trotzen können und Konsequenzen auf sich nehmen, werden diese Gesetze daher nicht als abschreckend angesehen. Ein Beispiel wäre eine sehr niedrig angesetzte Bußgeldstrafe für Verkehrswidrigkeiten.

An diesem Punkt haben wir uns in einem ersten Schritt der Freiheitsbedeutung und Tatsache genähert, dass die Freiheit gleichzeitig das Fehlen einer übertragenen Beziehung darstellt, welche die mächtige Gewalt zwischen Handlungen und Begebenheiten aufgestellt hat. Vollkommene Freiheit bedeutet also keinerlei übertragene Verbindungen seitens der mächtigen Gewalt zwischen den menschlichen Handlungen und anderen Begebenheiten. Vollkommene Freiheit führt dazu, dass der Mensch innerhalb seines logischen und natürlichen Beziehungsrahmens frei zwischen einer Handlung und der Abkehr von derselben wählen kann. Aus den bisherigen Annahmen kann man folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Die Freiheit existiert nur für die Menschen und bezieht sich nicht auf andere Lebewesen, außer auf erdachte Weise.
  2. Die Freiheit ist eine absente Begebenheit.
  3. In der Phase, in der die Freiheit noch erdacht und aufgesetzt wird, kann man sie durchaus gestalten; daher ist die Existenz oder Absenz der Freiheit nicht von Belang, wenn keine Übertragung vorherrscht.
  4. Das Konzept, welches der Freiheit gegenüber steht, ist ein existentielles Konzept; daher steht die Freiheit für fehlende Begabung.

Die Basis der Freiheitsforderung

Alle Philosophen und Wissenschaftler sind einstimmig der Meinung, dass keine einheitliche Definition des Freiheitskonzepts existiert. Wenn man Menschen, die Freiheit fordern, befragt, welche Definition der Freiheit sie sich vorstellen, erhält man selten übereinstimmende Antworten, obwohl alle Menschen die Freiheit lieben und sie zudem fordern. Zumindest sind sich alle über die Forderung von Freiheit einig. Aus diesen zwei Aussagen kann man schließen, dass alle Menschen bei der Freiheit nach einem gewünschten gemeinsamen Ereignis suchen, obwohl sie unterschiedliche Konzepte davon definieren. Eine genauere Betrachtung dieses gemeinsamen Ereignisses kann zu einer deutlicheren Freiheitsdefinition führen.

Epikur und einige andere Philosophen sehen die Wurzel aller menschlichen Forderungen in der Vergnügungslust des Menschen und sind der Auffassung, dass der Mensch alles fordert, dass ihm Vergnügen bereitet. All die Dinge, die der Mensch auf jegliche Art fordert, tragen zu seiner Vergnügungslust bei. Daher besteht der gemeinsame Nenner aller Menschen bei der Freiheitsforderung in deren Vergnügungslust. Mit der Forderung der Freiheit fordern die Menschen eigentlich mehr Vergnügen; daher fordern es auch alle Menschen.

Eine andere Gruppe von Philosophen sieht die Wurzel der menschlichen Forderungen im Perfektionismus und ist der Auffassung, dass der Mensch alles fordert, um Vollkommenheit zu erlangen. Schließlich fordert der Mensch all das, was ihm zur Vollkommenheit verhelfen kann. Aufgrund dieser Sichtweise gehört die Vergnügungslust auch zu einer Art Perfektionismus des Menschen. Beim gemeinsamen Nenner der Freiheitsforderung aller Menschen handelt es sich also um deren Vollkommenheit.

Menschen, welche die Freiheit als ein Ziel ansehen, betrachten sie eigentlich als deren Vollkommenheit und stoßen unter den Menschen, welche die Freiheit als Mittel zum Zweck sehen, nicht unbedingt auf Ablehnung. Diese Personen sehen die Freiheit nämlich als Mittel an und sind der Auffassung, dass die Freiheit selbst kein Ziel ist, sondern dem Menschen zur Vollkommenheit verhelfen kann. Also stellt die Vollkommenheit das Ziel dar und die Freiheit den Weg zum Ziel. Auf diese Weise gibt es keinen Unterschied zwischen den zwei Annahmen. Wenn man nämlich die Freiheit an sich ungeachtet ihrer Auswirkungen als Ziel bestimmt, entsteht zwischen den zwei Ansichten ein bedeutender Unterscheid.

Ich möchte auf diesem Gebiet keinesfalls auf eine genauere Beobachtung und Anerkennung einer Annahme oder deren Bevorzugung eingehen. Nichtsdestotrotz ist eine Untersuchung dieser Annahmen zu einem geeigneten Zeitpunkt sehr wichtig und auch notwendig. Gleichzeitig bin ich hier gezwungen ungeachtet der Unstimmigkeiten unter Wissenschaftlern über die Freiheitsdefinition und ungeachtet dessen, ob die Freiheit ein Ziel oder ein Mittel zum Zweck darstellt, ein allgemeines Konzept formulieren, das von allen gefordert wird. Bei diesem Konzept handelt es sich um die Tatsache, dass die Menschen bei ihren Forderungen, unter anderem auch der nach Freiheit, mehr Vorteile fordern. Wenn ein Mensch also Freiheit fordert, verlangt er eigentlich mehr Möglichkeiten, um mehr Vorteile zu erlangen.

Hierbei macht es keinen Unterschied, ob die Forderung aufgrund von Vergnügungslust oder Perfektion gestellt wird. Wenn es keinerlei unlogische oder unnatürliche Verbindungen zwischen einer Handlung und der Abkehr von dieser gibt, kann der Mensch die freie Entscheidung über Durchführung oder Abkehr von der Handlung mithilfe seines Interesses treffen und schließlich Vorteile aus seiner eigenen Entscheidung ziehen. Wenn man eine solche Person durch Gesetze oder auf irgend eine andere Art von übertragenen Beziehungen an der freien Entscheidung hindert, fühlt sie sich der Erlangung weiterer Möglichkeiten und Vorteile beraubt und flüchtet schließlich davor. Offensichtlich stellt die Einschränkung eines Menschen eine Unannehmlichkeit für ihn dar. Er sieht in dieser Einschränkung nämlich eine Begrenzung seiner Vorteile, was zu einem Desinteresse führt. Da er die Freiheit und die fehlende Begrenzung als Möglichkeit für weitere Vorteile sieht, fordert er sie schließlich auch ein.

Man kann also zusammenfassend feststellen, dass die Menschen ungeachtet ihrer persönlichen Freiheitsdeutung und ungeachtet der Tatsache, dass sie geschützt von dieser Freiheit Vergnügen oder Vollkommenheit erlangen, stets weitere Vorteile fordern, was alle Menschen aufgrund ihrer gemeinsamen Forderung trotz ihrer Unstimmigkeiten bezüglich der Freiheitsdefinition zusammenschweißt.

Jeder Faktor, der dem Menschen im Gegensatz zu seiner Vergangenheit mehr Vorteile einbringen kann, schenkt ihm letztendlich mehr Freiheit. Er kann auch zur Zunahme von Möglichkeiten führen, sodass der Mensch seine Entscheidungsmacht in vielen Fällen anwenden kann. Oder aber er entfernt sogar Hindernisse auf dem Entscheidungsweg des Menschen.

Daraus folgt, dass dem Menschen eine Wissenserweiterung dazu verhelfen kann, neue Möglichkeiten zu entdecken und dadurch im Gegensatz zu seiner Vergangenheit mehr Vorteile aus der Anwendung seines Willens zu erhaschen. Aus diesem Grund existiert die Annahme, dass mehr Wissen dem Menschen auch mehr Freiheit ermöglichen kann. Auch deshalb erhebt Platon bei der Definition der Freiheit das Element der Weisheit. Er sagt „Wenn sich die Weisheit zu deiner Rechten und die Ehrlichkeit zu deiner Linken befindet, wirst du immer sicher und frei sein.“

Andererseits wird klar, dass alle Dinge, die einen Menschen an Vorteilsaneignung hindern, ihn eigentlich gleichermaßen fesseln. Daher wird im juristischen Rahmen jedes Gesetz, das einem Menschen die Möglichkeit zur Produktivität nimmt, als diktatorisch erachtet, auch wenn es sich um ein Gesetz handelt. Des Weiteren kann man behaupten, dass auch Unwissenheit zu den Faktoren gehört, mittels denen ein Mensch an dem Bewusstsein über weitere Möglichkeiten gehemmt und schließlich seiner Aneignung weiterer Vorteile beraubt wird. Aus diesem Grund zählt Unwissenheit zu einem der menschlichen Gefängnisse.

Sokrates hat hierzu folgende wunderschöne Aussage geäußert: „Freiheit bedeutet, dass der Mensch nicht von Unwissenheit beherrscht wird und er Dinge durchführt, bei denen er nicht auf Weisheit angewiesen ist.“[1]

Die Darlegung zweier Gesetze

Da nun verdeutlicht wurde, dass die Freiheit von allen Menschen gewünscht wird, sofern sie immer auf der Suche nach weiteren Vorteilen sind, gewinnt die Beantwortung folgender zwei Fragen über die Erkenntnis des Freiheitskonzepts an Bedeutung:

  1. Stellen alle Einschränkungen seitens der Unwissenheit über die veranlagte Beziehung zwischen zwei Dingen eine fehlende Produktivität dar?
  2. Führt jegliche fehlende Einschränkung (Freiheit) automatisch zu mehr Vorteilen?

Erstes Gesetz:

Zur Beantwortung der ersten Frage kann man sagen, dass nicht alle Einschränkungen seitens der Unwissenheit über veranlagte Beziehungen zwischen zwei Dingen (wie beispielsweise Einschränkungen mittels Gesetzen) zu fehlenden Vorteilen für den Menschen führen; einige Einschränkungen (wie Gesetze) stellen nämlich nicht nur Entbehrungen dar, sondern erweitern die Vorteile und ermöglichen eine Steigerung der Entscheidungsoptionen und der Anwendung des menschlichen Willens. Als Beispiel hierfür kann man auf die Verkehrsgesetze hinweisen. Der Gesetzgeber hat nämlich eine Beziehung zwischen der Überquerung der Straße bei roter Ampel und der Bußgeldstrafe aufgestellt. Der Mensch erreicht eigentlich bei der Entscheidung über das Überqueren einer Kreuzung eine veranlagte Beziehung (Gesetz).

Auf den ersten Blick scheint dies als eine Einschränkung und der Mensch hat das Gefühl, dass seine Freiheit hier eingeschränkt wurde. Dies führt jedoch dazu, dass er wie auch die anderen mehr Vorteile aus dem Verkehr ziehen können und schließlich weitere Räume und Möglichkeiten für Vorteile geschaffen werden. Aus diesem Grund stellt zwar das Verbot einer Überquerung bei rotem Licht eine Einschränkung dar, jedoch keine Entbehrung. Diese Einschränkung führt nämlich zu weiteren Vorteilen und schließlich mehr Freiheit.

Um alles verdeutlichen zu können, wäre ein weiteres Beispiel angebracht. Man kann sich vorstellen, dass einer Person der Genuss von Butter gefällt und diese jeden Morgen 150 g Butter zu sich nimmt. Die Medizin rät ihm jedoch davon ab, diese Menge zu sich zu nehmen und eröffnet ihm, dass er bei Fortführung dieser Gewohnheit nicht länger als 40 Jahre leben und schließlich aufgrund von hohen Cholesterin-Werten viele Jahre seines Lebens verlieren würde. Die Begrenzung des Buttergenusses bei diesem Beispiel scheint die Person zwar einzuschränken, wodurch sie sich in ihrer Ernährung nicht frei fühlt; diese Einschränkung steht aber für weitere Vorteile, weil sie weitere Jahre leben kann, sodass sich unendliche Entscheidungsoptionen und dadurch weitere Vorteile für sie eröffnen. Daraus schließt man, dass diese Einschränkung keine Entbehrung darstellt und sogar eigentlich zu vielen weiteren Vorteilen führen wird.

Mit diesen zwei Beispielen, bei denen es sich einmal um eine veranlagte und einmal um eine natürliche Begebenheit handelt, wird klar, dass nicht jede Einschränkung zu fehlender Produktivität führt. Somit kann man das erste Gesetz folgendermaßen formulieren: „Nicht jede Einschränkung, ob natürlich, logisch oder veranlagt, muss zwingend von fehlenden Vorteilen begleitet werden.“ Es ist jedoch deutlich, dass sich dieses Gesetz nur auf die Ableugnung der Beziehung zwischen Einschränkung und Entbehrung bezieht. Fälschlicherweise werden aber viele Einschränkungen fingiert, die schließlich zu fehlenden Vorteilen des Menschen führen.

Zweites Gesetz:

Im Gegensatz zu anfänglichen Annahmen kann man behaupten, dass jede Freiheit und das fehlende Fingieren veranlagter Beziehungen zwischen zwei Dingen (Gesetz) nicht immer zu weiteren Vorteilen führen muss. Zur näheren Deutung dieser Regelung kann man auch auf die vorangegangenen beiden Beispiele verweisen. Den Mangel an Gesetzen bezeichnet man dann als Freiheit. Wenn man also an der Kreuzung jegliche freie Bewegungen aller Autos zulässt und keinerlei Gesetze vorschreibt, scheint die Freiheit zwar gesichert, sie ermöglicht den Menschen jedoch keineswegs Vorteile, sondern raubt ihnen sogar viele Möglichkeiten, sodass der Mensch keine Vorteile daraus ziehen kann. Diese Tatsache kann man auch beim zweiten Beispiel anwenden. Zwar scheint die hohe Zunahme an Butter dem Menschen keine Einschränkung darzustellen, führt aber zum Verlust unzähliger Möglichkeiten der Anwendung seines Willens und schließlich zu fehlenden Vorteilen.

Man kann also aufgrund der vorausgehenden Beispiele folgendes zweites Gesetz formulieren: „Nicht jede Freiheit führt zu weiteren Vorteilen.“ Sozusagen besteht keine Beziehung zwischen der Freiheit (oder fehlendes Fingieren veranlagter Beziehungen zwischen zwei Begebenheiten) und der Aneignung weiterer Vorteile. Nichtsdestotrotz existieren viele Freiheiten, die einen Nutzen mit sich bringen.

Schlussfolgerung

Aus der vorangehenden Betrachtung kann man folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Wenn man akzeptiert, dass fehlende Freiheit, also das Fingieren veranlagter Beziehungen zwischen zwei Begebenheiten seitens der Machthaber schließlich als Freiheit in der Ausgangsphase zum Mangel an fingierten Beziehungen zwischen zwei Begebenheiten gedeutet wird und dass die Grundlage der Freiheitsforderung der Menschen vom Genuss weiterer Vorteile geprägt ist und dass nicht jede Freiheit Vorteile mit sich bringt und nicht jedes Fehlen der Freiheit gleichzeitig ein Fehlen der Vorteile bedeutet, kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass sich die Freiheit folgendermaßen definieren lässt: „Freiheit ist das mangelnde Fingieren veranlagter Beziehungen zwischen zwei Dingen, die den Genuss weiterer Vorteile als Folge hat“ und das Fehlen der Freiheit definiert sich folgendermaßen: „das Fingieren einer veranlagten Beziehung zwischen zwei Dingen, die den Mangel an Vorteilen als Folge hat.“
  1. Nach diesen Erklärungen wird deutlich, dass die Anzahl von Gesetzen einer Denkschule keinesfalls den Freiheitsgehalt innerhalb dieser Denkschule widerspiegelt, sondern eher der höhere Nutzen und die Ermöglichung weiterer Nutzungsmöglichkeiten als Kriterium für die Freiheitsforderung einer Denkschule angesehen werden können als die Anzahl der Gesetze.

Mit anderen Worten sollte man zur Beantwortung der Frage, ob eine Denkschule eher einen Faktor für die Freiheit darstellt als eine andere, nicht die Anzahl der Gesetze dieser Denkschule betrachten und man sollte auch nicht annehmen, dass die Denkschule mit einer niedrigeren Gesetzesanzahl die Freiheit eher vertritt. Also impliziert eine Minimalzahl von Gesetzen einer Denkschule keineswegs deren höhere Freiheitsforderung, ebenso wie eine höhere Gesetzesanzahl innerhalb einer Denkschule ihrerseits nicht die fehlende Unterstützung der Freiheit impliziert. Es gibt nämlich viele Freiheiten, die einen wahren Mangel von Vorteilen für die Menschen hervorrufen.

Ebenso existieren viele Denkschulen mit unzähligen Gesetzen, Regelungen und Vorgaben sowie Verboten, die letztendlich die Vorteile der Menschen erweitern. Um in Erfahrung zu bringen, welche Denkschule eher die Freiheiten des Menschen verteidigt, sollte man also nicht deren Gesetzesanzahl betrachten, sondern die Inhalte von deren Gesetzen untersuchen und diese in ihrem jeweiligen Vorteilsgehalt für den Menschen vergleichen. Freiheit und das Fehlen von Gesetzen, die den Genuss von Alkohol, Glücksspielen, Wucher, Homosexualität und Freizügigkeit innerhalb gesellschaftlicher und familiärer Beziehungen verbieten, erweitern zweifellos nicht die Vorteile des Menschen innerhalb der Gesellschaft und mangelndes Fingieren von Gesetzen hemmt in diesen Fällen die unzähligen Möglichkeiten des Menschen zur Entwicklung.

  1. Nach den vorangehenden Annahmen besteht das Ziel der Freiheit in einer höheren Produktivität. Mangelndes Fingieren veranlagter Beziehungen zwischen zwei Dingen oder das Fingieren von Beziehungen zwischen ihnen werden als deren Erwerbsmittel angesehen. Nach dieser Auffassung gehören zur Freiheit nicht nur vorteilhafte und heilige Aspekte, sondern auch das Fingieren von Gesetzen, die eine höhere Produktivität verursachen; obwohl sie den Anschein von Einschränkungen erwecken könnten. Aus diesem Grund erlangt man als eine deutlichere Schlussfolgerung, dass die Existenz von mehr Gesetzen innerhalb einer Denkschule nicht unbedingt fehlende Freiheitsforderung der Denkschule bedeutet und dieses Phänomen, mit einer höheren Produktivität als Folge, sogar eine höhere Unterstützung der Freiheit seitens dieser Denkschule bedeuten kann.
  1. Abgesehen von den bisherigen Erläuterungen gibt es heutzutage leider einige Denkschulen, die mit dem Motto, Freiheit unterstützen zu wollen, den Menschen zwar Spielraum lassen, andererseits jedoch die Menschen praktisch nach ihrem Belieben fesseln, indem sie ihre Denkweise in eine bestimmte Richtung lenken, ihre Forderungen und Wünsche kontrollieren und ihre Bedürfnisse manipulieren, sodass die Menschen nicht mehr dazu fähig sind, auf anderen Ebenen zu denken. Im Gegensatz zur antiken Sklaverei, bei der man den Menschen zum Sklaven gemacht oder diesen mit Einschränkungen mittels unterschiedlicher Gesetze gefesselt und ihn dadurch seiner Produktivität beraubt hat, werden die Menschen diesmal mit der Kontrolle über ihre Wünsche und gezielte Lenkung der Gesellschaftsinteressen auf eine Art angeleitet, dass sie ohne jegliche Gesetze alle Entscheidungen nach dem Willen der Machthaber treffen und auch nach deren Willen denken, sodass sie unfähig werden, sich in weiteren Bereichen der Produktivität zu bilden.

Hierbei werden nicht nur die Gedanken gefesselt, sondern auch die Einstellung und Forderungen eines Menschen werden gefesselt und des Genusses weiterer Vorteile beraubt. Obwohl diese Systeme nach außen hin mehr Freiheit ermöglichen (mittels mangelndem Fingieren von Gesetzen), werden die Menschen in diesen Gesellschaften zu ihren eigenen Gefängniswärtern. Dies wird als moderne Sklaverei bezeichnet.

In diesen Gesellschaften fungieren die Medien als Mittel zur Leitung von Gedanken und Wünschen der Menschen. Zeitungen, kulturelle und sogar politische Organisationen und andere Mittel werden dazu eingesetzt, den Menschen in seinem Denken und in seinen Wünschen zu beeinflussen. In solchen Gesellschaften sind die Menschen so sehr in diese Kultur vertieft, dass sie keine Möglichkeit haben, sich nach anderen Optionen umzuschauen. Wenn sie auch auf andere Optionen treffen sollten, finden sie kein Interesse daran. Aufeinanderfolgende Einschränkungen führen zum Verlust von Produktivität und weiteren Möglichkeiten.

In Konsumgesellschaften ohne Begrenzung, in denen die Menschen zum Konsum verführt werden, arbeiten die Menschen mehr, um auch mehr konsumieren zu können. Viel Arbeiten bedeutet gleichzeitig den Verlust von Möglichkeiten für weitere Vorteile in Bereichen wie Spiritualität, Freigiebigkeit, Nächstenliebe, den Glauben an Auferstehung und Unsterblichkeit, Rationalität, Gerechtigkeit usw. In diesen Gesellschaften wird die Einstellung des Individuums vom Individualismus gesteuert. Die Menschen sind gezwungen, zur Erhaltung ihres Lebensstandards und Konsums nur an sich selbst zu denken, was nichts anderes bedeutet als das Einsperren dieser Menschen. Hierbei kann man sagen, dass die Menschen sich selbst in einem Käfig namens Freiheit einsperren lassen.

[1] Osama ibn Monghaz: Lobab-ul-Adab. Seite 434.