Geschichtsphilosophie und die Lehre von der Wiederkehr Mahdis

Was genau Geschichte ist und was die Philosophie der Geschichte ist, ist eine Frage, die schon immer Denker, Philosophen und Wissenschaftler beschäftigt hat. Wenn wir die Geschichte als zielorientiert betrachten mit bestimmten Regeln, die sich in eine bestimmte Richtung bewegen, stellt sich die Frage, in welche Richtung sich die Geschichte bewegt. Dieser Artikel sucht Antworten auf Fragen, wie zum Beispiel auf die, ob sich die Geschichte in Richtung Gerechtigkeit, Rechtleitung und Vollkommenheit bewegt, oder umgekehrt in Richtung Unterdrückung, Dunkelheit und Zerstörung oder ob die Zukunft der Weltgeschichte klar ist oder undurchsichtig? Oder ob die Geschichte bar von jeglichen Gesetzen und Regelmäßigkeiten ist und keinen bestimmten Ablauf besitzt? Folglich wäre die Weltgeschichte nichts anderes als eine Anhäufung von unregelmäßigen Abschnitten, die sich gegenseitig beeinflussen. In diesem Fall wäre die Geschichte quasi eine Aneinanderreihung von verschiedenen Ereignissen. Nun soll anhand einer kurzen Analyse der Geschichtsphilosophie die islamische Perspektive auf dieser Ebene und ihre Beziehung zur Lehre von der Wiederkehr Mahdis erläutert werden.

1. Geschichtsphilosophie

Geschichte ist die kontinuierliche und andauernde Bewegung des Lebens der Menschen von der Vergangenheit bis in die Zukunft, die Niederlagen und Siege, Erfolg und Misserfolg, Schwierigkeiten, Höhen und Tiefen, das Streben nach Wahrheit, Fortschritte usw. umfasst. Liberale definieren die Geschichte als Fortschritt. Geschichte entsteht demnach dann, wenn jede Generation durch den Erwerb von Wissen und Verständnis im Vergleich zur vorigen Generation Fortschritte macht. Liberale Denker sind normalerweise der Auffassung, dass dieser Fortschritt durch eine gleichmäßige Verbesserung und nicht durch eine plötzliche Revolution entsteht [1].

Die Marxisten sind der Meinung, dass die Unterschiede zwischen den Klassen einer Gesellschaft der Motor der Geschichte sind und eine Gesellschaft ohne Klassen bzw. Schichten, also eine kommunistische Gesellschaft, den Höhepunkt der Geschichte bedeutet. Faschisten sehen in der Geschichte normalerweise den Verlust eines goldenen Zeitalters. Somit akzeptieren sie, dass sich die Geschichte wiederholt und die Möglichkeit eines nochmaligen Aufblühens der Nationalität normalerweise durch die Anwendung von Gewalt und Krieg besteht [2].

Die Bedeutung von Geschichte

Geschichtsphilosophie gibt zerstreuten Ereignissen, die oberflächlich betrachtet, rein zufällig und voneinander unabhängig sind, eine Bedeutung[3]. Der Geschichtsphilosoph versucht eine Reihe logischer Gründe für das Entstehen und für den zeitlichen Ablauf dieser Ereignisse zu finden. Er hat die Vorstellung, dass die historischen Ereignisse einen Anfang haben und sodann die Folgen und andere Ereignisse bis zu einem bestimmten Ende beeinflussen und ihnen Bedeutung gibt. Aus der Sicht eines Geschichtsphilosophen ist die Geschichte ein Wesen, das lebendig und voller Bewegung ist, einen Körper und eine Seele besitzt, einen Willen und einen Rhythmus.

Das Gesetz der Bewegung der Geschichte

Eine der Aufgaben der Philosophie der Geschichte ist, die speziellen Gesetze der Bewegung der Geschichte zu entdecken und das System von Ursache und Wirkung in der Geschichte kennenzulernen. Aus der Sicht von Shahid Motahari ist Geschichtsphilosophie das Wissen um die Veränderungen in den Gesellschaften von einer Phase in die andere und um die Gesetze, die diese beeinflussen[4]. Einige Geschichtsphilosophen jedoch beschäftigen sich abgesehen von der Gesetzmäßigkeit der Geschichte mit der Präsentation von Thesen über die wichtigsten Faktoren von Ursache und Wirkung im Verlauf der Geschichte. Das Gesetz von Marx in Bezug auf die Priorität von wirtschaftlichen Faktoren im Vergleich zu politischen Faktoren ist ein Beispiel von solchen Thesen. Jedenfalls besteht das alleinige Ziel nicht darin, vergangene Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen, sondern auch zu analysieren, warum sich eine These oder Theorie durchgesetzt hat.

Das Ziel, der Weg und der Auslöser der Geschichte

Geschichtsphilosophie ist eine Wissenschaft, die die Bewegung, den Auslöser und das Ziel eines Wesens namens Geschichte analysiert. Auf dieser Grundlage steht die Philosophie der Geschichte drei essentiellen Fragen gegenüber:

1.) Wo geht die Geschichte hin? (Ziel)

2.) Wie geht sie? (Mechanismus der Bewegung und Auslöser)

3.) Welchen Weg geht sie? (Weg und besondere Stationen der Bewegung)

Deshalb stehen Veränderungen und die Vervollkommnung der Gesellschaften von eine Epoche zur anderen und letztendlich das Ziel der Geschichte im Mittelpunkt des Interesses der Geschichtsphilosophie. Eine andere Problematik in der Geschichtsphilosophie ist, dass der Lauf der Geschichte durch die Faktoren, die Bewegung auslösen, wie zum Beispiel durchbesondere Persönlichkeiten und Kräfte, beeinflusst wird. Hier gibt es verschiedene Ansätze und Thesen, die die Bewegung der Geschichte analysieren und erläutern und spezielle Faktoren als Auslöser für Bewegung verantwortlich machen. Die Dialektik und die Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Schichten (Marx) und die Bedingungen der geographischen Lage (Montesquieu), die Existenz verschiedener Rassen (Kant, Gobineau), göttliches Schicksal, Heldenverehrung (Faschisten), Sexualtrieb, Hunger und Durst (Freud), Fanatismus (Ibne Chaldun), Macht und politische Faktoren usw. gehören zu den Auslösern für die Bewegung in der Geschichte, die auch in den Schriften und Gedanken von Wissenschaftlern ihren Widerhall finden [5].

Zukunftsthesen in der Geschichtsphilosophie

Einerseits war das Wissen um die Zunkunft schon immer für die Menschheit von Bedeutung, doch da das Wissen der Menschheit begrenzt ist, ist es für den Menschen andererseits schwer, Wissen über die Zukunft zu erlangen und darüber gibt es unterschiedliche und teilweise sogar konträre Sichtweisen und Thesen.

Manche dieser Thesen prophezeien eine düstere und dunkle Zunkunft voller Unrecht und Unterdrückung. Andere Thesen vertreten die Ansicht einer positiven Zukunft für den Menschen. Eine wiederum andere These ist der Meinung, dass sich die Geschichte dem Ende nähert und sieht die Zunkunft in der Gegenwart zusammengefasst. Diese Sichtweise ist der Auffassung, dass die ideale Gesellschaft, nach der sich der Mensch schon seit ewigen Zeiten gesehnt hat, durch den Liberalismus bzw. durch eine säkulare Ideologie definiert und verkörpert wird [6].

Die positive Sichtweise auf die Zukunft

Laut der positiven Sichtweise sind die Zukunft und das Ende der Geschichte hell und hoffnungsvoll, d.h. die Zukunft der Geschichte ist wie ein Gefäß, das die Erscheinung einer idealen Gesellschaft in sich birgt. Die positive Sichtweise ist eine Sichtweise, die meistens von Gläubigen, die an Gott oder an ein Jenseits und an Metaphysisches glauben, und von Anhängern von Religionen, unabhängig davon, ob es sich um eine Buchreligion handelt oder nicht, vertreten wird, weil diese in der Zukunft eine Chance für die Entwicklung und Zufriedenheit für die Individuen und die Gesellschaft sehen. Daher spielen positive Sichtweisen in der Entwicklung des Menschen und der menschlichen Gesellschaften eine enorm wichtige Rolle und beeinflussen die Ziele und Sinnhaftigkeit des Lebens der Menschen.

In der Sichtweise von Hegel ist die Philosophie der Geschichte ein Teil der Philosophie des Geistes. Aus seiner Sicht hat die Geschichte einen Geist bzw. einen Verstand, der zu einem bestimmten Ziel führt. Er ist der Meinung, dass, wenn die gesamte Geschichte als wahre Einheit betrachtet wird, die aus einem Geist und einem Verstand besteht, der die Bewegung der Geschichte festlegt, die Geschichte allgemein gesehen nicht ihren Weg verlieren wird und sicherlich das Ziel, für das sie bestimmt ist, erreichen wird [7].

Nach der Auffassung von Kant geschehen die verschiedenen Ereignisse der Geschichte durch das Streben nach Erfolg, also nach dem, was für den freien Menschen als Ziel entscheidend ist, undim Verlauf der Geschichte kann man keine göttliche Absicht finden. Aus der Sicht von Kant scheint es, da der Mensch kein Tier ist, dessen Verhalten und Handeln von Instinkten geleitet wird, so, dass auch die Geschichte des Menschen, wie zum Beispiel die Geschichte der Biene, eine geordnete Geschichte aufweist, und es nur dann möglich ist, wenn ein Ziel und Plan verfolgt wird, dass die Geschichte und das Leben des Menschen einen geordneten Lauf verfolgen. Somit werden Erfolg und Fortschritt der Menschheit auf dem Weg der Vervollkommnung durch immer wieder aufeinanderfolgende Generationen erreicht und Vollkommenheit wird durch die Spezies Mensch erreicht, aber nicht durch das Individuum [8].

Augustinus hat in seinem bekannten Werk „De civitate dei“ (Der Staat Gottes) den Lauf der Geschichte als ständigen Gegensatz zwischen einem Gottesstaat und einem irdischen Staat beschrieben. In gewisser Weise manifestiert sich der Gottesstaat in der Herrschaft der Kirche und der irdische Staat in der Regierung, doch letztendlich setzt sich der Gottesstaat durch. In diesem Fall liegen das Ziel und der Sinn der Geschichte in der Erfüllung des göttlichen Schicksals und ist somit außerhalb der Ereignisse und Entwicklungen. Dieser Entwurf war das ganze Mittelalter bis zu tausend Jahren nach Augustin bei europäischen Gelehrten äußerst einflussreich [9].

Manche Gelehrte, wie zum Beispiel Allame Tabatabai, interpretieren eine helle Zukunft des Menschen als allgemeine Rechtleitung der Lebewesen und meinen dazu: Ein Getreidekorn, das im Boden auf spezielle Bedingungen trifft, beginnt zu wachsen und ändert ständig seine Form und legt mit einem gewissen Ziel solange einen speziellen Weg zurück, bis aus dem Getreidekorn eine Getreidepflanze mit Ähren voller Getreidekörner entsteht. Genauso beginnt die verschmolzene Eizelle eines Tieres, wenn sie im Uterus eines Weibchens auf geeignete Bedingungen stößt, sich zu teilen und beschreitet einen Weg, der diesem Tier entspricht. Diese Art und Weise der Entwicklung ist für alle Arten der Schöpfung gültig. Es ist offensichtlich, dass auch für den Menschen diese allgemeinen Regeln gelten und dass diese existenzielle Rechtleitung, die für alle Lebewesen gilt, auch für den Menschen Gültigkeit besitzt, d. h. der Mensch findet durch existenzielle Rechtleitung die Vollkommenheit [10].

Die negative Sichtweise auf die Zukunft                                                                                                  

In dieser Sichtweise sieht die Zukunft dunkel und düster aus und Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sind in den Gesellschaften verbreitet. Die Anhänger dieser Sichtweise sind meistens Menschen, die nicht an Spirituelles glauben und die Welt, die Welten und die Beziehung zwischen diesen materiell sehen. Zwei Faktoren spielen bei der Entstehung der negativen Sichtweise eine bedeutende Rolle: Einmal der innere Faktor, der sich auf die ungehorsame Natur des Menschen bezieht und dann der äußere Faktor, der die Sichtweise des Menschen auf die Welt widerspiegelt.

Die tierische Ebene des Menschen

Da die menschliche Schöpfung aus zwei Ebenen besteht und zwar der tierischen und der geistigen und jede von diesen Ebenen Wünsche und Neigungen besitzt, gibt es zwischen diesen beiden ständig Auseinandersetzungen. Die tierische Ebene, die auch als die materielle Ebene bezeichnet wird, weist tierische Eigenschaften auf wie z.B. Zorn, Hochmut, Dekadenz, Maßlosigkeit, Egozentrik usw. Es ist unumgänglich, dass ein Mensch mit solchen Eigenschaften mit seinen Mitmenschen in Konflikt gerät. Aufgrund begrenzter materieller Möglichkeiten und in Anbetracht der unersättlichen Gier und der grenzenlosen Maßlosigkeit und des Strebens nach eigenem Vorteil des Menschen sind Konflikte und Kämpfe zwischen den Menschen mit Sicherheit vorprogrammiert. Diese Auseinandersetzungen und Kämpfe haben in der Geschichte immer stattgefunden und werden solange immer wieder stattfinden, bis die Menschheit daran zugrunde geht. Denn aufgrund der Tatsache, dass der Egoismus des Menschen im Laufe der Geschichte zugenommen hat und aufgrund des enormen Fortschritts in der Technik und in den Wissenschaften sind die Möglichkeiten, das unersättliche Ego des Menschen zu stillen, nicht geringer geworden, was letztendlich, wie es auch die Erfahrungen in der Geschichte zeigen, zur Vernichtung des Menschen führt.

Die materialistische Weltanschauung

Einer der Faktoren, die im Menschen eine negative Sichtweise auf die Zukunft auslösen, ist eine materialistische Weltanschauung. Die Weltansschauungen des Menschen können im Wesentlichen in zwei Sichtweisen entweder materialistisch oder göttlich zusammengefasst werden. In der göttlichen Weltanschauung gibt es abgesehen vom Menschen, der Welt und der Beziehung zwischen den beiden Metaphysisches und einen Schöpfer. In Wirklichkeit besteht also eine Beziehung zwischen drei Dingen: Dem Schöpfer, der Welt und dem Menschen. Die Geschichte und die Zukunft des Menschen kann also nicht nur anhand der Beziehung zwischen diesen zwei Kategorien (der Welt und dem Menschen) beurteilt werden. Es bedarf auch noch einer dritten Kategorie mit dem Namen Schöpfer, der zum Metaphysischem gehört und welcher bei der Rechtleitung und der Führung der Welt eine essentielle Rolle spielt.

In der materialistischen Weltanschauung jedoch ist die Sichtweise des Menschen auf die Welt horizontal, d.h. die Beurteilungen, die der Mensch über die Welt oder die Zukunft vornimmt, sind nicht außerhalb des Zirkels der Sinne und Erfahrung und nichts von dem, was allgemein erfahrbar ist oder durch die Sinne, kann kennengelernt werden und was im Metaphysischen Bereich liegt, wird nicht als Wissen anerkannt und kann somit auch nicht kennengelernt werden. Wenn die Weltanschauung eines Menschen materialistisch ist, dann richtet sich auch die Ideologie und das Verhaltensmuster danach. Wenn wir uns auf dieser Grundlage einerseits die Welt und den Menschen ohne Schöpfer vorstellen und andererseits für den Menschen verschiedene Faktoren wie Rasse, Kultur, Nationalität und die tierische Seite oder das Ego in Betracht ziehen, ist kein anderes Ergebnis als Zerstörung und Vernichtung für die Menschheit vorstellbar.

2. Die Lehre der Wiederkehr Mahdis und Geschichtsphilosophie

Die transzendentale Geschichtsphilosophie (falsafe mutaali tarich) ist die Analyse und Erläuterung der offenbarten Lehren des Islams über den Lauf der Geschichte und nimmt sich die Erfahrung und die Vernunft zur Hilfe [11]. Zweifellos ist ein zentrales Thema in dieser Wissenschaft die Lehre der Wiederkehr Mahdis. Die Lehre der Wiederkehr Mahdis bedeutet nichts anderes als die offenbarte Prophezeiung eines Ziels der Geschichte und das Ende der bewegten Geschichte voller Höhen und Tiefen. Die Lehre der Wiederkehr Mahdis istder Glaube an eine glorreiche Zukunft und bedeutet, dass die Geschichte einen Sinn bekommt und ihr Ziel erreicht. Für die Erläuterung der Philosophie der Geschichte und die Entdeckung der Gesetze und Regeln, die die Geschichte bestimmen und durch die die Lehre der Wiederkehr Mahdis und der Geschichtsphilosophie verstanden werden können, ist der Hinweis auf folgende Punkte notwendig:

1.) Das Ziel der Geschichte (Vollkommenheit und Vervollkommnung)

Eines der wichtigsten Themen in der Geschichtsphilosophie ist die Zukunft und der Lauf der Entwicklung des Menschen und der menschlichen Gesellschaft. Aus islamischer Sicht verläuft die Geschichte in Richtung auf Gottesanbetung und Werteorientiertheit und Vervollkommnung des Menschen. Wäre dem nicht so, wären die Entwicklung und der Lauf der Geschichte sinnlos, auch wenn diese Entwicklung von Höhen und Tiefen geprägt ist. Das Ziel, das der Koran für die menschliche Karawane beschreibt, ist die Gottesanbetung:

وَ ما خَلَقْتُ الْجِنَّ وَ الْإِنْسَ إِلاَّ لِيَعْبُدُونِ‏

Und wir haben die Dschinn und den Menschen nur dafür erschaffen, um mich anzubeten (Sure Sariat: 56).

Aus koranischer Sicht ist das Ziel der Schöpfung nicht, dass der Mensch allwissend wird und zu allem fähig ist, sondern der Mensch ist dazu erschaffen worden, Gott zu verehren und anzubeten und das ist selber ein Ziel. Der Koran möchte den Menschen bilden und ihm ein Ziel geben und das letztendliche Ziel ist Gott und alles andere soll eine Vorbereitung dafür sein und ist an sich kein Hauptziel [12]. Die Bewegung zu Gott und dahin, ihn zu erreichen, verlangt die Entwicklung von positiven moralischen Eigenschaften, das Streben nach Gutem, das Ausführen von guten Taten, die Anbetung, Gerechtigkeit, Gottesfurcht usw. Jede dieser Eigenschaften löst Glückseligkeit und Zufriedenheit beim Menschen aus und ermöglicht ein erfülltes, vollkommenes und ausgeglichenes Leben. Diese Idee verwirklicht sich in dieser Form jedoch erst in der Endzeit und das ist die Zeit der Erscheinung des versprochenen Mahdis.

2.) Der Weg und der Mechanismus der Bewegung

Aus koranischer Sicht sind die Geschichte und das Leben des Menschen der Kampf zwischen den Anhängern von Wahrheit und Unwahrheit, um die eigenen Wünsche und Ziele zu erreichen. Die Anhänger der Wahrheit bemühen sich darum, Gott anzubeten, sich moralische Eigenschaften anzueignen, Gerechtigkeit walten zu lassen, Glückseligkeit zu erreichen, Gottesanbetung zu verbreiten und um vieles mehr. Die Anhänger der Unwahrheit jedoch kümmern sich um ihre Gelüste, die Anhäufung von Reichtum, verbreiten Unterdrückung und Unglauben, Verdorbenheit und Ungerechtigkeit, Dekadenz usw.

An der Spitze der Anhänger der Wahrheit stehen die Propheten und die wahrhaftigen Menschen und an der Spitze der Anhänger der Unwahrheit stehen der Satan, Diktatoren, Pharaonen und Unterdrücker [13]. Zwischen diesen beiden Gruppen gab es an der Front von Wahrheit und Unwahrheit im Laufe der Geschichte immer wieder Auseinandersetzungen und das ist der Auslöser und der Mechanismus der Bewegung der Geschichte. Die Propheten und ihre Anhänger haben fortwährend dem Unglauben und der Unterdrückung durch Pharaonen und andere Widerstand geleistet.

3.) Das Ende der Geschichte

Die Auseinandersetzungen zwischen Wahrheit und Unwahrheit, zwischen Gläubigen und Ungläubigen haben von den ersten Augenblicken der Geschichte an bis heute stattgefunden, abgesehen davon waren Streit und Kampf eher gering und vorübergehend. Die Frage, die sich hier stellt, ist, wo und wann der Schlusspunkt dieser Auseinandersetzungen ist und wann laut der koranischen Versprechen Wahrheit und Glauben über Unwahrheit und Unglauben siegen werden. Aus islamischer Sicht wird diese Bewegung durch den Aufstand bzw. das Erscheinen des versprochenen Erlösers Mahdi (Friede sei mit ihm) stattfinden. Dieser wird die Gruppe der Anhänger der Wahrheit anführen und mit seiner ganzen Kraft den Kampf an der Front des Unglaubens führen und siegen.

Das ist ein Versprechen Gottes und somit unwiderrufbar und die Wahrheit wird sich in ihrer vollkommenen Schönheit zeigen. Aus den gesamten Hadisen und Ajen zu diesem Thema geht hervor, dass der Aufstand des versprochenen Mahdis (Friede sei mit ihm) das letzte Glied in der Kette der Kämpfe zwischen Wahrheit und Unglauben seit Anbeginn der Geschichte ist. Der versprochene Mahdi verwirklicht die Ideen aller Propheten und der auserwählten wahrhaftigen Menschen und er ist quasi das Ergebnis aller Bemühungen und Anstrengungen der Anhänger der Wahrheit.

Zusammengefasst lauten die Antworten auf die Fragen auf die Philosophie der Geschichte folgendermaßen:

  • Das Ziel der Geschichte ist die Anbetung Gottes und das Erreichen von moralischer und menschlicher Vollkommenheit.
  • Der Mechanismus und der Auslöser für diese Bewegung ist der menschliche Wille und die Auseinandersetzungen finden zwischen den beiden Fronten von Gut und Böse bzw. von Recht und Unrecht statt, was schließlich zum Sieg von Recht über das Unrecht führt.
  • Der Weg und der Lauf dieser Bewegung führt durch die verschiedenen Epochen der Geschichte, wo die Propheten und ihre Anhänger zur Wahrheit eingeladen haben und sich durch die Geschichte hindurch von Stufe zu Stufe entwickelt haben.
  • Die Geschichte wird in der Zeit der Erscheinung ihren Gipfel und eine vollkommene Stufe erreichen. Diese Stufe ist der Beginn von neuem, fortgeschrittenem und vollkommenem Leben, in dem der Mensch Glückseligkeit, Reichtum, Sicherheit, Gerechtigkeit und Spiritualität in seiner höchsten Form genießen wird.

Da sich die Geschichte in Richtung der Vollkommenheit bzw. der Ausbreitung von Moral und der Überwindung von Schlechtem bewegt, muss die Lehre von der Wiederkehr Mahdis richtig und sorgfältig und nicht oberflächlich vorgestellt werden.

3. Die Lehre der Wiederkehr Mahdis

Die Lehre der Wiederkehr Mahdis ist eine komplette und vollkommene Lehre für die Errichtung einer idealen Gesellschaft. Auf dieser Grundlage nennt die Lehre der Wiederkehr Mahdis die verschiedenen Eigenschaften, Programme, Ziele und Lehren. In Anbetracht der geoffenbarten Quellen und der philosophischen Lehren der Geschichte sollen nun einige Punkte dieser Lehre erläutert werden:

a) Die Lehre von der Wiederkehr Mahdis und Globalisierung

Eine der wichtigsten Besonderheiten dieser Lehre besteht in ihrem globalen Anspruch. Sie bezieht sich auf alle Schichten der Gesellschaft und umfasst alle Menschen dieser Welt, unangesehen davon, ob die Menschen im Osten oder Westen leben, und davon, welche Facetten des menschlichen Lebens betroffen sind (Kultur, Politik, Wirtschaft). Für Marx sind die Arbeiterklasse, für Hegel die bessere Rasse, für die Juden das auserwählte Volk Israel, für Fukuyama die westliche Welt von Bedeutung, die Lehre von der Wiederkehr Mahdis jedoch bezieht sich nicht nur auf ein Volk, eine Gruppe, eine Rasse, ein Land oder eine Sprache, sondern hat die Glückseligkeit für alle Menschen im Auge. In vielen Überlieferungen heißt es: Die Erde wird durch göttliches Licht erhellt werden, seine Herrschaft wird den Osten und den Westen umfassen[14] und Gott wird die Erde durch den Abwesenden (Mahdi) wiederbeleben und hat ihn als Retter für die gesamte Menschheit auserkoren[15].

b) Verbreitung von Gerechtigkeit

Gerechtigkeit bedeutet, alles an seinen richtigen Platz zu setzen, Reichtum und Gaben gerecht zu verteilen, Unterdrückung und Unrecht abzuschaffen, Harmonie und Ausgeglichenheit in allen Angelegenheiten (besonders im menschlichen Verhalten und Handeln) zu erlangen. Gerechtigkeit ist eine umfassende Angelegenheit und bezieht sich nicht nur auf Gerichtsurteile, sondern auch auf die Wirtschaft und die Politik, aber auch bei der Moral spielt Gerechtigkeit eine besondere Rolle.

Gerechtigkeit gilt als essentielle Säule in der Lehre von der Wiederkehr Mahdis, damit die Menschen in ihrem Leben Zeuge der konkreten Verwirklichung von Gerechtigkeit in allen Facetten des Lebens werden. Islamische Überlieferungen meinen dazu: „Er wird auf der Erde Gerechtigkeit einführen, nachdem sie von Unterdrückung und Unrecht befreit wurde.“ [16] Mahdi (s.a.s.) wird Gerechtigkeit in der Gesellschaft so einführen, dass sich die Menschen wünschen werden, dass ihre verstorbenen Angehörigen wieder lebendig werden und diese Gerechtigkeit genießen können [17].

c) Verbreitung von Spiritualität

Eine umfassende Sichtweise auf die verschiedenen Facetten des menschlichen Lebens verlangt, dass die Wurzel aller menschlichen Probleme erkannt und für sie eine Lösung gefunden wird. Die eigentliche Wurzel für Kriege, Unterdrückung, Götzendienerei und Unrecht geht auf das Fehlen von einer richtigen Erziehung der Menschen, das Fehlen einer Entwicklung der geistigen Kapazität und das Fehlen einer Moral zurück. Wenn der Mensch seine geistige und spirituelle Kapazität erkennt und seine Würde und seine wahren Wert wiederfindet, wird er niemals den Wunsch nach Unterdrückung, Blutvergießen, Diskriminierung sowie Krieg verspüren oder die Rechte der anderen Menschen ignorieren.

Auf der anderen Seite strebt der Mensch auf Basis der Lehren der Geschichtsphilosophie nach Vollkommenheit (Annäherung an Gott) und das ist nur möglich, wenn die Verbreitung von Spiritualität und Moral und die Vergrößerung der geistigen Kapazität und die Läuterung des Egos eine primäre Rolle spielen. Aus diesem Grund liegt in der Lehre von der Wiederkehr Mahdis ein besonderes Augenmerk auf der Entwicklung der geistigen Kapazitäten des Menschen. In einer schönen Hadis dazu heißt es: „Wenn der Verborgene den Aufstand macht, wird er seine Hand auf die Köpfe seiner Anhänger legen und eine Entwicklung des Verstandes bewirken und die Moral vervollkommnen.“ [18] Für die Verwirklichung dieser Idee, schenkt der Erwartete seine Aufmerksamkeit dem Inneren des Menschen und schenkt der menschlichen Existenz Licht und bewirkt, dass das Verhalten und das Handeln des Menschen göttlich werden.

d) Verbreitung von Gottesanbetung und Eingottglauben

Eine der wichtigsten Säulen der Lehre von der Wiederkehr Mahdis ist die Sinnhaftigkeit der Schöpfung des Menschen und die Sichtweise, dass das Ziel des Lebens eine Entwicklung bis zur Vollkommenheit ist. Auf der Basis der Lehren der transzendentalen Geschichtsphilosohie ist das Ziel der Menschen nicht die Errichtung einer Gesellschaft ohne Schichten, Erfolg und Fortschritt oder die Überlegenheit einer Zivilisation, sondern ein ideales Leben im Schatten der Anbetung Gottes.

Die Voraussetzung, damit die Menschen den Gipfel der Vollkommenheit und die Nähe zu Gott erreichen können, ist der Glaube an die Einheit Gottes. In einer Überlieferung heißt es: „Mahdi (s.a.s.) füllt die Herzen der Diener Gottes mit Anbetung und Gehorsam [19] und die Menschen wenden sich der Anbetung Gottes zu und befolgen die göttlichen und religiösen Gesetze [20] oder: „In der Zeit, in der der Verborgene den Aufstand macht, wird niemand außer Gott angebetet und es bleibt kein Land übrig, aus dem nicht der Wiederhall des Glaubens an die Einheit Gottes zu hören ist.“ [21]

e) Abschaffung von Gewalt

Bis heute konnte noch keine einzige Ideologie Gewalt, Kriege, Kämpfe und Unterdrückung verhindern und einen globalen Frieden für die Welt erreichen. Gewalt, die fast schon zu einem untrennbaren Teil der Geschichte geworden ist, kann nur durch einen perfekten und umfassenden Plan abgeschafft werden. Dafür ist auch notwendig, dass die Wurzeln von Gewalt bekämpft werden, wie sie Herrschsucht, Sucht nach Karriere und Macht, Egozentrik darstellen, und auch diejenigen besänftigt werden, die Gewalt ausüben wollen. Die Erziehung sollte in allen Menschen die Sehnsucht nach Frieden wecken. Eine der Besonderheiten der Lehre von der Wiederkehr Mahdis ist, dass ein dauerhafter und globaler Frieden angestrebt wird. Islamische Überlieferungen sagen auf diesem Gebiet Folgendes: „In der Zeit der Erscheinung von Mahdi (Friede sei mit ihm) verschwindet jeglicher Hass aus den Herzen und sogar Raubtiere leben in Frieden.“ [22] In dieser Zeit verschwinden die Auseinandersetzungen zwischen den Nationen und Religionen [23].

f) Ausbreitung von Zufriedenheit unter den Menschen

Ein besonderes Augenmerk in der Doktrin von der Wiederkehr Mahdis liegt darauf, die wahren Wünsche der Menschen zu erfüllen und die gesamten politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Pläne sind darauf ausgerichtet, die materiellen und spirituellen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen und die gesamten Probleme zu beseitigen. Die Geschichte der Buchreligionen, besonders jedoch, die des Islam, ist Zeuge davon, wie sich die Propheten und die Imame abgemüht haben, die Bedürfnisse der Menschen zu stillen und ihre Probleme zu lösen bzw. zu verringern. Ihre Anhänger stammten zum Großteil aus verarmten und unterdrückten Schichten und die Bemühung, diese Menschen aus den Klauen der Unterdrücker zu befreien, gehört zu den glänzensten Abschnitten der Geschichte. In einer Überlieferung heißt es: „Unter der Herrschaft von Imam Mahdi (s.a.s.) sind die Bewohner der Erde und die Vögel in der Luft zufrieden[24] und die Bewohner der Himmel und der Erde freuen sich über seine Existenz[25] und alle sind mit ihm zufrieden“[26].

g) Meritokratie (Die Herrschaft von geeigneten und würdigen Amtsträgern)

Eine der essentiellen Fragen der Geschichtsphilosophie ist, wer die Herrschaft übernehmen darf, wie zum Beispiel die Oberschicht einer Gesellschaft, die Proletarierschicht, Personen, die durch demokratische Methoden gewählt wurden, oder Könige. Als Antwort auf diese Frage gibt der Islam und insbesondere die Lehre von der Wiederkehr Mahdis, dass diejenigen die Herrschaft übernehmen sollen, die die nötige Eignung besitzen (Wahrhaftige und diejenigen, die den entsprechenden Ämtern würdig sind). Aus der Sicht des Korans und der Hadise werden in der Zeit der Erscheinung die Wahrhaftigen, Unterdrückten und die rechtschaffenen Menschen die Herrschaft übernehmen und diejenigen, die die Macht mißbrauchen, werden überhaupt keine Rolle in der Herrschaft spielen.

Die Interpretation der ayah 5 der Sure Al-Qasas :

وَ نُریدُ أَن نَمُنَّ عَلَی الَّذینَ استُضعِفوا فِی الأَرضِ وَنَجعَلَهُم أئِمَّةً و نَجعَلَهُمُ الوارِثینِ

(Und Wir wollten denen, die im Lande als schwach erachtet wurden, Huld erweisen und sie zu Führern machen und zu Erben einsetzen und ihnen die Oberhand im Lande geben) (Al-Qasas:5) besagt Folgendes: Diese Aje handelt vom Erlöser, der in der Endzeit erscheinen wird und die Diktatoren und Pharaonen der Zeit auslöschen wird[27]. In der Interpretation der Aje „Wir werden die Erde den rechtschaffenen Dienern vererben“, steht, dass sich diese Aje auf den verborgenen Mahdi (s.a.s.) und seine Anhänger bezieht[28]. Es ist offenkundig, dass in dieser Zeit der rechtschaffenste, reinste, wissendste und fähigste Mensch die Verantwortung übernehmen wird und seinen Anhängern Macht übergeben wird.

Quellen: [1]Andrew Heywood,Palgrave Macmillan, Political Ideologies, 3rd revised edition, 2003, S. 500. [2]Ibid., S. 506. [3]Muhammad Tawassoli, Geschichtsphilosophie aus der Sicht der Soziologie,S. 16. [4] Mortaza Motahari, Gesellschaft und Geschichte, Sadra-Verlag, Teheran 2003, S. 3. [5]Hussein Karimi, Hussein Karimi, S.61-66; Historische Auffassung des Qurans, Yaghub Jafari , S. 47. [6]These von Fukuyama über das Ende der Geschichte aus den Büchern „The end of history“ und „Der letzte Mensch“. [7]W. H. Walsh, Philosophy of History, S. 157. [8]Abdul Hussein Sarrinkub, Geschichte auf der Waage. Teheran, Amir kabir Verlag 1991, S. 215. [9]Ibid., S.200. [10]Allamah Tabatabai, Die Schia im Islam. Teheran 1998, S. 134. [11]Offenbarung + Vernunft + Erfahrung. [12]Mortaza Motahari, Die soziale Entwicklung des Menschen. Teheran, Sadri-Verlag, S. 76. [13]Mortaza Motahari, Der Aufstand und Bewegung der Mahdi. Teheran, Sadri-Verlag, S.50. [14]Kamaludin, Scheich Sadugh Band 1, S. 280. [15]Junabiul Mawada, Sulaiman ibn Ibrahim Ghondusi, Band 2, S. 514. [16]Usul al-Kafi, Scheich Kulaini, Band 1, S. 338;und al-Ihtijaj, Scheich Tabarsi, Band 2, S. 449. [17]Bihar ul-Anwar, Band 51, S. 250; Isbat ul-Huda, Scheich Horr al-Ameli, Band 3, S. 639. [18] Bihar ul-Anwar, Band 52, S. 336; Und Muntachab ul-Asar,Ayatollah Safi, S. 482. [19]Kitab ul-Ghaibah, Scheich al-Tusi, S. 179. [20]Muntachab ul-Asar,Ayatollah Safi S. 592. [21]Tafsir Ajashi, Band 1, S. 183. [22]Biharul Anwar, Band 52, S.316; Muntachab ul-Asar,Ayatollah Safi, S. 592. [23]Biharul Anwar, Band 53, S. 2. [24]Kaschf ul-Ghommah, Ali ibn Isa Erbili, Band 2, S. 469. [25]Dalail ul-Imamah, Muhammad ibn Jarir al-Tabari S. 250. [26]Kitab ul-Ghaibah, Scheich al-Tusi, S. 178. [27]Al-Borhan, Allamah al-Bahrani, Band 3, S. 230. [28]Tafsir Qomi, Band 2, S. 77.