Auswirkungen der Berufstätigkeit der Mütter

In diesem Artikel sollen Tendenzen in der Entwicklung der Berufstätigkeit der Frauen und insbesondere von Müttern und deren Auswirkungen auf die Erziehung von Kindern im deutschsprachigen Raum, also hauptsächlich Deutschland und Österreich, kritisch analysiert und im Zuge dessen Lösungsansätze erarbeitet werden.

Die Berufstätigkeit der Frau außerhalb des Hauses ist grundsätzlich als positiv zu bewerten, denn die Frau ist wie der Mann verantwortlich für den Zustand und die Entwicklung der Gesellschaft. Durch vielfältige Kontakte zu anderen Menschen kann die Tätigkeit außer Haus zu einer Erweiterung des Horizontes der Frau und zu einer willkommenen Abwechslung zum oft eintönigen Alltag führen. Sie erhält neue Ideen und lernt neue Lebensweisen kennen. Am Arbeitsplatz muss sie sich neuen Heraus- und Anforderungen stellen, was ihre Flexibilität und ihre Kapazität sicher fördern kann. Die Öffentlichkeit gibt der erwerbstätigen Frau das Gefühl der Zufriedenheit, wertvoll und nützlich im Leben und für die Gesellschaft zu sein, nützlicher, als wenn sie „nur“ zu Hause bleibt.

Lernen und die Aneignung von Wissen ist prinzipiell für die Frau von großem Vorteil und islamisch gesehen eine Pflicht, für die Berufstätigkeit jedoch eine Notwendigkeit. Sie entwickelt ihre eigene geistige Dynamik, was ihre Bedeutung, Selbständigkeit und ihren Selbstwert hebt. Dies kommt auch den Kindern zugute, denn das Niveau bzw. die Qualität der Erziehung kann weiter zunehmen. Ein weiterer positiver Aspekt der Berufstätigkeit ist, dass die Frau dadurch wirtschaftlich unabhängig wird und selbständig wirtschaften kann und somit auch im Sinne der Kindererziehung mehr materielle Möglichkeiten nutzen kann. Die Berufstätigkeit der Frau bewirkt oft eine bessere Selbstorganisation und eine Strukturierung des Alltags, was sich insofern positiv auf die Kindererziehung auswirken kann, weil sie dadurch eventuell leichter und besser auch den Alltag mit Kindern managt und sie wahrscheinlich gezwungen ist, die wenige Zeit, die ihr zur Verfügung steht, bewusster und ergiebiger zu nutzen. Außerdem bietet Berufstätigkeit die Möglichkeit einer sinnvollen Abwechslung zum vielleicht eintönigen Alltag mit Kind, was auch der Frau positive Energie und Ideen liefern kann.

Risiken der Berufstätigkeit auf die Kindererziehung

1) Kollision von zwei essentiellen Bedürfnissen der Frau: Viele Frauen stecken in einem Dilemma, denn einerseits möchten sie sich der Familie und insbesondere den Kindern widmen, andererseits streben sie einen Platz in der Erwerbswelt der Gesellschaft an, der ihr gesellschaftliches Ansehen und das Gefühl verleiht, etwas Wesentliches für die Gesellschaft zu leisten. Kinder zu wollen, wird gesellschaftlich gesehen gerade noch akzeptiert und durch die demographische Notwendigkeit auch gefördert, aber der Wunsch, auch selber für sie sorgen zu wollen, wird allgemein ausgeblendet. Der Wunsch Mutter zu sein ist nicht nur der Wunsch, Kinder zu haben, sondern auch der Wunsch, für sie zu sorgen. Es gibt weder die Pflicht noch den Zwang, Kinder großzuziehen, sondern es ist die Sehnsucht einer Mutter danach, ihre Kinder großzuziehen, der Wunsch, Teil dieser besonderen wechselseitigen Beziehung zu sein.[1] Doch in der Gesellschaft haben „nur“ Hausfrauen keinen hohen Stellenwert und mit eisernem Beharren wird diesen Frauen, die ihre Kinder selber erziehen, suggeriert, dass ihnen etwas fehlt, und Phrasen wie „ich arbeite nicht“ und „ich bin nur Hausfrau und Mutter“ sind Ausdruck dieses Empfindens.

2) Doppelbelastung der Frau: Viele Frauen nehmen das Risiko der Doppelbelastung von Beruf und Familie auf sich, oft aus materiellen Gründen, oder aus Angst, sich zu Hause nicht verwirklichen zu können oder aus Prestigegründen, um nicht „nur“ Hausfrau und Mutter sein zu müssen. Das heißt, dass selbst wenn der Mann sich an den häuslichen Tätigkeiten beteiligt, die Hauptlast der Hausarbeit erfahrungsgemäß auf der Frau liegen bleibt. Konkret gesprochen bedeutet das, in der Praxis unentwegt planen, managen und überlegen zu müssen. Das Hauptpostulat unserer Gesellschaft heute ist nicht, möglichst viel Zeit mit unseren Kindern zu verbringen, sondern ihnen so wenig Zeit wie möglich zu widmen.[2] Die Frau hat ihren Kopf bei der Arbeit, denn die meiste Zeit verbringt sie dort. Wenn sie heim kommt, wartet ein Berg Hausarbeit auf sie, dabei sollte sie nun Zeit für ihre Kinder haben, die Hausaufgaben korrigieren, ihre Probleme mit ihnen bereden, mit ihnen spielen, … Diese Doppelbelastung löst nicht selten massive psychische Probleme wie Depressionen, in Härtefällen auch Burnout aus. Depressionen bei der Mutter wiederum haben eine direkte Auswirkung auf die Kinder. Tiffany Field, die sich mit depressiven Müttern und deren Babys beschäftigt hat, hat herausgefunden, dass Babys mit depressiven Müttern dazu neigen, deren Traurigkeit, geringe Energie, geringe Anteilnahme, Zorn und Reizbarkeit widerzuspiegeln.[3]

3) Vernachlässigung der Kinder: Es ist eine natürliche Folge, dass nach langen Arbeitstagen nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter am Abend keine Kraft und Energie mehr hat, sich in Ruhe um die Belange der Familie zu kümmern. Wie viele Kinderzimmer gibt es, die vor Spielzeug platzen, und wie viele Kinder sitzen allein in diesen Zimmern und warten nur darauf, dass sich Vater oder Mutter zu ihnen setzen und mit ihnen spielen, plaudern, einfach da sind. In vielen Fällen und leider immer häufiger wird die Familie zum Kampfplatz der Kinder gegen Eltern und der Eltern untereinander. Medien wie Fernsehen, Internet, Kino und Zeitschriften fördern diese Tendenzen in großem Ausmaß. Scheidungen und Abschieben von Kindern in Heimen sind die Folge. In Deutschland wie auch in Österreich wird bereits jede 2. Ehe geschieden, und die Folgen für die Kinder sind in den meisten Fällen fatal.

Was ist mit den Häusern und Wohnungen dieser Familien? Sie sind tagsüber verwaist, sie stellen sogenannte Tagesruinen dar. Damit meine ich nicht materiell zerstörte und chaotische Wohnungen, sondern Wohnungen, in denen tagsüber, der Zeit des Lebens und Arbeitens, kein Leben ist, sich nichts abspielt, sie erkalten, und selbst die Nestwärme, die sie bieten sollten, geht verloren. Ihnen fehlt der gute Geist, die gute Seele, die das Zuhause, das Nest pflegt und gestaltet für diejenigen, die nach Hause kommen. Besonders schwierig wird die Situation für Kinder, die, wenn sie von der Schule heimkommen, die Wohnung leer vorfinden, die sogenannten Schlüsselkinder. Wo sollen sie hin mit all ihren Erlebnissen, Gedanken und Problemen, die sie aus der Schule mitbringen? Was sollen sie machen, wenn niemand daheim ist, dem sie sich mitteilen können?

Sie versuchen ihre Gedanken und Gefühle zu verdrängen und suchen sich im Internet Ersatz dafür, indem sie sich mit aggressiven Clips und Videos abzureagieren versuchen. Wenn diese Situation über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt, wird das Kind oder der Jugendliche nicht mehr das Gespräch mit den Eltern suchen, sich mehr und mehr in seine eigene Welt zurückziehen, so dass das Vertrauen in die eigenen Eltern langsam schwindet und nicht selten in Aggression und Intoleranz mündet. In diesem Zustand ist das Kind und vor allem der Jugendliche anfällig und aufnahmebereit für alle möglichen Strömungen und Idole, die draußen in der Gesellschaft kolportiert werden. Es beginnt mit Rauchen und Alkoholkonsum, Musik, Sex, Drogen, und das Alter, in dem Kinder und Jugendliche mit diesen Süchten beginnen, ist stetig im Sinken.

4) Psychische Probleme bei Kindern: Laut einer Studie der WHO über den Gesundheitszustand von Schulkindern in Österreich aus dem Jahr 2012 ist der Zustand der Jugendlichen alarmierend. „Die Kindheit hat ihre Unschuld verloren“, schreibt das Profil in seiner Augustausgabe. „Und die Seele der Jugend scheint so empfindlich gegen äußere Witterung zu sein, wie noch nie zuvor. Die Möglichkeiten, auf Abwege zu geraten, haben sich in den letzten Jahren potenziert. Essstörungen, Drogenkonsum, Alkoholsucht, Online-Besessenheit, Selbstverletzungen, Angstzustände und bipolare Störungen machen sich in einer Altersgruppe breit, deren Probleme eigentlich banal sein sollten.“ „In der prekären Lebensphase zwischen elf und siebzehn Jahren, also genau in dem Alter, in dem Kinder beginnen, den nach der Babyphase zweitwichtigsten Entwicklungsschub ihrer Biographie zu durchleben, sinkt die Lebenszufriedenheit immer mehr ab. Dieses Gefühl schlägt sich vor allem in Einschlafschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Gereiztheit und Angstzuständen nieder. Jeder sechste Jugendliche im Schulalter leidet mehrmals wöchentlich oder sogar täglich an diesen Symptomen.“ Die am häufigsten diagnostizierte psychiatrische Erkrankung in dieser Altersgruppe sind Angststörungen, und Angst ist die ideale Voraussetzung für die Sehnsucht nach Flucht in eine Welt, in der man den Irrsinn des Alltags vergessen kann.

„Der Jugendpsychiater Christian Kienbacher führt diese Entwicklung einer zunehmend angstbesetzten Jugend auch auf den erhöhten Leistungsdruck in der Gesellschaft zurück: ‚Die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler steigen stetig an, viele Jugendliche haben weitgehend durchstrukturierte Tage, die wenig Raum für sogenannte undefinierte Zeit lassen. Doch gerade in dieser Lebensphase ist eine Zeit der Regeneration und Entspannung unbedingt notwendig.‘ Versagensängste fordern schon bei Achtjährigen ihren psychosomatischen Tribut: Zehn Prozent der österreichischen Drittklässler klagen über Beklemmungsgefühle, Nervosität, Schlafstörungen und ständigen Kopfschmerz. Die Zahl der Online-Süchtigen wird in Österreich auf 60 000 bis 80 000 Personen geschätzt. In der Therapie wird jedes technische Gerät absolut verboten, denn „die Patienten müssen wieder lernen, sich selbst zu beschäftigen und sich nicht ständig berieseln zu lassen.“[4] Soweit der Lagebericht aus dem Profil.

Während auf der einen öffentlichen Seite die Berufstätigkeit der Frauen mit Fortschritt gleichgesetzt wird, wird ihr tatsächlicher Zustand der ständigen Überforderung, der Hektik, des Stresses und vor allem des ständigen schlechten Gewissens, zu wenig für Kinder und Familie tun zu können, mit einem absoluten Tabu belegt. Dabei sind die Folgen verheerend, „Hohe Scheidungsraten, niedrige Geburtenquoten, irritierte Männer, die keine Verantwortung mehr übernehmen möchten, verwahrloste Kinder, Frauen, die vermännlichen, und die höchsten Alkohol-, Depressions-und Gewaltzahlen der Geschichte.[5] Am meisten leiden unter diesen fatalen Entwicklungen normalerweise die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, also die Kinder. Sie werden so schnell es geht in fremde Hände gegeben, ihre Versorgung wird sogar staatlich unterstützt, aber meistens ist zu wenig und nur unzureichend ausgebildetes Personal vorhanden, um die Kinder altersgemäß zu betreuen.

5) Mangelnde soziale Kompetenz bei Kindern: In einer amerikanischen Studie wurde nachgewiesen, dass wenn im Alter der Kinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren die Mutter 30 oder mehr Stunden pro Woche arbeitete und ihre Kinder mehr Zeit in Betreuungseinrichtungen verbrachten als mit ihnen zusammen, die Mütter ein geringeres mütterliches Einfühlungsvermögen für die Kinder aufwiesen. Außerdem sei die Kindergartenfähigkeit, also soziale Kompetenz der Kinder im Alter von drei Jahren beeinträchtigt. Wenn die Qualität der Betreuung und die mütterliche Einfühlung niedrig waren, verstärkte sich noch die negative Auswirkung früher Vollzeit-Berufstätigkeit der Mutter auf die Kindergartentätigkeit. Auch viele Lehrer berichten, dass die Tendenz bestehe, dass die soziale Kompetenz der Kinder abnimmt. Selbstverständlich lassen sich auch Überforderungserscheinungen und Ratlosigkeit bei Erziehern bzw. Lehrern feststellen.[6] Da sich auch bei vielen muslimischen Frauen in Deutschland und Österreich heute zeigt, dass sie zunehmend mehr Gewicht auf den Beruf legen und der Familie wenig Raum lassen, was sich auch in einer viel geringeren Kinderzahl als bisher üblich sichtbar macht, ist das Bewusstsein für die genannten Tendenzen essentiell.

Lösungsansätze

Lösungen für das aufgezeigte Dilemma zu finden ist äußerst schwierig, da diese Diskussion über die Auswirkungen der Berufstätigkeit der Frau bzw. der Mütter auf die Erziehung der Kinder oft schnell von einer sachlichen Ebene auf gefühlsbetonte und emotionale Ebenen abrutscht und somit eine vernünftige Diskussionsbasis erschwert. Schnell werden Kritiker, die den Status quo der Gesellschaft analysieren und die gängige Politik in Frage stellen, mit heftigen Vorwürfen konfrontiert, wie z. B.: die Frau ins Mittelalter zurückkatapultieren zu wollen oder die Errungenschaften der Emanzipation zunichte zu machen usw., wodurch viele Kritiker aus Angst als frauenfeindlich verunglimpft zu werden, überhaupt davor zurückschrecken, ihre eigene Meinung öffentlich kundzugeben. Davon können Politiker und Persönlichkeiten wie z.B. Eva Hermann, die in Deutschland eine alternative Meinung zu diesem Thema vertritt und dafür ihren Posten als Moderatorin aufgeben musste, ein Lied singen.

Eine andere Problematik bei der Suche nach Lösungsansätzen ist, dass durch die Individualität und Unterschiedlichkeit der Frauen und auch Kinder keine Pauschallösungen weiterhelfen und möglich sind, dass konkret gesprochen Vorschläge, die für eine Frau ideal sind, möglicherweise eine andere ins Burnout führen können. Deshalb muss sehr differenziert in dieser Diskussion vorgegangen werden. Grundsätzlich ist meiner Meinung nach ein Weg zurück, durch den die Frauen wieder eingeschränkt werden und ihre Möglichkeiten sowohl auf dem Bildungssektor wie auch auf dem beruflichen Sektor eingeschränkt werden, weder richtig noch sinnvoll, da dieses einerseits wieder das Gegenteilige bewirkt und wiederum Vorwände für Feministinnen und die Vertreter von Gender Mainstreaming bietet, als frauenfeindlich verteufelt zu werden und andererseits nur die freie Entscheidung einer Frau, ihre Berufstätigkeit zu reduzieren oder aufzugeben, letztendlich nachhaltig die Qualität in der Kindererziehung steigern kann. Es gibt ja schließlich nicht wenige sogenannte „nur Hausfrauen“, die trotz keiner Doppelbelastung den erzieherischen Anforderungen nicht gerecht werden. Das einzige, was meiner Meinung nach zielführend ist, ist eine Schärfung und Stärkung des Bewusstseins von Frauen, aber auch von Männern, was ein nachhaltiges Umdenken bewirken kann:

1) Das Bewusstsein dafür, dass Frauen inzwischen bewiesen haben, dass sie in fast so gut wie allen Studienrichtungen, Bereichen und Sparten erfolgreich sein können, dass sie also nicht mehr beweisen müssen, dass sie genauso begabt, talentiert und kompetent sind um im Berufsleben bestehen und Karriere machen zu können, dass jedoch Schwangerschaft und Stillen nicht durch Zufall – wenn man an einen Sinn in der Schöpfung glaubt – den Frauen vorbehalten ist und es nicht ausgeschlossen ist, dass für einen essentiellen Teil der Erziehung Frauen von Natur aus evt. besser geeignet sind als Männer und sie deshalb nicht so leicht durch den Mann ersetzbar sind. Diese Annahme bestätigt sich vor allem auch dann, wenn man neuesten Ergebnissen aus der Gehirnforschung und Neuropsychiatrie Glauben schenkt. Die Neuropsychiaterin Louann Brizendine schreibt in ihrem Buch „The female brain“: Die körperlichen Signale des Kindes prägen im Gehirn neue neurochemische Übertragungswege, die Gehirnschaltkreise für Mutterverhalten schaffen oder verstärken, unterstützt werden sie dabei durch chemische Prägung und große Oxycotionmengen. Das Produkt dieser Veränderungen ist ein motiviertes, höchst aufmerksames, aggressiv beschützendes Gehirn, das die junge Mutter zwingt, anders als früher zu reagieren und im Leben neue Prioritäten zu setzen.[7]

2) Das Bewusstsein dafür, dass nur eine Frau in so vollkommener Weise für die Bedürfnisse und die Entwicklung eines Babys und Kleinkindes aber auch älterer Kinder sorgen kann und es in ihrer Hand liegt durch nachhaltige Arbeit auf diesem Gebiet den Grundstein für eine positive Entwicklung und ein glückliches und ausgeglichenes Leben ihrer Kinder zu legen. „Die Bindungsforschung geht davon aus, dass Babys und Kleinstkinder zuerst Sicherheit und Vertrauen zu ihren Eltern entwickeln müssen, bevor sie bereit sind, sich in unbekannte Situationen zu begeben, in denen sie auf sich allein gestellt sind[8]. Diese Sicherheit ist die Voraussetzung für den Erwerb der Fähigkeit, sich auf sich selbst verlassen und später von den Eltern ablösen zu können. Selbstsicherheit als Persönlichkeitsmerkmal ist ohne eine gewachsene Vertrauensbeziehung unmöglich, betonen die Bindungsforscher Karin und Klaus E. Grossmann, die unter anderem durch die „Regensburger Längsschnittstudie“ führend auf ihrem Wissenschaftsgebiet wurden.[9] Zahlreiche Mütter leiden an Entzugserscheinungen, wenn sie von ihrem Baby getrennt sind. Sie leiden an Angst oder sogar unter Panikattacken.[10]

3.) Das Bewusstsein, dass die öffentliche Meinung, die Medien und die Mainstream Politik in erster Linie wirtschaftliche Interessen vertritt, um billigere Arbeitskräfte zu lukrieren und mehr Einnahmen für die Versicherungen zu gewinnen. Dazu gehören u.a. der ständige Ausbau von Kinderkrippen für vor allem unter dreijährige Kinder, die großen Bemühungen für den Wiedereinstieg der Mütter nach der Karenz, Umschulungen und auch die Art und Weise der Diskussion zu diesem Thema. Es wird selbstverständlich vorausgesetzt, dass ein ehestmöglicher Wiedereinstieg für alle Mütter wünschenswert ist.

4.) Das Bewusstsein, dass die Mutterrolle als Vollzeitbetätigung auch durchaus Lust und Freude bereiten und sogar auch eine Art von Selbstverwirklichung bedeuten kann und nicht automatisch mit Verzicht, Opferbereitschaft und Dienen gleichgesetzt werden muss. „Wenn eine Frau die Lust Mutter zu sein, gezielt in den Mittelpunkt persönlicher Betrachtung stellt, macht sie damit keineswegs einen Rückschritt, sondern einen Schritt vorwärts, hin zu größerer Bewusstheit und einem stimmigerem Selbstbild.“[11]

5) Das Bewusstsein des Stellenwertes der Mutterrolle in der Religion. Dieser Stellenwert ist nicht nur im Islam sehr hoch, sondern umfasst im Prinzip alle Religionen. Im Islam wird die Ausübung der Mutterrolle nicht nur mit paradiesischem Lohn vergolten, sondern darin wird auch ein Mittel – die richtige Absicht vorausgesetzt – gesehen, auf der Leiter der Vervollkommnung hinaufzusteigen und sich spirituell weiterzuentwickeln und die Zufriedenheit Gottes zu erlangen.

6) Das Bewusstsein für die Rolle der Männer in der Aufwertung der Mutterrolle. Damit sogenannte „nur Hausfrauen“ bzw. „Heimchen am Herd“ die Fülle an Vorurteilen und Klischees ihnen gegenüber loswerden, spielen die Väter auch eine ganz besondere Rolle bei der Unterstützung zu Hause, aber auch bei der Wertschätzung der häuslichen Arbeit und der Erziehungsarbeit vor den Kindern und in der Umgebung durch unterschiedlichste Gesten und durch ihre Einstellung.

7)Ein Bewusstsein für die Gefühle der Kleinkinder. In der öffentlichen Diskussion um den Wiedereinstieg nach Karenz, Väterkarenz, Krippenplätze usw. wird die Stimme der Kleinkinder nicht gehört, da sie sprachlos sind und ihre Anliegen nicht äußern können.

8) Das Bewusstsein für die langfristigen Folgen fehlender Bindungen. Wenn die Bindung zu Vertrauenspersonen wie Mutter und Vater in den ersten Jahren nicht richtig stattfindet, können sich langfristig verheerende Folgen bei den davon betroffenen Kindern einstellen. Wie sich in wissenschaftlichen Untersuchungen herausgestellt hat, kann intensive Fürsorge – durch einen beliebigen vertrauenerweckenden Erwachsenen – dazu führen, dass Babys klüger und gesünder werden und später besser mit Stress umgehen können. Solche Eigenschaften bleiben das ganze Leben über bestehen und wirken sich wiederum auf das Leben der nächsten Generation aus. Auf der anderen Seite sind Kinder mit geringerer mütterlicher Fürsorge später als Erwachsene leichter gestresst, überempfindlich, unaufmerksam, krank und ängstlich. In einer der Untersuchungen, die sich damit beschäftigte, inwieweit sich mütterliche Fürsorge auf das Gehirn auswirkt, ergab sich, dass das Gehirn von Studierenden, die von ihrer Mutter nur in geringem Umfang versorgt wurden, im Positronenemissionstomogramm (PET) unverhältnismäßig stark auf Stress reagierte. Bei solchen Erwachsenen wurde der Studie zufolge eine größere Menge des Stresshormons Cortisol ins Blut ausgeschüttet als bei Gleichaltrigen, die in ihrer Kindheit intensiv von ihrer Mutter versorgt worden waren. In der Gruppe mit geringerer mütterlicher Fürsorge war auch Ängstlichkeit weiter verbreitet und das Gehirn ließ mehr Anzeichen von Wachsamkeit und Furcht erkennen.[12]

Es gibt Untersuchungen des Heidelberger Professors Ronald Grossarth, der seit 30 Jahren über 30000 Menschen regelmäßig interviewt und deren Lebensumstände untersucht. Er führte eine Art Lebensstilforschung durch und hat das weltweit größte Archiv einer solchen Datensammlung. In einer seiner Studien wollte er herausfinden, was ausschlaggebend dafür ist, dass ein Mensch glücklich wird. Er fand heraus, dass es vier Faktoren gibt, die menschliches Leben nachhaltig beeinflussen und prägen können und dass sich diese vier Faktoren in den ersten drei bis vier Lebensjahren eines Menschen entwickeln. An erster Stelle steht der Glaube, eine tiefe innige Beziehung zum Schöpfer. An zweiter Stelle steht dieser Untersuchung zufolge eine ununerbrochene zuverlässige Mutter-Kind-Beziehung. An dritter Stelle steht ein zuverlässig anwesender Vater. Wenn ein Mensch also sich innig mit Gott verbunden fühlt und diese Verbundenheit durch Gebete und ein möglichst tugendhaftes Leben aufrechterhält, stärkt und weiter ausbaut, so ist dies der Untersuchung Grossarths zufolge der allerwichtigste Grundstein für ein erfülltes und langlebiges Dasein. Alle Probleme und Schicksalsschläge, die einen Menschen treffen können, bewältigt der Gläubige eindeutig leichter und besser. Den Untersuchungsergebnissen zufolge steht übrigens eine natürliche und gute Mutterbeziehung in engem Zusammenhang zum Gottesglauben.[13]

9) Das Bewusstsein dafür, dass nirgendwo so eine individuelle Betreuung möglich ist, wie zu Hause. Kein Betreuer kann mehr auf die individuellen Bedürfnisse eingehen als eine Mutter, da sie die Stärken, Schwächen und Fähigkeiten ihres eigenen Kindes am besten kennt. Interessanterweise wird in Schulen, vor allem in Grundschulen und Kindergärten, stark versucht, die Betreuung so individuell zu gestalten wie möglich, was zudem hohe Kosten verursacht, da mehr Personal notwendig ist.

Weitere konkrete Lösungsvorschläge sind von der Politik zu verlangen dafür, wie die Familien die Wahl bekommen können zwischen Gratiskindergarten und Bezahlung für die Betreuung der Kinder zu Hause, womit der finanzielle Schaden der Mütter, wenn sie nicht Vollzeit oder gar nicht arbeiten, etwas ausgeglichen werden kann. Abgesehen davon sollten Müttern vermehrte Möglichkeiten für Teilzeitarbeit angeboten werden. Die Politik alleine kann jedoch sicherlich nicht die bestehende Situation verändern, sondern Privatinitiativen von Müttern, eine bessere Vernetzung von Müttern, die ihre Berufstätigkeit reduziert oder aufgegeben haben, Aufklärungsarbeit, Bewusstseinsbildung und Initiativen von religiösen Institutionen wie Moscheen oder Kirchen können auch hilfreich sein, um ein nachhaltiges Umdenken einzuleiten.

Fatima Lanzl

Quellen:

  • Hermann, Eva: Das Eva Prinzip. Wilhelm Goldmann Verlag 2007.
  • Hermann, Eva: Das Überlebensprinzip. Hänssler Verlag 2006.
  • Brizendinge, Louann: Das weibliche Gehirn. Wilhelm Goldmann Verlag 2008.
  • De Marneffe, Daphne: Die Lust Mutter zu sein. Kabel by Piper Verlag 2005.
  • Profil Ausgabe August 2012
  • Gottmann, John. Kinder brauchen emotionale Intelligenz. München und Zürich. Heyne Verlag 1997.
  • Lichtenegger, Barbara. Gefühle. Salzburg. Veritas Verlag 2009.

[1] De Marneffe, Daphne: Die Lust Mutter zu sein. S. 16

[2] Hermann, Eva: Das Überlebensprinzip. S. 33 ff

[3] Gottmann, Johm: Kinder brauchen emotionale Intelligenz. S. 257

[4] Profil Ausgabe August 2012. S.16 ff

[5] Hermann, Eva: Das Überlebensprinzip. S. 116

[6] Lichtenegger, Barbara: Gefühle. S. 5

[7] Brizendine, Louann: The female brain. S. 154

[8] Siehe Studien aus der Bindungsforschung.

[9] Hermann, Eva: Das Eva Prinzip. S. 99

[10] Brizendine, S. 172

[11] De Marneffe, Daphne: Die Lust Mutter zu sein S. 19

[12] Siehe Brizendine S. 176

[13] Hermann, Eva: Das Überlebensprinzip. S. 133 -134