Ammar ibn Yasir – Ein Vorbild für die Gläubigen

Imam Ali (a.s.) sagt in der 182. Predigt in Nahdsch-ul-Balagha: „Wo sind meine Brüder, die den richtigen Weg nahmen und auf dem Wege der Wahrheit gingen? Wo ist Ammar? Wo ist Ibn at-Tayyihan? Wo ist Dhu‘sh-Schahadatayn? Und wo sind die anderen unter ihren Brüdern, die sich gleich ihnen dem Tod verpflichtet haben und deren Häupter zu den Übeltätern befördert wurden?“

Jeder vernünftige Mensch hat in seinem Leben bestimmte Ziele. Um diese Ziele erreichen zu können, muss sich der Mensch anstrengen. Neben der Anstrengung bedarf es jedoch auch der Rechtleitung in Form von Vorbildern. Einer jener Menschen, der auch noch heute für uns eine wichtige Vorbildfunktion einnehmen kann, ist Ammar ibn Yasir.

Wer war Ammar?

Ammar zählt zu den bekanntesten Gefährten des Propheten Muhammad (s.a.). Sein Vater war Yasir und gehörte dem jementischen Stamm Bani Salebe an. Auf der Suche nach einem verloren gegangenen Bruder hatte es seinen Vater von Jemen nach Mekka verschlagen. Dort angekommen, machte er sich in der Stadt sesshaft und heiratete später die Sklavin Sumayya bint Khayyat. Sie gebar ihm einen Sohn, den sie Ammar nannten. Der genaue Zeitpunkt der Geburt von Ammar ist nicht bekannt, jedoch wird vermutet, dass er 43 Jahre vor der Berufung des Propheten Muhammad (s.a.) das Licht der Welt erblickte.

Ammar war von besonders hohem Wuchs, hatte wunderschöne große Augen und einen dunklen Teint. Er war ein Mensch, der wenig sprach, aber dafür umso mehr nachdachte. Sein Beiname (kunya) war Abu Yaghzan. Infolge der Berufung Muhammads (s.a.) zum Propheten des Islam gehörten Ammar und seine Eltern zu den ersten Personen, die seinem Aufruf folgten und den Islam annahmen. Da Yasir in Mekka keine Verwandten und Angehörigen besaß, waren er und seine Familie nach ihrer Konversion großen Repressalien ausgesetzt. Auch anderen Neumuslimen, wie etwa Bilal al-Habaschi oder Schuayb ar-Rumi, erging es nicht besser.

Qualvolle Lebensjahre

Die bestialische Folter der Neumuslime ging soweit, dass man sie zwang sich auf den heißen Wüstenboden zu legen, um ihnen in der glühenden Hitze einen großen Stein auf die Brust zu setzen. Ein anderes Mal wiederum legte man sie in schwere Ketten oder zog ihnen eiserne Rüstungen an. Dann wurden sie durch den Wüstensand gezogen. Jedes Mal, wenn Prophet Muhammad (s.a.) Zeuge ihrer Qualen und unerträglichen Folter wurde, forderte er sie zu Geduld und Ausdauer auf und versprach ihnen das Paradies.[1]

Ammars Vater, Yasir ibn Amir, starb letztendlich unter der Folter. Nur kurze Zeit später erlag auch seine Mutter Sumayya bint Khayyat ihren Verletzungen, nachdem Abu Dschahl ihr in den Bauch geschlagen hatte. Ammar ging mit diesem traurigen Schicksal in die Geschichte ein, denn er war der Sohn der ersten beiden Märtyrer des Islam.[2]

Das Schutzschild der Verstellung (taqiyya)

Nach dem Martyrium seiner Eltern nahm die bestialische Pein für Ammar weiter zu und die Folterungen wurden fortgesetzt. Sie endeten erst, als Ammar unter der Folter der mekkanischen Peiniger aufgab und dem Druck die Götzen anzubeten und sich von Prophet Muhammad (s.a.) loszusagen, nachgab. Diese Verheimlichung des eigenen religiösen Bekenntnisses (taqiyya) geschah jedoch nur, um den zunehmenden Misshandlungen und unermesslichen Qualen zu entkommen.

Völlig enttäuscht von sich selbst und unter Tränen begab sich Ammar zum Propheten. Voller Kummer berichtete er dem Gesandten Gottes davon, dass seine Zunge zwar erbärmliche Worte gesprochen hatte, sein Herz aber ganz anders fühlte. Liebevoll trocknete der Prophet die Tränen des gepeinigten Ammar und sagte: „Der Glaube an Gott hat Ammar von Kopf bis Fuß eigenommen und ist ihm in Fleisch und Seele übergegangen.“[3]

مَن كَفَرَ بِاللّهِ مِن بَعْدِ إِيمانِهِ إِلاّ مَن أُكرِهَ وَ قَلبُـهُ مُطمَئِنٌّ بِالإِيمانِ

Auch Gott sah dieses Verhalten von Ammar und wies im Qur‘an darauf hin: „Über den, der Gott verleugnet, nachdem er geglaubt hat – ausgenommen den, der dazu gezwungen wird und den rechten Glauben sicher im Herzen hat – und den Unglauben gern annimmt, wird Gottes Zorn kommen; und ihnen wird eine strenge Strafe zuteil werden.“ (An-Nahl | 16:106)[4]

Ein wahrer Gefährte

Mit jener unsäglichen Liebe, die Ammar für den Islam und den heiligen Propheten Muhammad (s.a.) empfand, gelang es ihm, diese schwierige Zeit zu ertragen und hinter sich zu lassen. Später gehörte er der ersten Gruppe von Muslimen an, die an der Seite von Dschafar ibn Abu Talib von Mekka nach Abessinien[5] auswanderten. Die Hidschra des Propheten, das heißt die Auswanderung von Mekka nach Medina, war der Grund dafür, dass auch Ammar nach Medina zog und sich dort niederließ. Mit all seiner Kraft und Stärke und den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln setzte er sich von nun an für den heiligen Propheten Muhammad (s.a.) und für den Islam ein.

Als der Prophet ein Baugrundstück für die Errichtung einer Moschee erwarb, sollten alle bei den Bauarbeiten mithelfen. Sogar er selbst legte Hand an und half fleißig mit.[6] Der fleißigste Arbeiter unter allen war jedoch Ammar. Er wurde nicht müde von der Arbeit und arbeitete ununterbrochen weiter. Im Gegensatz zu den anderen trug er immer doppelt so viele Ziegelsteine. Er sagte: „Die eine Hälfte ist für mich und die andere für den Propheten.“[7]

إنّکَ لَن تَموت حَتی تَقتُلکَ الفِئَةُ البَاغِیَة الناکِبَة عَنِ الحَقّ یَکونُ آخِرَ زادِکَ مِنَ الدنیا شَربَةُ لَبَنٍ

Eines Tages, als die Gefährten Ammar viele Ziegelsteine aufgeladen hatten, begegnete er dem Propheten und sagte: „Oh Prophet Gottes! Sie haben mich so stark beladen, als ob sie mich umbringen wollten.“ Der heilige Prophet streichelte über Ammars Bart und sagte: „Du wirst nicht sterben, bis eine Gruppe von Tyrannen und vom Recht Abgekommener dich töten. Dein letzter Proviant im Diesseits wird ein Schluck Milch sein.“[8]

Ammar war auch ein tapferer und gottesfürchtiger Krieger. Einer seiner wichtigsten Fähigkeiten war das frühzeitige Erkennen des Feindes. Er kämpfte in vielen Kriegen und Schlachten an der Seite des Propheten und er war einer der Helden von Badr. Sein Herz war so rein, dass sein Verstand mit Leichtigkeit Recht von Unrecht unterscheiden konnte. Bei der Schlacht von Ahzab und Khandaq war er einer der aktivsten Gefährten und wurde hierfür vom Propheten sehr gelobt.

Wie der Prophet ihn beschrieb

Prophet Muhammad (s.a.) sagte über ihn:

  • „Ammar ist ein Sinnbild des Glaubens und die Verkörperung der islamischen Werte.“
  • „Ammar ist mit der Wahrheit und die Wahrheit ist mit Ammar.“[9]
  • „Der Mörder Ammars ist ein Höllenbewohner.“
  • „Wann immer Ammar zwei Dinge angeboten werden, um eins davon auszuwählen, wählt er stets das aus, was für seine Entwicklung am geeignetsten und zu seinem Wohl ist.“[10]
  • „Jeder, der Ammar feindschaftlich gesinnt ist, dem ist auch die Feindschaft Gottes sicher, genauso, wie sich jemand den Groll Gottes zuzieht, wenn er Ammar gegenüber Missfallen empfindet.“[11]
  • „Das Fleisch und die Knochen Ammars sind dem Höllenfeuer verboten.“[12]
  • „Folget den Weg und Anweisungen Ammars, denn bis zu seinem letzten Atemzug wird er sich niemals von der Wahrheit und dem Recht abwenden. Er wird stets den Weg des Rechts gehen“.[13]
  • In einer Überlieferung vom Fürsten der Gläubigen, Imam Ali (a.s.), wird erwähnt, dass eines Tages Ammar kam und ihn darum bat, den Propheten sehen zu dürfen. Der Prophet hörte seine Stimme und sagte: „Gegrüßt sei der Gereinigte. Das ist Ammar, lasst ihn eintreten.“[14]

Nach dem Ableben des Propheten

Nachdem der heilige Prophet Muhammad (s.a.) verstorben war, trat Ammar wie viele andere Prophetenanhänger dafür ein, dass die Nachfolgerschaft des Propheten an jene übertragen wurde, die dafür auserwählt würden. Scheich Sadugh berichtet, dass Ammar sich während der ersten Freitagsansprache des ersten Kalifen an Abu Bakr wandte und sagte: „Beschlagnahme nicht das Recht, welches Gott einem anderen gegeben hat und sei nicht der erste, der den Befehl des Propheten Gottes missachtet. Gib das Kalifat an diejenigen weiter, die dessen würdig sind, damit du am Tag des Jüngsten Gerichts den Propheten zufrieden und erfreut über dich findest.“ [15]

Und obwohl Ammar nicht mit dem offiziellen Kalifat einverstanden war, hielt er es dennoch für angebracht, das Herrschaftssystem zu unterstützen, soweit es dem Islam dienlich war. So nahm er an einigen Schlachten teil und half mit, die Bewegung des falschen Propheten Musaylama al-Kadhab niederzuschlagen. So beschützte er die Grenzen des islamischen Reichs.[16]

Während der Herrschaft des zweiten Kalifen Umar ibn al-Khattab hatte Ammar zunächst das Gouvernement von Kufa übernommen. Der Kalif schrieb an die Kufaner, dass Ammar zu den edelsten Gefährten des Propheten zähle. Später jedoch wurde er seines Amtes enthoben und an seiner Stelle wurde Abu Musa al-Aschari als Nachfolger bestimmt.[17] Ammar wirkte auch bei der Eroberung von Madain mit, die zur Zeit des zweiten Kalifen unter der Führung von Saad ibn Abi Waqqas gelang.

Als mit der Ernennung von Uthman ibn Affan zum dritten Kalifen die Veruntreuung des Staatsvermögens durch dessen Angehörige begann, protestierte Ammar dagegen, was wiederum zur Folge hatte, dass sein Beliebtheitsgrad in Regierungskreisen stark sank. Die Staatsmänner grollten ihm und reagierten äußerst ärgerlich und erbost auf sein Verhalten. Ammar jedoch ließ es sich nicht nehmen, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren.

Als Uthman ibn Affan den Befehl zur Verbannung von Abu Dhar und seiner Familie in die unbewohnbare Wüste von al-Rabadha gab, war Ammar sehr wütend und empört. Obwohl die Verabschiedung von Abu Dhar strikt verboten war, nahm Abu Dhar gemeinsam mit Imam Ali (a.s.) an seinem Abschied teil.[18]

Als Imam Ali (a.s.) vierter Kalif wurde, war Ammar schon ein alter Mann. Dennoch sprühte er vor Lebensfreude und Tatkraft. Er gehörte zu den ersten Menschen, die Imam Ali (a.s.) den Treueid schworen.[19] Während der Amtszeit von Imam Ali (a.s.) war Ammar Oberbefehlshaber der Streitkräfte in Medina. Er half bei den Vorbereitungen zu den Kriegen von Siffin und Dschamal. Zusammen mit Imam Hassan (a.s.) war er für die Akquise von Streitkräften aus der Stadt Kufa zuständig. Seine Opferbereitschaft und sein Einsatz als Oberbefehlshaber der Truppen war bei diesen beiden Gefechten beispiellos. Dies wurde von allen Seiten anerkannt.

Scharfsinn und Pflichtbewusstsein

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen der Führungszeit des Propheten Muhammads (s.a.) und der Imam Alis (a.s.) war, dass die Reihen zwischen Recht und Unrecht klar und eindeutig voneinander getrennt waren. Unter der Leitung des Propheten war auf der einen Seite die Gefolgschaft des Frevels und auf der anderen die des Glaubens. Während die einen Götzen anbeteten und Anhänger des Unglaubens waren, beteten die anderen den einen Schöpfer an und waren Anhänger des Islam und der Erkenntnis.

Zu Lebzeiten von Imam Ali (a.s.) hingegen war es nur noch sehr schwer möglich, diese Gruppen klar und eindeutig voneinander zu unterscheiden. Es war nicht mehr so leicht möglich, die wahren Gläubigen inmitten der Ungläubigen aufzufinden. Beispielsweise sahen sich bei der Schlacht von Dschamal die Krieger Imam Alis (a.s.) einer Streitmacht von scheinbar ehrenwerten und gläubigen Kämpfern gegenüber. Im feindlichen Heer gab es z. B. Personen wie Zubayr oder Talha, die den einen oder anderen zum Grübeln brachten. Denn zu Lebzeiten des Propheten war Zubayr eine äußerst angesehene Persönlichkeit. Er zählte damals zu seinen nahen Gefährten. Auch nach dem Ableben des Propheten hatte sich Zubayr für Imam Ali (a.s.) eingesetzt und ihn verteidigt.

Unter solchen Bedingungen liegt es auf der Hand, dass das Erkennen von Recht und Unrecht sowie das Erkennen der persönlichen Pflicht sehr schwierig ist. Ammar jedoch war einer der Wenigen, die selbst während dieser so schwierigen Situation niemals den Weg der Gerechtigkeit aus den Augen verlor und niemals den Pfad der Rechtleitung verließ. Mit Wissen und Scharfsinn und durch die Befolgung der Anweisungen des Imams seiner Zeit erkannte er sämtliche abweichende Strömungen und half auch anderen den richtigen Weg zu finden.

Ibn Haredh Tamimi erzählte in diesem Zusammenhang: „Ich stand bei der Schlacht von Dschamal neben Zubayr, als mehrere Leute zu ihm kamen und sagten: ‚O Amir! Eine Gruppe von Personen, denen Ammar auch angehört, haben sich von Ali losgesagt. Sie wollen sich nun uns anschließen.‘ Daraufhin erwiderte Zubayr: ‚Bei Gott, das wird niemals geschehen, denn es ist unmöglich, dass Ammar sich von Ali trennt‘.“[20]

Ebenso wie bei anderen Gefechten, bei denen Ammar bereits seine Tapferkeit und Kühnheit unter Beweis gestellt hatte, wurde auch bei der Schlacht von Siffin die für ihn eigentümliche Kühnheit wieder jedermann gewahr. Mutig verteidigte er die Front des Rechtes gegenüber den Feinden, waren diese doch in den Kampf gezogen, um dem Unrecht zum Sieg zu verhelfen.

In seinen feurigen Kampfesreden forderte Ammar immer wieder die feindlichen Kräfte auf, ihren unrechten Standpunkt aufzugeben und sich auf die Seite des Rechts zu schlagen. Den eigenen Reihen hingegen, die auf dem Weg der Rechtschaffenheit waren, gebot er Standhaftigkeit bei der Befolgung ihrer Pflichten. Die erleuchtenden Ansprachen Ammars sorgten dafür, dass der Scharfsinn und die Wachsamkeit seines Heeres noch weiter zunahmen.

Ammar, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte von Imam Ali (a.s.), ging auf die Gegner zu und sagte: „In der Vergangenheit kämpften wir für die Wahrheit der Offenbarungen des Heiligen Qur’ans, doch nun kämpfen wir mit euch, um die wahre Deutung und Botschaft des Qur’ans sicherzustellen.“

Wie die Geschichte besagt, soll der Siffin-Krieg mehrere Monate angedauert haben. Ammar und seine Mitstreiter sahen sich Kriegern gegenüber, die sich regelmäßig zum Gemeinschaftsgebet versammelten, den Koran rezitierten und mit diversen Gottesdiensten beschäftigt waren. Es erforderte daher großen Mut von einem Muslim, sein Schwert gegen solche Personen zu erheben, die scheinbar dem Gebet zugetan und gottgläubig waren. Aus diesem Grund sagte Imam Ali (a.s.): „Zwischen euch und den Leuten der Gebetsrichtung (Ahl-ul-Qibla) wurde das Tor des Krieges geöffnet. In diesem Geschehen kann niemand die Fahne der Wahrheit heben, es sei denn, er hat ein richtiges Verständnis und ist standhaft in seinem Tun.“

قَدْ فُتِحَ بَابُ الْحَرْبِ بَيْنَكُمْ وَ بَيْنَ أَهْلِ الْقِبْلَةِ وَ لَا يَحْمِلُ هَذَا الْعَلَمَ إِلَّا أَهْلُ الْبَصَرِ وَ الصَّبْرِ

Jedes Mal, wenn unter den Kräften von Imam Ali (a.s.) Bedenken über die Richtigkeit ihres Vorgehens aufkamen, war es Ammar, der mit seinem Scharfsinn und seinen einleuchtenden Worten jeden aufkommenden Zweifel beiseite räumte.

Asma ibn Hakam Fazari berichtet: „Einmal stand ich in Siffin neben Ammar. Es war Mittag. Ein Mann kam zu Ammar und meinte: ‚Bislang bestand für mich keinerlei Zweifel daran, dass wir auf der Seite des Rechts sind. Ich war stets davon überzeugt, dass wir im Recht und unsere Feinde im Unrecht sind. Als ich jedoch aus dem feindlichen Lager den Gebetsruf hörte und die Krieger beim Gebet beobachtete und sah, wie sie das Glaubensbekenntnis sprachen, wurde ich unsicher und bekam Zweifel. Ich ging deshalb zu Ali (a.s.) und sprach mit ihm über meine Zweifel.‘ Er sagte: ‚Gehe zu Ammar und frage ihn, wie er darüber denkt‘.“

Ammar antwortete daraufhin: „An der Seite des Propheten (s.a.) habe ich bei drei Schlachten (Uhud, Badr und Hunain) mitgekämpft. Jedes Mal sahen wir das schwarze Banner von Amr ibn al-As in seiner Hand uns gegenüber stehend und dies ist nun das vierte Mal. Die Ansichten von Amr ibn al-As haben sich nicht geändert. Im Gegenteil: Sie sind noch schlechter geworden als früher und auch dieses Mal ist er nicht im Recht.“[21]

Der Einfluss des Gebets beim Erkennen des richtigen Wegs

Zweifelsohne kann in schweren Zeiten, die von Intrigen und Abirrungen überschattet sind, das Verrichten der Ritualgebete dazu beitragen, zwischen Recht und Unrecht unterscheiden zu können. Der Geist und die Seele des Gebets können die Dienerschaft gegenüber dem Schöpfer fördern und zur Stärkung des Glaubens beitragen. So kann sich der Mensch vor Abirrungen und Intrigen schützen und sich ans sichere Ufer retten.

Hierzu heißt es im Heiligen Qur‘an: „O ihr, die ihr glaubt: Wenn ihr Gott fürchtet, wird Er euch Entscheidungskraft gewähren und eure Übel von euch nehmen und euch vergeben; und Allah ist voll großer Huld.“ (Al-Anfal | 8:29)

Ammar gehörte zu jenen Frommen und Gottgläubigen, die sich in tiefem und wahrhaftigem Glauben unter Beachtung des Geistes und der Wahrheit des Gebets ihrem Schöpfer zuwandten. Er war zu einem ergebenen und demütigen Gottesdiener geworden, dem es ein Leichtes war, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Er ließ sich unter keinen Umständen vom rechten Pfad abbringen.

Der Märtyrertod

Im Siffin-Krieg hatte Ammar besondere Tapferkeit und Kühnheit bewiesen. Mutig und enthusiastisch war er auf das Schlachtfeld gezogen, wo er letztendlich den Märtyrertod fand. Obwohl das Martyrium von Ammar ein großer Verlust für Imam Ali (a.s.) und seine Gefährten darstellte, trug sein Tod dennoch dazu bei, das düstere Bild der gegnerischen Feinde und Ihre falschen Absichten, insbesondere die von Muawiya, zu entlarven. Hatte doch Prophet Muhammad (s.a.) vorausgesagt, dass einst eine Gruppe von Tyrannen und vom Recht Abgekommener Ammar töten wird.

Abu Abd al-Rahman al-Sollami, der zu den Anhängern Imam Alis (a.s.) gehörte, sagte in diesem Zusammenhang: „Nach dem Märtyrertod von Ammar kam mir der Gedanke, die feindlichen Stellungen zu unterwandern. Ich wollte auskundschaften, ob der Feind wisse, wen sie ermordet hatten. Tief in der Nacht erreichte ich die feindlichen Stellungen und mischte mich unter die Krieger von Muawiya. Plötzlich sah ich ihn und Amr ibn al-As und hörte, wie Abdullah sagte: ‚Heute habt ihr einen Mann getötet, von dem schon der Prophet (s.a.) gesprochen hatte.‘ Amr ibn al-As fragte verblüfft: ‚Was hatte denn der Prophet gesagt?‘. Abdullah sagte: ‚Prophet Mohammad (s.a.) hat Ammar prophezeit, dass Mitglieder einer verbrecherischen Gruppe von Tyrannen und vom Recht Abgekommener ihn töten werden.“

Als Amr ibn al-As das hörte, näherte er sich Muawiya und sagte: ‚Hast du gehört, was er gesagt hat?‘ Muawiya signalisierte seine Unwissenheit darüber. Dann wandte er sich erzürnt an Abdullah und sagte: ‚Du bist alt und verblödet. Du kannst dich nicht kontrollieren, doch nun rezitierst du uns eine Überlieferung des Propheten! Haben wir denn Ammar getötet? Derjenige ist für den Tod von Ammar verantwortlich, der ihn an die Kriegsfront mitgenommen hat.“ Als die unwissenden Anhänger Muawiyas diese Worte hörten, kamen sie aus ihren Zelten und sprachen: ‚So ist es, Ammar wurde durch denjenigen getötet, der ihn mit in den Krieg ziehen ließ.‘“ Abu Abd al-Rahman al-Sollami sagte später: „Ich weiß nicht, worüber ich mich mehr wundern soll, über Muawiya oder seine Anhänger.“[22]

Als Ammar den Märtyrertod fand, war er bereits 94 Jahre alt. Kurz bevor er zum letzten Mal ins Schlachtfeld zog, erinnerte er sich plötzlich an die Worte von Prophet Muhammad (s.a.), der gesagt hatte: „Milch wird dein letzter Proviant sein, bevor du stirbst“. Und so kam es, dass er seine Freunde um Milch bat, um sich mit einem Schluck zu stärken auf den Weg zu seinem letzten Kampf, wo er das Martyrium erlangte. Auf eigenen Wunsch hin wurde Ammar mit seinen von Blut durchtränkten Kleidern und ohne rituelle Waschung in Siffin begraben. Von Imam Ali (a.s.) hatte er sich erbeten, dass er für ihn das Totengebet hält. Nach seinem Martyrium sagte Imam Ali (a.s.): „Gott sei Ammar gnädig, an jenem Tag, an dem er den Islam annahm, am Tage, an dem er getötet wurde und an dem Tag, an dem er auferstehen wird.“[23]

رَحِمَ اللّهُ عمّاراً یَوْمَ اَسْلَمَ وَ رَحِمَ اللّهُ عمّاراً یَومَ قُتِلَ وَ رَحِمَ اللّهُ عمّاراً یَومَ یُبعث حَیّاً

Für jene, die wie Ammar die Wahrheit anstreben und sich für das Recht einsetzen, hat dieser tapfere und kühne Mann mit seinem Mut, seiner Geduld und seinem Glauben für immer viele Erinnerungen und einen Nachahmungspfad hinterlassen. Dazu gehören Aspekte wie Ammars Heldentum, seine Gottesehrfurcht und seine Loyalität zur Führerschaft (wilaya).

Autor: Seyed Mohsen Alebatool

[1] Ali ibn Abu Bakr al-Haythami: Madschma al-Zawa’id. Bd. 9, S. 223. Ibn Ishaq: Sirat Rasulallah, S. 192.  [2] Ibn Hadschar al-Asqalani: Al-Isaba fi Tamyiz al-Sahaba. Bd. 4, S. 585  [3] Scheich Tabarsi: Madschma al-Bayan. Bd. 6, S. 388.  [4] Dieser Vers ist nicht der einzige, den Gott in Bezug auf Ammar hernieder gesandt hat. Qur’an-Experten und Kommentatoren der Heiligen Schrift weisen darauf hin, dass noch zwei weitere Verse auf dieses Ereignis hinweisen: 39:9 und 6:52.  [5] Abessinien war eine Monarchie auf dem Gebiet der heutigen Staaten Äthiopien und Eritrea.  [6] Ibn Hisham: Sirat Ibn Hisham. Bd. 2, S. 144.  [7] Ibn Kathir: Al-Badayah wan-Nahayah. Bd. 3, S. 217.  [8] Allama Amini: Al-Ghadir. Bd. 9, S. 22.  [9] Ebd., S. 25.  [10] Ebd.  [11] Ibn Athir: Asadul Ghaba fi Marifatil Sahaba. Bd. 2, S. 46.  [12] Ali Khan al-Madani: Ad-Darajat ar-Rafiah fi Tabaqat ash-Shiah. S. 257.  [13] Sharh Ibn Abi al-Hadid: Sharh Nahj al-Balaghah. Bd. 8, S. 16.  [14] Ebd. Bd. 10, S. 104.  [15] Scheich Saduq: Al-Khisal. Bd. 2, S. 465.  [16] Mohamed Ibn Sa’d: At-Tabaqat al-Kubra. Bd. 3, S. 181.  [17] Ebd. Bd. 3 S. 255  [18] Tarikh al-Yacubi. Bd. 2, S. 70.  [19] Sharh Ibn Abi al-Hadid: Sharh Nahj al-Balaghah. Bd. 2, S. 25.  [20] Ebd. Bd. 2 S. 168.  [21] Seyed Mohsen Amin Ameli: Ayan al-Shia. Bd. 8, S. 374. Scheich Mufid: Al-Ikhtisas. S. 14.  [22] Tarikh al-Tabari. Bd. 50, S. 40.  [23] Mohamed Ibn Saad: At-Tabaqat al-Kubra. Bd. 3, S. 262.