Fragen und Antworten zum Fasten

Worin bestehen die Vorteile des Fastens?

Das Fasten bedeutet Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung. In der Religionswissenschaft heißt es, dass der Mensch für die Erfüllung des göttlichen Gebots von Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf all das verzichtet, wodurch das Fasten gebrochen wird. Angelegenheiten, die das Fasten brechen, sind folgende:

  • Essen und Trinken
  • körperliche Annäherung
  • Verleumdung Gottes und seiner Propheten
  • das Einatmen von Staub bis zur Kehle
  • das Tauchen des ganzen Kopfes unter Wasser
  • Intimverkehr
  • Masturbation
  • das Verbleiben in dem Janaba-Zustand
  • die nicht vollzogene rituelle Vollkörperreinigung (Ghusl) nach der Menstruation oder dem Wochenbett
  • selbstinduziertes Erbrechen und Einlauf

Das Fasten gehört zu den bedeutendsten Anweisungen des Islam, welches ebenfalls im Judentum und im Christentum als wichtiger Gottesdienst angesehen ist. Im Evangelium nach Lukas wird von den christlichen Aposteln gesprochen, die ebenso fasteten. [1] Der Heilige Qur‘an betont: „Oh ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.“ (Al-Baqara: 183) In der Thora wird der Prophet Moses (a.) erwähnt, der vierzig Tage lang gefastet hatte: „Als ich auf den Berg stieg, um die Gesetzestafeln, die euch Gott gesandet hat, zu empfangen, verweilte ich dort vierzig Tage und Nächte ohne Brot zu essen oder Trinken zu mir zu nehmen.“ [2] Das Fasten wird im Judentum als eine gottesdienstliche Tat betrachtet, die meist am Versöhnungstag des Jom Kippur vollzogen wird. An diesem Tag wird vom Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Nacht des folgenden Tages auf Essen, Trinken, Baden und Arbeit zugunsten der Buße verzichtet. Es wird in der Synagoge gebetet und um Schuldvergebung gebeten. [3] Das Fasten hat vielseitige Wirkungen und Vorteile für die Menschen: Das Fasten reinigt die menschliche Seele, stärkt den Willen und führt zur Selbstbeherrschung der Triebe.

Welche Formen des Fastens sind obligatorisch?

Die folgenden Formen des Fastens sind vorgeschrieben:

  • Das Fasten im heiligen Monat Ramadan
  • Das Bußfasten
  • Das Nachholen der nicht ausgeführten Fastentage im Monat Ramadan
  • Das Fasten, welches auf Gelöbnissen oder heiligen Eiden beruht
  • Das Fasten als Nachholen der versäumten Fastentage für Verstorbene gegen Entlohnung
  • Das Fasten am dritten Tag des Itikafs
  • Das Fasten als Ersatz für die Opferung während der Umra (Wallfahrt)

Welche Formen des Fastens sind nicht erlaubt (haram)?

Die verbotenen Formen des Fastens sind:

  • Das Fasten am Opferfest
  • Das Fasten am Fest des Fastenbrechens
  • Das Fasten während der Tashriq-Zeit (12., 13. und 14. Dhu-l-Hidscha ) für die Menschen, die sich in der Region Meena aufhalten
  • Das Fasten am Yaum-ul-shak, an dem Tag, an dem man nicht sicher ist, ob es der letzte Tag des Monats Schaaban oder der Beginn des heiligen Monat Ramadan ist
  • Das Schweigen als Form des Fastens
  • Das Fasten über Nacht bis zum Sonnenaufgang
  • Das Fasten einer Frau, die mustahab (empfohlen) fastet, obwohl der Ehegatte nicht einverstanden ist
  • Das mustahab Fasten eines Kindes, welches jedoch zur Verärgerung der Eltern führt
  • Fasten bei Krankheit oder von Personen, die durch das Fasten Schäden davontragen könnten
  • Fasten von Reisenden (außer in besonderen Situationen)

Wer sollte nicht fasten?

Die Folgenden sind nicht zum Fasten verpflichtet: [5]

  • Ältere Menschen, für die das Fasten eine Mühe sein könnte
  • Schwangere, sofern Risiken für die Gesundheit der Mutter oder des Kindes bestehen
  • Stillende Mütter, deren Milch austrocknen oder sie selbst geschwächt werden könnte
  • Kranke Menschen, die durch das Fasten gefährdet werden könnten
  • Diejenigen, die eine Krankheit haben, durch die sie schnell durstig werden und diesen Durst nicht aushalten können
  • Kinder, die das Pubertätsalter noch nicht erreicht haben
  • Frauen während der Menstruation oder während der Wochenbettblutung
  • Reisende, die weniger als 10 Tage auswärts zu bleiben beabsichtigen
  • Mädchen, die aufgrund ihrer körperlichen Schwäche gesundheitliche Folgen vom Fasten davontragen könnten
  • Personen, die nicht im Bewusstseinszustand sind
  • Geistig erkrankte Menschen

Inwiefern ist die Bezeichnung ‚Fest Gottes‘ im Fastenmonat Ramadan zu verstehen?

Das „Fest Gottes“ bezeichnet den Segen und die Gnade Gottes gegenüber all seinen Geschöpfen, da diese, unabhängig davon, ob sie gläubig oder ungläubig sind, unter der erbarmungsvollen Obhut Gottes leben. Gottes Güte im Monat Ramadan gilt jedoch im besonderen Maße den Fastenden. Gemäß den folgenden Überlieferungen ist der Monat Ramadan ein Fest Gottes:

  • Der Ramadan ist der Monat, dessen Beginn durch Gnade, dessen Mitte durch Vergebung der Sünden und dessen Ende durch die Befreiung von der Hölle gekennzeichnet ist. [6]
  • Am ersten Abend des Monat Ramadan öffnet sich die Tür des Paradieses und bleibt bis zum letzten Abend geöffnet. [7]
  • Der Teufel wird von den Menschen ferngehalten, damit er sie nicht beim Fasten hindern kann. [8]
  • Die Nacht der Bestimmung (Lailat-ul-Qadr) ist wertvoller als 1000 Monate und das Beten an diesem Abend erzielt geschätzte Wirkungen. Auch das Schicksal der Menschen kann an diesem Abend verändert werden.

Für die wahrhaftige Wertschätzung der Gaben dieses Monats empfehlen wir die folgenden Punkte:

  • Das Verhindern von unerwünschten Verhaltensweisen, die durch Sinnesorgane, wie z. B. Augen, Ohren und Mund, erfolgen. Es sollte nur erlaubtes (halal) Essen verzehrt werden und man sollte das Auge nicht auf moralisch unangesehenem Wege einsetzen.
  • Es sollte der Heilige Qur‘an rezitiert werden, z.B. jeweils 15 Minuten am Tag und weitere 15 Minuten am Abend.
  • Gebete (Bittgebete) können über die Tage verteilt werden. Sie können aber auch mehrere Male während des Tages aufgesagt werden. Vorzugsweise kann man den Gebeten abends einen längeren Zeitraum widmen. Falls einige Gebete länger sein sollten, können diese auch über mehrere Tage hinweg aufgesagt werden.
  • Für die optimale Nutzung der Zeit, in der man unterwegs ist, können Lobpreisungen bzw. Anrufungen Gottes (Zikr) im Stillen, also stimmlos, verlesen werden. Die mündliche Lobpreisung sollte sich zur innerlichen verwandeln. In diesem Sinne sollte die Achtsamkeit soweit auf die Anrufung Gottes gerichtet sein, so dass man die Anwesenheit Gottes spürt. Zu den besten Lobpreisungen, die bei physischen als auch psychischen Belastungen hilfreich sind, gehören Istighfar und La ilaha illa lah („Es gibt keinen Gott außer Gott“).
  • Vorteilhaft ist es ebenfalls, ganztags mit der Gebetswaschung (Wudhu) beschäftigt zu sein. Sogar vor dem Schlafengehen ist die Gebetswaschung empfohlen. Denn im heiligen Monat Ramadan ist selbst der Schlaf eine Form des Gebets und das Atmen gilt als Lobpreisung Gottes (Tasbih). • Die Gelegenheit zum Wachbleiben an den Abenden, deren darauffolgender Tag ein freier Tag ist, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Besonders die Nächte der Bestimmung sollten zum Beten genutzt werden, da zu den wichtigsten Taten in diesem Monat das Wachbleiben an Abenden und das Beten, insbesondere Tahajjud, Istighfar sowie das Nachtgebet um Mitternacht, gehören.
  • Empfohlen ist die Teilnahme an Veranstaltungen bezüglich der religiösen Pflichten und Verhaltensweisen (Ahkam) und Gebetverlesungen in Moscheen oder an anderen Orten. Die Anwesenheit bei religiösen Veranstaltungen bzw. Sitzungen führt dazu, dass der Mensch von Gottes Gnaden mehr zu hören und zu spüren bekommt. Dementsprechend stärkt sich nicht nur der Glaube, sondern auch die Spiritualität der Individuen.
  • Während des Monats Ramadan sollten schwerwiegende Sportarten eher vermieden werden und nur leichte Übungen verrichtet werden. Das langsame Wandern könnte eine Alternative sein.
  • Speisen, die proteinreich sind und natürlichen Zucker enthalten, sollten öfters zu sich genommen werden (beispielsweise Datteln und Milchprodukte).
  • Vor Fastenbeginn und beim Fastenbrechen (Iftar) wird von übermäßigem Speisen abgeraten, da dies nicht nur den Schlafrhythmus, sondern auch die Verrichtung der spirituellen Vorhaben, wie das Beten, beeinträchtigen könnte.
  • Die körperliche und geistige Energie sollte vorzugsweise nicht verschwendet werden. So sollte das Anschauen von nicht notwendigen Fernsehprogrammen oder das überflüssige Sprechen vermieden werden.

Was für eine Verbindung besteht zwischen dem Heiligen Qur‘an und dem Fastenmonat Ramadan?

Und weshalb wird dieser Monat als der ‚Frühling des Qur‘an‘ bezeichnet? Aus den Suren und Überlieferungen wird ersichtlich, dass das Fasten nicht nur eine achtungsvolle Art des Gebets ist, das viel Lohn verspricht, sondern auch eine Einführung auf dem Weg der Sittlichkeit. In diesem Sinne heißt es im Heiligen Qur‘an: „Oh ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.“ (Al-Baqara: 183) Die vollkommene Rechtleitung ist von der Bewusstwerdung des Heiligen Qur‘an abhängig: „Alif Lam Mim. (1) Dies ist (ganz gewiss) das Buch (Allahs), das keinen Anlass zum Zweifel gibt, (es ist) eine Rechtleitung für die Gottesfürchtigen.“ (Al-Baqara: 1-2) Das Besondere an diesem Monat ist, dass der heilige Qur‘an in ihm offenbart wurde: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur`an als Rechtleitung für die Menschen herab gesandt worden ist […].“ (Al-Baqara: 185) Aus diesen Suren wird die tiefgründige Verbindung zwischen dem Heiligen Qur‘an und dem Fastenmonat Ramadan deutlich. Genauso wie im Frühling die Natur erblüht und der Mensch an Freude gewinnt, ist der Heiligen Qur‘an der Frühling der Herzen. Durch das Rezitieren, Erlernen und Verstehen der spirituellen Tugenden des Heiligen Qur‘an bleiben die Seelen immerzu zum wahren Leben erweckt. Imam Ali (a.s.) sprach: „Erlernt das Buch Gottes, denn es enthält die schönsten und lehrreichsten Ansprachen. Und versteht den Sinn dieser Weisheiten, da es den Frühling für eure Herzen bringt.“ [9] Der gesegnete Prophet (s.a.s.) sagte, dass das Rezitieren eines einzigen Verses aus dem Heiligen Qur‘an während des Fastenmonats Ramadan der Rezitation des gesamten Heiligen Qur‘an gleicht. [10]

Anmerkungen: 1) Lukas Evangelium 5:3533. 2) 5. Buch Mose; Deuteronomium, 9,9. 3) Tofighi, Hossein: Kenntnis über die großen Religionen, S. 94. 1) Lukas Evangelium 5:3533. 2) 5. Buch Mose; Deuteronomium, 9,9. 3) Tofighi, Hossein: Kenntnis über die großen Religionen, S. 94. 5) Tozih-Al-Masael Maradsche, Frage 1729. 6) Mizan-ul-Hikmah, Bd. 5, S. 2132. 7) Ebd. sowie Bihar-ul-Anwar, Bd. 96, S. 344. 8) Mizan-ul-Hikmah, Bd. 5, S. 2132. 9) Ibn Schuba Al-Harrani: Tuhaf Al-Uqul, S. 150. 10) Ayun Akhbar Al-Ridha, Bd. 2, S. 266.