Deutsche Erziehung und Erziehungswesen

Im Rahmen des Symposiums „Frauen im Spannungsfeld von Beruf und Erziehung“ möchte ich einen kleinen Einblick in die deutsche Erziehung und das hiesige Erziehungswesen geben, sie in einen historischen Kontext setzen und auffallende konkrete interkulturelle Unterschiede in ausgewählten Erziehungsfeldern aufzeigen.

Jeder, der nicht in seiner eigenen Heimat lebt, weiß, welch große Kulturunterschiede es gibt. Diese Unterschiede betreffen Normen, Werte, Moralvorstellungen und Ethik, Traditionen und Religion. Zwar gibt es einige kulturübergreifende und damit universelle Persönlichkeitsstrukturen[1], jedoch sind diese unterschiedlich gewichtet, so dass sich daraus Mentalitäten ergeben, die ein Volk letztendlich ausmachen. Diese kulturimmanenten Mentalitätsunterschiede basieren auf Erfahrungen und der Art und Weise, wie die jeweilige Umwelt wahrgenommen wird; sie sind im historischen Kontext zu verstehen und münden in Konzepten, nach denen gehandelt wird. Auch im Bereich der Erziehung ergeben sich auf diese Weise Schwerpunkte, die komplett mit denen anderer Kulturen differieren. Über diese kulturimmanenten Unterschiede im Erziehungsstil müssen wir uns spätestens dann im Klaren sein, wenn wir unsere Kinder in die Obhut jener Erzieher bzw. jenes Erziehungswesens geben.

Im Rahmen der Persönlichkeitsforschung wurden von Costa und McCrae die fünf Basisdimensionen der Persönlichkeit beschrieben (Big Five). Sie lauten Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Gewissenhaftigkeit und Hilfsbereitschaft. Dieses Fünf-Faktoren-Modell hat den Anspruch, ein invariantes, robustes und universelles Beschreibungssystem der Persönlichkeit zu sein.

Der Erörterung dieses Themas liegt folgende Gliederung zu Grunde, wobei hier im Speziellen das Hauptaugenmerk auf die frühkindliche Erziehung gelegt wird:

  1. Dichotomie
  2. Kurzer historischer Überblick der frühkindlichen Sozialisation und Erziehung
  3. Beispiele interkultureller Unterschiede anhand konkreter Erziehungsthemen

 

Dichotomie

 

Einer meiner Ansicht nach wichtigsten Unterschiede zwischen der hiesigen Kultur und unserem Kulturkreis ist die Dichotomie Individualismus/Kollektivismus, auf die ich im Folgenden genauer eingehen möchte.

Das Konstrukt Individualismus/Kollektivismus hilft Kulturen zu verstehen und bestimmte psychologische Phänomene kulturellen Eigenheiten zuzuschreiben. Hofstede prägte 1980 diese Begriffe: „Individualismus/Kollektivismus (I/C) fällt weitgehend mit westlichen und nichtwestlichen Kulturkreisen zusammen“ (Eckensberger & Römhild, 2000). Individualisten unterscheiden sich von Kollektivisten in vielerlei Hinsicht: sie sehen sich als autonome, von anderen unabhängige Einheiten, legen Wert auf Freiheit, Lust und Gewinn im Wettstreit, behalten persönliche Ziele im Auge und ordnen ihre individuellen Rechte nie denen einer Gruppe, so dass sie sich auch keiner Gruppe verbunden fühlen. Bei Konfliktsituationen geben sie den horizontalen Beziehungen den Vorrang (also z.B. zu Ehepartnern). Kollektivisten sehen sich eingebettet in einer Gruppe, fühlen sich ihr zugehörig und ziehen Gruppenzielen den eigenen Zielen vor. Sie legen Wert auf Solidarität, Sicherheit, Harmonie sowie Hierarchie, Pflicht und Gehorsamkeit. Kollektivisten betonen demnach die Wichtigkeit der vertikalen Beziehungen (zu Großeltern, Eltern, Kindern). Als Folge hiervon leben natürlicherweise die Kinder bis zu ihrer Heirat bei ihren Eltern und ältere Menschen bis zu ihrem Lebensende bei ihren Kindern. Von verschiedenen Autoren wurden Skalen zur Messung von I/C entwickelt (Hofstede 1982; Yamaguchi, 1990;..). Am höchsten liegen die Individualismus-Werte bei US Amerikanern mit 91, am niedrigsten bei Venezuelanern bei 12; Iraner weisen den Wert 41 auf.

Vor diesem Hintergrund Individualismus/Kollektivismus ist ein frappierender Mentalitätsunterschied zu sehen und es sollte bedacht werden, dass Verschiebungen in Richtung Individualismus im Sinne einer kulturellen Anpassung bei unseren Kindern nicht nur aus dem hiesigen Erziehungswesen resultieren, sondern natürlich auch aus einem länger andauernden Aufenthalt in einem individualistischen Land. Meines Erachtens ist das positiv zu bewerten, denn wer hier lebt, muss mit seinen Mitmenschen „auf einer Wellenlänge“ sein können. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass die eigene kulturelle Identität aufgegeben wird. Nein, vielmehr konnten anhand von interkulturellen Studien, die auf Deutsch und Iranisch durchgeführt wurden, festgestellt werden, dass bestimmte psychokulturelle Veränderungen nur in der deutschen Sprache zum Ausdruck gebracht werden können, weil die iranische Muttersprache keine bzw. wenig semantische Struktur zum Ausdruck einer individualistischen und selbstzentrierten Haltung bietet[2].

In diesem Sinne wird in deutschen Kitas und Schulen der Schwerpunkt auf Förderung von Selbständigkeit und Individualität gelegt, wohingegen in unseren Kulturkreisen die Erziehungsschwerpunkte klar kollektivistisch auf Respekt, Gruppenzugehörigkeit und Gemeinschaft liegen. Auch die Ausrichtung auf die persönliche Freiheit in der deutschen Erziehung, die schließlich mit dem Erreichen der Volljährigkeit ihren Gipfel erreicht und sich als absolute Unabhängigkeit manifestiert, ist in dem Zusammenhang des Individualismus zu sehen. Wir hingegen setzen unseren Kindern schon früh Grenzen, sei es nun kulturell oder religiös bedingt (konkretes Beispiel: bestimmte Ess-, Trink- und Verhaltensverbote).

Kurzer historischer Überblick der frühkindlichen Sozialisation und Erziehung

Wie bereits oben erwähnt, beruhen Erziehungskonzepte auf Erfahrungen und Wahrnehmungen der Umwelt, insbesondere in einem geschichtlichen Kontext. Dazu hat Miriam Gebhardt in ihrem Buch „Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen“ (2009) eine historische Untersuchung zur frühkindlichen Erziehung im 20. Jahrhundert in Deutschland vorgenommen. Um es vorwegzunehmen, daraus geht eines hervor: Erziehungstheorien sind immer „ein Kind ihrer Zeit“ und verändern sich mit jedem gesellschaftlichen Wandel. So erfahren wir, dass in Deutschland schon weit in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Kindererziehung als Aufgabe galt, die nur durch die Anleitung von Experten zu bewerkstelligen ist. Eltern wurden angehalten, Elterntagebücher zu führen. Dieses hat sich in deutschen Familien bis heute noch gehalten, dient der Erweiterung des Wissensspektrums und wird für Studienzwecke verwendet. Bezeichnend aber für die deutsche Anschauungsweise zur frühkindlichen Erziehung und Sozialisation[3] ist die Zeit des Nationalsozialismus.

Fachleute wie Wissenschaftler, Ärzte und Hebammen stellten verbindliche Regeln für Pflege und Erziehung des Säuglings bzw. Kleinkindes auf. Rein methodisch, sachlich und ohne jede Emotionalität wurden einheitliche Schlaf- und Esszeiten festgelegt, die Erziehung zur Reinlichkeit und die Begrenzung der Dosis an Umweltreizen gefordert. Es wurde empfohlen, den Körperkontakt nur auf ein Minimum zu reduzieren und dem Kind weder Zärtlichkeiten noch Mitleid entgegenzubringen. Die gehorsamen Eltern dachten, dass sie nur auf diese Weise die Kinder auf die Härten des Lebens vorbereiten konnten. In Wahrheit zielten diese Maßnahmen darauf ab, die Mutter-Kind-Beziehung zu lösen, also emotionale Distanz zu schaffen und den Weg zu ebnen für Kontrolle, Planung und Normierung, welches darin gipfelte, dass die Kinder in spezielle staatliche Einrichtungen, sogenannte Lebensborn-Heime, gesteckt wurden, wo sie letztlich für politische Zwecke missbraucht wurden (wie in der Hitlerjugend, durch die Parteimitgliedschaft und letztlich den Einsatz für Hitlers Sache). Aus dieser Zeit entstammt auch das Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer (1934), welches zu besagten Regeln indoktrinierte und in nur leicht veränderter Ausgabe bis 1987 erhältlich war. Es galt als Standardwerk, das über Generationen hinweg in deutschen Bücherregalen Einzug hielt und über Generationen hinweg sich bei der Kindererziehung hartnäckig durchsetzte. Dieser autoritäre Erziehungsstil wurde im Zuge der 68er Bewegung umgekippt und führte zu einem demokratischeren bzw. antiautoritären Erziehungsstil. Wiederum andere Experten gaben den Ton an.

Während in den 20er Jahren Säuglinge als passiv, asozial und empfindungslos angesehen wurden und man deswegen dem Weinen der Babys keine Beachtung schenkte und sie narkosefrei operierte, weiß man heute, dass kognitive Kompetenzen in den ersten Lebensstunden bzw. bereits im Mutterbauch erlangt werden[4]. Beziehungserfahrungen bewirken Vernetzungen im Gehirn und wirken sich positiv auf das ganze Leben aus[5]. Insgesamt wird großer Wert auf die Mutter-Kind-Beziehung gelegt und die emotionale Interaktion zwischen Mutter und Kind als Voraussetzung für eine gute Persönlichkeitsentwicklung gesehen[6].

Aus soziologischer Sicht erkennen wir heute aber wieder eine latente Angst der Eltern vor Tyrannenkindern[7]. Die Kinder scheinen zu entgleiten und deshalb sollen Fachleute sich wieder einmischen und die richtigen Erziehungsregeln vorgeben. Sendungen wie die „Supernanny“ boomen und spiegeln die Expertengläubigkeit der Bevölkerung wider. Diese appellieren an die Eltern, wieder mehr Konsequenz, Strenge und Disziplin anzuwenden und klare Grenzen im Rahmen einer autoritären Erziehung aufzuzeigen. Während in den 70er Jahren Chancengleichheit in Schule und Bildung angestrebt wurde, gibt es heute tendenziell zunehmend den Wunsch nach Peergroups, in denen sich Eliten (und solche, die es sein wollen) abkapseln und beispielsweise Privatschulen besuchen oder wie in Hamburg eine Schulreform, die auf Chancengleichheit abzielt, verhindern.

Darüber hinaus strebt die Politik eine Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr und Ganztagsschulen an, was vor allem Kindern aus sozial niedrigen Schichten und Migrantenkindern zu Gute kommen soll. Von einzelnen Ökonomen wird sogar eine Betreuung ab der sechsten Woche gefordert[8]. Die Motivation zu derlei Vorhaben liegt in wirtschaftlichen Interessen, denn in Deutschland gibt es im Vergleich zu anderen Industrienationen eine erst spät einsetzende außerhäusliche Betreuung, so dass die Frauen später in den Arbeitsmarkt zurückgelangen. Erziehung soll in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kitas stattfinden, um den überforderten Eltern aus der Unterschicht zu helfen. Die Familie soll nicht mehr der zentrale Ort der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen sein und ihre dominierende Rolle verlieren. Durch die „Verortung“ der frühkindlichen Erziehung in staatlichen Einrichtungen werden aber Familien in Bezug auf ihre natürlichen Aufgaben entmündigt, weil es scheinbar insbesondere den „Asozialen“ und Migranten nicht zugetraut wird, dass sie dem gesundheitlichen und geistigen Wohl der Kinder Rechnung tragen können. Diese staatliche und institutionelle Einmischung in die zentralen Aufgaben der Familie gab es schon im Nationalsozialismus und sie führte zu einer Entfremdung der Kinder von ihren Eltern und somit zu Bindungsstörungen.

In diesem Zusammenhang wollte ich noch einen weiteren Paradigmenwechsel in der Politik schildern. Während noch vor einigen Jahren im Zuge einer gelungenen Integration gefordert wurde, dass die Kinder so früh wie möglich an die deutsche Sprache und Kultur herangeführt werden, wird heute propagiert, die Kinder sehr wohl in ihrer Muttersprache und mit ihrer Heimatkultur aufwachsen zu lassen, die quasi nebenher die deutsche Sprache und Kultur erlernen sollten. Das Ergebnis der früheren Empfehlung war nämlich, dass die Kinder weder die Muttersprache noch die deutsche Sprache richtig beherrschten und sich weder der elterlichen noch der deutschen Kultur zugehörig und von dieser akzeptiert fühlten und quasi entwurzelt und orientierungslos waren. Solche Heranwachsende sind bewiesenermaßen anfälliger für eine Vielzahl psychischer Leiden.

Vor diesem Hintergrund lässt sich ersehen, wie kurzlebig aktuelles Fachwissen auch im Bereich der Erziehung sein kann. Genauso, wie sich die Gesellschaft in stetigem Wandel befindet und nicht statisch ist, verändern sich mit ihr auch die Ansichten über die Erziehung und die frühkindliche Sozialisation. Statt sich aktuellen Erziehungsstandards und Meinungen zu dieser zu verschreiben, sollte man diese kritisch hinterfragen und keinesfalls seiner elterlichen Intuition entgegen handeln.

Außerdem haben wir noch die Option zu schauen, welche Empfehlungen unser Glaube uns im Hinblick auf Erziehungs-, Beziehungs- und Sozialisationsfragen gibt.

Beispiele interkultureller Unterschiede anhand konkreter Erziehungsthemen

In diesem Abschnitt möchte ich einige auffallende konkrete interkulturelle Unterschiede in Erziehungsfragen aufzählen und erläutern: So wie bereits in der Überschrift formuliert (Deutsche Erziehung und Erziehungswesen: Chancen und Risiken), werden einige dieser Unterschiede positiv und somit als Chance und Bereicherung empfunden. Andere, unserer Kultur und Mentalität widersprechende Aspekte, die ich plakativ als Risiken bezeichne, müssen wir insbesondere als berufstätige Mütter bewusst wahrnehmen und ihnen korrigierend entgegenwirken.

Als erstes Beispiel wähle ich das Thema der sexuellen Aufklärung, die wir in unserem Kulturkreis einer unbeschwerten Kindheit zuliebe gerne nicht bzw. spät beginnen. „Sexualerziehung als Bildungsauftrag der Schulen ist mittlerweile in den Schulgesetzen aller Bundesländer verankert“[9]. Dafür gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Richtlinien vor. Im deutschen Erziehungswesen beginnt die sexuelle Früherziehung meist schon im Kindergarten, setzt sich in der Grundschule fort und erfährt ihren Abschluss ungefähr in der 7. und 10. Schulklasse. Zeugung und Verhütung werden schon im Grundschulunterricht thematisiert und die Tatsache, dass das Thema Homosexualität in einigen Bundesländern nicht oder nur marginal behandelt wird, stößt von Seiten der Experten der BZgA auf Kritik. Zwar mag die Erörterung dieser Themen in dieser Gesellschaft angesichts des Stellenwertes der Medien und des Internets wohl berechtigt sein. Trotzdem bereitet uns diese „Tabulosigkeit“ Kopfschmerzen. Auch wenn beispielsweise im Zuge einer lückenlosen Aufklärung schon im Kindergarten bei dem Thema Heirat die gleichgeschlechtliche Ehe auf eine Stufe mit der nicht gleichgeschlechtlichen Ehe gestellt wird (weil die Gesetzgebung dieses so vorsieht), sollen unsere Kinder zu „toleranten“ Menschen erzogen werden… Wenn wir als berufstätige Mütter nicht wachsam sind, entgeht uns, was unseren Kindern als normal suggeriert wird. Mit einem: „Nein, mein Kind, bei uns ist das aber nicht so!“ können wir dem entgegenwirken.

Die Darstellung des Islam in deutschen Schulbüchern wurde von Professor Abduljavad Falaturi und Udo Tworuschka untersucht (1991). Heraus kam, dass nicht nur in deutschen Schulbüchern, sondern auch in denen vieler anderer europäischer Länder den Schülern schlichtweg unkorrekte und unsachgemäße Darstellungen unseres Glaubens den Schülern vermittelt werden. Auch hier gilt es, durch bewusstes Vorleben den Kindern den wahren Glauben zu vermitteln.

Das deutsche Bildungs- und Erziehungswesen hat neben den genannten Risiken auch eine Menge Chancen, die wir bewusst wahrnehmen sollten und von denen wir profitieren können. Beispielsweise ist die Konsequenz ein Erziehungskonzept, das nachzuahmen durchaus würdig ist. In Deutschland werden die Erzieher dazu angehalten, Kindern Grenzen zu setzen und sie nicht maßlos zu verwöhnen. Diese Konsequenz soll bewusst geschehen, basiert ebenfalls auf Liebe und soll das Kind auf sein Leben vorbereiten, indem es die narzistische Selbstzentriertheit aufgibt und Frustrationstoleranz einübt[10].

Hiesige Psychologen und Pädagogen raten den Eltern dazu, differenzierter zu formulieren. Z.B. soll es heißen: „Ich bin nicht sauer auf Dich, sondern über das, was Du getan hast“. Das Kind wird somit nicht pauschal verurteilt, sondern nur die besagte Tat. Das Selbstwertgefühl des Kindes bleibt somit unangetastet[11]. Darüber hinaus wird empfohlen Kindern mehr Verantwortung zu übertragen, z.B. für bestimmte häusliche Arbeiten. Seinem Kind nichts abzuverlangen, außer der Pflicht zu guten schulischen Leistungen, wird als tadelnswert angesehen. Damit werde den Kindern die Chance entzogen, jenseits von Schule ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen (Hoffmann-Kunz, 1995).

Psychologen und Pädagogen empfehlen Eltern, von Anfang an im Umgang mit ihren Kindern sachlich zu bleiben. Eltern und Erzieher sollen das Kind durch logische Folgen lernen lassen und nicht herbeieilen, um das Kind vor einer mäßig starken, drohenden Gefahr zu schützen[12]. Deutsche Erzieher definieren Hygiene und Sauberkeit anders. Experimente mit Sand, Erde, Stöckern und Matsch gelten nicht als unhygienisch und erweitern den Erfahrungsspielraum der Kleinen. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass Mütter hierzulande angehalten werden, sich nicht ausschließlich über ihre Mutterrolle zu definieren und das Kind zu Selbständigkeit zu erziehen, hilft den Müttern, nicht in eine Sinnkrise zu stürzen, wenn die Kinder das Haus verlassen. Dies hilft andererseits den Kindern, auch jenseits des Elternhauses auf eigenen Beinen zu stehen und ein würdiges Leben führen zu können.

Möge Gott, der Gnädige, uns bei allen unseren Bemühungen um unsere Kinder und Familien helfen, rechtleiten und schützen.

Dr. Marjan Heidarinami

Literaturverzeichnis

Bowlby, J.: Maternal Care and Mental Health. Genf WHO 1951.

Costa, P.T., McCrae, R.R.: Four Ways Five Factors are Basic. Personality and Individual Differences. 1992.

Dasen, P.: Ein integrativer theoretischer Rahmen menschlicher Entwicklung, in: Trommsdorf, G., Konradt, H.J.: Theorien und Methoden kulturvergleichender Psychologie. Göttingen 2007.

Dreikurs, R., Grey, L.: Kinder lernen aus Folgen. Herder, Freiburg 1995.

Eckensberger, L.H., Römhild, R.: Kulturelle Einflüsse, in: Amelang Enzyklopädie der Psychologie, Determinanten kultureller Unterschiede, Bd. 4, Hogrefe, Göttingen 2000.

Falaturi, A., Tworuschka U.: Der Islam im Unterricht. Beiträge zur interkulturellen Erziehung in Europa. 1991.

Haarer, J.: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. Lehmanns Verlag, München 1964 (1934, 1961).

Haarer, J.: Die Mutter und ihr erstes Kind, Lehmanns Verlag. München 1987.

Hofstede, G.: Culture´s Consequences. Sage Publication, Beverly Hills 1980.

Heidarinami, M., Andresen, B.: Vergleich der mittels des BSI erfassten Persönlichkeit zwischen zwei Kulturen unter Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten. 2004.

Hilgers, A.: Richtlinien und Lehrpläne zur Sexualerziehung. Eine Analyse der Inhalte, Werte und Methoden zur Sexualaufklärung in den sechzehn Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland. Eine Expertise im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Köln 2004.

Hoffmann-Kunz, M.: Lieben statt Verwöhnen. Kindern Zuneigung schenken und Grenzen setzen. Herder, Freiburg 1995.

Gebhardt, M.: Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen, DVA. München 2009.

Kloepfer, I.: Aufstand der Unterschicht – Was auf uns zukommt. Hoffmann und Campe 2008.

Pauen, S.: Was Babys denken. Eine Geschichte des ersten Lebensjahres. München 2006.

Winterhoff, M.: Warum unsere Kinder Tyrannen werden – oder das Ende der Kindheit. Gütersloh 2007.

[1] Zum Beispiel die Big Five der Persönlichkeiten. Costa & McCrae 1992.  [2] Andresen, Heidarinami, 2004.  [3] Gebhardt, 2009, sagt: „Sozialisation meint jede Maßnahme zur Versorgung, Betreuung, Erziehung und Beziehungsgestaltung von Kind und Eltern, die beim Aufwachsen in der Familie sozial und kulturell bedeutsam ist. Dazu gehören ebenso Grundhaltungen zum Kind, Vorstellungen von seinem Wesen, seinem Daseinszweck…“.  [4] Dasen, 2007.  [5] Pauen, 2006.  [6] Bowlby, 1951: Mütterliche Fürsorge und seelische Gesundheit.  [7] S. Bestseller „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, Winterhoff.  [8] Kloepfer, 2008.  [9] Hilgers, 2004.  [10] Winterhoff, 2007.  [11] Hoffmann-Kunz, 1995.  [12] Dreikurs, Grey, 1995.