Auswirkungen von Spiritualität auf das Leben

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Wenn man sich das Bild von jungen Menschen vor Augen hält, so könnte man sie mit Reisenden vergleichen, welche, um an ihr Ziel zu gelangen, langwierige und schicksalsbestimmende Wegstrecken zurücklegen müssen. Auf diesem Weg ist der junge Mensch regelmäßig mit Herausforderungen und Tücken konfrontiert. Er sieht sich Weggabelungen gegenüber, an denen er ins Straucheln kommt und sich dann fragt: Welchen Weg soll ich gehen? Soll ich den Pfad der Glückseligkeit beschreiten oder jenen Weg wählen, der mich in das Verderben führt? Einerseits wird er von den unzähligen weltlichen Versuchungen angezogen, die überall auf der Lauer liegen und ihn zum Straucheln auffordern, während ihn andererseits sein göttliches Wesen zu unendlicher Reinheit und Liebe einladen möchte.

Voraussetzung dafür, dass ein hochmotivierter und vor Kraft strotzender junger Mensch mit noch dazu enormen ideellen Fähigkeiten sein Ziel erreichen und eine transparente und klare Zukunft für sich schaffen kann, ist das Vorhandensein eines äußerst teuren und kostbaren Gutes namens Spiritualität. Das ist ein Begriff, der sich mit Geistigkeit und Frömmigkeit definieren lässt. So verwies auch schon Gott, der Erhabene und Barmherzige, im heiligen Buch der Muslime auf jene Wegstrecken, indem Er in Sure Al-Inshiqaq, Vers 6 sagte: „O Mensch! Du bemühst dich so sehr, um zu deinem Herrn zu gelangen, und du wirst Ihm begegnen.“

Die Bedeutung von Spiritualität

Unter Spiritualität versteht man eine ausgeprägte geistige Verbindung bzw. Nähe des Menschen zu Gott. Frömmigkeit und Gottvertrauen kann als Mittel dienen, um zu Spiritualität und Übersinnlichkeit zu gelangen, also zu jenem Glauben an Gott, der uns dank Seiner großen Barmherzigkeit mit der Ihn kennzeichnenden und unsichtbaren Macht stets Beistand leistet. Die praktischen Auswirkungen von Gottglauben und Gottesdienst finden sich in Form der göttlichen Offenbarung im Leben jedes Menschen wieder. Dazu muss gesagt werden, dass der Glaube an den Ursprung, also die Entstehung des Menschen, und an das Jenseits, das Leben nach dem Tod, zu den wichtigsten Grundsätzen zählen, wenn es um Begriffe wie Spiritualität und Übersinnlichkeit geht.

Beispielsweise ist eine religiöse Spiritualität vollkommen bedeutungslos, wenn sie nicht mit Gottesdienst und der Gewissheit an das Leben im Jenseits einhergeht. In diesem Zusammenhang können auch materialistische Denkschulen genannt werden, die zwar den Stellenwert und die Notwendigkeit von Frömmigkeit und Spiritualität anerkennen, auf ihrer Suche danach aber eine Verleugnung bzw. Verneinung Gottes an den Tag legen. Im Gegensatz dazu vertreten Religionen und Glaubensgemeinschaften die These, dass dem Menschen die Frömmigkeit schon bei der Geburt mit in die Wiege gelegt wurde.

Der große iranische Philosoph und Denker, Märtyrer Ayatollah Morteza Motahhari, sagte in diesem Zusammenhang: „Ohne Gottglauben und Gottdienen sowie ohne Akzeptanz des Diesseits und Jenseits, aber auch ohne den Glauben an individuelle Frömmigkeit und daran, dass der Mensch nicht nur als materielles Wesen zu betrachten ist, kann es unmöglich eine Spiritualität geben.“

Glauben und Wissen

Unter dem Begriff Spiritualität versteht man im Islam hauptsächlich die Verbindung und Beziehung des Menschen zu einem erhabenen und höher gestellten Wesen, welche durch Praktizierung bestimmter Handlungen und Aufgaben zustande kommt. Bemerkenswert ist, dass gerade diese Bindung von Tag zu Tag an Intensität gewinnt und dem Menschen eine herausragende und außergewöhnliche Persönlichkeit verleiht. Der erste Schritt zur Erreichung einer derartigen Frömmigkeit bzw. Spiritualität besteht in der Aneignung eines transparenten und deutlichen sowie auf der Wahrheit beruhenden Wissens.

Eine spezielle Kenntnis also, die den Menschen dazu befähigt, an sein existenzielles Ziel zu gelangen. Als zweiten Schritt, den der Islam diesbezüglich vorschlägt, nennt er bestimmte Handlungen, welche der Mensch ausführen und in sein tägliches Programm aufnehmen muss. Diese Aufgaben und Pflichten wurden von Gott kreiert und herabgesandt, um dem Menschen als Hilfsmittel bei seiner letzten Entwicklungsphase zu dienen.

So wurde ihm in Bezug auf die Religion aufgetragen, sich mit den göttlichen Geboten zu beschäftigen und damit zu verschmelzen. Eine Abweichung von Gottes Wort wird als Egoismus und als Gegnerschaft zu Gott, den Erhabenen Schöpfer angesehen, ebenso wie Selbstherrlichkeit als sogenanntes Produkt der modernen Zeit einer Götzenanbetung gleichkommt.

Vorreiter auf dem Gebiet der Frömmigkeit

Der Islam sieht die Verbindung der Gottesgesandten zur verborgenen und geheimen Welt als den Ursprung von Frömmigkeit und Spiritualität an, einer Welt, die sich mit dem menschlichen Verstand nicht erfassen lässt und die unergründlich ist. Es besteht kein Zweifel, dass Propheten im Gegensatz zu normalen Menschen eine immens hohe Stufe geistiger Spiritualität erreicht haben, wobei sich diese Überlegenheit von deren Frömmigkeit, Gottglauben und der Kenntnis des Verborgenen ableiten lässt. Im heiligen Qur’an bezieht Gott neben den Gesandten auch die Gläubigen und Gottesfürchtigen in die Kenntnis um das Verborgene mit ein.

So kommt es, dass unter den Menschen eine bestimmte Anzahl von Propheten und deren Anhängern existierten, die als Vorhut bzw. als Sinnbild für Frömmigkeit und Spiritualität galten, denn ein Prophet ist ebenso fest überzeugt von der seitens Gottes auf ihn herabgesandten Offenbarung, wie die Gläubigen und Gottesfürchtigen an Gott, Seine Engel, Seine heiligen Bücher und an Seine Propheten glauben. Dazu heißt es in Sure Al-Baqara, Vers 285: „Der Gesandte glaubt an das, was ihm von seinem Herrn herabgesandt worden ist, ebenso die Gläubigen; sie alle glauben an Allah und an Seine Engel, Seine Bücher und an Seine Gesandten.“

Frömmigkeit im Schatten der Religiosität

Wahre Frömmigkeit kann nur dann zustande kommen, wenn die göttlichen Gebote eingehalten und bestimmte Handlungen und Taten zur Gänze befolgt werden. Die Wahrnehmung Gottes in allen Lebenslagen ist der beste geistige Zustand, um in höhere Sphären zu gelangen. Um eine noch bessere Entfaltung auf diesem Gebiet zu erreichen, hat der Islam verschiedene Aufgaben diesbezüglich empfohlen. Fromme und nach Spiritualität strebende Menschen sind ständig auf religiöse Handlungen angewiesen und sehen die Weiterbildung in diesem Bereich als tägliche Pflicht an.

Es kann gesagt werden, dass Spiritualität und Religiosität im Gleichklang zueinander stehen und aufeinander abgestimmt sind. Kräfte und Energien, die von diesen beiden Elementen ausgehen, ergänzen sich und verschmelzen auf gewisse Weise ineinander. Ein Mensch, der an Gott glaubt und sich ständig an seinen Schöpfer erinnert, wird die Religion souveräner praktizieren als jemand, der nicht glaubt. Sogar die Qualität und Quantität seiner Gottesanbetung wird an Intensität gewinnen, je mehr er sich seinem Schöpfer zuwendet.

Auswirkung der Frömmigkeit

Soziale Aspekte

  1. Respektvoller Umgang

Einer der Vorteile, von denen junge Menschen aufgrund ihrer Frömmigkeit profitieren können, ist die Erreichung einer individuellen sozialen Stellung. Menschen, die sich durch Frömmigkeit sowie durch lauteren Charakter und ideelle Demut, aber auch durch ihr einwandfreies Handeln auszeichnen, sind ein Sinnbild dafür, welch hohe Sphären sich mit Gottesglauben und Gottesdienst erreichen lassen. Und gerade diese Tatsache ist es, die andere dazu bewegt, solchen Menschen mit Respekt und Hochachtung zu begegnen.

Als Beispiel dafür können Mitbürger einer Gesellschaft dienen, in der es gerade den Fastenmonat Ramadan gibt und viele Gläubige das Fastengebot einhalten und auf Essen und Trinken verzichten. Sicherlich werden diese Mitbürger aus Respekt vor den anderen ebenfalls die Fastenregelung in der Öffentlichkeit einhalten und nichts unternehmen, was die Fastenden beleidigen und verunglimpfen könnte.

In einer fastenden Gesellschaft herrscht während einer bestimmten Zeitspanne ein gänzliches Ess- und Trinkverbot und auch bestimmte unmoralische Handlungen sind untersagt. Taten, die dem religiösen Verhalten zuwider laufen und im Gegensatz dazu stehen. Darum ist es als selbstverständlich anzusehen, dass Menschen mit einer gewissen Intelligenz sich an diese Gepflogenheiten halten und sie respektieren.

  1. Vertrauenswürdigkeit

Vertrauenswürdigkeit ist ein Faktor, von welchem junge Menschen dank ihrer Frömmigkeit profitieren können. So hatte es auch schon zu früheren Zeiten immer wieder spirituell und geistig höher entwickelte Personen gegeben, die aufgrund ihrer Redlichkeit und Korrektheit das Vertrauen ihrer Mitbürger genossen.

Diese Charakterstärke hatten sie hauptsächlich während gemeinsam verbrachten Reisen oder aber in Krisenzeiten unter Beweis gestellt, indem sie ihre Mitmenschen von Problemen befreiten und sich für sie einsetzten. Beispiele dafür lassen sich im Qur’an finden, wo herausragende Persönlichkeiten wie der islamische Prophet Yusuf (a.s.) oder Moses (a.s.) als besonders vertrauenswürdig dargestellt werden.

  1. Immunität gegenüber sozialen Beeinträchtigungen

Die Annäherung an Gott und das Werben um Dessen Gunst fordert dem jungen Menschen eine enorme physische und psychische Kraft ab. Jemand, der erst einmal in den Genuss von spirituellen Freuden gekommen ist, wird sich keinen flüchtigen und kurzlebigen Genüssen mehr hingeben. Ihn kann weder der Konsum von Drogen und Rauschmittel reizen noch fühlt er sich zu anderen Vergnügungen hingezogen, die ihm schaden könnten und die in der industriellen Gegenwart weit verbreitet sind.

Imam Ali (a.s.) sagt, indem er auf die wichtige Rolle von Frömmigkeit und Spiritualität hinweist: „Religiosität ist ein Mittel, das zur Immunität beiträgt.“ Wissenschaftliche und statistische Studien haben gezeigt, dass insbesondere bei religiösen Anlässen, wie zum Beispiel während des Fastenmonats Ramadan ein starker Rückgang der Kriminalitätsrate in der Gesellschaft zu verzeichnen ist. Grund dafür ist die Zuwendung der Bürger zu spirituellen und religiösen Programmen sowie die hohe geistige Stimmung, die in solchen Zeiten unter der Bevölkerung vorherrscht.

Logisch betrachtet könnte dies als Schlüssel für die Lösung weiterer sozialer Probleme und Unzulänglichkeiten in islamischen und nichtislamischen Gesellschaften dienen. So kann behauptet werden, dass durch richtige Darlegung religiöser und ideeller Fragen viele falsche und abweichlerische Gedanken und Strömungen aus der Gesellschaft verschwinden.

  1. Reformations- und Vorbildfunktion für Gleichaltrige

Ein frommer und religiöser junger Mensch wird anderen Menschen gegenüber niemals Gleichgültigkeit zeigen, denn er sieht es als Pflicht an, seine eigenen reformatorischen Gedanken in die Tat umzusetzen und zu verwirklichen. Zu seinen vordringlichen Aufgaben gehört es, die Gesellschaft vor jeglichen Missständen und Mängel zu bewahren.

Er ruft dabei alle Menschen auf, das Gute zu fördern und das Schlechte zu verwehren. Sogar während seiner Schul- und Studienzeit dient er durch seine hohe Charakterstärke den anderen stets als Vorbild. Er geht mit gutem Beispiel voran und wirkt dementsprechend positiv auf seine Mitmenschen ein.

Geistige Auswirkungen

Hat sich erst einmal das Licht Gottes aus Geist und Seele des Menschen entfernt und hat dieser den Glauben an seinen Schöpfer verloren, so wird er anfällig für die Annahme diverser anderer ‚Gottheiten‘ sogenannte Scheingötter, die schon in der Vergangenheit immer wieder Schaden angerichtet und unzählige Opfer gefordert haben. Dieser Umstand lässt sich bedauerlicherweise auch in der Gegenwart beobachten, wo in meist mächtigen Ländern und auch in Kolonialstaaten die wahre Gottheit durch Scheingötter, nämlich Fortschritt und Technologie, ersetzt wurden.

Der heutige Mensch aber leidet unter der Lebensweise, die er für sich auserwählt hat. Er ist niedergeschlagen und deprimiert und kommt zu dem Schluss, dass jene Macht und Stärke, mit der er zwar die Natur bezwang, ihn ins Unglück gestürzt und um sein Glück gebracht hat. Allein schon die immense Nachrichten- und Informationsflut, die heutzutage von den Massenmedien ausgeht und die tagtäglich auf das Gehirn des Menschen einrieselt, hat aus ihm einen Mentalkranken gemacht.

Fakt ist, dass der permanente Druck durch Falschinformationen jedes Individuum um Sicherheit und Geschützsein bringt. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, die Aufmerksamkeit auf Gott zu lenken und zu erkennen, dass nur Ihm allein Anbetung gebührt. Allein durch den Glauben an den Erhabenen und Allmächtigen Gott lassen sich viele schlechte Taten und Sünden vermeiden und selbst unterschiedlichste psychische Erkrankungen können durch Gottesanbetung verhindert werden.

  1. Ausgeglichenheit

Das Herz des Menschen benötigt konstante Ruhe und permanenten Seelenfrieden. Sorgen und Probleme sollen wie bei leichtem Wellengang oberflächlich und schnell an ihm vorüberziehen. Wichtige Produkte, die Religionen übermitteln können, sind Seelenfrieden und Ausgeglichenheit, Phänomene, nach denen Menschen in der technifizierten Neuzeit von heute immens dürsten und verlangen.

Gerade deshalb verweisen Psychologen immer wieder auf die wichtige Rolle der Religionen und deren Auswirkungen auf die menschliche Psyche und fordern zu Religiosität und Frömmigkeit auf. Und auch im heiligen Qur’an wird darauf hingewiesen. So heißt es zum Beispiel in Sure Rad, Vers 28: „Wahrlich, im Gedenken Allahs werden die Herzen ruhig.“ Der Mensch der Gegenwart hat mit vielen Problemen zu kämpfen und zur Lösung dieser Unzulänglichkeiten muss er auf verschiedene Hilfsmittel zurückgreifen.

Ein Lösungsweg, den er schon aus der Vergangenheit kennt, ist dabei die Zuwendung zur Allmacht Gottes insbesondere durch das Gebet und weitere Mittel des Gottesdienstes, da diese den Menschen vornehmlich zu Ruhe und Ausgeglichenheit geleiten können. Ein bekannter Psychologe sagte in diesem Zusammenhang: „Das Gebet ist für mich das wichtigste Element, das ich während meiner langjährigen Erfahrung bei psychischen Erkrankungen und Problemen zur Beruhigung der Seele ausfindig machen konnte.“

Schon der Gesandte Gottes, Prophet Muhammad (s.a.), sagte immer, wenn das Gebet nahte, zu seinem Gefährten Bilal: „O Bilal, verschaffe mir Ruhe und Ausgeglichenheit, indem du zum Gebet rufst und den Adhan ertönen lässt.“ Es gibt jedoch noch andere Hilfsmittel, die dem Menschen Ausgeglichenheit spenden und das sind Bittgebete, welche der Betende nach jedem Gebet spricht und mittels derer er mit seinem Schöpfer in Verbindung tritt.

Indem er seine Sorgen und Probleme Gott anvertraut und ihn zugleich um Hilfe bittet, findet er Erleichterung und Erlösung. Sogar von Psychologen wird die heilkräftige Wirkung bestätigt, die das Aussprechen von individuellen und persönlichen Unzulänglichkeiten beim Menschen erzeugen kann. So heißt es dazu in Sure Al-Anam, Vers 82: „Die da glauben und ihren Glauben nicht mit Ungerechtigkeiten vermengen – sie sind es, die Sicherheit haben und die rechtgeleitet werden.“

  1. Seelenfrieden

Aus diesem Qur’an-Vers lässt sich schließen, dass fromme und gläubige Personen aufgrund ihrer starken und intensiven Religiosität stürmischen Zeiten besser standhalten als ihre Mitmenschen. Ihr Leben ist geprägt von Seelenfrieden und Ausgeglichenheit.

  1. Rettung vor dem Alleinsein

Das Gefühl von Abgeschiedenheit und Alleingelassensein ist Gift für die menschliche Psyche und Körper. Fühlt sich der Mensch erst einmal alleingelassen und einsam, so kann auch die vom Geist beflügelte menschliche Seele keine Antwort bereitstellen und allein die Religion ist es, die Lösungswege für die Flucht aus der Einsamkeit anbietet. Sie bringt Gott mit ins Spiel, um den Menschen von seinem Kummer und Leid zu befreien, denn nur Er allein kann dürstende Seelen trösten und heilen.

So könnte das Gebet eines Gottesdieners wie folgt lauten: „O Gott! Was werden jene schon dazugewinnen, die sich Dir nicht nähern wollten und auf Dich verzichteten? Hingegen jene, die zu Dir fanden und auf Dich zugegangen sind, was können die schon Wichtiges verlieren?“ Wie wunderbar ist doch diese Freundschaft, noch dazu, wo sie auf Gegenseitigkeit beruht.

In seiner Botschaft an Prophet Davud (a.s.) sagte Gott, der Allmächtige: „Übergib den Erdenbürgern diese Botschaft. Gott ist der Freund derer, die Ihm Liebe entgegenbringen und Begleiter derer, die auch Ihn begleiten. Gott ist Vertrauter jener, deren Gedanken stets bei Ihm sind und Weggefährte derer, die Seinen Geboten folgen.“

  1. Befolgung von Geboten und deren Auswirkung

Der Mensch als soziales Wesen ist auf die Errichtung einer Ordnung angewiesen, die ihm ein friedliches und glückliches Leben bieten kann. Die besten Regelungen und Gesetze, die hierzu benötigt werden, findet man bei den Religionen, denn diese stützen sich auf himmlische Lehren und göttliche Gebote. Die immense Größe der Barmherzigkeit Gottes lässt sich daraus ermessen, dass Er die Menschen sowohl mit der Vorbeugung wie auch mit der Lösung von Problemen vertraut machte.

Man stelle sich einen Mediziner vor, der die Menschen aus Mitgefühl zu persönlichen Einschränkungen aufruft und auch in Bezug auf öffentliche Belange seine Meinung kundtut. Beispielsweise verweist er darauf, verschmutzte und verseuchte Orte bzw. Stätten zu meiden. Dieselbe Aufgabe obliegt dem Gesetzgeber, der ohne Eigeninteresse persönliche und soziale Regelungen und Gesetze aufstellt, wobei er zahlreiche und unterschiedliche Belange beachten und mit einbeziehen muss.

Dazu gehören unter anderem Fragen, die in der islamischen Rechtsprechung verankert sind. Denn es muss gesagt werden, dass die Gedanken des Menschen trotz dessen ausgeprägter Denkfähigkeit und Kapazitäten unzulänglich sind und er somit die Substanz der Materie und der Natur mit seinen eigenen Sinnen nicht erfassen kann.

Ayatollah Motahhari sagte in diesem Zusammenhang: „Bis heute ist es noch keinem Philosophen oder Gelehrten gelungen, genaue Kenntnis über den Menschen und dessen instinktive Bedürfnisse zu erlangen. Besser ausgedrückt definierte es Motahari mit den Worten: ‚Der Mensch, das unbekannte Wesen.‘

Darum hat Gott der Allmächtige aufgrund Seiner göttlichen Gnade und Barmherzigkeit die Menschen auf ihrem Lebensweg nicht allein gelassen und zu deren Rechtleitung Propheten herabgesandt. Zur Erreichung seines gesteckten Zieles wird darum ein frommer und von Spiritualität beseelter junger Mensch den religiösen Geboten folgen und sie beachten.

Jeder Augenblick in seinem Leben dient dazu, die von ihm angestrebten hohen Werte zu erreichen. Der reine und lautere Junge Menschen ist sich dessen genauestens bewusst, dass sein Weg ihn zu prächtigen Gärten führen wird. Er schreitet darum mit zielstrebigen und sicheren Schritten voran.

Individuelle Auswirkungen

  1. Findung des wahren Ichs

Für einen jungen Menschen, dessen Herz von Frömmigkeit und Spiritualität gesättigt ist, gibt es höhere Ziele im Leben als rein materielle. Besonders wichtig auf seinem Weg zur Glückseligkeit ist ihm dabei die Findung seines wahren Ichs. Hat der junge Mensch dann dieses Ziel erreicht, so strebt er die Reformation und Verbesserung der Gesellschaft an, der gegenüber er sich verpflichtet fühlt.

Zur Umsetzung dieses Planes ist er allerdings auf die Aneignung bestimmter Fähigkeiten angewiesen und er muss sogar auf Hilfsmittel zurückgreifen. Dabei entwickelt der junge Mensch ein spezielles Zeitgefühl und jeder Augenblick ist ihm Goldes wert. Auf seinem Weg zögert er nicht eine Sekunde, vergeudet keinen Augenblick und ist stets in Bewegung.

  1. b) Fähigkeit der Problembekämpfung

In schwierigen Zeiten ist der Mensch stets auf einen stabilen Ort angewiesen, an dem er sich Gedanken über die Ursachen von Problemen macht und es ihm leichter fällt, Unzulänglichkeiten zu bekämpfen. Komplotte und Intrigen, die heute in der Welt Gang und Gäbe sind oder die Kurzlebigkeit von Genüssen haben der Menschheit eine Art Hoffnungslosigkeit und Resignation beschert.

Niemand ist vor Problemen und Herausforderungen gefeit und jeder hat damit zu kämpfen. Wichtig zu wissen ist dabei, was der heilige Qur’an dazu sagt. Dort heißt es zum Beispiel, dass jedes Unglück bzw. Unheil nur auf Anweisung Gottes eintritt und den Menschen ereilt. Im Gleichklang dazu lässt Gott der Allmächtige dann verlauten, Er werde jedem Menschen Beistand leisten, der den Weg zu Ihm gefunden hat.

In Vers 22 und 23 der Sure al-Hadid heißt es: „Es geschieht kein Unheil auf Erden oder an Euch, das nicht in einem Buch (verzeichnet) wäre, bevor Wir es ins Dasein rufen – wahrlich, das ist für Allah ein Leichtes, auf dass ihr euch nicht darüber betrüben mögt, was euch entging, noch darüber frohlocken mögt, was Er euch gegeben hat.“

Ein Mensch, der an die Allmacht Gottes glaubt und an das Schicksal, verlässt sich im Leben stets darauf, dass alle Geschehnisse allein auf Geheiß Gottes eintreffen und diese ausschließlich seiner Prüfung dienen. Er kommt zu der Einsicht, dass nichts im Leben von bleibendem Wert ist und auch Probleme und Unzulänglichkeiten nur vorübergehender Natur sind.

Ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Resignation ist also unangebracht. Gerade diese Tatsache bildet im Islam einen wichtigen Bestandteil bei Eigenschaften wie Frömmigkeit und Spiritualität. Die ganze Welt erscheint dem Menschen dadurch klein und nichtig und weltliche Dinge verlieren an Wert, während allerdings göttliche Angelegenheiten an Bedeutung gewinnen. Imam Ali (a.s.) sagte in diesem Zusammenhang zu Kemal Ibn Ziad: „Einst besaß ich einen Bruder, der den Weg Gottes eingeschlagen hatte und welcher die weltlichen Dinge als äußerst gering ansah.

Das hat ihn in meinen Augen erheblich erhöht und groß erscheinen lassen. Im Anschluss daran ging der Imam auf Dinge ein, welche die Menschen irdische Güter klein und nichtig erscheinen lassen. Wichtig sei unter anderem, die Zunge zu zügeln und Völlerei zu meiden. Auch wird das Schweigen empfohlen und vor starkem Redefluss gewarnt; außerdem sei bei sämtlichen Angelegenheiten die Beachtung des Mittelmaßes von immenser Bedeutung.

Was Hazrate Ali (a.s.) als weitere Notwendigkeit ansieht, ist ein starkes Auftreten sowie eine klare und deutliche Rede wie auch die Annahme von Entschuldigungen seitens Personen, die Unrecht begangen haben. Ein weiterer Aspekt, der die Geringschätzung der irdischen Welt herbeiführen kann, sei die Lossagung von Umtrieben und Gelüsten. Menschen, denen die Berücksichtigung aller genannten Faktoren nicht gelingt, wird empfohlen, sich wenigstens einige davon zu Herzen zu nehmen.

  1. c) Geistige Entfaltung

Die Hinwendung zur Religion ist eine völlig freie Entscheidung, der genaueste Überlegungen und Nachforschungen vorausgehen müssen. Sogar Prophet Muhammad (s.a.) hat bei seiner Mission Faktoren wie Scharfsinnigkeit und Weisheit als unumgänglich bezeichnet. Dennoch gibt es viele Menschen, die sich Verlockungen hingeben, welche andere vom Glauben abgekommene Menschen ihnen anpreisen.

Während scheinbarer Glitzer und Glanz sie in ihren Bann zieht, gleitet ihnen das Jenseits aus ihren Händen. Ein junger Mensch hingegen, der den Weg der Frömmigkeit und Gottesanbetung eingeschlagen hat, wird sich nicht von Versuchungen der Neuzeit blenden lassen. Er gleicht einem Weisen, der sich für Glückseligkeit im Diesseits wie auch im Jenseits entschieden hat. Die Wahl dieses Weges trägt außerdem zur Entwicklung seines Scharfsinns und zur geistigen Entfaltung bei.

Insbesondere das religiöse Verhalten und die Befolgung der göttlichen Gebote können das Aufblühen ideeller Gedanken fördern. Man denke nur an fastende junge Leute, welche sich ständig Gedanken über ihre Vergangenheit und Zukunft machen und die der materiellen Welt entsagt haben. Im Lichte des Fastens überwinden sie Höhen und Tiefen und halten sich Gefahrensituationen fern, welche tagtäglich auf sie lauern.

In diesem Zusammenhang heißt es in einer Überlieferung von Imam Ali (a.s.) in Anspielung auf die Himmelfahrt des Gesandten, Prophet Muhammad (s.a.), der Gott fragte: „Sag mir welche Auswirkung das Fasten für den Menschen hat.“ Gott antwortete: „Durch das Fasten gelangt man an Weisheit, die wiederum zur Aneignung von Kenntnis und Wissen führt.

Auf Kenntnis folgt dann die Gewissheit und die Überzeugung.“ Wenn jemand die Wahrheit entdeckt und gefunden hat, so macht er sich über dies und jenes keine Gedanken mehr. In allen Lebenslagen, seien es schöne oder schwere Zeiten, verlässt er sich einzig und allein auf Gott, den Allmächtigen, und ist zudem stets darum bemüht, die Zufriedenheit seines Schöpfers zu erlangen.

  1. d) Gefeitsein vor geistiger Zerstreutheit

Eines jener Probleme, mit denen Junge Menschen sich auseinandersetzen müssen, betrifft deren geistige Zerstreutheit und ihre Geistesabwesenheit. Gerade deshalb, weil junge Menschen meist mit dem Schmieden von Zukunftsplänen beschäftigt sind, kann sich oftmals ein Gefühl von Ratlosigkeit bei ihnen einstellen. Ihre Gedanken wandern in sämtliche Richtungen und von einem Ort zum anderen.

Sie sehen sich zahlreichen Unzulänglichkeiten gegenüber, wissen nicht, was der Morgen bringt und setzen alles daran, die vorhandenen Probleme aus der Welt zu schaffen. In solchen Situationen können eine spirituelle Sichtweise und ein optimales Gottvertrauen dazu beitragen, den jungen Menschen von seinen Sorgen und Nöten zu befreien. Er erinnert sich an das Versprechen Gottes und geht guten Mutes voran, in der Hoffnung, dass seine Bemühungen Früchte tragen werden.

  1. Beherrschung instinktiver Gefühle

Jeder fromme und gottesfürchtige junge Mensch sieht im Ledigsein eine Gefahr für sich selbst und ist deshalb um die Befolgung jener religiösen Gebote bemüht, die den Bund der Ehe für ihn vorschlagen. Nur so kann er einem schlechten Lebenswandel und unlauteren Beziehungen standhalten. Es wird deshalb jungen Menschen empfohlen, reine und lautere PartnerInnen auszuwählen, mit deren Hilfe man sich Gott nähern kann. Für junge Menschen, die diesen Weg eingeschlagen haben, besitzen alltägliche Dinge keinerlei Bedeutung mehr.

Sie glauben, dass nur moralischer Anstand und die Verehelichung sie vor triebhaften Schäden befahren können. Hierbei ist besonders wichtig, die Wirkung von Frömmigkeit und Spiritualität zu erwähnen, beides Faktoren, welche zur Formung der Seele und Entwicklung des Geistes beitragen können. Beispielsweise wird ein frommer fastender junger Mensch im Fastenmonat Ramadan anstandslos das Essens- und Trinkverbot einhalten.

Indem er zwar Hunger und Durst verspürt und sich von vielen Annehmlichkeiten des Lebens fernhält, stärkt er durch das Fasten seinen Geist und seine Seele. Somit kann gesagt werden, dass das Fasten der Bezwingung und Zähmung eines widerspenstigen Geistes dient und der Mensch damit die Oberhand über sexuelle Begierden gewinnen kann.

  1. Physische und psychische Gesundheit

Es gibt genügend Beweise und Anzeichen dafür, dass die Zunahme eines spirituellen und frommen Verhaltens merklich auf die Gesundheit des Menschen einwirkt. Demzufolge lässt sich ein Zusammenhang zwischen der Annäherung Gottes und der menschlichen Gesundheit feststellen. Man könnte sogar weiter gehen und behaupten, dass Spiritualität und Frömmigkeit eine heilkräftige Wirkung besitzen und als Wundermittel bezeichnet werden müssen.

Von hundert im Jahr 2001 auf diesem Gebiet durchgeführten statistischen Erhebungen haben rund 79 % eine positive Auswirkung des Gottesglauben und der Religiosität auf Begriffe wie Glück, Zufriedenheit sowie Hoffnung und Zuversicht bei den Menschen bestätigt. Religiosität und Frömmigkeit können somit zu einer deutlichen Verbesserung der körperlichen Gesundheit beitragen und darüber hinaus die Lebenserwartung steigern. Laut den genannten Studien, welche an rund 125 Tausend Menschen durchgeführt wurden, besteht demnach ein erheblicher Zusammenhang zwischen Religiosität und der Zunahme körperlicher Fähigkeiten.

  1. Zukunftsvorsorge

Ein wichtiger Grundsatz im Leben eines frommen und gottesfürchtigen jungen Menschen besteht darin, sich in Fleiß zu üben und stets vorwärts zu streben. Spiritualität und Frömmigkeit stellen dabei keinen Störfaktor in seinem Arbeitsprozess dar, im Gegenteil spornen sie ihn zu noch stärkeren Bestrebungen an. Sein Leben und seine Arbeit gewinnen an Bedeutung hinzu und der junge Mensch intensiviert seine Bestrebungen, um eine bessere und ertragreichere Zukunft zu sichern.

Begriffe wie Faulheit und Unwohlsein sind ihm unbekannt und er sieht sie als Stolperstein bei der Erlangung von Glückseligkeit an. Der religiöse Mensch hat begriffen, dass nur sein eigener Fleiß belohnt wird und er deshalb nicht nach den Besitztümern anderer trachten soll. Indem er auf legale Weise seinen Lebensunterhalt bestreitet, schreitet er umso schneller den von Spiritualität erhellten Weg voran. Er nimmt jede Gelegenheit wahr, um mit göttlichen Vorsätzen und göttlicher Kraft sein angestrebtes Ziel zu erreichen.

Hudschat-ul-Islam Ibrahim Akhawi