Ayatollah Ghadhi – Das Meer der Mystik und Spiritualität

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Der ehrenwerte Gesandte des Islam sagte: „Die Jünger fragten Jesus: ‚Oh Geist Allahs! Wem sollen wir uns beigesellen?‘ Er sagte: ‚Demjenigen, durch dessen Begegnung ihr an Gott erinnert werdet und dessen Rede euer Wissen mehrt und dessen Handlung euch für das Jenseits ermutigt.‘“[1]

Geburt und Ausbildung

Der große Lehrmeister der Moral und Gnostik, praktische Wissenschaftler und mystische Gelehrte, der ehrenwerte Ayatollah Seyyed Ali Ghadhi Tabatabai, erblickte 1868[2] in Täbris das Licht der Welt. Zunächst erlernte er die gängigen Lehren der Religion an einer Schule und trat später in die Religionshochschule (hausa) der Stadt Täbris ein. Dort widmete er sich bei seinem Vater und anderen großen Lehrmeistern jahrelang dem Studium der Religionswissenschaften.

Doch im Laufe der Zeit fühlte er, dass sein geistlicher Wissensdurst nicht gestillt werden konnte. Mit 28 Jahren beschließt er schließlich sein Studium in der irakischen Stadt Nadschaf fortzusetzen. Dort zählte er schon bald zu den herausragenden Schülern Ayatollah Mirza Mohammad Hassan Schirasis. Von ihm erlangte er auch den Grad der selbstständigen Rechtsfindung (idschtihad), sodass er innerhalb kürzester Zeit zu einem anerkannten Gelehrten (faqih) aufstieg.

Die Lehrmeister Ayatollah Ghadhis

Seyyed Ali Ghadhi maß der Rolle des Lehrmeisters und seinem entwicklungstechnischen Einfluss bezüglich der Erhebung und des Wachstums des Menschen eine hohe Stellung ein. Auf Grundlage dieser Überzeugung begab er sich auf die Suche nach geeigneten Lehrmeistern, bis er schließlich dank seines Vorfahren, des Fürsten der Gläubigen (a.), zu seiner gesuchten Ergänzung gelangte und in der Anwesenheit großer und außergewöhnlicher Lehrmeister durch jahrelangen unermüdlichen Fleiß und harte Arbeit das Ziel auf dem Weg zur Erlangung von Wissen und Perfektion erreichte und im Wissen, der Gottesfurcht, Moral und Mystik eine Stellung erzielt hat, die unbeschreibbar ist.

Ohne Zweifel kann der Charakter eines jeden Lehrmeisters auf den zarten Geist des Schülers eine enorme Wirkung entfalten und besser als jeder Ratschlag und jede Empfehlung die Suchenden der Weisheit und des Wissens wachsen lassen. Die zarte Seele Seyyed Ali Ghadhis gelangte in den Besitz dieser Faszination und wuchs mit dem Finden praktischer Vorbilder in der Religionshochschule von Nadschaf schnell heran.

Wissenschaftliche Universalität

Ayatollah Seyyed Ali Ghadhi war ein universeller Experte in der Wissenschaft und der spirituellen Vervollkommnung. Er erreichte bereits in jungen Jahren den Grad der selbstständigen Rechtsfindung und war zu seiner Zeit ein Gelehrter von seltenem Rang. Der ehrenwerte Allama Sayyid Muhammad Hussayn Tabatabai[3] berichtet über die wissenschaftliche und praktische Position seines Lehrers Ayatollah Seyyed Ali Ghadhi:

„Nach der Beendigung meiner Studien in den Angelegenheiten des Verstandes in Nadschaf und der vollständigen Analyse der transzendenten Weisheit dachte ich, dass wenn der verstorbene Mulla Sadra anwesend wäre, er nicht mehr als das lehren könne, was ich für mich bereits in Erfahrung gezogen hätte, bis ich mit einer großen Persönlichkeit wie der des verstorbenen Herrn Mirza Ali Ghadhis, des Lehrmeisters der Moral, Bekanntschaft machte. Nach einer Weile, in der ich mit ihm vertraut wurde, erkannte ich, dass ich viele der Themen um den Verstand und den Wahrheiten der transzendenten Weisheit nicht verstanden hatte.“[4]

Unter den Mystikern pries Ayatollah Ghadhi Muhyiuddin Muhammad Ibn Arabi[5] in einem besonderen Ausmaß und erkannte ihn in der Selbsterkenntnis und der inneren Intuition als eine beispiellose Persönlichkeit. Aus einer Stellung heraus, in der er vollständig mit den Prinzipien dieses großen Mannes vertraut war, war er der Überzeugung, dass es reichlich Beweise und Gründe im Buch „Mekkanische Eroberungen“ Ibn Arabis gab, die seine schiitische Überzeugung bewiesen, da seine Worte in diesem Buch unvereinbar mit den Grundsätzen der Sunniten seien.

Ayatollah Hassanzadeh Amoli schreibt: „Einige unserer großen Lehrmeister, die in Nadschaf zu den Schülern Ayatollah Ghadhis zählten, berichteten von seiner Exzellenz, welcher sagte: „Nach der Stellung der Unfehlbarkeit und des Imamats gibt es unter den Menschen in den mystischen Lehren und den Wahrheiten des Ichs keinen wie Ibn Arabi. Keiner erreicht ihn und alles, was Mulla Sadra besitzt, hat er von ihm.“[6]

Der verstorbene Ayatollah Ghadhi verfügte auch in der Kunst der Dichtung über einen hohen Stellenwert. Er konnte 40.000 arabische Wörter auswendig und trug arabische Gedichte in einer Art und Weise vor, in welcher es für die Araber nicht möglich war zu unterscheiden, ob dessen Vortragender ein arabisch-Sprachiger oder Nicht-Araber gewesen war. Ayatollah Abdullah Mamaghani, ein großer Gelehrter und einer der Wissenschaftler zu der Zeit Ayatollah Ghadhis, sagte zu ihm:

„Ich beherrsche den arabischen Wortschatz und die Dichtung in einer Weise, dass wenn ein Nicht-Araber ein arabisches Gedicht vorträgt, ich ihn erkenne, selbst wenn das Gedicht die höchste Stufe der Rethorik und Eloquenz haben sollte.“ Zu dieser Zeit rezitierte der verstorbene Ayatollah Ghadhi ein Gedicht eines arabischen Dichters und fügte eine Strophe von sich ein. Anschließend wollte er von seinem Lehrer gezeigt bekommen, an welcher Stelle sich die Strophe des Nicht-Arabers befindet, doch Ayatollah Mamaghani sah sich dieser Aufgabe nicht gewachsen.[7]

Ayatollah Ghadhi Tabatabai war auch ein erstklassiger Ausleger. Der berühmte Interpret Allama Tabatabai, der mit dem Schreiben des Tafsir al-Mizan für enorme Entwicklungen in der Interpretationswissenschaft sorgte, sah sich selbst in der Schuld seines Lehrmeisters stehen und sagte: „Diese Art der Interpretation, d.h. die Art der Vers für Vers Auslegung, hat der verstorbene Gasi uns gelehrt und wir folgen in der Interpretation seiner Methodik.“[8]

Die Schüler Ayatollah Ghadhis

Der verstorbene Ayatollah Ghadhi hat in drei Perioden Moral und islamische Mystik unterrichtet und in jedem Zeitraum wurden Schüler ausgebildet, die jeder für sich als herausragende Persönlichkeiten im Wissen, der Moral und Mystik gezählt wurden. Es folgt eine Auflistung der Namen von einigen Schülern der mystischen Schule des verstorbenen Ayatollah Ghadhis:

  • Allama Seyyed Muhammad Hussayn Tabatabai, Verfasser der ehrenhaften Qur’an-Interpretation „Al-Mizan”, der über seinen Lehrer sagte: „Alles was wir haben, haben wir vom verstorbenen Gasi, sei es nun all das, über das wir zu seinen Lebzeiten von ihm belehrt wurden und das, worin wir von seiner Anwesenheit profitierten, oder unsere eigene Methodik, so haben wir es vom verstorbenen Gasi.“ [9]
  • Ayatollah Seyyed Schahabuddin Maraschi Nadschafi, dessen Sammlung von tausenden Büchern und Gründung einer großen Bibliothek zu den wichtigsten wissenschaftlichen Diensten dieses frommen Gelehrten zählen. In dieser Bibliothek werden hunderte handgeschriebene und äußerst kostbare Bücher beherbergt, die dieser Verstorbene über eine Dauer von 50 Jahren gesammelt hat.
  • Ayatollah Muhammad Reza Mozaffar, dessen Buch “Usul ul-Fiqh” zu den gängigen Lehrbüchern in den Theologieschulen zählt.
  • Hadsch Seyyed Hashem Haddad, der zu den stärksten Schülern Ayatollah Ghadhis im mystischen Pfad zählte. Ayatollah Ghadhi sagte: „Seyyed Hashem ist im Tauhid dermaßen stark, dass es unmöglich ist, dass etwas dazu imstande wäre, dort einen Schaden zuzufügen.“
  • Ayatollah Muhammad Taqi Amoli
  • Ayatollah Muhammad Taqi Bahdschat Fumani
  • Ayatollah Seyyed Yusuf Hakim
  • Ayatollah Seyyed Abdul Hussayn Dastgheyb Schirazi
  • Ayatollah Seyyed Muhammad Hadi Milani
  • Ayatollah Seyyed Abolghasem Khu‘i

Moralische Eigenschaften

Ayatollah Ghadhi war ein frommer Mensch und ein einzigartiger Mystiker. Er sagte: „Habt euer Diesseits, habt einen Ehepartner, Kinder und gottgegebenen weltlichen Segen. Zur gleichen Zeit sollte im selbigen natürlichen Leben der Strom und die Bewegung in Richtung Gott und der Spiritualität existieren.“[10] Er hatte ein äußerst ordentliches und gepflegtes Erscheinungsbild, legte großen Wert auf ein sauberes Schuhwerk und gebrauchte stets wohlriechende Düfte. Es erfordert Kunst, dass sich ein Mensch vom spirituellen Aspekt her in jenen mystischen Welten befindet, in denen ihm derartige Zeugnisse und Erscheinungsformen der Einheit Gottes aufgedeckt werden und dass er zugleich sein normales Leben führt und dieses betont.

Ayatollah Seyyed Muhammad Hussayni Hamedani, einer der Schüler seiner Heiligkeit, berichtet: „Meiner Meinung nach war er in Zuständen der Spiritualität und Erkenntnis ein genialer Mann. Er war ein tobendes Meer des Wissens, der Moral und Mystik. Er redete nur sehr wenig und war stets derjenige, der als erster seinen Mitmenschen den Friedensgruß erbrachte.“ Er war ein rechtschaffener Diener Gottes und äußerst rein in der Absicht. Er hatte den Glauben an die Einheit Gottes und die Mittlerschaft verinnerlicht und sich von allem nicht-Göttlichen losgelöst.

Seine Anstrengung und Beharrlichkeit führte er bis an sein Lebensende fort und die Nächte verbrachte er mit Gebeten und Gottesdienst, welches er auch seinen Schülern ans Herz legte. Von Allama Tabatabai wird erzählt: „Eines Tages stand ich neben dem Tor einer Schule, als es Gasi durchquerte und als er bei mir ankam, legte er seine Hand auf meine Schulter und sagte: ‚Oh Sohn! Wenn du das Diesseits willst, so vollstrecke das Mitternachtsgebet, wenn du das Jenseits willst, so vollstrecke das Mitternachtsgebet.‘“

Der ehrenwerte Ayatollah Seyyed Ali Ghadhi führte sein Leben in Armut und hatte in einigen Fällen nicht einmal die Möglichkeit zur Begleichung der Miete seines Hauses gehabt, bis schließlich eines Tages der Eigentümer des Hauses seine Haushaltsgegenstände aus dem Haus warf, sodass er sich gezwungen sah mit seiner Familie in die Stadt Kufa auszuwandern, wo sie in der dortigen Moschee in eine Wohnung einzogen, die für Ortsfremde bestimmt war.

Allama Tabatabai sagte hierzu: ‚Ich ging in die Moschee von Kufa und sah, dass der verstorbene Gasi samt seiner gesamten Familie an Fieber litt und krank war. Als die Zeit zum Gebet erreicht wurde, stand Herr Gasi wie gewohnt zur ersten Zeit für das Gebet bereit. Nach dem Nachtgebet rezitierte er den noblen Vers „Amen al-Rasul …“ derart voller Aufmerksamkeit, als ob gar kein Problem existieren würde.‘“[11]

Der asketische Diener Ayatollah Ghadhi war in den Gottesdienst und die Rezitation des heiligen Qur’an verliebt und mit diesen beiden Dingen veredelte er sein Leben. Allama Tabatabai zitierte einst Ayatollah Ghadhi: „Falls ich eine Position erreicht haben sollte, so rührt dies von zwei Dingen her: dem heiligen Qur’an und dem Besuch des Herrn der Märtyrer.“

Gemäß der Aussage seines Kindes führte Ayatollah Ghadhi folgende Handlungen durch:

  • Rezitation der Vierer-Lobpreislesungen[12] zu jeder Tages- und Nachtzeit
  • Rezitation der segensreichen Sura „Ya-Sin“ an jedem Morgen
  • Verlesung des Bittgebetes von Kumayl in den Nächten zum Freitag
  • Rezitation von Dua Samat in der letzten Stunde des Freitag-Nachmittags in der Anwesenheit einiger seiner Schüler, Gefährten und großer Persönlichkeiten
  • Rezitation des Ziyarat Dschami’a an Freitagen neben dem lichterfüllten Schrein des Fürsten der Gläubigen Ali (a.s.)
  • Verlesung der folgenden Lobpreisung in der letzten Niederwerfung der Pflichtgebete eines jeden Tages: „Dein Sklave in der Verschmelzung mit Dir, oh Du, außer der es keine Gottheit gibt! Gepriesen seist Du, wahrlich, ich gehörte zu den Ungerechten.“
  • Jeden Morgen beim Verlassen des Hauses: fünfmalige Rezitation des Thron-Verses, Verlesung der Lobpreisung der verehrten Fatima Zahra (a.s.), sowie der Suren Falaq und Nas.[13]

Von den Schülern Ayatollah Ghadhis werden Erzählungen berichtet, die etwas über seine zarte Seele und seine seelische Disziplin aussagen. Allama Tabatabai bekundete: „Ich und meine Frau waren nahe Verwandte des verstorbenen Seyyed Ali Ghadhis. In Nadschaf kam er zur Pflege der Verwandtschaftsbeziehungen und zur Erkundigung nach unserer Gesundheit zu uns nach Hause. Wiederholt wurden wir mit einem Kind beschenkt, doch starben sie alle während ihrer Kindheit.

Eines Tages kam der verstorbene Gasi zu uns nach Hause, als meine Frau schwanger war und ich von ihrem Zustand nichts wusste. Bei der Verabschiedung sagte er zu meiner Frau: „Cousine! Dieses Mal bleibt dein Kind am Leben, es ist ein Junge, ihm wird kein Schaden zustoßen und sein Name ist Abdul Baqi.“ Gott schenkte uns einen Jungen und im Gegensatz zu den vorherigen Kindern blieb er am Leben. Ihm stieß kein Schaden zu und wir gaben ihm den Namen Abdul Baqi.“[14]

Herr Seyyed Hashem Haddad erzählte: „Im Stehen und Sitzen und bei der Änderung seiner Haltung sagte Herr Gasi immerzu: ‚O Herr der Zeit!‘ Und als ich ihn einmal frage: ‚Haben Sie die Ehre gehabt den Statthalter der Zeit, geopfert seien ihm unsere Seelen, zu treffen?‘, antwortete er: ‚Blind ist jedes Auge, das morgens aufwacht und dessen Blick sich nicht im nächsten Moment auf den ehrenwerten Herrn der Zeit richtet.‘“[15]

Ayatollah Ghadhi hatte ein besonderes Interesse an dem Wadi-us-Salam Friedhof in Nadschaf und verbrachte dort viele Stunden in Andacht. Von Ayatollah Muhammad Taqi Amoli wird berichtet: „Eine Zeit lang sah ich, wie der verstorbene Gasi für zwei bis drei Stunden im Wadi-us-Salam Friedhof saß. Ich sagte zu mir: „Man muss zu Besuch kommen, durch eine Rezitation der Sura Fatiha die Seele der Verstorbenen erquicken und dann wieder zurückkehren, gibt es doch wichtigere Dinge zu tun, die es zu erledigen gibt.“

Diese Kritik hatte ich im Herzen, teilte sie aber niemandem mit, nicht einmal meinem vertrautesten Freund. Eine Weile verging und ich besuchte jeden Tag meinen Lehrmeister, um von seiner Anwesenheit zu profitieren, bis ich von Nadschaf nach Iran auswandern sollte, doch hatte ich am Nutzen der Reise Zweifel. Diese Absicht hatte ich im Sinn und niemand war darüber informiert. Eines Nachts wollte ich schlafen gehen. In dem Zimmer, wo ich mich aufhielt, befand sich unterhalb meiner Füße ein Regal mit wissenschaftlichen und religiösen Büchern. Zur Schlafenszeit reckte ich meine Füße natürlicherweise in Richtung dieser Bücher.

Ich fragte mich, ob ich aufstehen und meinen Schlafplatz ändern sollte oder nicht? Ich sah es als nicht notwendig an, da sich die Bücher nicht genau gegenüber von meinen Füßen befanden, sondern weiter oberhalb lagen und dies keine Verletzung der Würde des Buches darstellt. In diesem Zweifel und Selbstgespräch entschied ich mich letztendlich, dass dies keine Entwürdigung darstellt und bin schlafen gegangen. Am morgigen Tag besuchte ich den verstorbenen Lehrmeister Gasi und begrüßte ihn. Er antwortete: „Aleikum as-Salam! Es ist nicht in Ihrem Interesse, dass Sie nach Iran gehen und das Ausstrecken der Füße in Richtung der Bücher stellt eine Verletzung ihrer Würde dar.“ Ohne Selbstbeherrschung fragte ich im Affekt: „O Herr! Woher haben Sie das erfahren?“ Er sagte: „Vom Wadi-us-salam habe ich es erfahren.““ [16]

Die Liebe zu den Ahl ul-Bayt

Die Liebe Ayatollah Ghadhis zu der Familie des Gesandten Gottes war nicht etwas, das vor irgend jemandem verborgen geblieben war. Sein Kind schreibt: „Jene großartige Persönlichkeit kannte am Ghadir-Khumm-Fest keine Grenzen in seiner Freude. Er zog sich feine Kleidung an und feierte in seinem Haus ein Fest. Zu diesem Fest bat er die Gelehrten mit lauter Stimme, die Rede des ehrenwerten Gesandten in Ghadir Khumm zu verlesen. An diesem gesegneten Tag wurde die unbeschreibliche Freude gepaart mit dem Verlesen von Gedichten und lyrischen Werken Herr über die Veranstaltung und der verstorbene Seyyed Ali Ghadhi trug selbst persische Dichtungen über Ghadir Khumm vor und brachte Lieder über die Stellung und den Rang des Fürsten der Gläubigen (a.) zu Wort.“ [17]

Moralische Leitlinien

Ayatollah Ghadhi bereitete seine Schüler in einer besonderen Weise auf die Empfängnis von Offenbarungen aus der verborgenen Welt vor. Dies geschah gemäß den religionsrechtlichen Normen durch das Studieren der inneren Wirkungen des Verhaltens, durch die Anwesenheit des Herzens im Gebet und durch die reine Absicht in den Handlungen. Er hatte in der Moschee von Kufa einen Raum und verbrachte einige Nächte in Zurückgezogenheit mit Gottesdienst. Dies legte er auch seinen Schülern ans Herz und empfahl ihnen einige Nächte in der Moschee von Kufa oder Sahleh mit dem Lobpreis Gottes und dem Gottesdienst zu verbringen.

Eine andere moralische Leitlinie dieses Mystikers war die Beachtung des Mittelweges bei der Ernährung. Zusätzlich zu den körperlichen Schäden ermüdet eine übermäßige Nahrungsaufnahme die Seele und raubt die Sehnsucht nach dem Gottesdienst sowie die Fähigkeit zum Denken. Allama Tabatabai erzählte: „Der verstorbene Lehrmeister Gasi gab eine seltsame Überlieferung über die Vorteile des Hungers wieder, welche zusammenfassend aussagte, dass es zurzeit der vergangenen Propheten drei Freunde in ein fremdes Land verschlagen hatte. Als die Nacht hereinbrach, trennten sie sich, um Nahrung zu sich zu nehmen, und beschlossen am folgenden Morgen wieder an einem bestimmten Treffpunkt zusammenkommen.

Einer von ihnen war ein Gast, ein anderer wurde zum Gast einer Person und da der Dritte keinen Ort fand, sagte er zu sich: „Ich gehe in die Moschee und werde Gast Gottes.“ Er befand sich bis zum Morgen dort und war nach wie vor hungrig. Am Morgen kamen sie wie verabredet am Treffpunkt zusammen und erzählten jeweils, wie es ihnen ergangen war. Von Gott wurde dem Propheten jener Zeit offenbart, dass er seinem Gast mitteilen soll: „Wir haben die Betreuung dieses lieben Gastes akzeptiert, wurden zu seinem Gastgeber und waren bestrebt ihm die besten Speisen zuzubereiten. Allerdings setzten wir den Fokus auf unseren verborgenen Schatz und fanden für ihn keine bessere Speise als den Hunger.“[18]

Seyed Mohsen Alebatool

[1] Usul al-Kafi, Bd. 1, S. 79.  [2] 13. Dhul-Hidscha 1282 nach dem Mondkalender.  [3] Allama Sayyid Muhammad Husain Tabatabai war einer der größten Gelehrten (faqih) des Islam im 20. Jahrhundert und vor allem bekannt für sein Lebenswerk „Al-Mizan“.  [4] Seyyed Ibrahim Khosroshahi: Spiegel der Mystik, Seite 7.  [5] Muhyiuddin Muhammad Ibn Arabi gilt als einer der bekanntesten Mystiker. Er wurde auch als „der größte Meister“ (al-schaich al-akbar) bezeichnet, weil sein Einfluss auf die allgemeine Entwicklung des Sufismus sehr hoch eingeschätzt wird.  [6] Nekrolog Allama Tabatabais, Band 2, Seite 81.  [7] Nekrolog Allama Tabatabais, Band 2, Seite 81.  [8] Mohammad Hussayn Tehrani: Leuchtende Sonne, Seite 17.  [9] Seyyed Ibrahim Khosroschahi: Spiegel der Mystik, Seite 56.  [10] Frieden der Blume, Biographie von Seyyed Ali Agha Ghazi verfasst von einer Gruppe von Autoren, Seite 21.  [11] Ayatollah Khosroshahi in einer Predigt im Fernsehen der Islamischen Republik Iran.  [12] Tasbihat al-Arba’ah (subhan-allahi wal-hamdu lillahi wa la ilaha il-lallahu wallahu akbar).  [13] Erinnerungen von Seyyed Mohammad Hassan Ghazi, verfasst vom Kind Ayatollah Seyyed Ali Ghazis.  [14] Nekrolog Allameh Tabatabais, Band 2, Seite 61.  [15] Ayatollah Seyyed Mohammad Hosseini Tehrani, Alleinstehende Seele, Seite 513.  [16] Seyyed Mohammad Hosseini, Wissenschaften zur Auferstehung, Band 2, Seite 245.  [17] Erinnerungen von Seyyed Mohammad Hassan Ghazi, verfasst vom Kind Ayatollah Seyyed Ali Ghazis.  [18] Seyyed Mohammad Hosseini: Resaleh Lab al-Albab dar Seyr o Solukrial, Seite 134.