Der Unterschied zwischen Selbstmordanschlag und berechtigter Verteidigung

Dr. Seyed Mostafa Mohaghegh Damad[1]

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 setzt die Weltgemeinschaft vermehrt Begriffe wie Extremismus, Terrorismus, Gewalt, Dschihad, Scharia, Dogmatik ein und missbraucht sie immer wieder. Nach diesen Ereignissen und den darauffolgenden Terroranschlägen gerieten die Muslime in mehreren Ländern immer mehr unter Verdacht. Sie wurden beschuldigt, Terroristen und Gewaltverherrlicher zu sein, was dazu führte, dass man den Islam teilweise mit Terrorismus gleichgestellt hat. Um dies zu untermauern, wurden die Begriffe Dschihad, Märtyrertod und Aufopferung herangezogen. Diese Entwicklung brachte die großen Islamgelehrten dazu, eine genaue Definition dieser im Islam gebräuchlichen Begriffe vorzutragen und diese zu verteidigen.

Selbstmord ist im Islam verboten

In keiner anderen Religion ist Selbstmord so stark wie im Islam verpönt und untersagt. In den ersten Kapiteln der islamischen Geschichte steht: Einmal sagte der geehrte Prophet des Islams über eine Person: „Er wird letztendlich in die Hölle kommen.“ Einige der Anwesenden wunderten sich über diese Worte, denn dieser war einer der aktiven Befolger der religiösen Verordnungen und ein großzügiger Mensch. Doch dann sahen sie, dass er im Krieg verwundet wurde, und Selbstmord beging, damit er vom Schmerz erlöst wurde.[2] Das Recht auf Wahrung des Lebens ist so wichtig, dass selbst, wenn ein stark religiöser Mensch dieses Recht missachtet und Selbstmord begeht, dieser in die Hölle kommt.

Der Qur’an bezeichnet das Leben nicht nur als ein Recht, sondern als Pflicht des Menschen, es zu bewahren. Dem Menschen wurde von Gott das Leben in dessen Obhut gegeben. Die wörtliche Definition des Begriffes Selbstmord ist, wenn jemand sich selbst mit Hilfe eines Werkzeuges vernichtet. Das arabische Wort für Selbstmord ist „Entahar“, eine Abzweigung aus dem Begriff „Tahar“. „Entahar al-Rajol“ bedeutet: „Der Mann bringt sich selbst um.“ Interessant ist, dass obwohl Selbstmord im Begriff auf die Person selbst zurückgeführt wird, heute damit ein Selbstmordanschlag gleichgestellt wird. Wenn eine Person sich mit einem bestimmten Ziel selbst tötet oder um bestimmte Personen mit in den Tod zu reißen. Was beide Fälle gemeinsam haben, ist, dass eine Person sich selbst umbringt.

Selbstmord ist in seiner ursprünglichen und sozialen Definition auf die Gefühle und alltäglichen Probleme des Menschen beschränkt, wobei die Person Selbstmord begeht, um sich von diesen Problemen zu befreien. Beim Selbstmord sind Mörder und Ermordete ein- und dieselbe Person, doch wie schon zuvor gesagt, ist das Recht auf Leben eines der grundlegendsten und wichtigsten Rechte. Darauf weisen sowohl der Qur’an als auch die Überlieferungen hin. Im Qur’an wird Selbstmord ausdrücklich verboten: „[…] Und tötet euch nicht selber. Siehe, Allah ist barmherzig gegen euch. Und wer das in Frevelhaftigkeit und Ungerechtigkeit tut, den werden Wir ins Feuer stoßen; und das ist für Allah ein Leichtes. (An-Nisa | 4:29)“ In diesen Versen ist der Begriff „tötet euch nicht“ eine Ermahnung. Es wird davor gewarnt, diese Tat durchzuführen.

Außerdem sagt Imam Sadegh: „Jeder, der sich mit Absicht tötet, hat einen Platz im ewigen Höllenfeuer. Denn Gott sagt: „Begeht keinen Selbstmord.“[3] Allameh Tabatabei weist in „Tafsir al-Mizan“ auf diesen Vers hin und definiert die Unantastbarkeit des Selbstmordes und des Mordes.[4]

In diesem Zusammenhang gibt es viele Überlieferungen, von denen wir hier einige nennen wollen:

  • Der geehrte Prophet sagt: „Jeder, der sich selbst erwürgt, hat sich im Feuer der Hölle erwürgt, und jeder, der sich selbst aufspießt, wird in Höllenfeuer enden“.[5]
  • Von Imam Sadegh wird berichtet: „Jeder, der absichtlich Selbstmord begeht, wird immer im Höllenfeuer bleiben“.[6]
  • Imam Bagher sagt: „Ein Gläubiger kann die schlimmsten Katastrophen erleiden, und jeden nur erdenkbaren Tod finden. Doch er wird nicht Selbstmord begehen“.[7]
  • Amru Ibn Abid Basari erzählt: „Ich nahm an einer der Sitzungen von Imam Sadegh teil. Nach dem Eintritt und der Begrüßung las ich folgenden Vers vor: Und die schwersten Sünden und Schändlichkeiten meiden und wenn sie zornig sind, vergeben (Asch-Schura | 42:37). Ich zögerte einen Moment. Der Imam fragte: Armu, warum zögerst du? Ich sagte: O Sohn des Propheten, erläutere mir die Todsünden. Da sagte er: O Amru, die Todsünden sind folgende: Einen Menschen oder Götzen Gott gleichzustellen, die Hoffnung auf Gott zu verlieren, die Eltern zu verleugnen und eine Seele zu töten, was von Gott verboten wurde.“[8]

Aus den oben genannten Qur’anversen und weiteren Versen über das Leben und die Notwendigkeit zu dessen Wahrung und auch aus Überlieferungen kann man folgern, dass Selbstmord aus Sicht des Islams verpönt ist und zu den großen Sünden zählt, und diejenigen, die es tun, in die Hölle kommen. Hinzu kommt, dass eine Gruppe der Hanbaliten der Ansicht ist, dass Selbstmörder Ketzer sind. Sie sind deshalb der Ansicht, dass das Verrichten von Totengebeten an seiner Leiche nicht notwendig ist.[9] Dabei berufen sie sich auf eine Überlieferung vom Propheten des Islams über einen Menschen, der Selbstmord begangen hat, wonach der Prophet sich weigerte, an seiner Leiche das Totengebet zu verrichten.

Selbstmord ist in der islamischen Kultur und Lehre eine Art Rückgang und Trennung vom Pfad zur Vollkommenheit und Erleuchtung, und ein Sturz in die Tiefe der Hoffnungslosigkeit und Götzenanbetung. Daher ist er verpönt und verboten. Basierend auf den oben genannten Quellen bezeichnen die islamischen Gelehrten diese Tat als religiös verboten. Als Ursache für einen Selbstmord nennen sowohl religiöse als auch psychologische und soziologische Quellen mehrere Gründe. Einige davon sind: mangelnder Glaube, mangelnde Spiritualität und religiöse Ethik, übermäßige Hingabe animalischer Lüste und Naturkatastrophen, … Außerdem kommen noch die Nachwirkungen von Selbstmord hinzu, denn der Selbstmord hat wie andere Sünden Folgen. Nach außen hin ist man zwar die weltlichen Probleme los, doch – den Überlieferungen zufolge – kommen die Strafen im Jenseits auf einen zu. Außerdem wird es in der Familie und in der Gesellschaft zu Problemen führen.

Mord an anderen durch Selbstmord – Der Selbstmordanschlag

Auf heutiger politischer, internationaler und militärischer Ebene hat der Selbstmord eine neue Bedeutung bekommen – nämlich, dass eine Person in erster Linie sich selbst, und in zweiter Linie eine andere Person oder Personen oder materielle oder immaterielle Ziele vernichtet, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Hier kommt neben Selbstmord auch der zielgerichtete Mord an anderen Personen zur Sprache. Mit anderen Worten setzt er sein Ziel höher als das Recht auf eigenes Leben und das Leben anderer Menschen. Dies ist eine andere Form des Selbstmords und wird auch Selbstmordanschlag genannt. Leider werden heute sehr verbreitet Selbstmordanschläge in organisierter Form verübt und das für unterschiedliche Zwecke. Dabei werden meist unschuldige Personen, die eigentlich nichts mit der Politik oder Militäraktionen zu tun haben, geopfert.

Schon Selbstmord ist aus der Sicht des Islams eine große Sünde und verboten. Als Beweis dienen die Qur’anverse und Überlieferungen über die Wahrung des Lebens. Solche Aktionen gelten bestimmen Zielen – einer oder mehreren Personen, Orten oder bestimmten Themen. Dabei will der Selbstmordattentäter einer bestimmten Schicht Schaden zufügen, um einen allgemeinen Nutzen daraus zu ziehen. Manchmal verfolgt der Selbstmordattentäter kein bestimmtes Ziel. Dann werden zumeist Unschuldige und Unbeteiligte seine Opfer. In solchen Fällen wollen sie meist die politische oder gesellschaftliche Lage ins Wanken bringen und Angst und Furcht verbreiten, um dadurch an Macht zu gewinnen. Dabei werden in der Regel Gebäude, Zentren und Eigentum zerstört und Leben genommen. Dies ist genau das, was der Islam als Mord und Selbstmord bezeichnet und verbietet. Das eigentliche Problem bei solchen Anschlägen ist das Etikett, das die Initiatoren solcher Anschläge ihnen anheften. Sie suggerieren, dass sie religiöse Wurzeln haben und dass ihre Taten auf islamischen Lehren basieren. Damit bringen sie die Muslime und den Islam in Verruf.

Einer der Beweggründe, die eine Person anspornen, einen Selbstmordanschlag zu verüben, ist – in Anbetracht des Gesagten – mangelndes Wissen über religiöse Lehren und über den Geist des Islams. Denn eine Religion, die für das Diesseits und Jenseits des Menschen Glückseligkeit verspricht, und – wie schon gesagt – das Recht zum Leben zu den grundlegenden Rechten zählt, spornt zu Hoffnung und Aufbau an. Es heißt im Qur’an: „[…] und stürzt euch nicht mit eigner Hand ins Verderben […]“ (al-Baqara | 2:195) und : „[…] dass wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für (Mord) an einem andern oder für Gewalttat im Land -, so soll es sein, als hatte er die ganze Menschheit getötet […]“ (al-Ma´ida | 5:32).  Extremismus wird ausdrücklich verboten und jemand, der absichtlich einen Menschen tötet, soll für alle Ewigkeit ins Höllenfeuer (an-Nisa | 4:93). Eine solche Religion kann wahrhaftig nicht zu solchen Taten aufrufen und sie befürworten. Dies ist der Mangel an Kenntnis über die religiösen Begriffe und Lehren. Die islamische Scharia legt besonderen Wert auf die Rechte der Menschen, wie das Recht auf Freiheit oder da Recht auf Leben. Sie verbietet sogar das Töten der Frauen und Kinder auf dem Schlachtfeld. Das Verbrennen und Verstümmeln sind aus Sicht des Islams Taten der Ungläubigen. An einer anderen Stelle wird auch das Töten und Quälen der Gefangenen untersagt.

Zu den weiteren Ursachen für solche Selbstmordanschläge gehört auch mangelnde Kenntnis über die aktuelle politische Lage und die globalen Entwicklungen, insbesondere im politischen Bereich. Einen weiteren Grund könnte man in den oberflächlichen wirklichkeitsfremden Propagandaaktionen einiger extremistischer und pseudoreligiöser Prediger sehen, die – anstatt die wahren Lehren des Islams darzulegen – einige Schüler zu Extremisten ausbilden, was dann zu solchen unsinnigen und ziellosen Taten führt. Weiterhin können wirtschaftliche Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit ein wichtiges Motiv sein, Selbstmordanschläge zu verüben. Dabei übernimmt eine Person, für die Absicherung seiner Familie, alle materiellen und immateriellen Folgen eines Anschlags in Kauf.

Das Recht zur Verteidigung

Das Recht zur Verteidigung gegenüber einem Übergriff auf Leben, Freiheit, Stolz, Ehre und Eigentum ist das natürliche Recht eines jeden Menschen. Die Gesetze diesbezüglich stimmen mit den Lehren des Islams und mit dem europäischen Recht überein. Das Recht zur legalen Verteidigung ist im eigentlichen Sinne ein genehmigtes Verbrechen. Das heißt, im Normalfall gilt es als ein Verbrechen und der Täter muss bestraft werden. Doch wenn es sich um legale Verteidigung handelt, dann ist die Tat erlaubt und gilt nicht als Schandtat, sondern als erlaubte Aktion.

Mohagheghe Heli schreibt in seinem Werk „Sharaya al-Eslam“ über das Recht zur Verteidigung: „Es ist das Recht des Menschen, sein Leben und seinen Besitz zu verteidigen. Dafür müssen gewisse Schritte eingehalten werde, Zuerst muss der einfachste Weg eingeschlagen werden. Wenn mit Geschrei das Problem gelöst ist, so muss er es dabei belassen. Danach soll er sich mit den Händen und dann mit einem Stock verteidigen. Falls dies nichts nützt, kann er zur Waffe greifen. Und wenn der Angreifer getötet wird, stellt es kein Problem dar. Wenn aber der Verteidiger getötet wird, so wird er zum Märtyrer“.[10] Shahid Thani definiert auch die Einhaltung der Verteidigungsstufen als eine Voraussetzung zur legalen Verteidigung.[11]

Die legale Verteidigung ist die Abwehr von Gewalt durch Gewalt. Dies ist das Recht, das sowohl die Religion als auch das Gesetz jemandem erteilt, der angegriffen wird und Gewalt anwenden muss. Natürlich gibt es andere Meinungen darüber, dass man das Recht zur Verteidigung auf Verteidigung des eigenen Lebens und auf bestimmte Situationen beschränkt. Aber da wir es nicht in die Länge ziehen wollen, gehen wir nicht darauf ein. Worauf wir uns alle einigen können, ist die Tatsache, dass alle Geistlichen und Juristen bestätigen, dass das Recht zur Verteidigung legitim ist.

Vorgeschichte des Rechts zur Verteidigung

Wie schon gesagt, hat das Recht zur Verteidigung seine Wurzeln in der Natur des Menschen. In der Menschheitsgeschichte findet man kaum eine Kultur und Zivilisation, die sich das Recht zur Verteidigung gegenüber ungerechten Übergriffe vorenthält. Schon zu Zeiten der Griechen, Babylonier, Russen und Inder wurde dieses Recht geachtet und zählte zu den Grundrechten. Dies zog sich bis zum Mittelalter hindurch, bis christliche Lehren es teilweise übertünchten, denn hier gilt: „Wenn der Feind dich ohrfeigt, halte ihm auch die andere Wange hin“. Das Recht zur Verteidigung wurde hinterfragt und der Verteidiger konnte bestraft werden und musste um Vergebung bitten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Verteidiger als Straftäter angesehen, bis die Gesetzgeber Frankreichs, Deutschlands, Belgiens und … das Recht zur Verteidigung wieder legitimierten. Im Islam jedoch wurde von Anfang an das Recht zur Verteidigung nicht nur als ein legitimes Recht, sondern sogar als religiöse Pflicht bezeichnet.

Quellen der legitimen Verteidigung

Wenn man die Schriften der Gelehrten studiert, sieht man, dass deren Worte auf handfesten Quellen beruhen und die vier folgenden Begründungen beinhalten:

  1. Qur’anverse

Zwei Qur’an-Verse bestätigen die legitime Verteidigung. Der erste Qur’anvers ist Vers 193 der Sure al-Baqara (2), wo Gott sagt: „Und bekämpfet sie, bis die Verfolgung aufgehört hat und der Glauben an Allah (frei) ist. Wenn sie jedoch ablassen, dann (wisset), dass keine Feindschaft erlaubt ist, außer wider die Ungerechten“. Der zweite Qur’anvers ist Vers 195 der Sure al-Baqarah: „Spendet für Allahs Sache, und stürzt euch nicht mit eigner Hand ins Verderben, und tut Gutes; wahrlich, Allah liebt die Gutes Tuenden“. Dieser Vers ist einer der Beweise, die Sheikh Toussi für die Bestätigung seiner Ansichten über die legitime Verteidigung bringt.[12] Dieser Ansicht zufolge gilt ein Nicht-Verteidigen des eigenen Lebens vor Angreifern als Zerstörung der eigenen Seele durch die eigene Hand.

  1. Überlieferungen

In den Überlieferungen sehen wir viele Worte, die für die Legitimität der Verteidigung sprechen. Viele dieser Überlieferungen sind richtig und gültig. Hier wollen wir einige dieser Überlieferungen anführen. Allein in „Vasaelol Shiah“ werden siebzehn Überlieferungen bezüglich der Vernichtung der Ruchlosen und Verteidigung des Lebens und des Eigentums gebracht, selbst wenn das Eigentum gering ist und dabei der Verteidiger ums Leben kommt. Weitere sechs Überlieferungen werden in „Mostadrak al-Vasael“ bezüglich der Darlegung der Lehren zur legitimen Verteidigung gebracht.[13] In „Furu al-Kafi“ werden vierzehn Überlieferungen unter dem Motto „Verteidigung des Lebens, Wichtigkeit der Opferung zur Verteidigung der Rechte und Erlaubnis zum Töten des Räubers“ gebracht.[14]

  1. Logik

Logisch gesehen sind die Verteidigung der Familie und des Lebens und des Eigentums eindeutige Bespiele für die Abwehr von Schaden, und die Abwehr von Schaden ist von der Logik her unabdingbar. Sheikh Toussi bezeichnet die Selbstverteidigung als eine der logischen Notwendigkeiten.[15]

  1. Ansichten der Gelehrten

Allgemein kann man behaupten, dass kein Gelehrter am Recht zur Verteidigung zweifelt. Auch der Autor von „Dschawaher al-Kalam“[16] erwähnt die Betonung der Gelehrten bezüglich der Verteidigung des Lebens und der Familie und des Eigentums.

Eigenschaften und Voraussetzungen der legitimen Verteidigung

Folgendes muss bei der legitimen Verteidigung beachtet werden:

Eine Verteidigung gegenüber einem Übergriff ist erst dann legitim, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Wenn der Angriff stattfindet oder im Begriff ist, stattzufinden
  • Wenn er ungerecht ist
  • Der Angriff kann gegen die Person oder eine andere Person gerichtet sein.
  • Der Angriff kann dem Leben, der Familie, dem Grundstück, Eigentum oder der Freiheit gelten.

Die Verteidigung gilt dann als eine legitime Verteidigung, wenn sie folgende Bedingungen erfüllt:

  • Wenn sie notwendig erscheint, und es keinen anderen Ausweg außer Gewalt gibt. Aus Sicht der schiitischen Scharia darf der Verteidiger, wenn der durch Flucht, Geschrei, und … dem Angriff der Übergreifers entkommen kann, keine Gewalt mehr anwenden.
  • Die Verteidigung muss qualitativ und quantitativ dem Angriff entsprechen. Darauf wird auch in den religiösen Lehren und im nationalen und internationalen Recht bestanden. Shahid Thani schreibt in diesem Zusammenhang: Wenn der Angreifer den Angriff abbricht, so muss der Verteidiger auch aufhören. Und wenn er beginnt, auch beginnen. Wenn der Angreifer den Verteidiger angreift, so kann er ihm die Hand abhacken, aber wenn er dem Verteidiger den Rücken zukehrt, und dieser ihm das Bein abhackt, und dadurch der Angreifer stirbt, so ist er schuldig und muss bestraft werden.[17]

Bereich und Grenzen der Verteidigung

Die legitime Verteidigung deckt im Islam ein weites Spektrum ab und beinhaltet die Verteidigung des eigenen Lebens, Eigentums, das Verteidigen einer dritten Person und auch das ihrer Familien und Eigentümer. Hinzu kommt noch die Verteidigung der Länder. Aus diesem Grund sehen die Muslime es nicht nur als Recht, sondern sogar als Pflicht an, alle Unterdrückten der Welt, egal ob Muslime oder Nicht-Muslime, zu unterstützen und sogar durch Taten ihr Leben und ihre Ehre und ihr Eigentum zu verteidigen.

Quellen:

  1. Horre Ameli, Mohammad Bin Hassan,1414 nach dem Mondkalender, Vasaelol shiah, 2, Auflage, Al-Albait al-Ahya al-Tharath Verlag.
  2. Shahid Thani, Zenoddin bin Ali Dschabaei Ameli, 1410 nach em Mondkalender, al-Rauzah al-Bahiah fi sharhe al-Ma´ah al-Damashqiah, eine Forschungsarbeit von Seyed Mohammad Kalantar, 1. Auflage, Davari, Qom.
  3. Sadouq abi Dschafar Mohammad bin Ali ibn Hossein bin Moussa bin Babouye Qomi, 1404 nach dem Mondkalender,Min la yahzaro al-Faghih, Eine Forschungsarbeit von Ali Akbar Ghaffari, 2. Auflage, Dschameeh al-Modarreisn, Qom.
  4. Toussi, Mohammad bin Hassan, 1417 nach dem Mondkalender, Kalaf, eine Forschungsarbeit von Seyed Dschawad shahrestani, und Seyed Ali Khorassani, und Mohammad Mehdi Nadschaf, 1. Auflage, al-Nashr al-Esami Verlag, Qom.
  5. Kuleini, Mohammad bin Yaghoub, 1401 nach dem Mondkalender, Forou al-Kafi, 3. Auflage, dar al-sab va al-Taarof, Beirut.
  6. Mottaqi Hendi, Alaeddin Ali bin Hessamoddin, 1409 nach dem Mondkalender, Konz al-Amal, al-Marasseli Verlag, Beirut.
  7. Mohaqeq Heli, Abohqassem Nadschmeddin Dschafar bin Hassan, 1373 nach dem Mondkalender, Sharae al-Eslam, 3. Auflage, Esmaeilian, Qom.
  8. Madschlessi, Mohammad Bagher, 1403 nach dem Mondkalender, Bahar al-Anvar, 2. Auflage, al-Vafa Verlag, Beirut.
  9. Tabatabaei, Seyed Mohammad Hossein, Bita, Tafsir al-Mizan Allame Tabatabaei, Enteshrate Eslami Verlag.
  10. Nadschafi, Mohammad Hassan, 1404 nach dem Mondkalender, Dschawaher al-Kalam,eine Forschungsarbeit von Reza Asnadi, 3. Auflage, al-Maktabatol Eslamiah, Qom.
  11. Nouri, Mirza Hossein, 1409 nach dem Mondkalender, Mostadrak al-Vasael, 2. Auflage, al-Beit al-Ahya al-Taras Verlag, Beirut.

[1] Dozent der juristischen Fakultät der Shahid Beheshti Universität Teheran.

[2] Majlesi: Bihar-ul-Anwat Bd. 20, S. 98.

[3] Ameli, Vasaelolshiah, Bd. 19., S. 13.

[4] Tabatabaei, Mohammadhossein, Tafsir almizan, Bd. 4 Bd, S. 506 – 507.

[5] Mottaghi Hendi, Kanzolommal, Bd. 2, S. 35.

[6] Sheikh Sadugh, Man la Yahzerohu Alfaghih, Bd. 3, S. 571.

[7] Ameli, Vassaelol Shiah, Bd. 29, S. 240.

[8] Sheikh Sadugh, Man la Yahzerohu Alfaghih, Bd.  3, S. 373.

[9] Ebne Ghoddamah, Moghaniya, Bd. 2. Bd., S. 418.

[10] Mohagheghe Heli, Sharaya al Eslam, Bd. 4. Bd., S. 966.

[11] Shahid Thani, Sharh Lomah, Bd. 9, S. 348.

[12] Sheikh Toussi, Khalaf, Bd. 5, S. 346.

[13] Nouri, Mostadrak al-Vasael, Bd. 18, S. 197.

[14] Kolleni, Foroue al-Kafi, Bd. 5, S. 52, Bd. 7, S. 296.

[15] Sheikh Toussi, Khalaf, Bd. 5, S. 346.

[16] Nadschafi, ebenda, Bd. 41d., S. 650.

[17] Shahid Thani, Sharh Lomah, Bd. 5, S. 250.