Die Untersuchung der Rolle von Moral in der Theologie

Eines der grundlegenden Prinzipien des Islam liegt darin, dass seine Gesetze immer zur Befriedigung und Sicherung gesellschaftlicher Gerechtigkeit veranlassten. Dies bildet die Grundlage unserer Theologie und Rechtswissenschaft. Neben der gesellschaftlichen Gerechtigkeit gehört auch die Moral zu den Grundlagen der Islamischen Theologie und Rechtswissenschaft. Der edelmütige Prophet offenbart folgendes: „Ich bin also gesandt geworden, damit ich die edlen Charakterzüge in der Gesellschaft durchführe und vervollkommne.“

إِنَّمَا بُعِثْتُ لِأُتَمِّمَ مَکارمَ الأَخْلاقِ

Jetzt stellt sich die Frage, ob ein Prophet, der die Vollkommenheit der Moral als Ziel seiner Mission sieht, der Fahnenträger unmoralischer Gesetze sein kann? Selbstverständlich nicht! Eine der großen Besonderheiten des Islam liegt in genau diesem Prinzip der Einhaltung moralischer Gesetze. Nach unserer Vorstellung ist die religiöse Moral die intensivste, vollkommenste, beste und einflussreichste Art der Moral und der erstaunliche Einfluss der Moral auf religiöse Gebote ist ein unumstrittener Aspekt.

Die Moral

Der Begriff „Moral“ (im Persischen اخلاق) stammt vom Begriff Charakter (im Persischen خُلق) mit der Bedeutung von Gemütsart, Wesen und Natur ab[1]. Die Begriffsdeutung des Charakters und der Moral, welche durch die Gelehrten der Moralwissenschaft zur Verfügung gestellt wurde, gleicht der Definition der Wissenschaft im Allgemeinen. Ibn Meskavayeh äußert in diesem Zusammenhang folgendes: Die Gemütsart des Menschen ist ein Zustand für den Geist des Menschen, der ihn ohne Nachdenken und Reflexion zur Durchführung einiger Dinge verleitet[2].

Neben der Begriffsdeutung, wird die Moral auch als eine Art Wissenschaft angesehen. Bei der Deutung der „Wissenschaft der Moral“ erläutert der verstorbene Herr Naraghi folgendes: Die Wissenschaft der Moral ist das Wissen über vernichtende Eigenschaften und erlösende Eigenschaften und die Art und Weise der Aneignung erlösender Eigenschaften und die Befreiung von vernichtenden Eigenschaften[3]. Es scheint, dass diese Deutung die umfassendste Deutung darstellt, welche seitens der Gelehrten der Moral in Bezug auf die Wissenschaft der Moral geäußert wurde, da darin die Art und Weise zur Vernichtung unangepasster Eigenschaften und die Qualität der Aneignung guter und schöner Eigenschaften als ein Teil der Wissenschaft der Moral gesehen wird.

Im Gegensatz zu einigen westlichen Philosophen und Wissenschaftlern, welche die Moralwissenschaft in Bezug auf das menschliche Verhalten sahen, äußert Herr Gex folgendes: Die Wissenschaft der Moral besteht aus der Untersuchung des menschlichen Verhaltens und des idealen Verhaltens des Menschen. Das „Thema“ der Moralwissenschaft umfasst auch die guten und schlechten Eigenschaften, welche durch die bewussten und unbewussten Taten des Menschen entstehen[4]. Daher scheint es, dassdie Thematik der Moralwissenschaft neben den Eigenschaften und Werten auch Gedanken, Taten und Äußerungen des Menschen umfasst.

Die Gelehrten der Moral sehen das bedeutendste „Ziel“ der Moralwissenschaft in der Veränderung der Gemütsart der Menschen und der Evolution des Geistes der Menschheit. Mit anderen Worten liegt das Ziel der Moralwissenschaft in der Bewahrung des menschlichen Benehmens und Verhaltens vor Fehlern und Fehlleitungen, sodass die Taten und Ziele des Menschen gemäßigt und von der blinden Nachahmung und sinnlichen Begierden distanziert sind[5].  Für die Moralwissenschaft gibt es im Islam folgende Quellen: Der Koran, die Tradition der Reinen Nachkommenschaft (a.) des Propheten (s.), der Verstand und auch die Wesensnatur[6]

Ein wichtiger Aspekt liegt hierbei darin, dass die islamische Moral sich aus der Moral zusammensetzt, welche auf der göttlichen Offenbarung und Lehren der Propheten und der Reinen Nachkommenschaft (a.) basiert und aufbaut und Besonderheiten wie Universalität, Absolutheit, zugesicherte Durchführung usw. besitzt.

Theologie

Der Begriff Theologie besitzt nach den berühmten Wissenschaftlern die Bedeutung Verstand. Einige Wissenschaftler wie beispielsweise Fakhr Razi sind davon überzeugt, dass mit Verstand der Verstand mit der Absicht zur Kommunikation gemeint ist und andere Wissenschaftler wie beispielsweise Abu Zahra waren der Ansicht, dass mit Verstand der genaue und Gegenstände durchdringende Verstand gemeint ist. Aus der Sicht berühmter schiitischer und sunnitischer Theologen steht die Theologie in der Bedeutung der Wissensaneignung und Annahme islamrechtlicher Gebote mittels gültiger Belege[7].

Die „Quellen“ der Theologie sind Angelegenheiten, mittels welcher die islamischen Gebote und Bestimmungen erkannt und belegt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die bedeutendsten Quellen der Theologie werden im Folgenden aufgeführt: der Koran, die Sitten und Traditionen der Reinen Nachkommenschaft (a.), die Vernunft und die Idschma (der Konsens aller islamischer Rechtsgelehrten). Die „Thematik“ der Theologie besteht aus den Taten der Erwachsenen (beispielsweise Gebet, Fasten, Haj) und auch externen Themen, welche auf eine gewisse Art und Weise mit den Taten der Erwachsenen in Verbindung stehen (wie beispielsweise Wein, dessen Genuss für die Muslime verboten ist, oder Hunde und Schweine, welche aus islamischer Sicht unrein sind).

Das „Ziel“ der Theologie besteht in der Sicherung weltlicher und jenseitiger Glückseligkeit, der Verbesserung des Individuums und der Gesellschaft, der Bildung gesellschaftlicher Gerechtigkeit und der Erhaltung der Rechtswissenschaft des islamischen Volkes. In diesem Zusammenhang äußert Ghazali folgendes: Die theologischen Gebote dienen der Erhaltung und dem Schutz von fünf Interessen: die Religion, das Wesens, die Vernunft und die Ehre[8]. Das Reflektieren über das Wesentliche, die Ziele, die Quellen der Gebote und die Simplifikation der allgemeinen Ansichten im Bereich der Art und Weise der Interpretation und Deutung in der Wissenschaft der Theologie wird „Philosophie der Theologie“ oder „Theologiewissenschaft“ genannt. Sie besitzt eine unterschiedliche Betrachtungsweise der Theologie besitzt und stellt eine Antwort auf die Existenzfrage der Theologiewissenschaft stellt[9].

Die Beziehung zwischen  Theologie und Moral

Die Theologie und die Moral unterscheiden sich in vielen Beziehungen (wie beispielsweise in der Thematik, im Bereich, im Ziel, in der Sicherung der Durchführung usw.…). Auf den Wirkungsbereich bezogen ist der der Theologie viel umfassender als der der Moral; da die Theologie die Vorgaben der Personen im Rahmen der Verehrung, der Gesellschaft, des Individuums, der Wirtschaft, der Politik, des Rechts, des Verbrechens usw. festlegt, die Moral jedoch nur das Verhalten und die Taten des Individuums aus der Sicht der Werte untersucht (ob die Tat eine gute oder schlechte Tat darstellt und ob sie eine Tugend oder Niederträchtigkeit darstellt). Obwohl sich beide mit der Thematik des Menschen befassen, untersucht die Theologie dasjenige Verhalten, für dessen Einhaltung oder Unterlassung Gebote veranlasst wurden.

Im Gegensatz dazu schenkt die Wissenschaft der Moral Verhaltensweisen Beachtung, welche einen Wert besitzen. Die Theologiewissenschaft bezieht sich auf die Verehrung und rechtliche Dimension der Thematik, die Moralwissenschaft bezieht sich auf dessen Wertdimension.

Es gibt auch Unterschiede zwischen den Zielen der Moral und den Zielen der Theologie. Das Ziel und der Zweck der Theologie liegt neben der Entfaltung und Entwicklung des Individuums und dessen Seele in der Anordnung der Gesellschaft und dem Segen sowie der jenseitigen Strafe, wobei das Ziel der Moral in der Berichtigung der Fehler des Individuums und der Gesellschaft liegt und dem Segen und jenseitigen Strafen keinerlei Beachtung schenkt. Aus der Sicht der Theologie besteht keinerlei Verpflichtung zur Durchführung freiwilliger Taten, welche in der Moral und der Verfeinerung des Wesens eine Art Dringlichkeit mit sich führen.

Außerdem rühren die theologischen Lehren allein von der göttlichen Offenbarung her, moralische Werte jedoch basieren sowohl auf der göttlichen Offenbarung als auch auf der reinen Natur und dem „Juwel“ des Menschen, sodass einige die Moral sogar als die Natur der Menschheit sehen[10]. Neben diesen Vorgaben, besitzt die Theologie auch eine materielle und gesellschaftliche Durchführungssicherung, sodass der islamrechtliche Herrscher die Individuen der Gesellschaft dazu auffordern kann, seine juristischen Aufgaben zu vollziehen; moralische Vorgaben besitzen jedoch keine materielle und gesellschaftliche Durchführungssicherung, sondern lediglich eine innere und religiöse Durchführungssicherung.

Unter Beachtung all dieser Unterschiede scheint es keinerlei Hindernisse bei der tiefgründigen Verbindung zwischen der Theologie und der Moral zu geben, sodass die Ähnlichkeiten zwischen diesen zwei Wissenschaften von dem hohen Einfluss der Moral auf die Theologie zeugen. Es gibt dadurch zwischen ihnen eine Beziehung und Verbindung. Im Folgenden werden einige dieser Ähnlichkeiten aufgeführt:

  1. Die Theologie und die Moral zählen beide zum Bereich der praktischen Weisheit und aus Sicht einiger islamischer Wissenschaftler fallen sowohl die Theologie als auch die Moral in den Bereich der Umgangswissenschaft. Die Umgangswissenschaft ist eine Wissenschaft, dessen Studium zur Tat führt, sodass die Moral große Theologie und die islamrechtlichen Gebote kleine Theologie genannt wird[11].
  2. Die Absicht besitzt als eine innere Angelegenheit Authentizität in der Moral und wird in der Theologie als eine wichtige Säule zur Tat gesehen, sodass die Durchführung der bedeutendsten Taten ohne göttlichen Vorsatz ungültig und ohne Ergebnis ist.
  3. Ebenso wie die göttliche Offenbarung die Quelle der Festlegung und des Zwangs in den islamrechtlichen Vorgaben und Geboten darstellt, stellt der Ausdruck der Scharia und der göttlichen Offenbarung die Quelle der Festlegung in den moralischen Vorgaben und Geboten dar.
  4. Theologische Vorgaben werden von einer Perspektive in zwei Teile unterteilt:
  5. a) Konstante Vorgaben: Vorgaben, welche für konstante Bedürfnisse des Menschen festgelegt wurden. Sie können aufgrund von Voraussetzungen und Veränderungen der menschlichen Gesellschaft nicht variiert werden, wie beispielsweise Verehrungsvorgaben.
  6. b) Variable Vorgaben: Vorgaben, welche für variable Bedürfnisse des Menschen festgelegt wurden und je nach Bedarf und neuen Erforderlichkeiten im Rahmen der Voraussetzungen und der Zeit variiert und angepasst werden können, wie beispielsweise Umgangsvorgaben.

Moralische und wertbezogene Vorgaben können nach diesem Schema auch in zwei Bereiche unterteilt werden:

  1. a) Einige moralische und wertbezogene Vorgaben sind zu allen Zeiten und an allen Orten konstant und erfahren keine Veränderung und Variation, wie beispielsweise Ehrlichkeit und Gerechtigkeit.
  2. b) Einige weitere moralische Vorgaben und wertbezogene Angelegenheiten werden zu einer Zeit als Wert angesehen und zu einer anderen Zeitphase als Gegenwert gesehen, wie beispielsweise gesellschaftliches Verhalten.
  3. Ebenso wie die Thematik der Theologie im Rahmen des Verhaltens und der Taten des Menschen und deren Ziel zur individuellen und gesellschaftlichen Verbesserung führt, so kann auch die Thematik der Moral im Rahmen des Verhaltens und der Taten des Menschen und dessen Ziel zur individuellen und gesellschaftlichen Verbesserung führen.
  4. Die Theologie und Moral sind einander in den fünf Vorgaben der Obliegenheit, des Respekts, der Zustimmung, der Großzügigkeit und der Einwilligung ähnlich mit; dies bedeutet, dass die moralischen Vorgaben ebenso wie die theologischen Vorgaben aus fünf Teilen bestehen.

Der Einfluss der Moral auf die Theologie

Obwohl die beiden Wissenschaften der Moral und Theologie in Bezug auf ihre Deutungen keinerlei Verbindung besitzen, beeinflusst die Moral jedoch die Theologie in Bezug auf äußerliche Umsetzungen. Spuren moralischer und mystischer Elemente sind in der schiitischen Theologie und deren unterschiedlichen Zweigen zu erkennen.

Die gemeinsame Quelle der islamischen Wissenschaft der Theologie und der Moral könnte vielleicht als ein einflussreicher Faktor in diesem Bereich gelten; das Buch und die Sunna sind nämlich die beiden Hauptquellen der islamischen Theologie und zählen auch zu den Hauptquellen der islamisch-religiösen Moral. Diese gemeinsame Quelle hat dafür gesorgt, dass diese beiden Bereiche durch die umfassende Verbindung der Wissenschaft der Theologie und der Moral in diesem Zusammenhang einen sehr hohen Einfluss aufeinander ausüben. Diesen Einfluss bzw. diese Einflüsse kann man in vielen unterschiedlichen theologischen Vorgaben erkennen.

Diese bedeutende moralische Verantwortung, dass man anderen nicht sinnlos Schaden zufügen darf (لاضررَ و لاضرارَ فی الإسلام) zählt auch zu der zivilrechtlichen Verantwortungsgrundlage in der Theologie.

Auch erlöschen die Folgen einer Straftat nicht durch die Reue und das Bedauern der Straftat, wenn diese nicht mit dem Ziel der Sühne und Wiedergutmachung einhergeht.

مَن اَتلَفَ مالَ الغیرِ فَهو ضامِن

Ein weiteres Prinzip der Theologie und des Strafrechts, welches den Einfluss der Moral auf die Theologie sehr deutlich zeigt, ist das Prinzip der Existenzdringlichkeit eines schlechten Vorsatzes bei der Kriminalität. Eine der konstruktiven Säulen und Elemente der Straftat, welche zur Strafe führt, ist deren spiritueller Pfeiler. Der spirituelle Pfeiler der Straftat steht mit dem Vorsatz und der Absicht einer wissentlichen Durchführung der Straftat in Verbindung. Sobald nämlich bewiesen wird, dass eine Person bei der Ausführung einer Straftat keinen schlechten Vorsatz und Absicht besitzt, erklärt der Richter die Unschuld dieser Person.

In den theologischen Büchern wird ein Mord auch auf Basis der Existenz oder Nichtexistenz spiritueller Elemente als vorsätzlich, zur Hälfte vorsätzlich und als Vergehen eingestuft. Außerdem hat der Richter das Recht dazu, die Strafe des Angeklagten je nach Beachtung seiner Einschätzung und der individuellen sowie gesellschaftlichen Situation des Angeklagten und dessen Reue, von der Ausführung der Straftat und dessen Einfluss auf die Zukunftsbildung seiner eigenen Person, seiner Familie und anderer Angehörigen zu verringern oder aufzuheben, was selbst  eine weitere Widerspiegelung der Moral in der Theologie und im Recht darstellt.

Beim Zakkat, der eine islamische Vorgabe und auf gewisse Art und Weise eine islamische Steuerabgabe darstellt, muss der muslimische Mensch einen Teil seines reinsten Besitzes abgeben. Zweifellos ist es nicht leicht, sich von weltlichem Besitz zu trennen und diese Trennung ist mit den Gefühlen der „Habsucht und Eifersucht“, welche in der Natur vieler Menschen existieren, nicht kombinierbar. Aus diesem Grund hat sich der Gesetzgeber des Islam zur Stärkung dieser Vorgabe in den Tiefen der Menschenherzen auf sensibelste Art und Weise der Grundlagenbildung gewidmet und die Gedanken der Menschen mithilfe einer wunderschönen Aussage auf die Zahlung dieser Steuer vorbereitet:

خُذْ مِنْ أَمْوَالِهِمْ صَدَقَةً تُطَهِّرُهُمْ وَتُزَكِّيهِم بِهَا وَصَلِّ عَلَيْهِمْ إِنَّ صَلاَتَكَ سَكَنٌ لَّهُمْ وَاللّهُ سَمِيعٌ عَلِيمٌ (at-Tauba | 9:103)

Der allmächtige Gott offenbart in diesem Vers seinem edelmütigen Propheten (s.) „Nimm von Ihnen Almosen (Zakkat), da du sie mit dieser Tat von moralischen Niederträchtigkeiten, Weltverherrlichung und Habsucht reinigst und den Samen für Nächstenliebe, Großzügigkeit und Beachtung der Rechtswissenschaft anderer Menschen in Ihnen säst. Außerdem hebst du mit der Durchführung göttlicher Pflichten Korruption und Abschaum auf, welche aufgrund von Armut und unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Gruppendiskriminierung innerhalb der Gesellschaft entstehen, und reinigst die Gesellschaftsszene von solchem Abschaum.“

Im islamischen Recht hat sich die Moral vollständig auf das Gebiet der Theologie begeben, da jede Tat, deren Durchführung einen Vorteil mit sich bringt, in den Bereich der Mostahabat (wünschenswerte Taten) fällt und deren Durchführung großzügig belohnt wird. Ebenso fällt jede Tat, deren Unterlassung Vorzüge besitzt, in den Bereich der Makroohat (unbeliebte Taten) und deren Unterlassung wird ebenso belohnt.

Daher trennt sich die islamische Theologie niemals von der Moral. Das Ziel der Theologie besteht darin, theologische Diskussionen anzuregen und die moralischen Werte unter den Menschen zu stabilisieren. Die Theologie und die Moral sind eigentlich zwei einschränkende und hemmende Faktoren des menschlichen Verhaltens, aber es ist die Moral, welche bei der Orientierungsausrichtung der Theologie eine tragende Rolle spielt.

Die Meinung Imam Khomeynis zur Stellung der Moral in der Theologie

Seine Exzellenz Imam Khomeyni schenkte der theologischen Wissenschaft besondere Beachtung und dies führte auch dazu, dass er in verhältnismäßig vielen seiner nichttheologischen Bücher die Theologie erwähnt. Imam Khomeyni bezieht sich bei der Aufteilung der Wissenschaft eher auf die Absichten des Individuums zur Lehre und zum Studium dieser Wissenschaft und äußert im Allgemeinen folgendes: Man sollte wissen, dass sich die Wissenschaft im Allgemeinen in zwei Bereiche unterteilt: Eine weltliche Wissenschaft, deren Ziel und Zweck die Erlangung weltlicher Ziele darstellt und eine jenseitige Wissenschaft, dessen Zweck und Ziel in der Erlangung göttlicher und jenseitiger Stufen und Ränge liegt[12].

Mit einer solchen Betrachtungsweise wäre eine Wissenschaft wie die Moral ohne einen göttlichen Vorsatz eine wertlose Wissenschaft und würde auch nicht zur jenseitigen Wissenschaft zählen: Dies bedeutet, dass sich die Wissenschaft in zwei Bereiche teilt, deren Authentizität und Werte jedoch nicht unabhängig sind, sondern sich nach der Absicht und dem Vorsatz des Lernenden und Lehrenden richten.

Als seine Exzellenz Imam Khomeyni die Theologiewissenschaft untersucht, äußert er folgendes: Die Wissenschaft der Theologie ist die Vorbereitung auf die Tat und die Verehrungstat, wie beispielsweise das Beten und Fasten selbst Vorbereitungen zur Erlangung der Bildung und Erkenntnis der wahren Bedeutung des Monotheismus sind[13].

In Bezug auf die Moralwissenschaft äußert Imam Khomeyni auch folgendes: Die Wissenschaft über erlösende oder erniedrigende Angelegenheiten ist eine Vorbereitung in der Wissenschaft der Moral zur Verfeinerung der Wesen. Die Verfeinerung des Wesens selbst ist die Vorbereitung zur Erlangung einer göttlichen und monotheistischen Wahrheit und Bildung und dies ist bei der betroffenen Person klar und offensichtlich[14].

Durch diese Erläuterungen wird deutlich, dass Imam Khomeyni die Weltlichkeit keiner besonderen Wissenschaft zuordnet, sondern alle Wissenschaften im Falle eines Mangels an akkurater und göttlicher Absichten weltlich werden. Nach dieser Auffassung gehören weltliche Personen auch keiner spezifischen Gruppe an. Man darf nicht annehmen, dass diejenigen, die einen Palast besitzen, zu den weltlichen Personen zählen.

Es kann vorkommen, dass eine Person viele Paläste besitzt, jedoch nicht weltlich ist und im Gegensatz dazu ein Student lediglich ein Buch und ein wenig Wissen besitzt, aber weltlich ist. Es wird an der Liebe zur Welt gemessen[15].

Da die theologische Wissenschaft aus der Sicht des Imam Khomeyni eine Vorbereitungswissenschaft auf die Tat hin ist, sieht er in der Stellung der Reflexion den Verlust tatenloser Gelehrter höher als andere an und äußert folgendes: Oh Gelehrter der Religion! Wenn diese Wissenschaft, die allein aus Taten besteht, dich nicht berichtigt, sondern in dir moralische und tatenbezogene Korruption hervorruft, ist das Ergebnis deiner Tat auch niederträchtiger und bedeutungsloser als das der Gelehrten anderer Wissenschaften und vielleicht sogar normaler Menschen[16].

Imam Khomeyni sieht moralische Bücher dann als einflussreich an, wenn diese Einflüsse eine schriftliche Predigt und einen schriftlichen Ratschlag darstellen und selbst die Probleme lösen. Eine von den Kritiken zu moralischen und mystischen Büchern spricht nämlich die Thematik an, dass diese Bücher zwar das Ziel und Ideal aufzeigen, aber keine praktische Strategie zu deren Erlangung erwähnen oder nur auf flüchtige Art und Weise.

Die Worte eines geistlichen Mediziners sollten einem Medikament gleichen und nicht einem Rezept. Diese Bücher gleichen aber Rezepten und nicht Medikamenten. Wenn ich mich trauen würde, würde ich auch folgendes sagen: Man sollte bei einigen sogar daran zweifeln, ob sie überhaupt Rezepten gleichen[17].

[1]Fayoumi, Mesbahol Monir, S. 88.

[2]Ibn Meskavayeh, Abu Ali, Tahzibol Akhlagh Va Tathirol A’ragh, S. 51.

[3]Naraghi, Mohammad Mahdi, Jame Al Sa’adat, S. 35.

[4] Gex, Philosophie der Moral, Übersetzung von Seyed Abolghasem Pourhosseyni, S. 17 und 18.

[5]Moghnieh, Mohammad Javad, Philosophie der Moral im Islam, S. 12.

[6]Moghnieh, Mohammad Javad, Philosophie der Moral im Islam, S. 13.

[7]Meshkini, Mirza Ali, Estelahatol Osool, S. 180.

[8]Ghazali, Mohammad, Almostasfa, S. 286.

[9]Ebadi Shahroodi, Ali, Goft o Gooye Falsafe Feghh, S. 57.

[10]Moghnieh, Mohammad Javad, Philosophie der Moral im Islam, S. 15.

[11]Amoli, Mohammad Taghi, Hayate Djavid dar Elme Akhlagh, S. 3.

[12]Imam Khomeyni, Roohollah, Sharh Chehel Hadis, S. 412.

[13]Imam Khomeyni, Roohollah, SharheDjJonoodAghlvaDjahl, S. 10.

[14]Imam Khomeyni, Seyed Roohollah, Sharhe Dj Jonood Aghlva Djahl, S. 11.

[15]Imam Khomeyni, Roohollah, Interpretation der Sure Al-Fatiha, S. 147.

[16]Imam Khomeyni, Roohollah, Sharh Chehel Hadis, S. 91-92.

[17]Imam Khomeyni, Roohollah, Sharhe Djonood Aghlva Jahl, S. 13.