Fragen und Antworten über die Schöpfung

Was ist das Ziel der Schöpfung? Wir alle sind in unserem Inneren mit dieser Frage konfrontiert. Warum wurden wir erschaffen? Diese Frage kann mit der Erwähnung von zwei Thematiken gelöst werden: Zunächst einmal, worin besteht das Ziel Gottes mit unserer Schöpfung? Und zweitens, worin liegt die Philosophie unserer Schöpfung?

Die Antwort auf die erste Frage lautet, dass das Prinzip dieser Fragestellung nicht korrekt ist, weil Gott selbst ein Ziel darstellt und kein Ziel besitzt. Zur Erklärung muss man sagen, dass jeder Mensch jede Tat, die er durchführt, im Allgemeinen deshalb ausführt, um seinen Mangel und sein Bedürfnis mit dieser Tat zu decken und vollkommen zu werden. Wenn aber die ausführende Person unbegrenzt oder vollkommen ist, besitzt sie keine Bedürfnisse mehr, um diese mittels ihrer Taten zu decken. Der allmächtige Gott hat im achten Vers der heiligen Sure Ibrahim folgendes offenbart: Wenn ihr ungläubig seid, ihr und wer sonst noch alles auf Erden ist – wahrlich, Allah ist auf keinen angewiesen, Preiswürdig. (Ibrahim | 14:8)

إِن تَكْفُرُواْ أَنتُمْ وَ مَن فِي الأَرْضِ جَمِيعًا فَإِنَّ اللّهَ لَغَنِيٌّ حَمِيدٌ

Und wenn die Vollkommenheit selbst, also Gott, eine Tat ausführen möchte, ist die Frage, wieso er diese Tat ausführt, hinfällig und falsch. Über die Vollkommenheit selbst wird nämlich gesagt, dass eine der Folgen seiner Vollkommenheit im Großmut und Vergebung liegen, weil er die Vollkommenheit selbst und reiner Segen ist.  Daher basieren alle Dinge, die von einem solchen Wesen erschaffen werden, auf Segen und Wohltätigkeit und die Vergebung des Schöpfers an die Geschöpfe der Welt ist der beste Großmut. Wenn er also mit anderen Worten gesagt habsüchtig und geizig wäre und die Welt nicht erschaffen hätte, wäre er in dem Fall unvollkommen; er ist aber reich und vollkommen.

Die Antwort der zweiten Thematik liegt darin, dass der Mensch ein Geschöpf ist, das sowohl denkt als auch handelt, daher muss für die Überlegung und Taten des Menschen ein Ziel bestimmt werden. In Bezug auf Überlegung und  Reflexion hat der heilige Koran folgendes offenbart: Das Ziel der Schöpfung der Menschheit liegt darin, dass sie die Welt mit einer göttlichen Anschauungsweise betrachtet und erkennt. „Allah ist es, Der sieben Himmel erschuf und von der Erde die gleiche Anzahl. Der Befehl steigt zwischen ihnen herab, auf daß ihr erfahren möget, daß Allah über alle Dinge Macht hat und daß Allahs Wissen alle Dinge umfaßt.“ (At-Talaq | 65:12 )

Diese Sammlung wurde erschaffen, damit ihr die Welt mit einer göttlichen Anschauungsweise betrachtet und wisst, dass die ganze Schöpfung aus einer Quelle ist, einer Quelle mit dem Namen Gott, der Macht verkörpert und zu allem fähig und das Wissen selbst ist und alles weiß, daher gibt es nichts, dass sich außerhalb seines Wissens- und Machtkreises befindet. Der Glaube an eine Quelle, deren Wissen und Macht unbegrenzt ist, ist für die Menschheit konstruktiv, da wir Menschen darauf achten, nicht zu sündigen, weil er alles weiß und wir darauf achten, ihm alles anzuvertrauen und nur ihn um Hilfe zu bitten, da er zu allem fähig ist. In Bezug auf den praktischen Bereich offenbart der heilige Koran folgendes: Und Ich habe die Ginn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen) und keinem anderen.  (Adh-Dhariyat | 51:56 )

وَ مَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَ الإِنسَ إِلاّ لِيَعْبُدُونِ

Zur Erklärung dieser Thematik muss man sagen, dass es im großen und ganzen nicht möglich ist, dass ein Mensch keine Religion besitzt. Jeder Mensch besitzt schließlich eine Art und Weise, ein Gesetz zu respektieren und hört auf jemanden. Wenn dieser Jemand Gott ist, so  kann die Religion dieses Menschen der Islam sein und er selbst wird Muslim genannt.

Ein solcher Mensch befolgt die Gebote Gottes und unterlässt das von Ihm Verbotene und lässt sich von den Weisungen Gottes helfen und leiten. Wenn er diesen Weg aber nicht geht und sein Ego an die Stelle Gottes setzt, wird er zum triebgesteuerten Menschen. Wenn einige behaupten, dass sie all das tun, was sie möchten, bedeutet es, dass sie ihre Triebe als ihren Gott sehen. Ich gehe überall hin, wohin ich will und tue alles, was ich will. Ein solcher Mensch ist ein triebgesteuerter Mensch, und wenn ihm ein Problem widerfährt, kann ihm seine Triebsteuerung nicht helfen. Demzufolge ist niemand ohne Religion; entweder verehrt er Gott oder seine Triebsteuerung.

Stimmt die Aussage, dass allein wahrhaftige und reine Muslime errettet werden und in den Himmel eintreten dürfen und andere Menschen allesamt in die Hölle kommen? Wenn dem so ist, wie sieht das Schicksal derjenigen Menschen aus, die zwar keine Muslime waren, der Menschheit aber viele große Dienste geleistet haben?

Ebenso wie göttliche Strafen, welche die Folgen scheußlicher Taten der Menschen darstellen – wobei Gott den Menschen nicht erschaffen hat, um ihn zu quälen, sondern diese Strafen die Folgen scheußlicher Taten des Menschen sind, die dieser sich vorstellt – unterschiedliche Stufen besitzen, so besitzen auch die Segnungen Gottes und der göttliche Himmel Stufen und Ränge.

Habt ihr denn von der Geschichte des Khatam Taei gehört? Er war zwar ein Götzenanbeter und Heide, aufgrund seiner Großzügigkeit und Barmherzigkeit und Männlichkeit [so gibt es eine Überlieferung] wurde er aber vom Feuer der Hölle bewahrt. Da die göttliche Gerechtigkeit selbstverständlich unser Gesetz bildet, ist es unmöglich, dass der allmächtige Gott Menschen, welche im Diesseits helfen und aus diesem „Ich“ herausbrechen und gleichermaßen eine Vollkommenheit erlangen, seinem Segen beraubt. Der Segen Gottes beginnt bereits ab dem ersten Schritt, den sie zur Hilfe beschreiten. Man kann behaupten, dass diese Persönlichkeiten in sechs Gruppen eingeteilt werden können:

Erste Gruppe: Sehr natürliche Persönlichkeiten, für die keinerlei Gesetze jegliche Bedeutung besitzen. Sie leben sehr primitiv und wissen nichts.

Zweite Gruppe: Persönlichkeiten, die ein wenig aus sich heraustreten. Diese Person glaubt daran, dass auf der Welt Gesetze existieren. Diese Person hält an folgender Aussage fest: Wenn ich Schmerzen empfinde, so empfindet auch ein anderer Mensch Schmerzen, also lasst uns alle den anderen Menschen kein Leid zufügen. Mir gefallen Freuden und selbstverständlich gefallen auch anderen Menschen Freuden. Ich möchte ein Leben ohne Unannehmlichkeiten führen, wie auch andere Menschen es möchten. Lasst uns also Gesetze einhalten, damit wir ein gesellschaftliches Leben beginnen können. Ab hier bildet die Persönlichkeit der zweiten Gruppe nach und nach Werte und überquert die Stadien des „Ich möchte“ und „Ich möchte, also ist es wahrhaftig“.

Dritte Gruppe: Persönlichkeiten, welche an Gesetze glauben, durch die mittels Logik und Gewissen bewiesen  wurde, dass jenseits des Essens und Schlafens Wahrheiten existieren, auch wenn sie zusammengefasst sind und ungewiss und sie nichts darüber wissen. Diese Person führt Gebete für sich selbst aus und tätigt Schritte, ohne dabei an seine Vorteile oder Nachteile zu denken. Diese Person ist auf der dritten Stufe höher als die Personen der vorherigen beiden Gruppen. Dies bedeutet, dass sie in Bezug auf ihre Würde und Persönlichkeit höher stehen als die vorherigen Gruppen.

Vierte Gruppe: Persönlichkeiten, welche eine Religion oder einen Glauben befolgen, wie beispielsweise die Anhänger der Religion Abrahams, die an die Quelle und die Auferstehung und die Prophezeiung glauben und für ihre Seele den Weg der Vollkommenheit aussuchen und auf diesem Weg voranschreiten. Es besteht kein Zweifel daran, dass diese Persönlichkeiten weiter vorangeschritten sind (als die drei vorherigen Gruppen) und sich auf einer sehr bedeutenden und vollkommeneren Stufe befinden.

Fünfte Gruppe: Persönlichkeiten, welche den Islam angenommen haben: Wahrlich, die Religion bei Allah ist der Islam. (Al-i-Imran | 3:19)

إِنَّ الدِّينَ عِندَ اللّهِ االإِسْلاَمُ

[Bei solchen Persönlichkeiten] ist das Talent zur Erlangung der Vollkommenheit selbstverständlich viel größer als bei den Persönlichkeiten der anderen Gruppen – nicht auf offensichtliche Weise – wie auch Ibn Moljam Folgendes äußert: „„La ilaha illallah“„, und viele sprechen das „„La ilaha illallah“„ aus. Vielleicht führen auch viele Menschen einige Gebete aus, sie erlangen aber keine Vollkommenheit, bis sie sich nicht bewegt haben und voranschreiten. Auf dieser Stufe besitzt die Person das Talent und die Voraussetzung dafür, dass seine Bewegung in Richtung der Vollkommenheit, falls sie diese ausführt, höher und gesetzlicher als die Bewegung der anderen Persönlichkeiten ist.

Sechste Gruppe: In Bezug auf Werte, sind die höchsten Persönlichkeiten aller Persönlichkeiten, diejenigen, die tugendhaft sind: O ihr Menschen, Wir haben euch als Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. (Al-Hudschurat | 49:13)

يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّا خَلَقْنَاكُم مِّن ذَكَرٍ وَ اُنثَى وَ جَعَلْنَاكُمْ شُعُوبًا وَ قَبَائِلَ لِتَعَارَفُوا إِنَّ أَكْرَمَكُمْ عِندَ اللَّهِ أَتْقَاكُمْ

Auch unter den Anhängern anderer Denkschulen, wie beispielweise der jüdischen oder christlichen oder zoroastrischen Denkschule oder anderer Denkschulen, wird diejenige Person, welche an ihrer Denkschule festhält, den anderen Personen, welche nicht an ihrer Denkschule festhalten, bevorzugt und besitzt bei uns einen höheren Stellenwert.

Wenn ein muslimischer Richter bei seiner Entscheidung eines Konfliktes auf Zeugen angewiesen ist – ob er ein Anhänger einer Schriftreligion ist oder nicht – entscheidet er sich sicherlich für diejenige Person, welche ehrlich ist und an ihrem Glauben festhält. Angenommen, [der Richter] muss sich zwischen zwei Christen oder zwei Juden oder zwei Zoroastriern usw. … entscheiden. Selbstverständlich entscheidet er sich eher für diejenige Person als Zeugen, die gerecht und ehrlich und ihrem Glauben treu ist als für diejenige Person, die ihrem eigenen Glauben nicht treu ist.

All diese Menschen, von den Persönlichkeiten der ersten Gruppe bis zu den „Rechtschaffensten der Rechtschaffenen“, besitzen das Recht zur Existenz, den Grundlagen des Lebens, das Recht zu lernen und das Recht auf Erziehung. Solange sie innerhalb der Gesellschaft hilfreich und nicht destruktiv sind und sich an die Gesetze halten, genießen sie ihre Grundrechte.

لايَنْهَاكُمُ اللَّهُ عَنِ الَّذِينَ لَمْ يُقَاتِلُوكُمْ فِي الدِّينِ وَ لَمْ يُخْرِجُوكُم مِّن دِيَارِكُمْ أَن تَبَرُّوهُمْ وَ تُقْسِطُوا إِلَيْهِمْ إِنَّ اللَّهَ يُحِبُّ الْمُقْسِطِينَ

Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren. (Al-Mumtahina | 60:8)

Aus der Sicht des Wissens und der Erkenntnis

فَبَشِّرْ عِبَادِ الَّذِينَ يَسْتَمِعُونَ الْقَوْلَ فَيَتَّبِعُونَ أَحْسَنَهُ

Gib dann die frohe Botschaft Meinen Dienern; es sind jene, die auf das Wort hören und dem besten von ihm folgen. (Az-Zumar | 39:17. 18)

Um es mit heutigen Worten auszudrücken, damit es jungen Menschen vielleicht vertrauter vorkommt, [Unter Beachtung des obigen Koranverses] stellt sich die Frage: Was wollt ihr denn noch mit diesem System machen? Wie könnt ihr behaupten, dass der Islam in diesem Aspekt mit Problemen konfrontiert ist? Diese Denkschule besitzt ein Gesetz, welches ein dauerhaftes Gesetz darstellt und einem beständigen Ersatz und einem Öl für den Motor dieser Denkschule gleicht – und das für immer und ewig. Er hat euch nichts auferlegt, was euch in der Religion bedrücken könnte. (Al-Hajj | 22:78) Es stellt sich jedoch die Frage, ob Persönlichkeiten, wie beispielsweise Thomas Edison mit solch vielen Erfindungen in die Hölle eintreten? Oder Röntgen, der die Röntgenstrahlen entdeckt hat; Tritt er in die Hölle ein und nur wir dürfen in den Himmel?

Es gibt ein Gesetz, welches man für alle Thematiken anwenden kann. Bei diesem Gesetz wird das Motiv zu jeder Tat und jedem Schritt der Person hinterfragt. Edison hat die Glühbirne entwickelt und den Strom innerhalb der Gesellschaften auf eine universale Art und Weise nutzbar gemacht. Wenn er Geld (Dollar) wollte, muss man sagen, dass er es durchaus erreicht hat. Soweit ich mich erinnern kann, gewann er eine Summe in Höhe von vier Millionen Dollar (ich kann mich aber nicht an die genaue Summe erinnern). Man darf jedoch nicht vergessen, dass Edison über eine Dauer von zehn Jahren, wobei die ersten vier Jahre sehr mühsam waren, sehr genau und ordentlich und mit viel Liebe und Aufmerksamkeit bemüht und strebsam gearbeitet hat. Wenn er eine weltweite Berühmtheit ergattern wollte, hat er es erreicht [Man muss aber seine Motive berücksichtigen].

[Wenn Edison] nicht in einem solchen Ausmaß die übernatürliche Welt betreten hätte, [dass er ein materielles Motiv besaß]; wenn er Geld und Berühmtheit erlangen wollte, so hat er dies erreicht. Der göttliche Wert seiner Tat beginnt zu dem Zeitpunkt, an dem er sagt, dass er diese Tat zur Ruhe der Menschen durchgeführt hat, ob er das Geld erhält oder nicht, oder ob er eine weltweite Berühmtheit erlangt oder nicht. Wieso beginnt der göttliche Wert seiner Tat zu diesem Zeitpunkt? Darum: „Alle Menschen sind [wie] die Familie Gottes, und der beliebteste Mensch im Angesicht Gottes, ist derjenige, welcher der Menschheit mehr Nutzen bringt.“ (Der edelmütige Prophet)

Es gibt aber auch einige Besonderheiten: Beim Schiismus werden beispielsweise Werte berücksichtigt, welche bei anderen nicht beachtet werden und selbstverständlich und sicherlich sind dessen Ergebnisse auch viel höher und besser als die anderen. Also muss man hinterfragen, welche Motive bestehen? Der Himmel und die Hölle unterliegen ja auch nicht unserer Macht, sondern der Macht des großmütigen Gottes und Gott ist ja auch gerecht. Aus diesem Grund hängt der Eintritt in den Himmel oder in die Hölle eines Individuums davon ab, welche Motive er für die Durchführung seiner Taten besitzt.

Im Zusammenhang mit der Kontrolle des Egos muss der Mensch bis zu einem bestimmten Grad auf seine weltlichen Freuden verzichten. Wenn er beispielsweise Lust auf ein bestimmtes Essen bekommt, sollte er dieses Essen nicht zu sich nehmen. Wenn ein junger Mensch einen Schritt zur mystischen Lebensart gehen möchte, wie kann er die Fröhlichkeit und das Vergnügen von der Jugend in seinem Wesen bewahren? Wie kann ein mystischer junger Mensch das alltägliche und materielle Leben genießen – und sozusagen – seine Jugend ausleben?

Personen, die jungen Menschen zu hohen spirituellen Bewegungen, Lebensart und Mystik raten, scherzen nur. Das gleicht der Situation, in der ein Mensch jahrelang in einem dunklen Keller gelebt hat und plötzlich der Sonne gegenüber steht. Hierbei wird das Auge gestört! Unsere jungen Menschen – ob Mann oder Frau, beide Geschlechter – sollten zunächst die hochwertigen islamischen Moralwerte lernen, dann werden sie nach und nach selbst verstehen, wie viel Freude sie für die übergeordneten Freuden dieser Freude aufgeben müssen.

Bis zu hohen Rängen wird dem Menschen die Freude nicht genommen. In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die sich an der Gerechtigkeit wahrhaftig erfreuen, die sich an der Verbindung mit Gott erfreuen, die sich an der Hilfe anderen Menschen gegenüber erfreuen. Ebenso wie der Schmerz vom Schmerz eines abgebrochenen Nagels bis zum Schmerz des Nichtwissens einen Schmerz darstellt, so auch die Freuden. Bei der mystischen Lebensart wird dem Menschen die Freude nicht genommen, sondern diese ändert ihre Position oder Thematik. Es kann sein, dass einige Freuden, welche den Menschen beschäftigen, Freuden des Essens, Schlafens, der Gewalt oder Lust sind, wenn diese Person sich aber auf dem Weg der mystischen Lebensart befindet, werden diese Freuden durch geistige und spirituelle Freuden ersetzt.

In dem Moment, in dem die Finsternis der Verbindung mit ihrem weltlichen Körper vernichtet wurde und sie von Beschäftigungen [und dunkle weltliche Vorlieben] befreit wurden, schreiten Mystiker, die den Rang der Zurückhaltung und Mäßigung erlangt haben, mit reinem Herzen in Richtung der Wahrhaftigkeit  und Glückseligkeit und mit der Erlangung einer hohen Vollkommenheit erreichen sie die geistige Ausgelassenheit und erlangen die besten Freuden.

Jede Altersstufe besitzt jedoch gewisse Voraussetzungen. Man sollte nicht in jedem Alter zu allem raten. Wenn diese Thematik in jedem Alter jedoch angesprochen wird, ist es nicht schlimm. Wenn ein Mensch beispielsweise die Pubertät erreicht und man diesem Menschen sagt, dass die Freude nicht allein dies ist (mein Bruder, meine Schwester, Freude ist nicht nur die Freude am Essen), so darf man nicht zulassen, dass dieser Mensch mit Differenzen und Gegensätzlichkeiten zwischen seiner weltlichen und geistigen Freude in seinem Inneren konfrontiert wird. Es steht nicht fest, ob er dazu fähig ist oder nicht.

Man könnte vorschlagen, folgendermaßen vorzugehen: Beispielsweise sagt der junge Mensch: Herr oder Frau XY, wir würden gerne in die Mystik eingeführt werden. Wir sagen zu diesem Menschen: Nein, Ihr solltet noch nicht in die Mystik eingehen, da euer Alter noch nicht passend ist. Beschäftigt euch mit innerer Reinheit und Katharsis, verbessert eure Moral, und der Weg selbst zeigt euch, wohin ihr gehen müsst. Die Tatsache, dass der junge Mensch auf seine weltliche Freude verzichten soll, wird hier jedoch nicht angesprochen und erwähnt. Es gibt aber Ausnahmen, wie beispielsweise Shah Ghasem Anvar, der bereits im Alter von sieben Jahren hohe Ränge erreicht hat, oder Fazel Hendi, der ursprünglich aus Isfahan stammt, aber als Inder berühmt wurde, der im Alter von 18 Jahren islamischer Gelehrter wurde.

Shams Tabrizi gab seinem Vater im Alter von fünf Jahren eine Antwort, die man sogar heutzutage noch verwenden kann. Die erwähnten Fälle sind aber Ausnahmen. Sie bedeuten nicht, dass wir junge Leute, vor allem diejenigen, die vom Alter her noch nicht die Voraussetzungen besitzen, der legitimen Freuden des Lebens berauben und ihnen sagen: Iss nicht, schlaf nicht oder geh nicht raus! Ich rate jungen Menschen immer, solange sie die Zeit und Möglichkeit dazu haben, in den Bergen und entlang der Flüsse zu laufen und sich zu bewegen und diese legitimen Freuden zu genießen. Schließlich sollte man einem Menschen nicht rauben, was in ihm steckt. Man sollte es nur verändern und korrigieren. Man sollte diesen Menschen sagen: Wenn ihr euren Geist erweitern möchtet, so verzichtet nach und nach auf überflüssige Dinge. Seid beispielsweise nicht so vernarrt in Essen und Schlafen. Es gibt auch noch andere Freuden im Leben.