Frieden und Sicherheit

Ayatollah Dr. Reza Ramezani

Der Frieden und die Sicherheit sind die Besonderheiten einer qur’anischen Gesellschaft. Ohne diese hat eine Gesellschaft keinen Deut von den qur’anischen Botschaften erfasst. Sicherlich wissen diejenigen, die bloß eine oberflächliche und kurze Bekanntschaft mit der Sprache des Qur’an gemacht haben, dass der Qur’an als heilige Schrift der Muslime die menschliche Gesellschaft zum Frieden und zur Sicherheit und Harmonie aufruft. Ohne Zweifel wissen sie, dass der heilige Qur‘an als seine Strategie zur Erreichung einer idealen Gesellschaft die Schaffung einer sicheren und harmonischen Atmosphäre in dieser vorstellt: „Verheißen hat Allah denen, die von euch gläubig sind und gute Werke tun, dass Er sie gewiss zu Nachfolgern auf der Erde machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Nachfolgern machte; und dass Er gewiss für sie ihre Religion befestigen wird, die Er für sie auserwählt hat; und dass Er gewiss ihren (Stand) nach ihrer Furcht in Frieden und Sicherheit verwandeln wird, auf dass sie Mich verehren (und) Mir nichts zur Seite stellen. Wer aber hernach undankbar ist, wird ein Frevler sein.“ (an-Nur | 24:55)

Wie man aus dem heiligen Vers versteht, wird die Sicherheit als der Hauptpfeiler einer qur’anischen Gesellschaft genannt und auch die ihr zugrunde liegende Philosophie wurde erwähnt. Die Menschen müssen demnach zu ihrer Vervollkommnung dem erhabenen Gott dienen und ein Wachstum der Vernunft, der Moral und des Verhaltens gemäß ihrer Kapazität erreichen. Zweifelsohne wird jemand, der den Gottesdienst zu seiner Berufung macht, Ihm keine Götzen beigesellen und auf dem Pfad des Einheitsbekenntnisses schreiten. Die Sicherung der Sicherheit wird gemäß des heiligen Qur’an neben der Lebensweise als wichtigste Eigenschaft einer idealen Gesellschaft vorgestellt. Auf diesen wichtigen Punkt wird in der Sura Quraisch hingewiesen, wo es heißt: „Der sie speist, nachdem sie gehungert haben, und ihnen Sicherheit gewährleistet, nachdem sie in Angst lebten!“ (Quraisch | 106:4)

Der erhabene Gott weist in einem anderen Vers darauf hin, dass die Glückseligkeit in einer Gesellschaft vom wirtschaftlichen Wohlstand und der Harmonie abhängt, und so sagt Er: „Und Allah gibt das Gleichnis von einer Stadt: Sie genoss Sicherheit und Frieden und wurde reichlich aus allen Orten versorgt; doch sie leugnete die Wohltaten Allahs. Darum ließ Allah sie eine umfassende Not des Hungers und der Furcht kosten für das, was sie (ihre Bewohner) zu tun pflegten.“ (an-Nahl | 16:112) Dieses Gleichnis ist sehr wichtig, dass wenn Gott von der Kaaba spricht und ihre Besonderheiten erwähnt, sagt: Wir haben sie als Haus der Belohnung für die Menschen errichtet, da es für alle ein sicheres Haus und harmonischer Ort ist. Ein solches Haus muss rein sein für diejenigen, die um dieses Haus kreisen und den erhabenen Gott anbeten und sich gegenüber seiner Größe und Allmacht verbeugen und zur Niederwerfung begeben. „Und als Wir das Haus zu einem Ort der Einkehr für die Menschen machten sowie zu einer Sicherheit (sprachen Wir): „Nehmt euch die Stätte Abrahams zum Gebetsort.“ Und Wir haben Abraham und Ismael auferlegt: „Reinigt Mein Haus für die es Umkreisenden und (sich dorthin) Zurückziehenden, die Sich-Verneigenden und Sich-Niederwerfenden.““ (al-Baqara | 2:125)

Aus diesem Grund geschieht auch das Bittgebet des Propheten Ibrahim (a.), dass er Gott darum bittet diese Stadt als einen Ort der Entspannung und Harmonie für die Menschen zu gestalten: „Und als Abraham sagte: „Mein Herr, mache dies zu einem sicheren Ort.“ (al-Baqara | 2:126) Wenn der erhabene Gott über die Erschaffung des Menschen spricht, so schwört er auf einige Angelegenheiten. Zu diesen Angelegenheiten zählt die Stadt Mekka, wo Er mit der Besonderheit der Sicherheit ihr bezüglich auf sie schwört und spricht: „Und bei dieser sicheren Ortschaft! Wahrlich, Wir haben den Menschen in bester Form erschaffen.“ (al-Inschirah | 94:3-4) Die Sicherheit zählt zu den Besonderheiten einer guten Stadt, in der das Leben den Menschen Entspannung und Ruhe gibt. Normalerweise wählt der Mensch seinen Wohnort an einer Stelle, wo er eine höhere Sicherheit und Ruhe besitzt, und so hat auch der Prophet Josef (a.) dem Propheten Jakob (a.), zu seiner Frau und seinen Brüdern, als sie im damaligen Ägypten ankamen, gesagt: „Tretet in Ägypten ein, sodass ihr mit dem Willen Gottes in Sicherheit sein werdet.“ Der heilige Qur’an spricht in diesem Zusammenhang: „Als sie dann vor Josef traten, nahm er seine Eltern bei sich auf und sagte: „Zieht in Ägypten in Sicherheit ein, wie Allah es will.““ (Yusuf | 12:99)

Beim Durchgehen der göttlichen Verse ist diese Angelegenheit klar, dass die Thematik der Sicherheit in der menschlichen Gesellschaft als ein wichtiges Bedürfnis von jedem in den Lehren des Islam erörtert wird und es daher die wichtigste Pflicht einer Herrschaft zu jeder Zeit ist, Frieden und Sicherheit im Land zu verwirklichen. Ohne Zweifel werden die Menschen sich auf die Suche nach Vervollkommnung und nach Wachstum der inneren Kapazität begeben, wenn in jedem Land diese Besonderheit der Sicherheit verwirklicht wird, sodass alle Menschen diesen großen göttlichen Segen erhalten können.

Das Friedenskonzept des Islam

Wenn der Islam von Friede und Sicherheit spricht, ist damit nicht nur Friede zwischen den Völkern gemeint. Der Islam hat ein viel umfassenderes Bild von diesen Begriffen und bezieht alles mit ein, worin Friede und Versöhnung erreicht werden kann. Aus islamischer Sicht können z.B. auch Dinge wie Armut, soziale Ungerechtigkeit, Rassendiskriminierung und Unrecht den Frieden bedrohen und eine Gesellschaft destabilisieren. Deshalb gehört alles, was der Gesellschaft ihren Frieden verleiht, zu den wichtigsten Bedürfnissen des Individuums und der Gesellschaft, wie z.B. die geistige Sicherheit einzelner Personen sowie der innere und äußere Frieden einer Gesellschaft. Es gibt in der menschlichen Gesellschaft Gruppen, die die Sicherheit als Parole benutzen, doch ihr Handeln entspricht nicht den Zielen, die sie ankündigen. Wir hoffen von ganzem Herzen, dass Sicherheit und Friede – als primäre Bedürfnisse jedes Individuums und jeder Gesellschaft – in all ihren Formen und Stufen verwirklicht werden.

Um Sicherheit zu erlangen, muss man zunächst seine Grenzen erkennen, denn es sind Überschreitungen und Übergriffe, die die gesellschaftliche Ordnung destabilisieren und unsicher machen. Außerdem hat sich eine Gesellschaft dahin zu entwickeln, wo Mann und Frau sich sicher fühlen und keine Zweifel an der Sicherheit ihrer Gesellschaft haben. In den Überlieferungen wird oft betont, dass die Sicherheit der Gesellschaft so zu gewährleisten ist, dass eine schwache alte Dame auf einer Reise vom Osten zum Westen der Welt von niemandem bedroht oder gar belästigt wird.[1] Es ist auch überliefert worden, dass in der Tierwelt ebenfalls eine Art friedliches Zusammenleben erreicht wird.[2]

Ein Studium der islamischen Lehren ergibt, dass diese Religion die verschiedenen Aspekte der Sicherheit betont: die äußere und innere, die natürliche und die existentielle, die lokale und globale sowie die individuelle und gesellschaftliche Sicherheit. Die Sicherheit und der Friede ist ein wichtiger Bestandteil vieler Bittgebete, die an Gott den erhabenen gerichtet werden. Im Bittgebet von Abraham (s.), welches im Koran erschienen ist, heißt es: „Und als Abraham sagte: „Mein Herr, mach dies zu einem sicheren Ort und gib Früchte den dort Wohnenden, dem, wer von ihnen an Allah und den Jüngsten Tag glaubt““ (al-Baqara | 2:125)

Dies ist der Wunsch des Propheten, der über einen hohen monotheistischen Rang verfügt, und ob dieser Wunsch nun religionsrechtlicher oder existentieller Natur ist, er zeugt von dem großen Wert, den der Edelmutige auf Sicherheit legt. Es ist von Imam Hassan (a.s.) überliefert worden, dass Prophet Muhammad (s.) folgendes Bittgebet zwischen den ersten beiden Zyklen des Mittagsgebets las: „O Schöpfer, ich wünsche mir von dir Erlösung, Erleichterung, Sicherheit, Versorgung und Gesundheit.“[3] Den religiösen Texten wird entnommen, dass der Edelmutige damit die Sicherheit vor Feinden meint. Was sich der Edelmutige hier wünscht, sind die weltlichen Manifestationen der göttlichen Gaben. Dies hat allerdings nicht zu bedeuten, dass es im Jenseits keine Sicherheit gibt, oder dass sie nicht wünschenswert ist. Laut vielen Koranversen und Überlieferungen gibt es auch im Paradies Sicherheit und sie gilt sogar als die wichtigste Frucht des Paradieses.

Imam Ali (a.s.) schrieb nach seiner Rückkehr von der Schlacht in Siffin einen Teil seines Testaments: „Dies ist, was Ali, Sohn von Abi-Taleb und der Anführer der Gläubigen, über seinen weltlichen Besitz bestimmt, damit er Gottes Aufmerksamkeit und Zufriedenheit gewinnt, auf dass ihm der Zutritt ins Paradies und Sicherheit gewährt wird.“ Die Sicherheit hat also verschiedene Stufen und Aspekte. Manche davon können im irdischen Leben und andere im Jenseits hergestellt werden. Die Menschen können sich zudem von ihrem Schöpfer jede Art der Sicherheit in ihrem irdischen Leben wünschen. Die Mitglieder einer Gesellschaft haben diese Sicherheit anzustreben und die Anführer der Gesellschaften müssen hierfür den Weg ebnen.

Sicherheit – Ein Grundrecht

Die Sicherheit stellt ein selbstverständliches und klares Recht eines jeden Menschen dar. Überall, wo der Mensch lebt, möchte er innere Ruhe genießen, ist er doch daran interessiert, dass es an seinem Wohnort ruhig und sicher ist. Entsprechend weisen der Islam und andere abrahamitische Religionen auf diese Wichtigkeit hin. Demnach sind die Unsicherheit und die Unruhe durch die himmlischen Bücher der Kritik ausgesetzt. Der Begriff „Friede“ oder „Versöhnung“, welcher zu den wichtigen Faktoren der Entspannung und Sicherheit zählt, wird im heiligen Buch der Juden ungefähr 200 mal verwendet, so z.B. wie folgt: „Die Welt steht auf drei Stützen: Gerechtigkeit, gerechtes Urteilen und Frieden. Wenn es keinen Frieden gibt, so wird es nichts mehr geben und groß ist der Frieden.“

Aus Sicht des heiligen Buches besteht die Überzeugung, dass der Frieden niemals auf eine bestimmte Gruppe, eine Zeit oder einen Ort begrenzt sein darf. Gott hat die gesamte Welt und alle Kinder Abrahams (a.) mit Frieden gesegnet und es gehört zu den religiösen Verpflichtungen der Juden für Frieden, Freundschaft und Gerechtigkeit in der Welt einzustehen.  Weiterhin stellt der „Frieden“ die erste Bedingung für die Gerechtigkeit dar und ist ihr sicherster Beschützer. Sie gehört zu den Säulen der Welt und sollte sie nicht bestehen, so führt dies zum Krieg und zur Tötung von Menschen. In der Thora wird die Nächstenliebe als Gebot für jeden Menschen erklärt und für diese mit der Parole „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ geworben.

Weiterhin wird im Christentum die Vorsehung Gottes mit einem väterlichen System erklärt, in der Art, dass alle Menschen eine einzige Familie sind und in ihrer Beziehung zueinander ein göttliches Angesicht annehmen. Demnach ist die Liebe zu Gott und die Liebe zueinander voneinander nicht zu trennen. Im Christentum wird erklärt, dass die Menschen gesellschaftliche Rechte haben und niemand die Erlaubnis hat diese mit Füßen zu treten. Demnach fußen die gesellschaftlichen Beziehungen auf drei Grundsätzen: Eintracht, Beistand und Teilhabe. Die Eintracht ist eine innere Angelegenheit, in der sich Vergebung und Freundschaft befindet.  Es ist erforderlich auf den Punkt hinzuweisen, dass in den christlichen Lehren der Frieden mit der Gerechtigkeit Sinn ergibt und jede Trennung zwischen ihnen abgelehnt wird. Selbstverständlich ist dies im Islam nicht anders. Wenn in der menschlichen Gesellschaft Frieden und Freundschaft existieren sollte, so muss eine allseitige Gerechtigkeit herrschen und ohne diese Gerechtigkeit können der Frieden und die Sicherheit nicht bestehen.

In den Psalmen Davids steht: „Zu dem Zeitpunkt, wo sich die Welt und der Mensch beide in der Handlung durch das heilige Martyrium vervollkommnen, einander zur Rettung voneinander mit Liebe und Glaube besuchen, liegen sich der Frieden und die Gerechtigkeit in den Armen.“  Im Zoroastrismus wird der Krieg verurteilt und in den Hymnen des Avesta ist aufgeführt: „Ich lobe die reine Religion jeder Welt, die Krieg entfernt, die Waffen abrüstet und ein Vorbote der Hingabe ist.“ Diese Lehre wird im täglichen Gebet eines jeden Zoroastriers verlesen und die Zoroastrier haben in ihrem Glauben den Wunsch zur Entfernung des Krieges und dem Bestehen des Friedens und der Freundschaft zwischen allen Stämmen und Völkern.

Wenn auf den Islam als letzte abrahamitische Religion geschaut wird, so ist es eindeutig, dass der Frieden und die Freundschaft und Sicherheit die wichtigste Strategie ist, die der Islam betont. Allerdings sieht er die Definition der Freiheit weit über die Abwesenheit von Krieg und der Aufrüstung hinausgehend an und  steht in Konfrontation zu jedem Mittel, welches Unsicherheit und Unruhe hervorruft und eine Bedrohung für die Zusammenarbeit darstellt, von der materiellen Armut über gesellschaftliche Ungerechtigkeit, rassistische Diskriminierungen, Unterdrückung bis hin zu Nationalismus und dergleichen. Die Hinwendung zu den Versen des Frieden, die der große Prophet Muhammad (s.) und seine wahren Testamentsvollstrecker über die Toleranz sagten, untermauert die Behauptung, dass das Streben zum Frieden unter Beachtung der göttlichen Lehren zu den wichtigsten Lehren des heiligen Qur’an zählt, denn so steht in der Sura Hudschurat: „Die Gläubigen sind ja Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern und fürchtet Allah, auf dass euch Barmherzigkeit erwiesen werde.“ (al-Hudschurat | 49:10)

Würde und Respekt

Die Sicherheit für das Leben stellt eine der wichtigsten Arten der Sicherheit dar, welches nicht nur im Islam unterstrichen wird, sondern in allen göttlichen Religionen von großer Bedeutung ist. Das Leben eines jeden Menschen muss geachtet werden. Die Respektlosigkeit gegenüber den Menschenleben und die Tötung von Menschen ist derart obszön und verwerflich, dass sogar als Qabil seinen eigenen Bruder aufgrund von Eifersucht tötete, er die Hässlichkeit seiner Tat nachvollzog und bestrebt war sich wieder reinzuwaschen. Diese Geschichte ist aufgrund ihrer Wichtigkeit ausführlich im heiligen Qur’an festgehalten worden. (al-Ma`da | 5:27-31)

Aus den entsprechenden Versen erhalten wir, dass Qabil eine solche Tat als eine Handlung betrachtet, die den göttlichen Zorn mit sich führt. Das Töten eines Menschen wird als große Sünde angesehen und führt dazu, dass jeder, der diese hässliche Handlung begeht, Höllenqualen leiden muss. Auf Basis dessen berichtet der Qur’an nach der Erzählung dieser Geschichte: „Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch begingen danach viele von ihnen selbst Ausschreitungen im Land.“[4]

Es ist deutlich, dass der Wert des Menschen nach der Meinung des Qur’an von derartiger Bedeutung ist, dass wenn eine Person einen Menschen tötet dies der Missachtung der Würde der Menschheit gleicht und der Mörder diese bricht. Somit weist der Vers auf den Aspekt des Wertes hin und nicht auf den rechtlichen Aspekt. Er hat nicht die Bedeutung, dass aufgrund der Tötung eines Menschen alle Menschen sterben müssen, sondern dass der Vers bestrebt ist das wichtige Thema zu erklären, dass die Seelen, das Blut und das Leben der Menschen nach Meinung des Qur’an und der göttlichen Bestimmung von immenser Bedeutung sind. Allerdings ist dieser Schutz der menschlichen Würde nur unter der Bedingung möglich, dass der Mensch auf der Erde nicht nach Unheil und Verbrechen strebt und andere ärgert und quält.

Auf Basis dessen müssen die Regierungen zum Schutz und der Bereitstellung der Sicherheit der Bürger die notwendigen Schritte einleiten. Bei der Umsetzung der Gesetze bezüglich des Schutzes des menschlichen Lebens müssen sie mit großer Entschlossenheit vorgehen und durch die Anwendung der entsprechenden Gesetze müssen die Elemente, die für Unsicherheit in der Gesellschaft sorgen, neutralisiert werden. Ein anderer Aspekt der Sicherheit der Menschen stellt die Sicherheit der Ehre dar. Die Ehre, das Ansehen und die Würde des Menschen müssen in Sicherheit bleiben. Der Islam verleiht dem Menschen dahingehend durch seine Bezeichnung als Geschöpf Gottes Achtung. Dem Menschen wurde Göttliches anvertraut und er hat in der Schöpfung eine besondere Stellung. Auf Basis der göttlichen Weisheit wurde er für eine wichtige Sache erschaffen und aufgrund dessen ist seine Ehre höher als die der Kaaba, die der Stützpunkt und die Gebetsrichtung aller Muslime ist.

Sie darf keineswegs verletzt werden und auf Basis dessen gehört der Schutz der Stellung und Bewahrung des Gesichts zu den Bittgebeten der Menschen an den erhabenen Gott. Die Achtung des Menschen, speziell des Gläubigen hat beim erhabenen Gott eine derart hohe Bedeutung, dass Er es niemandem gestattet auch nur für einen Augenblick das Ansehen des Gläubigen zu beschädigen, selbst wenn er einen Fehler von ihm gesehen hat, denn es muss dennoch seine Achtung gewahrt bleiben.

Von Imam Baqir (a.) wird in dieser Hinsicht überliefert: „Für einen Gläubigen ist es erforderlich, dass er für einen anderen Gläubigen siebzig große Sünden verdeckt.“ Was wir aus dieser gesegneten Überlieferung erhalten, ist, dass wenn jemand über eine Sünde von einem anderen Kenntnis besitzt, er dieses nicht an andere weiterleiten darf. In einer anderen Überlieferung steht geschrieben, dass jeder, der über eine begangene Sünde eines Gläubigen Bescheid weiß und dies anschließend veröffentlicht und nicht geheim hält und bei Gott nicht um Vergebung für ihn bittet, er bei Ihm wie der Sündige dasteht und dass das Ergebnis der Sünde auf ihm liegen wird.

Die Bedeutung des Ansehens liegt darin begründet, dass der Charakter im Laufe der Zeit durch Mühe und Anstrengung entstanden ist und keinen Schaden nehmen darf. Deshalb legt der Islam nicht nur auf die physische Sicherheit des Menschen Wert, sondern auch die gesellschaftliche und charakterliche Ebene des Menschen wird bedeutend unterstrichen. In diesem Lichte ist sowohl der physische Terror als auch der Terror bezogen auf den Charakter im Islam verboten. Die Bürgerrechte gelten nicht nur für die Rechte bezogen auf das physische Leben, sondern auch das Ansehen, die Würde und Ehre der Menschen sind zu schützen. In diesem Bereich wird eine Überlieferung von Imam Sadiq (a.) erzählt, welcher vom Propheten (s.) berichtet: „Vom Gläubigen darf nichts angegriffen werden; sein Ansehen, Vermögen und Leben.“ Somit ist die Sicherheit der Ehre wie auch die Sicherheit des Lebens aus islamischer Sicht von immenser Bedeutung und keinesfalls hat irgendjemand die Erlaubnis dieses eindeutige Recht mit Füßen zu treten.

Die Sicherheit bezüglich des Vermögens

Aus den Lehren des Qur’an erfahren wir, dass der Mensch sein Hab und Gut und das der anderen, der gesamten Gesellschaft zugehörig weiß, sodass ihr Schutz und die Bereitstellung von Sicherheit bezogen auf das Vermögen der Menschen ein Recht darstellt, welches jeder an die Regierung richtet. Das gesellschaftliche Hab und Gut stellt ein allgemeines Vermögen dar und ihr Schutz ist in Wahrheit der Schutz des gesellschaftlichen Lebens und ihrer Zusammensetzung. Allerdings hat diese qur’anische Sichtweise nicht bedeuten, dass man nicht im Besitz privaten Eigentums sein kann. Der Islam hat genauestens die Grenzen des privaten und öffentlichen Besitzes festgelegt und jeweils eigene Gesetze festgeschrieben. Aus islamischer Sicht ist die Achtung vor dem Vermögen des Gläubigen, der Achtung vor seinem Blut gleichgestellt, die der Sicherheit bedarf. So wurde vom Propheten Muhammad (s.) überliefert: „Und die Achtung vor seinem Vermögen ist wie die Achtung vor seinem Blut.“

Allerdings ist es eindeutig, dass mit „Achtung“ der Respekt gegenüber dem Besitz des Gläubigen gemeint ist und das jedwede Überschreitung eine verbotene Handlung darstellt. Genauso wie das Vermögen eines jeden einzelnen in der Gesellschaft geschützt werden muss, muss auch das Vermögen der Öffentlichkeit und einer Nation in Sicherheit sein. Die wirtschaftliche Sicherheit zwischen den Staaten bedarf sogar eines höheren Schutzes als der militärischen Sicherheit, da das wirtschaftliche Wachstum einer jeden Gesellschaft von dem Sicherheitsempfinden der Investoren gegenüber ihrer Investitionen abhängt, sodass sie es vor jeder Gefahr in Sicherheit wissen können. Deshalb ist die Gerechtigkeit im Hinblick auf die Wirtschaft noch vor der wirtschaftlichen Sicherheit für die Gesellschaft von Bedeutung. Sollte es keine wirtschaftliche Gerechtigkeit in einer Gesellschaft geben, so werden die wohlhabenden, kein Leid kennenden, unterdrückerischen und selbstsüchtigen Schichten einer Gesellschaft bestrebt sein sich am allgemeinen Vermögen der Menschen zu bereichern, sodass sich die Gesellschaft zu einer verschwenderischen wandelt. Hierbei ergaunern sich einige wenige durch wirtschaftliche Tricksereien das öffentliche Hab und Gut in ihre eigenen Taschen. Genau dies führt zu rassistischen Diskriminierungen, Unterdrückung und Tyrannei in einer Gesellschaft und zur Armut, Mittellosigkeit und dem Elend eines jeden einzelnen. Allerdings muss zur Realisierung der wirtschaftlichen Sicherheit, der Verschwendung ein Ende gesetzt werden und die Menschen müssen zur Erhöhung der nationalen Produktion eingeladen werden.

Rechtliche Sicherheit

Alle Menschen müssen von dem Gerechtigkeitsstreben der gerichtlichen Institutionen überzeugt sein, sodass im Falle eines begangenen Unrechts gegen jemanden, diese für sein Recht einstehen und es verteidigen. Der noble Qur’an zählt die Umsetzung der Gerechtigkeit zu den wichtigen Aufgaben der göttlichen Propheten und unterstreicht, dass keineswegs gegen jemanden ein Unrecht ausgeübt werden darf. Die Atmosphäre einer Gesellschaft muss für alle Menschen Sicherheit bereitstellen, sodass kein Raum mehr für irgendwelche Sorgen übrig bleibt. Eine andere Ebene der rechtlichen Sicherheit bezieht sich auf die Klage. Dies bedeutet, dass jeder in einer Gesellschaft, unabhängig von seinem Stand, im Falle seiner Hinwendung an das Gericht zur Vereidigung seines Rechts die Überzeugung haben muss, dass er zu seinem Recht kommen kann. Dem Richter wurde angewiesen, dass er beim richten zwischen den beiden Parteien neutral bleiben muss, sodass weder im Freund Hoffnung geweckt wird, noch im Feind Hoffnungslosigkeit. Er muss genauestens ihre Behauptungen vernehmen und analysieren und auf Basis dessen anschließend zu einem gerechten Urteil kommen. Aus diesem Grund widmet der Führer der Gläubigen, Imam Ali (a.), einen Teil seiner Reden der Erklärung über die Aufgaben des Richters: „Achte unter den Muslimen auf die Gleichheit deines Blickes, deiner Rede und dem Ort deines Sitzens ihnen gegenüber, sodass nicht ein dir Nahestehender deinen Posten ausnutzt, noch dein Feind bezüglich deiner Gerechtigkeit in Hoffnungslosigkeit gerät.“

[1] Die Lichtermeere, Bd. 52, S. 345.

[2] Die Lichtermeere, Bd. 52, S. 519; Sulayman Kamil, Bd. 2, S. 64, Safi Golpaygani.

[3] Nahdsch-ul-Balagha, Brief Nr. 24.

[4] Al-Ma`ida | 5:32.