Gewalt gegen Frauen innerhalb der Familie

Farideh Pishvaei

Die Ruhe und Gelassenheit der Eheleute untereinander ist eines der Hauptziele der Familiengründung, sodass auch der Koran Folgendes offenbart: Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe und Frieden findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt.                 (Ar-Rum | 30:21)

Ein Hindernis auf dem Weg zur Erlangung dieses bedeutenden Zieles besteht in der Gewalttätigkeit gegen Frauen innerhalb der Familie und im Verschwinden des Familienfriedens. Man stellt sich wirklich die Frage, wieso Ehepaare, welche aus Liebe zueinander geheiratet haben und eigentlich schmerzstillend und beruhigend füreinander sein sollten, zu gegenseitiger Feinschaft tendieren? Was genau passiert, dass ein Zuhause, welches der sicherste und ruhigste Ort sein müsste, zu einem Ausbruchsort gewalttätiger Verhaltenszüge wird? Wie kann man dagegen vorgehen?

Was ist Gewalt?

Der Begriff Gewalt steht als Synonym für Begriffe wie Grobheit, Jähzorn, Wut und Zorn usw. Dieses Wort besitzt jedoch eine fundierte Begriffsbedeutung und aus diesem Grund bieten verschiedene Person und Gruppierungen auch unterschiedliche Deutungen davon an; Beispielsweise sehen einige die Gewalt als einen Angriff einer Person gegen eine andere oder einen Angriff gegen einen besonderen Gegenstand oder einen Angriff gegen sich selbst an[1]. Eine weitere Deutung besagt Folgendes: Gewalt ist die Bemühung um eine beabsichtigte Schädigung eines anderen und besitzt vielerlei Methoden[2]. Einige sehen aber auch die Gewalt als ein Vorgehen gegen den Körper, das Leben, die Ehre, das Eigentum, natürliche und angeborene Rechte der Personen, Identitäten usw[3].

Im Allgemeinen kann man aber Folgendes behaupten: Jedes Verhalten, welches mit dem Ziel der körperlichen oder geistigen Schädigung eines anderen und mit vorhergehendem Willen und vorhergehender Absicht geäußert wird, bezeichnet man als Gewalt. In Wirklichkeit ist die Gewalt eine beabsichtigte Misshandlung, dessen harmlose Variante sich als ernster Blick oder sarkastische Bemerkung äußert und bis hin zur heftigsten Form reicht, welche bei Personen physische oder tiefgründige psychische Narben hinterlässt.

Die Vorgeschichte der Gewalt gegen Frauen

Leider galten Frauen im Laufe der Geschichte und an vielen Orten der Welt aufgrund einer falschen Wahrnehmung ihrer Menschenrechte als verwerfliche Wesen. Die Geschichte hat zahlreiche Anekdoten von vielseitigen Unterdrückungen von Frauen in ihrem Speicher gesammelt und aufgenommen; Beispielsweise unter anderem die barbarischen Traditionen einer ignoranten arabischen Gruppierung, Mädchen zu töten oder lebendig zu begraben. Leider war diese barbarische Tradition nicht nur spezifischer Bestandteil arabischer Traditionen; die meisten primitiven und mittelalterlichen Volksstämme führten diese barbarische Tat aus unterschiedlichen Gründen auch durch[4].

In wilden Stämmen war der Ehemann der absolute Vormund der Frau. Er hatte das Recht, nach Belieben seine Frau jeder Person zu verkaufen, zu schenken oder zu leihen oder sie auf jede beliebige Art zu bestrafen und zu töten. Die schwierigsten Tätigkeiten wurden von Frauen durchgeführt. Sie mussten sofort nach der Geburt als Dienerin arbeiten und der Mann kurierte sich einige Tage an ihrer Stelle aus[5]. In China konnte ein Vater seine Ehefrau und Kinder als Sklaven verkaufen[6]. Sie besaßen die Ansicht, dass Mädchen eine schwere Last für die Familie darstellen; daher sollte man sie vollkommen entwickeln lassen, damit sie die Familie verlassen, heiraten und arbeiten. Wenn in schwierigen Situationen eine weitere Tochter zu den bereits zahlreichen Töchtern der Familie das Licht der Welt erblickte, kam es vor, dass dieses unschuldige Neugeborene ausgesetzt wurde, damit es in der nächtlichen Kälte starb oder zum Futter von gierigen Wildschweinen wurde[7].

Die Situation der Frau in der heutigen Welt

Trotz des industriellen Fortschritts und der kulturellen Entwicklung und der wissenschaftlichen und technologischen Erweiterung der heutigen Zeit wird das Phänomen der Gewalt in Familien immer noch als ein weltweites Problem erachtet. Nicht nur, dass die Gewalt sich aus dem Leben der Frauen des aktuellen Zeitalters noch nicht distanziert hat; bewegende Statistiken, Informationen und Berichte aus allen Teilen der Welt zeigen eine weitreichende Verletzung der Frauenrechte auf und weisen einen Menschen auf die bittere Wahrheit hin, dass lediglich die Form und Art und Weise der Gewalt gegen Frauen sich verändert haben. Der folgende Bericht schneidet dieses Thema an: Laut einer offiziellen Statistik des russischen Innenministeriums, wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1997 ungefähr 18.000 Frauen geschlagen und in die Notaufnahme der Krankenhäuser eingewiesen und behandelt. Im Jahre 1993 haben bei einer Erhebung von 12.300 verheirateten Frauen über 18 Jahren in Kanada 29 % dieser Frauen angegeben, dass sie seit ihrem 16. Lebensjahr der Misshandlung ihrer Ehemänner ausgesetzt sind. Im Jahre 1995 haben bei einer Zufallserhebung von Frauen in London 25 % der Befragten angegeben, dass sie während ihres Ehelebens von ihrem Ehemann geschlagen wurden. Bei einer Erhebung von verheirateten Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren im Jahre 1995 in Ägypten haben 35 % angegeben, dass sie dem Missbrauch ihres Ehemannes ausgesetzt sind. Nach Statistiken aus dem Jahr 1992 werden 25% der amerikanischen Frauen monatlich von ihrem Ehemann geschlagen[8].

Gründe für das gewalttätige Verhalten gegen Frauen

Es gibt zahlreiche Faktoren, welche den Ausbruch eines brutalen Verhaltens beeinflussen. Diese kann man in zwei Gruppen von individuellen und gesellschaftlichen Faktoren unterteilen:

  1. a) Individuelle Faktoren

Im Allgemeinen sind psychische Faktoren die bedeutendsten individuellen Faktoren beim Ausbruch eines brutalen Verhaltens. Psychische Faktoren beeinflussen entweder direkt oder indirekt die Äußerung eines aggressiven Verhaltens. Manchmal liegt der Grund für Gewalt in psychischen Krankheiten. Meist gehören metabolische Erkrankungen und das Kontrollverlustsyndrom zu wichtigen Faktoren des Missbrauchs von Familienmitgliedern und manchmal von Morden ohne jegliche vorangehende Motive. Versagen ist ein weiterer Faktor bei der Erzeugung einer aggressiven Neigung. Minderwertigkeitskomplexe und Unsicherheit der Menschen spielen bei der Erzeugung eines brutalen Verhaltens auch eine bedeutende Rolle[9].

 

  1. b) Gesellschaftliche Faktoren

Armut, Arbeitslosigkeit und Sucht sind unter anderen wichtige Faktoren vieler gesellschaftlicher Delikte und Schäden, vor allem Gewalt. Finanzielle Einkünfte und die Zufriedenheit des Ehemannes mit seiner beruflichen Stellung haben einen bedeutenden Einfluss auf die Familienbeziehung zur Ehefrau und seinen Kindern. Falls die Einkommenshöhe den Wünschen und Erwartungen der Familienmitglieder nicht gerecht wird, entstehen automatisch Konflikte und Streitigkeiten innerhalb der Familie. Statistiken zeigen, dass arbeitslose Männer oder Männer, die eine unangemessene finanzielle Situation haben, eine höhere Neigung zu Sucht und Gewalt gegen Familienmitglieder aufzeigen.

In einigen Fällen stellen kulturelle und gesellschaftliche Werte einer Gesellschaft, irreführende Vorurteile und Glaubensansichten Gewalttaten gegen Frauen als eine anerkannte Norm und akzeptierte Tatsache dar. Die Grundlage dieser Kultur und dieses Vorbilds rührt aus der Beschaffenheit des Geschlechts des Mannes und der Frau. Das männliche Geschlecht erfordert Krafttaten und Stärke und das weibliche Geschlecht erfordert es, untätig und verpflichtet zu sein.

Die rechtliche Unzulänglichkeit bei der juristischen Verfolgung von Gewalt gegen Frauen im Schadensausgleich wie beispielsweise Blutgeld usw. ist ein weiterer Faktor von Gewalttaten gegen Frauen. Aufgrund der Tatsache, dass sich viele Vorfälle zwischen Eheleuten innerhalb des Hauses abspielen und die Frauen generell aufgrund des Mangels an Zeugen nicht dazu fähig sind, unterschiedliche Gewalttaten zu beweisen, bestehen die Probleme der Frauen weiterhin. Außerdem hindern in vielen Fällen Scham und die Furcht der Frauen vor dem Verlust ihrer Familienehre diese Frauen am Aufsuchen eines Gerichts[10].

Nachforschungen zeigen, dass Aggression und Gewalt sich dann äußern, wenn gewaltkontrollierende Faktoren im Menschen schwach ausgeprägt oder gar nicht vorhanden sind. Ein wichtiger Faktor für den Ausbruch von Gewalt im Menschen liegt im Mangel an Verpflichtung und Bindung an moralische und religiöse Verpflichtungen; gegen brutales Verhalten können die Überzeugung von Gott und die Religion gute Hemmfaktoren brutales Verhalten darstellen. In Familien, welche an religiöse Dinge glauben und Überzeugungen religiöser Art besitzen, ist die Gewaltrate äußerst niedrig.

Konsequenzen der Gewalt gegen Frauen in der Familie

Gewalt in der Familie und Belästigung der Frauen seitens des Ehemannes haben viele schädliche individuelle und gesellschaftliche Konsequenzen zur Folge, welche im Folgenden angesprochen werden:

  1. a) Scheidung und Zusammenbruch der Familie

Es ist offensichtlich, dass die Standfestigkeit und Beständigkeit der Familie einer Schädigung ausgesetzt wird, falls die Beziehung zwischen den Ehepartnern sich in Richtung Gewalt begibt. Die bedeutendste negative Konsequenz davon ist die Scheidung und Trennung des Ehepaares, welche auch viele unwiderrufliche gesellschaftliche Schäden wie beispielsweise stufenweise Depressionen, psychische Verwirrtheit, Persönlichkeitsstörungen usw. für beide Parteien mit sich führt und als Folge daraus kommen viele Schäden auf die Scheidungskinder zu, deren häufigste Erscheinung die Neigung zu Kriminalität, Sucht und weiteren Verhaltensstörungen ist.

  1. b) Der Mangel an einer richtigen Erziehung der Kinder

Unter der Berücksichtigung der wesentlichen und bedeutenden Rolle der Mutter im Haushalt und der Kindererziehung wird brutales Verhalten gegen sie zweifellos Einfluss und negative Folgen auf die restlichen Familienmitglieder, vor allem aber die Kinder, haben. Der Gewalt ausgesetzte Mütter können niemals bei der Erziehung ihrer Kinder erfolgreich sein und Kinder mit mentaler Gesundheit und Selbstvertrauen erziehen. Forschungen haben auch ergeben, dass Kinder, deren Mütter Gewalt ausgesetzt waren, eine hohe Anfälligkeit für psychische Krankheiten und Wachstumsstörungen, vor allem Sprachstörungen besitzen und da sie physisch gesehen schwächer sind als Erwachsene, erkranken sie an  unterschiedlichen Krankheiten. Außerdem werden diese Kinder mit dem Verlust ihres Selbstvertrauens eine niedrigere Effizienz als andere aufweisen und bei der Bildung einer richtigen Beziehung zu anderen keinen Erfolg erzielen. Des Weiteren ist die Anfälligkeit ihrer Neigung zu weiteren Fehlgängen, unter anderem Drogen, viel höher als die anderer und als Erwachsene werden sie viel öfter als normale Personen zur Gewalt greifen.

 

Die Sicht des Islam zur Gewalt

Im Bereich der gesellschaftlichen Beziehungen gibt der Islam zahlreiche Ratschläge zu einem guten Benehmen und zu guter Interaktion mit Menschen und verbietet jegliche Gewalt und Misshandlung oder jegliches Verhalten, das zur Schädigung der anderen führt – sogar Schäden, die verbal vollbracht werden. In diesem Zusammenhang gibt es viele Überlieferungen, von denen als Beispiel einige im Folgenden angeführt werden:

Prophet Muhammad (s.a.) äußerte folgendes: „Keine Tat ist bei Gott und seinem Propheten beliebter als die Überzeugung von Gott und Nachgiebigkeit und Toleranz mit den Mitmenschen und keine Tat wird von Gott und seinem Gesandten eher verabscheut als Polytheismus und Gewalt an die Mitmenschen.“[11]

ما مِن عَمَلٍ اَحَبَّ إلَي اللهِ تَعالي و إلي رَسُولِهِ مِنَ الايمانِ بِاللهِ والرِفْقِ بِعِبادِهِ و َما مِنْ عَمَلٍ اَبْغَضَ إلَي اللهِ تَعاليٰ مِنَ الاشْراكِ بِاللهِ وَ العُنْفِ عَليٰ عبادِهِ

Außerdem hat der Prophet Folgendes offenbart: „Jeder, der einem Gläubigen einen Schaden zufügt, hat mir einen Schaden zugefügt und derjenige, der mir schadet, hat meinem Gott geschadet und derjenige, der Gott schadet, wird in der Thora und der Bibel und dem Zabur (den Psalmen) und dem Koran verflucht.“[12]

مَن اَذيٰ مُؤمِناً فَقَد اذٰاني و من اذٰاني فقد اَذَي الله و مَن اَذيَ الله فهو ملعون في التوراة والإنجيل والزبور والفُرقان

Die Sicht des Islam von der Frau

Im Gegensatz zu einigen falschen Annahmen hat der Islam der Menschheit die Wahrheit offenbart, dass Frauen ebenso wie Männer menschliche Wesen und ein Teil der Gesellschaft sind: O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen schuf, und aus ihm schuf Er seine Gattin und ließ aus beiden viele Männer und Frauen sich ausbreiten.          [An-Nisa | 4:1]

Auch hat der heilige Koran sehr deutlich gemacht, dass der von Gott meist geehrte Mensch derjenige mit der größten Tugend ist und sieht hierbei keinen Unterschied zwischen Frau und Mann. [Al-Hudschurat | 49:13] Außerdem offenbart der Koran, dass jeder, der gute Taten vollbringt, egal ob Frau oder Mann, und eine Überzeugung von Gott besitzt, in den Himmel eintritt und kein Mensch irgendeine Unterdrückung verspürt [An-Nisa | 4:124].

In der himmlischen Lehre des Islam werden aufgrund der Existenz vieler Gefühle und Emotionen in Frauen auch viele Empfehlungen in Bezug auf die Art und Weise der Beziehung zu Frauen und Mädchen offenbart. Hierbei wird auf einige dieser Fälle eingegangen.

Empfehlungen des Koran zur guten Interaktion mit Frauen

Der Koran besteht im Bereich der Familienbeziehungen auf die Vermeidung von Gewalt gegen Frauen und der guten Interaktion mit Ihnen und offenbart Folgendes: Verhaltet euch Frauen gegenüber mit Barmherzigkeit und Freundlichkeit [An-Nisa | 4:19].

Zur Deutung dieser ehrenhaften Aye sagt der große Korankommentator, Allama Tabatabai folgendes: Der Begriff معروف („ma’rouf“) in dieser Aye bezieht sich auf jede Angelegenheit, die von den Menschen als gut und akzeptiert erachtet und nicht geleugnet wird. Andererseits ist derjenige Umgang aus der Sicht der Menschen ma‘rouf, geschätzt und angesehen sowie anerkannt, bei der jeder Mensch aus der Gesellschaft im Besitz gleichwertiger Achtung und Rechte wie alle anderen ist. Eigentlich kann man sagen, dass die Frau innerhalb der Familie, die als eine kleine Gesellschaft fungiert, im Besitz gleichwertiger Rechte wie der Mann ist. Ebenso wie innerhalb einer Gesellschaft die Rechte jedes einzelnen Menschen beachtet werden, so müssen auch innerhalb der Familie alle Rechte der Frau beachtet und eingehalten werden.

Der verstorbene Herr Tabarsi äußert auch im Buch Madschma Al-Bayan Folgendes: Interaktion mit „ma’rouf“ steht für das Verhalten nach dem Wort Gottes und für die Äußerung der Frauenrechte bei der Befriedigung von Bedürfnissen und eine gute Wahl beim Sprechen und beim Umgang mit Frauen; es wurde auch gesagt, dass ma’rouf darin besteht, Frauen nicht zu schlagen und sie nicht zu beschimpfen und bei der Begegnung mit ihnen freundlich zu sein und zu lächeln[13].

Neben der Besorgnis über Männer, die mit der Ausrede, sie hätten keinerlei moralische oder emotionale Übereinstimmung oder andere gemeinsame Dinge, von Scheidung und Trennung sprechen, empfiehlt der heilige Koran ihnen andererseits, die Situation ihrer Ehepartner zu verstehen, damit Gott ihrem Leben auch viel Heil und Segen verleiht. In diesem Zusammenhang offenbart der allmächtige Gott folgendes:

فَإِنْ كَرِهْتُمُوهُنّ فَعَسيٰ‏ أنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَ يَجْعَلَ اللّهُ فيهِ خَيْرًا كَثيرًا  (An-Nisa | 4:19)

Und geht in rechtlicher Weise mit ihnen um. Wenn sie [eure Ehefrauen] euch zuwider sind [zeigt nicht einfach eure Abneigung], so ist euch vielleicht etwas zuwider, während Allah viel Gutes in es hineinlegt.

Es ist offensichtlich, dass all diese Gebote zur Erhaltung und Beständigkeit der Familie und der Erhaltung der Würde und Achtung der Frauen existieren. Ebenso offenbart der heilige Koran in der 231. Aye der Sure Al- Baqara Folgendes: Und wenn ihr euch von einer Frau scheiden lasst und sie dann ihre festgesetzte Zeit erreicht, so behaltet sie in rechtlicher Weise oder gebt sie in rechtlicher Weise frei. Doch behaltet sie nicht mit der Absicht der Schädigung, sodass ihr ein Gebot übertretet.

Ein bemerkenswerter Aspekt ist die Tatsache, dass Scheidungen und Trennungen auftreten, die normalerweise mit Schäden und Hasserfüllung verbunden sind, und nebensächliche grobe Konflikte. Der Koran besteht jedoch darauf, dass ein Muslim sich nicht einmal in einer solchen Situation nicht von seiner Mäßigkeit und Selbstbeherrschung distanziert, sondern mit der Einhaltung der Prinzipien des „ma’rouf“ die Frau dementsprechend behandeln muss und die Frau nicht belästigen oder ihr schaden oder ein gewalttätiges Verhalten aufzeigen darf.

Die Empfehlungen der Überlieferungen über die gute Interaktion mit Frauen

Mit einer Einsicht in islamische Überlieferungen wird klar, dass der Islam eine weitreichende, wesentliche und tiefgründige Verteidigung der Frauen und sogar über ihre gesetzlichen Rechte führt. Im Folgenden wird auf einige dieser Überlieferungen eingegangen:

Mädchen und Frauen stellen den göttlichen Segen dar

Imam Sadegh (a.s.) sagt Folgendes: „Wenn ein Mensch eine Tochter erhält, so schickt Gott einen seiner Engel los, damit dieser seine Flügel über dem Kopf und die Brust dieses Mädchens ausbreitet.“[14]

Die Erklärung des Erzengels Gabriel an Frauen

Der großzügige Prophet äußert Folgendes: „Der Erzengel Gabriel erinnerte mich beständig an die gute Behandlung der Frauen, sodass ich annahm, dass die Trennung und Scheidung von der Frau nicht erlaubt sei, außer mit Sünden erfüllt.“[15]

Barmherzigkeit zu Frauen ist das Kriterium zur Nähe zum Propheten

Der bedeutende Prophet offenbart folgendes: „Meine nächsten Personen am Tag der Auferstehung sind diejenigen, die ihren Ehepartnern gegenüber das beste Verhalten aufzeigen.“[16] Er sagt auch: „Die besten Menschen in Bezug auf ihre Überzeugung … sind diejenigen, die netter zu ihrem Ehepartner sind und ich bin liebevoller zu meiner Familie als alle anderen.“[17]

Das Versprechen einer Belohnung für diejenigen, die bei der Verstimmung der Frauen Geduld zeigen

Der bedeutende Prophet sagt Folgendes: „Ein Mann, der bei schlechter Laune und einem unangebrachtem Verhalten seiner Ehefrau gegenüber Geduld aufbringt und es mit der Absicht einer göttlichen Belohnung toleriert, wird von Gott mit der Belohnung der Dankbaren belohnt werden.“[18]

Das Respektieren der Gefühle von Frauen

Der Prophet offenbart Folgendes: „Der Gläubige unter euch ist derjenige, der nach dem Wunsch seiner Ehefrau isst und der Heuchler unter euch ist derjenige, dessen Ehefrau nach seinem Wunsch isst.“[19]

Als Sa‘ ibn Mu’adh, ein berühmter Jünger des Propheten, von uns ging, ist der Prophet, sobald er von seinem Tod hörte, zu seiner Beerdigung gegangen und hat ihn persönlich in sein Grab gelegt. Als die Beerdigung zu Ende ging, sagte die Mutter von Sa’d: „Mein Sohn, das Paradies soll für dich bekömmlich sein.“ Der Prophet erwiderte: „Oh Mutter von Sa’d! Sei ruhig und schreibe dem Schöpfer nicht vor, wie er zu handeln hat, da gerade die Grablast von Sa’d begonnen hat.“ Als man den Propheten nach einer Begründung zu seiner Aussage fragte, antwortete der Prophet: „Tatsächlich war Sa’d seiner Familie gegenüber verstimmt und launenhaft.“[20]

Bewältigungsstrategien zur Gewalt gegen Frauen

  1. a) Steigerung des Kultur- und Moralstandards der Gesellschaft

Zweifellos ist die Stärkung der religiösen Kultur und Moral innerhalb der Gesellschaft einer der Wege zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. In diesem Zusammenhang sind das Bildungsministerium, der Rundfunk und alle anderen kulturellen Institutionen dazu verpflichtet, mithilfe der Verwendung von ansprechenden und wirkungsvollen Mitteln die Moral und spirituellen Werte und emotionalen Fähigkeiten innerhalb der Gesellschaft zu verstärken und erblühen zu lassen.

Beispielsweise ist die Bildung über die Begegnungsart und die Art der Interaktion zwischen Mann und Frau vor und nach der Ehe eine dringliche Angelegenheit. Dies ist mittels der Medien, vor allem ded Fernsehens und Familien- und Kulturzeitschriften und –Veröffentlichungen und auch durch die Bereitstellung von geeigneten Bildungsangeboten möglich.

  1. b) Die Erweiterung mentaler Gesundheit

Da ein Teil gewalttätiger Verhaltenszüge psychische Wurzeln besitzt und aufgrund der Entstehung von Stress, Wut und geistiger Aufregung im Menschen hervorgerufen wird, sollte die mentale Gesundheit der Menschen gegeben sein. Eine geistige Gesundheit der Menschen ist auch nur mit der Beachtung von spirituellen Angelegenheiten, der Erweiterung der moralischen Ehre, die Steigerung der Gottes- und Selbstkenntnis, der Kontrolle der Lust und Triebe möglich.

Außerdem sollte man nicht die Rolle von Beratungszentren vergessen. In diesem Rahmen kann die Gründung von Institutionen zur Beratung und Leitung von Familien bei der Reduzierung von Gewalt in Familien wirksam sein. Mit Gewalt konfrontierte Frauen brauchen eine langwierige Therapie von Psychologen und Beratern, um ihre Selbstachtung und ihr Selbstvertrauen wieder gewinnen zu können. Andererseits verspüren brutale Männer normalerweise keinen Bedarf dafür, eine Beratungsstelle aufzusuchen, obwohl sie bei einem Besuch dieser Zentren und der Offenbarung ihrer Probleme vor den Beratern bestimmt ein besseres Ergebnis erzielen würden.

  1. c) Die Beseitigung von finanziellen Problemen und Arbeitslosigkeit

Wie bereits erwähnt, bilden finanzielle Probleme eine Grundlage zur Entstehung vieler gesellschaftlicher Störungen und Kriminalität, unter anderem von Gewalt und gewalttätigem Verhalten in der Familie. Normalerweise entstehen neben finanziellen Angelegenheiten und Problemen familiäre Konflikte und Streitigkeiten und als Folge daraus gewalttätige Verhaltenszüge. Armut oder mit anderen Worten der Mangel einer Relation zwischen der Höhe der Einnahmen und der Ausgaben der Familie und die Unmöglichkeit zur Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen der Familienmitglieder bildet eine Grundlage zum Ausbruch gewalttätiger Verhaltenszüge. Daher gehören zu den grundlegenden und vorbeugenden Bemühungen um eine Reduzierung von Gewalt die Gründung von Arbeitsplätzen, die Reduktion der Inflationsrate und die Angleichung von Einnahmen und Ausgaben und viel mehr spielt die Verbreitung einer Genügsamkeitskultur und der Einstellung zu einem einfachen Leben und Sparsamkeit bei der Besserung gewalttätiger Verhaltenszüge eine effektive Rolle.

  1. d) Die Steigerung der Überzeugung und Stärkung religiöser Glaubensansichten der Menschen

Der bedeutendste Faktor zur Beseitigung oder Reduzierung von Gewalt liegt in der Steigerung der Überzeugung und der Stärkung religiöser Glaubensansichten der Menschen. Da die Überzeugung die Begegnung des Menschen mit der Welt formt und die Schöpfung des Menschen als gezielt vollzogene erklärt, kann sie die Einstellung des Menschen zur gesamten Existenzordnung und dessen geltende Gesetze optimistisch auslegen. Die religiöse Überzeugung bietet dem Menschen einen Glauben und Sicherheit, beseitigt Unruhen und Sorgen und verleiht ihm Seelenfrieden: Tatsächlich werden die Herzen durch den Gedanken an Gott beruhigt [Ar-Ra‘d | 13:28].

Männer mit Überzeugung bitten Gott um Hilfe, wenn sie auf ein Problem stoßen und tragen die Hoffnung in ihrem Herzen, dass eine übernatürliche Kraft ihnen bei der Lösung des Problems helfen wird. Diese Tatsache führt zur Minderung der Wut. Demgegenüber fühlt ein Mensch, der alle Dinge als materiell erachtet, bei Problemen und Engpässen Stress und Aufregung und dies führt zum Ausbruch gewalttätiger Verhaltenszüge.

Andererseits entsteht im Inneren einer Person mit Überzeugung eine Energie, die Bitterkeit in Süße verwandelt; Sie weiß nämlich, dass alle Dinge auf der Welt einer bestimmten Ordnung unterliegen und falls ihre Reaktion auf Probleme auf eine ideale Art erfolgt, wird sie sicherlich von Seiten des allmächtigen Gottes ins Recht gesetzt. Ebenso führen religiöse Glaubensansichten zur Leitung hemmungsloser Triebe; der Mensch mit Überzeugung fühlt sich Gott gegenüber nämlich verantwortlich und mäßigt seine inneren Wünsche. Wenn ein Mann an das jenseitige Leben und den Jüngsten Tag glaubt und weiß, dass er für jede einzelne seiner Taten verantwortlich ist und sie rechtfertigen muss, kontrolliert er seine Wut und seinen Zorn, falls er diese verspürt; dies bedeutet, dass er trotz der Fähigkeit zu Stärke- und Gewalttaten seine Wut abklingen lässt und seiner Ehefrau und seinem Kind vergibt; er glaubt nämlich daran, dass ihn im Gegenzug eine sehr bedeutende Belohnung erwartet. Wenn in seinem Leben Unstimmigkeiten existieren, versucht er mit einer freundlichen Sprache und einem barmherzigen Verhalten die Probleme zu lösen. Auch eine Frau wird sich, falls sie Gott als präsente Existenz und Beobachter ihrer Taten erachtet und sich das Glück und die Seligkeit ihrer Familie wünscht, mit allen Mitteln darum bemühen, ihrem Ehemann Komfort und Frieden zu bieten und würde niemals eine Grundlage zum Ausbruch von Unannehmlichkeiten und Gewalt provozieren.

 

[1] Bagherpour, Iraj. Psychotherapie für Jedermann. S.59.

[2] Rahmati, Mohammadsadegh. Moderne Gesellschaftspsychologie. S.53.

[3] Mirkhalili, Seyed Mahmoud. Gewalt und Bestrafung. Aus dem Buch Naghd. Ausgaben 14 und 15, S. 127.

[4] Nouri, Yahya: Das Recht der Frau im Islam und auf der Welt. S. 20.

[5] Motahari, Morteza. Gegenseitige Dienstleistungen des Islam und Irans. S. 262.

[6] Durant, William James. Die Geschichte der Zivilisation. Übersetzung: Ahmad Aram. Band 1, S. 857.

[7] Durant, William James. Die Geschichte der Zivilisation. Übersetzung: Ahmad Aram. Band 1, S. 854.

[8] Artikel in Gewalt gegen Frauen in der Familie. Übersetzung: Mina Aslani. Zeitschrift der Frauenrechte. Ausgabe 20, S. 27.

[9] Roy, Maria. Misshandelte Frauen. Übersetzung: Mehdi Cheragheh Daghi. S. 147 und 148.

[10] Zeitschrift Payame Zan (Die Nachricht der Frau). Neuntes Jahr, Ausgabe 5, S. 57.

[11] Bihar-ul-Anwar. Band 75, S. 54.

[12] Bihar-ul-Anwar. Band 67, S. 72.

[13] Tabarsi. Madschma Al-Bayan. Bd. 1, S. 336.

[14] Wasael ush-Shia. Band 21, S. 367.

[15] Bihar-ul-Anwar. Bd. 103, S. 253.

[16] Wasael ush-Shia. Bd. 8, S. 507.

[17] Wasael ush-Shia. Bd. 8, S. 507.

[18] Wasael ush-Shia. Band 7, S. 124.

[19] Wasael ush-Shia. Bd. 20, S. 180.

[20] Bihar-ul-Anwar. Band 6, S. 220.