Hischam ibn Hakam

Im Jahre 132 nach der Hidschra gelangte die tyrannische Herrschaft der Umayyaden an den Rand des Zusammenbruchs und wurde mit der Ermordung von Marwan ibn Muhammad nach 91 Jahren Herrschaft schließlich gestürzt. Die Macht wurde übernommen von den Abbasiden. Zu jener Zeit, in der die Abbasiden und Umayyaden sich gegenseitig bekämpften, um die Zügel über die islamische Gemeinschaft in die eigenen Hände zu bekommen, und einander bekriegten um das Kalifat und damit die politische Führung zu erlangen, ergriffen die wahrhaftigen Anführer die passende Gelegenheit, um die Wahrheit des Islam und die koranischen Lehren zu verbreiten. Zwei unserer erhabenen Imame zogen den größten Nutzen aus dieser Gelegenheit.

Der fünfte Imam, Imam Baqir-ul-Ulum (a.), legte die Fundamente einer Hochschule und breitete den Weg in einer solchen Weise vor, dass alle interessierten Menschen davon angezogen waren und die nach Wissen Strebenden sich dort versammelten, um sich die verschiedensten Wissenschaften aus der ganzen Welt anzueignen. Auch unser sechster Imam, Imam Dschafar Sadiq (a.), konnte Tausende von geeigneten Personen in verschiedenen Zweigen der Wissenschaften ausbilden und führte die Schule der Schia in die Welt ein. Eigentlich präsentierte er den Menschen der Welt die wahren Ansichten des Islam, weil die Gegebenheiten des Islam sich während des Kalifats der Umayyaden vollkommen verändert hatten. Nach der Ansicht von Scheich Mufid[1] besuchten viertausend Studenten die Hochschule von Imam Sadiq (a.). Scheich Tusi[2] hat die Gesamtheit der Studenten von Imam Sadiq (a.) mit 3197 Männern und zwölf Frauen beziffert. Einer jener Studenten war Hischam ibn Hakam, ein prominenter schiitischer Gelehrter im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra.

Wer ist Hischam?

Hischam wurde am Anfang des zweiten Jahrhunderts in Kufa geboren.[3] Er kam später nach Bagdad, um Geschäfte durchzuführen und beschäftigte sich in der Gegend von Karch mit dem Verkauf von Textilstoffen.[4] Hischam war vom Anfang seiner Jugend an sehr begabt und wissensdurstig. Um dieses Ziel zu erreichen, lernte er die Wissenschaften seiner Zeit und studierte die philosophischen Bücher der griechischen Wissenschaftler. Er hat ein Buch als Erwiderung auf einen der griechischen Philosophen verfasst.[5] Hischam schloss sich verschiedenen wissenschaftlichen Schulen seiner Epoche an. Aber keine Schule konnte seinen Durst nach Wahrheit stillen. Schließlich lernte er Imam Sadiq (a.) kennen und wurde einer seiner Anhänger. Er reiste nach Bagdad, Basra, Madain, Hidschaz und Kufa, um sich Wissen anzueignen, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, zu debattieren und die Lehren der Ahl-ul-Bayt mit seinen präzisen und logischen Argumenten zu übermitteln.

Reise zur Erlangung des Wissens

Hischam versuchte als fleißiger Student die ihm gestellten Fragen stets mit Imam Sadiq (a.) zu besprechen. Die folgende Geschichte weist auf diese Tatsache hin: Eines Tages stellte Ibn Abi al-Audscha, ein Wissenschaftler, der gegen den Islam war, eine Frage über Polygamie und sagte: „Der Koran sagt in Vers 3 der Sure Nisa folgendes: „Und wenn ihr fürchtet, nicht gerecht gegen die Waisen zu sein, so heiratet, was euch an Frauen gut ansteht, zwei, drei oder vier; und wenn ihr fürchtet, nicht gerecht sein zu können, so heiratet nur eine“ Auf der anderen Seiten heißt es im Vers 129 derselben Sure: „Ihr könnt den Frauen gegenüber nicht gerecht sein, auch wenn ihr euch sehr darum bemüht.“ Beim Vergleich dieser beiden Verse wird deutlich, dass die Polygamie im Islam verboten ist. Denn die Voraussetzung der Polygamie ist die Gerechtigkeit und die Gerechtigkeit ist unmöglich. Folglich ist die Polygamie im Islam nicht erlaubt.“

Hischam konnte nicht antworten und verlangte von Ibn Abi al-Audscha einige Zeit, um eine Antwort zu finden. Danach eilte er sich nach Madina. Dort teilte er die Frage dem Imam (a.) mit. Der Imam (a.) sagte: „Die Gerechtigkeit im Vers 3 der Sure Nisa bedeutet die Gerechtigkeit bei der Unterhaltszahlung und bei der Beachtung der Rechte der Ehe und in der Art und Weise des Verhaltens. Die Gerechtigkeit im Vers 129 hingegen bezieht sich auf die Neigungen des Herzens. So ist die Polygamie nicht verboten und unter bestimmten Bedingungen zulässig.“ Hischam kehrte zurück und gab Ibn Abi al-Audscha die Antwort. Da schwor Ibn Abi al-Audscha, dass diese Antwort nicht von Hischam war.[6] So bemühte sich Hischam, die Lehren und das Wissen des Islam zu erlangen. Imam Sadiq (a.) stillte den Durst Hischams mit Wasser vom Brunnen der Wilayah und antwortete auf seine Fragen mit Geduld. Beispiele für diese Fragen und Antworten sind in den Büchern „Tauhid“ und „Ilal asch-Schara‘i“ von Scheich Saduq vorhanden.

Hischam in den Überlieferungen

In manchen Büchern heißt es: In einem bestimmten Jahr war Imam Sadiq (a.) auf der Hadsch und es waren Gruppen von gelehrten Schülern und bekannten Gelehrten bei ihm. Hischam war noch jung und suchte den Imam auf. Der Imam verhielt sich ihm gegenüber außergewöhnlich zuvorkommend. Weil er jedoch dachte, dass diese übermäßige Ehrung vielleicht die anderen Anwesenden dort verärgern könnte, sagte Imam Sadiq (a.): „Dieser unterstützt uns mit seinem Herz, seiner Zunge und Hand.“ Um die besondere Stellung Hischams bezüglich der Bildung zu beweisen, stellte der Imam ihm einige Fragen in Bezug auf die göttlichen Namen und deren Details. Hischam beantwortete alle Fragen richtig, sehr wortgewandt und deutlich. Dann sagte der Imam: „O Hischam, hast du den Verstand, um die üblen Handlungen unserer Feinde abzuwenden?“ Hischam antwortete: „Ja.“ Dann betete der Imam für ihn: „Gott möge dir von diesem Wissen Nutzen geben und deine Füße standhaft machen.“ Hischam sagte: „Bei Gott, nach diesem Gebet besiegte mich niemand in Bezug auf die „Tauhid“.[7]

Nach den Überlieferungen, die von Imam Sadiq (a.), Imam Kadhim (a.) und Imam Reza (a.) überliefert wurden, war Hischam ein rechtschaffener Diener Gottes, ein Fahnenträger des Rechtes der Imame, ein Verteidiger der Wilayah der Ahl-ul-Bayt und ein Überführer des Unrechtes ihrer Feinde. Ihm zu folgen ist, wie den Imamen zu folgen, und gleichermaßen die Feindschaften zu ihm so, wie mit den Imamen in Feindschaft zu sein.[8] In weiteren Überlieferungen heißt es, dass er mit seinem Herzen, seiner Zunge und Hand die Imame unterstützte.[9] Imam Sadiq (a.) sagte ihm: „Der heilige Geist wird dich unterstützen, solange du uns mit deiner Zunge unterstützt.“[10]

Die akademische Stellung Hischams

Hischam, der ausgezeichnete Schüler der Schule der Ahlulbayt (a.), war nicht nur in den Aqli-und Naqli-Wissenschaften ein Experte, sondern auch wenn er spürte, dass andere Wissenschaften erlangt werden mussten, um den Islam zu verteidigen, so eignete er sie sich mit Leib und Seele an. Er verfasste verschiedene Hadith-Werke und bildete viele Schüler aus. Ali ibn Ismail Maythami, der zu den wichtigsten schiitischen Theologen (Kalam-Wissenschaftlern)  gehörte, ein Zeitgenosse mit Hischam war und selbst auf Anweisung von Harun Raschid im Gefängnis war, sagte, als er hörte, dass Hischam von Harun verfolgt wurde: „innalillahiwainnailaihiradschi’un“ (Gottes sind wir, und zu Ihm kehren wir zurück), was passiert jetzt mit Wissenschaft, wenn Hischam getötet wird? Er war unsere Kraft und unser Meister.[11]

Nicht nur die großen Persönlichkeiten der Schia, sondern auch viele von den Widersachern verneigten sich vor der Größe seines Wissens. Dass er bei wissenschaftlichen Sitzungen von Yahya ibn Chalid Barmaki als Vorsitzender der Versammlung oder als Schiedsrichter der Debatte anderer fungierte und zahlreiche Auszeichnungen von Harun erhalten hat, beweist uns diese Tatsache.[12]

Er verfügte über viele Wissenschaften seiner Zeit. Ibn Nadim betrachtete ihn als einen schiitischen Theologen (Mutakkallim), der Rhetoriker war und Schlagfertigkeit besaß.[13] Auch Schahristani schrieb, dass Hischam in grundlegenden Prinzipien einen tiefen Gedanken hatte und dass er derjenige war, dessen Diskussionen und Siege gegenüber Mu´tazilah nicht ignoriert werden sollten.[14] Er hatte besondere Gedanken. Hischam war Experte in den Naqli-Wissenschaften. Kitab al-Alfaz, das im Ilm al-Usul (methodischen Grundlagen der islamischen Rechtswissenschaft) als das erste Buch gilt, gehört ihm.[15]

Hischam ibn Hakam hatte großes Wissen, umfangreiche Intelligenz, Begründungskraft und Tapferkeit in der Debatte. Durch diese göttlichen Gaben debattierte er mit den Gelehrten und Denkern. Er debattierte mit mehreren wichtigen Persönlichkeiten der Mu‘tazilah u.a. mit dem zweiten Führer der Mu´tazilah, Amr ibnUbaydAbdut-Tamimi Basri (gest. 144 n.d.H.); Abdar-Rahman ibnKiysan Asam Basari (gest. 200 n.d.H.); Abu al-Hazil (gest. 235 n.d.H.) und Nazzam (gest. 231 n.d.H.).[16] Sein Führer, Imam Sadiq (a.), war mit der Art und Weise seiner Debatte und Rede zufrieden und lobte ihn. Imam Sadiq (a.) sagte: „O Hischam! Sprich zu den Menschen! Ich bin so froh,dass eine Person wie du zu den Schiiten gehören kann[17].

Die Debatte mit Amru ibn Ubaid

Yunus Ibn Yakub, einer der großen Anhänger von Imam Dschafar Sadiq (a.) gibt an: Wir, die Anhänger des Imams (a.), befanden uns in genau diesem Jahr während der Hadsch-Zeit wie gewöhnlich in seiner Anwesenheit. Hamranibn Ayan, Muhammadaibn Salim, Hamza ibn Tayyar, Mumin Tagh und einige andere waren anwesend. Der Imam (a.) sagte: „O Hischam! Willst du mir nicht erzählen, was du mit Amr ibn Ubaid gemacht hast und wie du ihn gefragt hast?“
Hischam: “Ich würde mich für dich opfern, o Sohn des Propheten, ich habe großen Respekt dir gegenüber und schäme mich vor dir und meine Zunge funktioniert nicht in deiner Anwesenheit.“
Imam Sadiq (a.) sagte: „Wenn ich euch etwas befehle, dann tue es.“ Hischam: “Als ich erfahren hatte, was Amr ibn Ubaid in seinen Sitzungen in der Moschee von Basra anrichtet, und mir das sehr fremd vorkam, bin ich zu ihm gegangen und ich kam am Freitag in Basra an. Ich trat in der Moschee von Basra ein und habe eine große Runde vorgefunden und dort war Amr Ibn Ubaid mit schwarzem Umhang aus Wolle, den er sich umgewickelt hatte, und einem Umhang, den er angezogen hat. Die Leute haben ihn gefragt. Ich habe mir einen Platz unter den Leuten verschafft und die Leute haben mir Platz gemacht. Ich saß am Rand der Menschenmenge gestützt auf meine Knie und dann sprach ich: „Ich bin ein fremder Mann. Darf ich dich über eine Sache fragen.“ Er sprach: „Frag doch“. Ich sprach: „Hast du Augen?“ Er sprach: „O mein Sohn, was ist das für eine Frage?! Wieso fragst du über so etwas?“ Ich sprach: „Das ist meine Frage!“ Er sprach: „O mein Sohn, frag, auch wenn deine Fragen sinnlos sind.“ Ich sprach: „Beantworte mir diese (Frage)“ Er sprach: „Frag“. Ich sprach: „Hast du Augen?“ Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du sie?“ Er sprach: „Ich unterscheide damit die Farben und die Personen“. Ich sprach: „Hast du eine Nase?“ Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du das?“ Er sprach: „Ich rieche Gerüche damit“. Ich sprach: „Hast du eine Zunge?“ Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du sie?“ Er sprach: „Ich spreche damit“. Ich sprach: „Hast du Ohren?“ Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du sie?“ Er sprach: „Ich höre Stimmen damit“. Ich sprach: „Hast du Hände?“ Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du sie?“ Er sprach: „Ich arbeite damit und unterscheide zwischen weich und rau.“ Ich sprach: „Hast du Füße?“ Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du sie?“ Er sprach: „Ich gehe damit von einem Ort zum anderen“. Ich sprach: „Hast du einen Mund“. Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du sie?“ Er sprach: „Ich unterscheide damit das Essen und die Getränke.“ Ich sprach: „Hast du einen Verstand?“ Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Wofür verwendest du ihn?“ Er sprach: „Ich unterscheide damit alles was die Sinnesorgane empfangen“. Ich sprach: „Können denn die Sinnesorgane auf den Verstand verzichten?“ Er sprach: „Nein!“ Ich sprach: „Wie das denn, wo sie ganz und gar gesund sind?“ Er sprach: „O mein Sohn, wenn die Sinnesorgane Zweifel schöpfen über eine Sache, die sie gerochen,gesehen oder geschmeckt haben, erfragen sie den Verstand, der Sicherheit darüber gibt und den Zweifel beseitigt.“ Ich sprach dann: „Also Allah, mächtig und Ehrwürdig ist Er, hat den Verstand zum Beseitigen von Zweifel geschafft“. Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „Also ist der Verstand unverzichtbar, ansonsten hätten die Sinnesorgane keine Sicherheit“. Er sprach: „Ja“. Ich sprach: „O Abu Marwan, Wahrlich Allah, geheiligt und erhaben ist Er, der euer Sinnesorgane nur mit einem Imam erschaffen hat. Der korrigiert sie zum Richtigen und beseitigt ihre Zweifel. Und dann soll Er die ganzen Geschöpfe ihrer Unentschlossenheit, ihrem Zweifel und ihre Uneinigkeit ausliefern, ohne dass Er einen Imam für sie bestimmt hat, der ihre Zweifel und Unentschlossenheit beseitigt, dir aber einen Imam für deine Sinnesorgane zur Verfügung stellt, der deine Unentschlossenheit und Zweifel beseitigt?!!“ Nachdem er diese Worte gehört hatte und in tiefes Nachdenken gefallen war, wandte er sich nach einigen kurzen Momenten mir zu: „Du bist Hischam ibn Hakam.“ Dann stand er auf, umarmte mich und setzte mich in seinen Platz. Während ich dort saß, sagte er nichts. Als Hischam diese Geschichte berichtete, freute der Imam (a.) sich und fragte: „O Hischam, wer hat dich diese Art und Weise von Debatte und Rede gelehrt?“ Er antwortete: All das, was ich erwähnt und was auch immer ich gelernt habe, ist von deiner geschätzten Person.“ Der Imam sagte: „OHischam, bei Allah ist das in den Schriften von Abraham (a.) und Moses (a.) geschrieben.“[18]

Seine Schüler und Lehrer

Sicher ist, dass Hischam eine lange Zeit von Imam Sadiq (a.) und Imam Kadhim (a.) profitierte und ein Schüler von diesen beiden Imamen (a.) war. Er bat in schwierigen Fragen die Imame (a.) um die Hilfe und wenn der Imam ihn danach fragte, woher er das gelernt hat, antworte er: „Von Dir habe ich gelernt.“[19] Viele der Gedanken und Überzeugungen von Hischam stimmen mit den Überlieferungen von Imam Sadiq (a.) und Imam Baqir (a.) überein. Dies weist auf die Quelle dieser Gedanken hin.

Die wichtigsten Schüler von Hischam waren die folgenden:

  • Abu Dschafaribn Dschalil Sakkak. Er war Nachfolger von Yunus ibn Abdar-Rahman in der Widerlegung der Widersacher.[20]
  • Abu al-Hussein Ali ibn Mansur. Er war ein Vertrauter von Abu Dschafar Sakkak und einer der großen Theologen (Mutakallimun) der Schia. Er war in Theologie ein Schüler von Hischam und hat im Thema der Tauhid und der Imamat ein Buch namens „At-Tadbir“ verfasst, dass eine Sammlung der Worte von Hischam ist.[21]
  • Yunus ibn Abdurrahman. Er war ein Gefährte von Imam Musa ibnDschafar (a.), ein großer Gelehrter und Nachfolger von Hischam in der Widerlegung der Widersacher. Über dreißig Werke werden ihm zugeschrieben.[22]

Darüber hinaus zählen andere wichtige Persönlichkeiten wie Muhammad ibn Abi Umayr (gest. 217 n.d.H.), Abd al-Azim Hasani (gest. 252 n.d.H.) zu den Schülern von Hischam im Zitieren der Überlieferung.

Seine Werke und Tugenden

Hischam war einer der größten Gelehrten der Schia und verfasste viele Bücher[23]. Von seinen Werken werden in den Rijal-Büchern ca. 35 Werke in verschiedenen wissenschaftlichen Themen genannt. Leider haben wir heutzutage keines davon in der Hand. Die Vielfalt der Themen dieser Werke weist auf seine wissenschaftliche Persönlichkeit und Umfassendheit. Er hat u.a. über die islamische Theologie (Kalam-Wissenschaft) und Philosophie al-Imamah (Führerschaft), DschabrwaIkhtiyar (Determinismus und freier Wille), Ar-Rad alaaz-Zanadiqa (das Erwidern auf Häretiker), at-Tauhid (Ein-Gott-Glaube) und zur islamischen Jurisprudenz und Hadithwissenschaften Ilal at-Tahrim, al-Faraid, al-Alfaz, Kitap al-Mirath geschrieben.[24]

Er hatte hervorragende moralische Eigenschaften, die ihn als ein moralisches Vorbild festgelegt haben. Dazu zählen Geduld und Langmut gegenüber den Gegnern.[25] Darüber hinaus weisen die zahlreichen Debatten, an denen er teilgenommen hat, auf seinen Mut hin. Ebenfalls zählten u.a. die Beachtung der Ethik, die Vermeidung der schlechten Worte, der Respekt gegenüber den Gegnern in den Debatten, die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zu seinen Tugenden.[26]

Sein Ableben in Kufa

Es gibt zwei Berichte darüber, wie Hischam gestorben ist. Der erste Bericht ist von Ibn-i Babawayh. Er berichtet über die Debatte Hischams mit Diraribn Dabiy und Abdullah ibn YazidIbazi in Bezug auf die Imamat. Er schreibt, dass Hischam in dieser Debatte die Notwendigkeit der Imamat bewiesen und die inneren und äußeren Eigenschaften des Imams erläutert hat. Dann fragte Dirar ihn, wer in der Zeit der Imam war. Hischam antwortete: „Imam Kadhim (a.).“ Inzwischen war Harun ar-Raschid über dieses Ereignis heimlich informiert worden und er hatte sich darüber geärgert. Daraufhin floh Hischam vor der Gefahr Haruns nach Kufa. Er wurde dort schwer krank und starb infolgedessen[27].

Der andere Bericht stammt von Kaschschi. Er berichtet uns von der Debatte Hischams mit Suleiman ibn Dscharir über die Imamat. In dieser Diskussion stellte Hischam Imam Ali (a.) als denjenigen dar, dem die Menschen folgen sollten, vor. Er gab den Anwesenden zur Antwort, dass die Menschen verpflichtet sind, dem Nachfolger Imam Alis (a.) in der Zeit zu gehorchen und wenn er ihm einen Aufstand befiehlt, ihm Folge zu leisten. Nach dieser Debatte ging Hischam, der von der Wut Haruns Bescheid wusste, nach Kufa und starb im Hause von Ibn-i Scharaf.[28] Nach der Ansicht von Kaschschi[29] starb Hischam im Jahre 179 n.d.H. unter der Herrschaft Harun ar-Raschids in Kufa.

Abschließend möchten wir einige Anweisungen, die Imam Kadhim (a.) Hischam gegeben hat, erwähnen:

«يا هشام اِنَّ العاقِلَ الّذي لا يَشغَلُ الحَلالُ شُكْرَهُ وَ لا يَغْلِبُ الْحَرامٌ صَبْرَهُ.»

O Hischam! Der Vernünftige ist derjenige, den das Erlaubte von der Dankbarkeit nicht abhält und dessen Geduld das Verbotene nicht überwältigt.

« يا هشام اَنَّ العاقِلَ لا يَكْذِبُ وَ اِنْ كانَ فيه هَواهُ. »

O Hischam! Ein Vernünftiger lügt nicht, auch wenn sein Interesse darin ist.[30]

«يا هِشام لا دينَ لَمِنْ لا مُرُوَّةَ لَهُ وَ لا مُرُوَّةَ لِمَنْ لا عَقْلَ لَهُ.»

O Hischam! Derjenige, der keinen Edelmut hat, hat keine Religion, und derjenige, der keinen Verstand hat, hat keinen Edelmut.[31]

« اِنَّ اَعْظَمَ النّاسِ قَدراً الّذي لا يَري الدُّنْيا لِنَفْسِهِ خَطَرا. اَما اِنَّ اَبْدانَكُمْ لَيْسَ لَها ثَمَنٌ اَلاّ الجَنَّة فَلا تَبيعُوها بِغَيْرِها»

Der wertvollste Mensch ist derjenige, der die Welt für sich als wertvolle Stellung nicht ansieht. Wisset! Wahrlich, keinen Preis kann es für eure Körper geben außer dem Paradies. So verkauft sie gegen nichts außer dem Paradies.[32]

[1] Scheich Mufid: Kitab-ul-Irschad, S. 254.

[2] Scheich Tusi: Rijal, S. 342.

[3] Muhammad ibn Omar Kaschschi: Ikhtiyar-i Marifatar-Rijal, S. 255.

[4] Ibn Babaweyh: Man la yahzur al-Faqih – Bd. 4, S. 437.

[5] Hischam ibn Hakam: Safa´i, S. 14.

[6] Scheich Abbas Qommi: Muntaha al-Amal – Bd. 2, S. 251.

[7] Tafsir-i Burhan – Bd. 1, S. 420.

[8] Muhammad ibn Omar Kaschschi: Ikhtiyar-i Marifatar-Ridschal, S. 278 und Ibn Schahr-i Aschub, S. 128.

[9] Kulaini: Usul al-Kafi – Bd. 1, S. 172.

[10] Ibn Nadim: Al-Fihrist, S. 224 und Scharif Murtad: Asch-Schafi fil-Ummah – Bd. 1, S. 85.

[11] Muhammad ibn Omar Kaschschi: Ikhtiyar-i Marifatar-Rijal, S. 263, Madschlisi: Bihar al-Anwar – Bd. 48, S. 193, Abdullah Mamaqani: Tanqih al-Maqalfiilmar-Rijal – Bd. 3, S. 296.

[12] Scheich Mufid: Al-Fusul al-Muchtareh, S. 9-10, Ibn-i Schahr-i Aschub: Maalim al-Ulama – Bd. 1, S. 329.

[13] Ibn-i Nadim: Al-Fihrist, S. 223.

[14] Schahristani: Nihayat al-Aqdamfiilm al-Kalam – Bd. 1, S. 311.

[15] Scheich Tusi: Al-Fihrist, S. 355-356.

[16] Masudi – Bd. 5, S. 22, Kaschschi, S. 274-275, Schahristani – Bd. 1, S. 308.

[17] Kuleini: Usul-i Kafi – Bd. 1, S. 265.

[18] Usul al-Kafi – Bd. 1, S. 169.

[19] Kuleini: Usul-i Kafi – Bd. 1, S. 238-240.

[20] Ibn Nadim: Al-Fihrist, S. 225; Najjaschi: Kitabar-Rijal, S. 329, Muhammad ibn Omar Kaschschi: Ikhtiyar-i Marifatar-Rijal, S. 539.

[21] Najjaschi: Kitabar-Rijal, S. 250.

[22] Muhammad ibn Omar Kaschschi: Ikhtiyar-i Marifatar-Rijal, S. 539, Ibn Nadim: Al-Fihrist, S. 276, Scheich Tusi: Al-Fihrist, S. 367.

[23] Aschari: Kitab-i Maqalat al-Islamiyyin, S. 63; Scheich Tusi: al-Fihrist, S. 355.

[24] Ibn Nadim: Al-Fihrist; S. 224, Najjaschi: Kitabar-Rijal, S. 433; Scheich Tusi: Al-Fihrist, S. 355.

[25] Raghib Isfehani: Muhazirat al-Udaba – Bd. 3, S. 13.

[26] Ali Riza Asadi: Hischam ibn Hakam, S. 52-54.

[27] Ibn-i Babawayh: Kamal ad-Din waTamam an-Nimah – Bd. 2, S. 365.

[28] Muhammad ibn Omar Kaschschi: Ikhtiyar-i Marifatar-Rijal, S. 261.

[29] Ebd., S. 256.

[30] Mujam-u Rijal al-Hadith – Bd. 19, S. 281.

[31] Usul al-Kafi – Bd. 1: Kitab al-Aqlwa al-Dschahl.

[32] Usul al-Kafi – Bd. 1: Kitab al-Aqlwa al-Dschahl.