Leuchten des göttlichen Weges

Der nachfolgende Text ist dem Buch „Misbāh aš-šarīʿah wa miftāh al – haqīqah“ entnommen, das eine Reihe von Lehrgesprächen Imam Ğaʿfar as-Sādiqs (a.), eines Nachkommen des Propheten des Islam (s.), enthält, die das innere Gleichgewicht und die äußerlichen Verhaltensweisen des gläubigen Menschen betreffen.

Wir haben aus dieser Schrift einige Abschnitte ausgewählt, die in Bezeug auf die Gebete und die Gottesverehrung verdeutlichen, dass die nach außen strahlende Gewissheit eines gläubigen Menschen aus der inneren Ergebenheit und Zufriedenheit resultiert, die er Gott gegenüber empfindet. In diesem Sinne findet jede innere Einstellung oder Eigenschaft ihre äußerliche Manifestation.

Demütige Ergebung

Die Wurzeln des Verhaltens haben vier Aspekte: Verhalten Gott, dem Selbst, der Schöpfung und dieser Welt gegenüber. Jeder dieser Aspekte basiert auf sieben Prinzipien, wie es auch sieben Prinzipien hinsichtlich des Verhaltens Gott gegenüber gibt: Ihm zu geben, was Ihm zusteht, Seine Grenzen zu bewahren, für Seine Gaben dankbar zu sein, mit Seiner Entscheidung zufrieden zu sein, bei Seinen Prüfungen geduldig zu sein, Seine Heiligkeit zu lobpreisen und sich nach Ihm zu sehnen.

Die sieben Prinzipien, die das Verhalten dem Selbst gegenüber betreffen, sind Furcht, Bemühen, Ertragen von Leid, spirituelle Disziplin, Erstreben von Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, das Zurückhalten des Selbst von dem, was es liebt, und die Bindung an Armut. Die sieben Prinzipien für das Verhalten der Schöpfung gegenüber sind Nachsicht, Verzeihen, Demut, Großzügigkeit, Mitgefühl,  guter Ratschlag, Gerechtigkeit und Billigkeit.

Die für das Verhalten gegenüber dieser Welt bestimmenden Prinzipien sind Zufriedenheit mit dem, was man hat, das Verfügbare dem nicht Verfügbaren vorzuziehen, Verzicht auf die Suche nach dem Flüchtigen, Hass von Überfluss, Wahl der Enthaltsamkeit, Kenntnis der Übel dieser Welt und das Begehren danach aufzugeben, und ihre Herrschaft zu negieren. Wenn alle diese Eigenschaften in einem Menschen zu finden sind, dann gehört dieser Mensch zu den Auserwählten Gottes, ist einer Seiner nächsten Diener und Freunde.

Die Gottesknechtschaft ist eine Beschaffenheit, deren innere Natur die Herrschaft Gottes ist. Was in der Knechtschaft fehlt, wird in der Herrschaft gefunden, und was von der Herrschaft verhüllt ist, ist in der Knechtschaft zu finden, wie Gott, der Erhabene, sprach: „Wir werden sie Unsere Zeichen überall auf Erden und an ihnen selbst sehen lassen, damit ihnen deutlich wird, dass es die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, dass dein Herr Zeuge aller Dinge ist?“ (Fussilat | 41:53).

Das bedeutet, Er existiert sowohl in unserer Abwesenheit wie auch in unserer Gegenwart. Knechtschaft bedeutet, dass man sich allem entledigt, und der Weg, dies zu erlangen, besteht darin, dem Selbst das zu verweigern, was es begehrt, und es das ertragen zu lassen, was es nicht mag. Der Schlüssel dazu ist die Aufgabe des Ausruhens, die Liebe zur Zurückgezogenheit und die Befolgung des Weges der Erkenntnis der Bedürftigkeit Gott gegenüber. Der heilige Prophet (s.) sagte: „Betet Gott so an, als würdet ihr Ihn sehen. Selbst wenn ihr Ihn nicht seht, so sieht Er doch euch.“

Die Buchstaben des arabischen Wortes für Diener ( ͨabd) sind drei: ayn, bā und dāl. Das ein steht für das Wissen (ʿilm) eines Menschen. Das bā ist die Entfernung (baun) von allem anderen außer Ihm und das dāl steht für die Nähe (dunūw) zu Gott, dem Erhabenen, ohne die Beschränkungen von abhängigen Eigenschaften oder eines verhüllenden Schleiers.

Dankbarkeit

Mit jedem Atemzug ist man zu Dank verpflichtet, in Wahrheit zu tausendmaligem oder noch häufigerem Dank. Die niedrigste Stufe der Dankbarkeit besteht darin, zu sehen, dass der Segen von Gott kommt, ungeachtet seiner Ursache und ohne Verbindung des Herzens mit dieser Ursache. Diese Art der Dankbarkeit besteht darin, mit dem Gegebenen zufrieden zu sein. Es bedeutet, Ihm nicht ungehorsam zu sein und nicht auf Seine Segnungen zu achten, oder sich Ihm aufgrund Seiner Segnungen in einem Seiner Gebote und Verbote zu widersetzen.

Wenn man auf jede Art und Weise ein dankbarer Diener Gottes ist, wird man feststellen, dass Gott auf jede Art und Weise ein großzügiger Herr ist. Wenn es für Seinen aufrichtigsten Diener einen besseren Weg gäbe, Gott anzubeten, als Ihm in jedem Augenblicke zu danken, hätte Er ihm den Namen dieser Anbetung zugeordnet gegenüber dem Rest der Schöpfung. Da es jedoch keine bessere Form der Anbetung gibt als diese, hat Er diese Art der Anbetung aus anderen Anbetungsformen ausgewählt, und Er hat auch diejenigen ausgewählt, die diese Art der Anbetung praktizieren, indem Er sprach: „…und nur wenige von Meinen Dienern sind dankbar.“ (Saba | 34:13).

Vollkommene Dankbarkeit besteht darin, die eigene Unfähigkeit aufrichtig zu bereuen, das geringste Maß an Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen und diese mittels unserer aufrichtigen Lobpreisung Gottes, des Erhabenen, kundzutun. Der Grund dafür ist, dass das Danken selbst ein den Dienern verliehener Segen ist, für den sie ebenfalls Dankbarkeit erweisen müssen; dieser ist von größerem Verdienst und von höherem Rang als der ursprüngliche Segen, der den Menschen veranlasste, mit Dank zu antworten. Deshalb ist man beim Danken immer zu noch mehr Dank verpflichtet, immer weiter und ohne Ende, und dies alles, während man in seinen Segnungen versunken und unfähig ist, den höchsten Zustand der Dankbarkeit zu erreichen.

Denn wie könnte der Dinner den Segnungen Gottes mit Dankbarkeit gerecht werden, und wann wird er sein eigenes Handeln den Handlungen Gottes anpassen, während er schwach ist und keine Macht hat, ausgenommen von Gott? Gott bedarf des Gehorsams Seiner Diener nicht, denn Er hat die Macht, Seine Segnungen stets zu vermehren. Deshalb sollte man Gott gegenüber ein dankbarer Diener sein, und auf diese Weise wird man Wunder sehen.

Absicht

Der Mensch mit einer ernsten Absicht hat ein gesundes Herz, denn ein gesundes Herz frei von Gedanken an die verbotenen Dinge, resultiert aus einer Absicht, die in allen Dingen allein auf Gott gerichtet ist. „An dem Tage, da weder Besitz noch Söhne (etwas) nützen, sondern nur der (gerettet werden wird), der mit reinem Herzen zu Gott kommt.“ (asch-Schuara` | 26:88-89). Der heilige Prophet (s.) sagte: „Die Absicht des Gläubigen ist besser als seine Handlung.“ Und er sagte auch: „Handlungen geschehen aufgrund von Absichten, und jeder Mensch erhält das, was er beabsichtigt hat.“

Der Diener Gottes muss deshalb in jedem Augenblick seines Handelns und seines Ruhens eine aufrichtige Absicht haben, denn dann wird er nicht nachlässig sein. Diejenigen, die nachlässig sind, wurden von Gott, dem Erhabenen, getadelt: „ … Sie sind nur wie das Vieh – Nein, sie sind noch weiter vom Weg abgeirrt…“ (an-Nur | 25:44). „…Sie sind wahrlich unbedacht.“ (al-A`raf |7:179). Die Absicht kommt aus dem Herzen gemäß der Einheit des Wissens. Sie ist so unterschiedlich wie der Glaube in den verschiedenen Momenten seiner Stärke und Schwäche verschieden ist.

Der Egoismus und das Begehren derjenigen, die eine reine Absicht haben, werden der Macht der Lobpreisung Gottes und der Bescheidenheit Ihm gegenüber unterworfen. Der Mensch ist mit seinen Begehren und seinen Sehnsüchten von Natur her in einem Zustand des Unbehagens, und so findet er bei Gott Leichtigkeit.

Gottgedenken

Wer Gott wahrhaft gedenkt, ist Ihm gehorsam; wer Ihn vergisst, ist ungehorsam. Gehorsam ist das Zeichen der Rechtleitung, Ungehorsam das Zeichen für das Irregehen. Die Wurzel beider Zustände liegt im Gedenken und in der Vergesslichkeit. Das Herz sollte der Mittelpunkt deiner Zunge sein, die sich nicht bewegen sollte, bevor das Herz es anzeigt, der Verstand zustimmt und deine Worte mit dem Glauben übereinstimmen. Gott, der Allmächtige, weiß, was der Mensch verbirgt und was er offenbart.

Sei wie jemand, der seine Seele von seinem Körper getrennt hat, oder wie jemand, der am Tag der Auferstehung teilnimmt, dich nicht selbst von den Verpflichtungen, die dein Herr dir in seinen Geboten und Vorschriften auferlegt hat und von seinem Versprechen und seiner Drohung ablenkt. Sei nicht mit dir selbst beschäftigt, sondern vielmehr mit den Pflichten, die von deinem Herrn für dich auferlegt wurden. Reinige dein Herz mit dem Wasser von Sorgen und Furcht. Lasse das Gedenken an Gott Teil Seines erhabenen Gedenkens an dich sein. Er denkt an dich, aber Er braucht dich nicht. Sein Gedenken an dich ist erhabener, wünschenswerter, lobenswerter, vollkommener und älter als dein Gedenken an Ihn.

Das Wissen, das du erlangst, indem du Seiner gedenkst, wird in dir Demut, Bescheidenheit und Reue erzeugen, was umgekehrt wiederum die Ursache für dein Bezeugen Seiner Großartigkeit und Seiner vorherigen überfließenden Gnade sein wird. Das wird deinen Gehorsam aufgrund Seiner Segnungen in deinen eigenen Augen klein erscheinen lassen, gleich wie groß dein Gehorsam auch gewesen war, und du wirst Ihm aufrichtig ergeben sein. Aber dein Bewusstsein und deine Wertschätzung deines eigenen Gottgedenkens wird zu Angeberei, Stolz, Torheit und Derbheit in deinem Charakter führen, denn es bedeutet, deinem Gehorsam zu viel Bedeutung beizumessen, während Seine überfließende Gnade  und Großzügigkeit vergessen wird.

Es wird dich nur noch weiter von Ihm entfernen, und alles, was du in den vorbeiziehenden Tagen erwerben wirst, ist Entfremdung. Es gibt zwei Arten des Gedenkens: aufrichtiges Gedenken, mit dem das Herz harmoniert,  und Gedenken, das entsteht, indem man jede Erinnerung an anderes als Gott, den Erhabenen verbannt, wie der Gesandte Gottes feststellte: „Ich kann Dich nicht richtig lobpreisen, wie du Dich Selbst lobpreist.“ Der Gesandte Gottes hat dem Gottgedenken keine Grenze gesetzt, denn er kannte die Wahrheit, dass Gottes Gedenken an Seine Diener größer ist als das Gedenken Seiner Diener an Ihn. Folglich ist es passender, dass derjenige, der nach dem Heiligen Propheten (s.) kommt, keine Grenzen festlegt, und wer Gottes gedenken möchte, sollte wissen, dass solange Gott des Dieners nicht gedenkt, indem Er ihm in seinem Gedenken an Ihn Erfolg verleiht, dieser Diener nicht in der Lage sein wird, Seiner zu gedenken.

Wahrhaftigkeit

Wahrhaftigkeit ist ein Licht, das seine Wirklichkeit in seiner eigenen Welt verbreitet; es ist wie die Sonne, von deren Wirklichkeit alles Licht sucht, ohne dass ihre Wirklichkeit in irgendeiner Art abnimmt. Ein wahrhaftiger Mensch ist in Wahrheit ein Mensch, der aufgrund seiner eigenen realen Wahrhaftigkeit jedem Lügner glaubt. Das bedeutet, dass nichts, was der Wahrhaftigkeit gegenübersteht, nichts, auch nicht das, was nicht wahrhaftig ist, in ihm ebenfalls existieren darf. Es ist so wie bei Adam, der Iblis glaubte, als dieser log, weil Iblis einen falschen Eid geschworen  hatte, während Adam nicht log. Gott, der Erhabene, sprach: „… und wahrlich, Wir fanden in ihm kein Beharren.“ (Ta Ha | 20:115), weil Iblis etwas hervorbrachte, was zuvor unbekannt war, sowohl äußerlich wie auch innerlich. Iblis und seine Lüge gehören zusammen, und er wird niemals von der Wahrhaftigkeit Adams Nutzen ziehen können. Aber es nützte Adam, dass er die Lüge des Iblis glaubte, wie Gott ihm bezeugte, als Er sprach, dass er nicht beständig war in dem, was seiner Gewohnheit widersprach.

Das bedeutet in Wirklichkeit, dass die Tatsache, dass er auserwählt war, von den Lügen Satans keineswegs gemindert wurde. Wahrhaftigkeit ist die Eigenschaft der Wahrhaftigen. Die Wirklichkeit der Wahrhaftigkeit erfordert, dass Gott, der Erhabene, Seine Diener läutert, wie Er hinsichtlich der Wahrhaftigkeit gegenüber Jesus (a.) im Hinblick auf den Tag des Jüngsten Gerichts erklärt hat: „…Das ist ein Tag, an dem den Wahrhaftigen ihre Wahrhaftigkeit nützen soll…“ (al-Ma`ida | 5:119).

Wenn man wissen möchte, ob man wahrhaftig ist oder lügt, sollte man schauen, inwieweit das, was man meint und die Schlussfolgerung der Behauptung wahrhaftig sind. Dann sollte man beide abwägen auf einer Waage von Gott, dem Erhabenen, so als wäre der Tag der Auferstehung da. Gott, der Erhabene sprach: „Und das Wägen an jenem Tage wird wahrhaftig sein…“ (al-A`raf | 7:8). Wenn es in dem, was man meint, ein Mittelmaß und eine Harmonie gibt, dann ist die Behauptung erfolgreich, und die Wahrhaftigkeit  zeigt sich  in der Tatsache, dass die Zunge sich nicht vom Herzen unterscheidet, noch das Herz von der Zunge. Der wahrhaftige Mensch gemäß dieser Beschreibung ist wie ein Engel, der seine Seele ausdehnt; wenn die Seele sich nicht ausdehnt, was soll sie dann tun?

Aufrichtigkeit

Aufrichtigkeit ist in allen ausgezeichneten Handlungen: es ist ein Begriff, der mit der Akzeptanz beginnt und mit dem Wohlgefallen Gottes endet. Deshalb ist derjenige, dessen Handlungen Gott annimmt und mit dem Er zufrieden ist, der Aufrichtige, auch wenn seine Handlungen nur wenige sind. Derjenige, dessen Handlungen nicht angenommen werden, ist nicht aufrichtig, auch wenn er viele Handlungen aufweisen kann, wie deutlich wird, wenn wir bedenken, was mit Adam und Iblis geschehen ist.

Das Zeichen für die Annahme ist die Existenz der Integrität und Richtigkeit, indem alles ausgedehnt wird, was wünschenswert ist, mit richtigem Bewusstsein bei jeder Bewegung und jedem Ruhen. Indem es aufrechterhält, was es hat, wird das Selbst des Aufrichtigen verzehrt, und sein Leben wird dazu gebraucht, seine Taten zu ordnen, Wissen und Handeln und den Handelnden und das Getane mittels der Handlung zu vereinen. Denn wenn er das erreicht hat, hat er alles erreicht, und wenn er es verpasst, hat er alles verpasst. Und dies wird zustande gebracht mittels, Reinigung der Bedeutungen von Fernhalten in Seiner Einheit. Wie der erste Imam (a.) sagte: „Diejenigen, die handeln, werden zugrunde gerichtet, ausgenommen diejenigen, die anbeten; diejenigen, die anbeten, werden zugrunde gerichtet, ausgenommen diejenigen, die wissen; diejenigen, die wissen, werden zugrunde gerichtet, ausgenommen diejenigen, die wahrhaftig sind; diejenigen, die wahrhaftig sind, werden zugrunde gerichtet, ausgenommen diejenigen, die aufrichtig sind; diejenigen, die aufrichtig sind, werden zugrunde gerichtet, ausgenommen diejenigen, die vorsorgen; diejenigen, die vorsorgen, werden zugrunde gerichtet, ausgenommen diejenigen, die Gewissheit haben; und diejenigen, die Gewissheit haben, sind von erhabenem Charakter.“ Wie Gott, der Erhabene, sprach: “Und diene deinem Herrn, bis die Gewissheit zu dir kommt.“ (al-Hidschr | 15:99).

Die niedrigste Stufe der Aufrichtigkeit ist gegeben, wenn der Diener sich selbst so bemüht,  wie er nur kann, und dann seiner Handlung bei Gott keinen Wert beimisst, so dass sein Herr ihm seine Handlungen nicht vergelten soll gemäß seinem Wissen, denn wenn Gott ihn auffordert, die ganzen Pflichten der Dienerschaft zu erfüllen, wäre der Mensch dazu nicht in der Lage. Die niedrigste Stufe des aufrichtigen Menschen in der Welt ist deshalb die Sicherheit vor allen falschen Taten, um vor dem Feuer gerettet zu werden und den Garten in der nächsten Welt zu erreichen.

Gottesfurcht

Schließe die Tore deiner Gliedmaßen und Sinne für alles, das deinem Herzen Schaden zufügen wird; lasse dein Ansehen bei Gott beiseite zugunsten von Kummer und Bedauern am Tag des Jüngsten Gerichts und Beschämung über die üblen Handlungen, die begangen wurden. Der gewissenhafte Mensch muss drei Prinzipien haben: er sollte die Fehler aller Menschen übersehen; er sollte es vermeiden, sie zu beleidigen, und Kritik und Lob sollten ausgewogen sein.

Die Grundlage der Gottesfurcht besteht darin, sich selbst ständig zur Rechenschaft zu ziehen, in seiner Rede wahrhaftig und in seinen Geschäften rein zu sein, alles Zweifelhafte zu unterlassen, jeden Mangel und Zweifel aufzugeben, sich von allem zu trennen, was einen selbst nicht betrifft, und keine Türen zu öffnen, von denen man nicht weiß, wie man sie wieder schließen kann.

Geselle dich niemandem zu, der dir das verschleiert, was für dich klar war, noch  jemand, der den Glauben leicht nimmt. Hinterfrage kein Wissen, wozu dein Herz nicht fähig ist, und was du nicht verstehen kannst, gleich wer es gesagt hat, und sage dich los von jedem, der sich von Gott, dem Erhabenen, lossagt.

Demut

Demut umfasst jeden wertvollen und edlen Rang und jede hohe Stellung. Wenn Demut eine Sprache hätte, die die Menschen verstehen würden, würde sie über die Wirklichkeit sprechen, die in den Ergebnissen der Angelegenheiten verborgen ist.

Demut zeigt sich in allem, was für Gott und in Gott getan wird, und alles andere ist Täuschung. Wer Gott gegenüber demütig ist, den wird Gott über viele Seiner Diener ehren. Die Menschen der Demut haben erkennbare Zeichen. Als einer von Ihnen über die Demut befragt wurde, sagte er: „Es bedeutet, dass du der Wahrheit gegenüber demütig bist und ihr folgst, auch wenn du sie von einem Kind hörst.“ Viele Arten des Stolzes halten den Menschen davon ab, das Wissen zu nutzen, zu akzeptieren und ihm zu folgen. Es gibt bestimmte Verse darüber, die die Eingebildeten anprangern. Die demütigen Menschen haben bestimmte Zeichen, die von den Engeln im Himmel und von den Gnostikern auf Erden erkannt werden. Gott, der Erhabene, sprach: „…In den Höhen sind Leute, die die beiden (Scharen) an ihren Merkmalen erkennen…“ (al-A`raf | 7:46).

„… wer sich von euch von seinem Glauben abkehrt, wisset, Gott wird bald ein anderes Volk bringen, das Er liebt und das Ihn liebt, (das) demütig gegen die Gläubigen ist …(al-Ma`ida | 5:54).

„…Wahrlich, vor Gott ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist…“ (al-Hudschurat | 49:13).

„…darum erklärt euch nicht selber als rein…“(an-Nadschm | 53:32).

Die Wurzel der Demut resultiert aus der Ehrfurcht vor der Erhabenheit und Größe Gottes. Gott findet kein Gefallen an einer gottesdienstlichen Handlung, noch nimmt Er sie an, wenn sie nicht mit Demut geschieht.

Niemand weiß, was die genaue Bedeutung von Demut ist, ausgenommen diejenigen Seiner Diener, die Seiner Einheit nah und damit verbunden sind. Gott, der Erhabene, sagt: „Und die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die sanftmütig auf der Erde schreiten; und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie  friedlich (zu ihnen).“ (an-Nur | 25:63). Er hat den mächtigsten Seiner Schöpfung und Herrn seiner Menschen, Muhammad, mit den Worten: „…und sei freundlich zu den Gläubigen.“ (al-Hidschr | 15:88) aufgerufen, demütig zu sein.

Aus Demut gehen Ergebenheit, Unterwerfung, Ehrfurcht und Bescheidenheit hervor; nur aus Demut heraus manifestieren sich diese Eigenschaften. Wahre und vollkommene Noblesse wird nur denjenigen gegeben, die dem Wesen Gottes gegenüber demütig sind.

Anbetung

Beharre darauf, die Bräuche und Pflichten hinsichtlich  der Anbetung durchzuführen, denn sie sind die Quelle: wer sie erlangt und sie richtig durchführt, hat alles erlangt. Die beste Art der Anbetung ist die, die der Sicherheit am nächsten kommt; sie ist am meisten frei von Schaden und am beständigsten, sei sie auch noch so klein. Wenn man seine Pflichtgebete und die zusätzlichen Gebete verrichtet, ist man ein wahrer Gottesanbeter.

Hüte dich davor, auf den Teppich eines Königs zu treten, es sei denn mit Unterwürfigkeit, Anerkennung der Bedürftigkeit, Ehrfurcht und Respekt. Mache deine Bewegungen frei von Angeberei und dein Geheimes frei von Härte.

Der heilige Prophet (s.) sagte: „Derjenige, der betet, spricht mit seinem Herrn.“ Deshalb sei verlegen vor dem Einen, Der dein Geheimes kennt, Der deine Rede und was dein Gewissen verbirgt, weiß. Sei da, wo Er dich sieht (d. h. immer und überall), mit dem beschäftigt, was Er möchte, dass du tust, und das darbringst, wozu Er dich aufgefordert hat. Diejenigen, die vor uns gegangen sind, haben sich von dem Moment an, da sie ein Pflichtgebet beendet hatten, bis zu dem Augenblick, in dem sie ein anderes begonnen haben, beschäftigt, so dass sie beide Gebete aufrichtig und richtig durchführen konnten. Es scheint, dass es in unseren Zeiten zu einer Tugend geworden ist, die Pflicht beiseite zu lassen, was so ist, als hätte man einen Körper ohne Seele.

Klarheit

Das vertrauliche Gespräch des Gnostikers hat drei Wurzeln: Furcht, Hoffnung und Liebe. Furcht ist der Zweig des Wissens; Hoffnung ist der Zweig der Gewissheit, und Liebe ist der Zweig der Erkenntnis. Der Beweis der Furcht ist die Flucht; der Beweis der Hoffnung ist die Suche, und der Beweis der Liebe ist das Vorziehen des Geliebten gegenüber allem anderen.

Wenn Wissen in Wahrhaftigkeit bestätigt wird, fürchtet der Mensch. Wenn die Furcht echt ist, flieht er. Wenn er flieht, wird er gerettet.  Wenn er das Licht der Gewissheit im Herzen sieht, sieht er überfließende Gunst. Wenn das Sehen der überfließenden Gunst klar ist, gibt es Hoffnung. Wenn er die Süße des Glaubens an die Hoffnung fühlt, sucht er. Wenn er bei seiner Suche Erfolg hat, entdeckt er. Wenn das Licht der Gotterkenntnis in seinem Herzen manifestiert ist, die Brise der Liebe sich bewegt, dann lässt er sich im Schatten des Geliebten nieder, zieht den Geliebten allen anderen vor, befolgt Seine Anweisungen, meidet, was Er verboten hat, und wählt Seine Vorschriften vor allem anderen aus.

Wenn er zur Vertrautheit mit dem Geliebten fest entschlossen ist, während er Seine Gebote ausführt und das vermeidet, was Er verboten hat, hat er den Geist der vertrauten Nähe und Verbundenheit erlangt.

Diese drei Wurzeln sind wie das Heiligtum, die Moschee und die Kaaba:  wer den heiligen Bezirk betritt, ist sicher vor den Menschen. Wenn ein Mensch in die Moschee eintritt, sind seine Sinne davor sicher, in Ungehorsam zu verfallen, und wenn ein Mensch an die Kaaba herantritt, dann ist sein Herz sicher davor, mit etwas anderem als dem Gedenken an Gott beschäftigt zu werden.

Nimm dich in Acht, gläubiger Mensch! Wenn du in einem Zustand bist, in dem du zufrieden bist damit, dem Tod zu begegnen, dann danke Gott für Seine Gnade und Seinen Schutz. Wenn es anders ist, dann gehe mit vernünftiger Entschlossenheit weg und bedaure den Teil deines Lebens, den du in Nachlässigkeit hast verstreichen lassen. Suche Gottes Hilfe dabei, dein äußeres Wesen von falschen Handlungen zu reinigen, und läutere dein inneres Sein von Fehlern. Löse die Fesseln der Nachlässigkeit von deinem Herzen und lösche das Feuer deines Begehrens in deiner Seele.

Flehen

Man sollte die Etikette des flehentlichen Bittens beachten. Man bedenke, wen man bittet, wie man Ihn bittet und warum man Ihn anruft; man sollte die Allmacht, Allgegenwart  und Erhabenheit Gottes bestätigen. Man schaue mit dem Herzen, wie Er weiß, was im Bewusstsein eines jeden ist, wie Er das verborgene Sein kennt und was darin vor sich gegangen ist und was noch geschehen wird, sowohl Wahres wie auch Falsches. Lerne die Wege zu deiner Rettung und Vernichtung kennen, so dass du Gott nicht um etwas bittest, das vielleicht deine Zerstörung enthält, von dem du aber denkst, es enthalte deine Rettung. Gott der Erhabene, sprach: „Und der Mensch bittet um das Schlimme, wie er um das Gute bittet; und der Mensch ist voreilig.“ (al-Isra`Bani Isra`il | 17:11).

Denke nach über das, worum du bittest und warum du darum bittest. Das Flehen sollte von deiner Seite eine vollkommene Antwort auf die Wahrheit und ein Dahinschmelzen des Herzens im Nachdenken über seinen Herrn sein. Es bedeutet, alles aufzugeben und alle Angelegenheiten, sowohl die innerlichen wie auch die äußerlichen, Gott unterzuordnen. Wenn die Voraussetzungen für das flehentliche Bitten nicht erfüllt werden, dann sollte man nicht nach der Erfüllung Ausschau halten, denn Er weiß, was verborgen ist und was versteckt ist; du kannst von Ihm etwas erbitten, wenn Er weiß, dass du das Gegenteil davon verbirgst.

Einer der Gefährten sagte zu den anderen: „Du wartest auf Regen, und ich warte auf Steine“. Wisse, dass wenn Gott uns nicht geboten hätte, Ihn anzuflehen, Er uns dennoch mit einer Antwort gesegnet hätte, sobald wir das Gebet beendet haben. Wie ist dann erst Seine Gunst, angesichts der Tatsache, dass Er uns die Antwort garantiert, für den, der die Bedingungen des Gebetes erfüllt? Der Gesandte Gottes wurde nach dem mächtigsten Namen Gottes gefragt. Er sagte: „Jeder Name Gottes ist am mächtigsten.“

Befreie dein Herz von allem anderen außer Ihm, und rufe Ihn an mit welchem Namen du auch magst. In Wirklichkeit hat Gott keinen Namen eher als einen anderen: Er ist Gott, der Eine, der Allmächtige. Der heilige Prophet (s.) sagte: „Gott antwortet nicht dem Flehen eines nachlässigen Herzens.“ Wenn jemand von euch von Seinem Herrn möchte, dass Er ihm das gibt, worum er bittet, sollte er alle Menschen aufgeben, seine Hoffnung allein in Gott legen. Wenn Gott das in seinem Herzen sieht, wird Er ihm geben, worum er bittet.

Wenn man die erwähnten Bedingungen für das flehentliche Bitten erfüllt hat und man in seinem innersten Sein um Seinetwillen aufrichtig geworden ist, dann sollte man sich über die frohe Botschaft freuen, dass eines von drei Dingen geschehen wird: Entweder wird Er dir eilig das gewähren, worum du gebeten hast, oder Er wird etwas Besseres für dich bereithalten, oder Er wird von dir ein Leid abhalten, das dich vernichtet hätte, wenn Er es gesendet hätte. Der heilige Prophet (s.) berichtete, dass Gott sprach: „Wenn jemand durch sein Gedenken an mich davon abgehalten wird, Mich um etwas zu bitten, werde Ich ihm etwas Besseres geben als Ich jenen gebe, die bitten.“

Ich flehte Gott einmal an, und Er antwortete mir. Ich vergaß die Bedürftigkeit aufgrund der Tatsache, dass wenn Er ein Bittgebet beantwortet, Seine Gnade weitaus größer und erhabener ist als der Wunsch des Dieners, auch wenn es der Garten und seine ewigen Segnungen sein sollten. Das wird nur von den handelnden Liebenden, den Gnostikern, den Auserwählten und Freuden Gottes verstanden.

Zufriedenheit

Zufriedenheit ist, wenn ein Mensch zufrieden ist mit dem, was er liebt und was er hasst; es ist ein Strahl des Lichts der Gotterkenntnis. Wer zufrieden ist, dessen Wahlmöglichkeiten sind vernichtet; er ist in Wirklichkeit derjenige, mit dem Gott, der Erhabene, zufrieden ist. Zufriedenheit ist ein Begriff, der die Bedeutung von Knechtschaft umfasst und kann als die Freude des Herzens beschrieben werden.

Ich hörte meinen Vater, Muhammad al-Bāqir (a.) sagen: „Das Herz an das zu binden, was präsent ist, ist Beigesellung (širk), und an das, was nicht präsent ist, Unglauben (kufr): das sind die Flügel der Nachlässigkeit“. Ich wundere mich über jeden, der behauptet, ein Knecht Gottes zu sein und dann mit Ihm über Seine Anordnungen streitet. Zufriedene Gnostiker sind davon weit entfernt.

Beginn des Gebetes

Wenn man der Qibla gegenübersteht, sollte man die Hoffnung auf diese Welt, was sie an Schöpfung enthält und womit andere befasst sind, aufgeben. Leere dein Herz von jeder Beschäftigung mit dem, was dich von Gott, dem Erhabenen, ablenken könnte. Siehe die Größe Gottes mit deinem innersten Wesen und bedenke, dass du vor Ihm stehen wirst.

Denn Gott, der Erhabene, hat gesagt: „Dort erfährt jede Seele, was sie (an Taten) vorausgeschickt hat. Und sie werden zu Gott, ihrem wahren Herrn, zurückgebracht…“ (Yunus | 10:30).

Stehe fest auf Ehrfurcht und Hoffnung gegründet. Wenn du „Gott ist größer“ (takbīr) sagst, solltest du das, was zwischen den hohen Himmeln und der feuchten Erde ist, gering schätzen – es ist alles unter Seiner Pracht; denn wenn Gott in das Herz Seines Dieners schaut, während dieser takbīr sagt, und in seinem Herzen etwas sieht, was die Wahrheit von dieser Aussage, dass Gott größer ist als alles, verschleiert, spricht Er: „Du Lügner! Willst du Mich etwa täuschen? Bei Meiner Macht und Meiner Erhabenheit, Ich werde dir die Süße des Gedenkens an Mich vorenthalten, und Ich werde vor Meine Nähe und vor der Freunde Meiner vertraulichen Zwiesprache einen Schleier setzen.“

Wisse, dass Gott, der Erhabene, deinen Dienst nicht braucht. Er ist unabhängig von dir, deiner Anbetung und deinen Gebeten. Er lädt dich vor aufgrund Seiner Gnade, um dir Barmherzigkeit zu erweisen, um dich fern von Seiner Strafe zu halten, um einige der Segnungen Seiner Freundlichkeit über dich auszubreiten, um dich auf den Weg Seines Wohlgefallens  zu führen, und um für dich das Tor Seiner Vergebung zu öffnen. Wenn Gott das, was Er im Universum viele Male erschaffen hat, ohne Ziel erschaffen hätte, dann wäre das für Gott immer noch gleich, ungeachtet dessen, ob sie Ihn alle ablehnen oder sich mit Ihm verbinden würden. Alles, was Er von der Anbetung der Geschöpfe hat, ist die Darstellung Seiner Großzügigkeit und Macht. Deshalb sollte Bescheidenheit dein Umhang und Unfähigkeit dein Schultertuch sein. Tritt ein vor den Thron der Macht Gottes, und du wirst die Nutzen Seiner Herrschaft erlangen, bei Ihm Hilfe suchen und um Seinen Beistand bitten.

Niederbeugen im Gebel

Der Diener Gottes verbeugt sich nicht wirklich, sondern Gott schmückt ihn mit dem Licht Seines  strahlenden Lichts, spendet ihm Schatten im Schatten Seiner Großartigkeit und kleidet ihn mit dem Gewand Seiner Reinheit.  Zuerst kommt die Verbeugung und dann die Niederwerfung: im Niederbeugen ist Bereitwilligkeit und in der Niederwerfung Nähe zu Gott. Wer nicht bereitwillig ist, ist nicht bereit für die Nähe; deshalb beuge dich mit der Verbeugung von jemandem, der Gott gegenüber demütig, in seinem Herzen erniedrigt und furchtsam unter Seiner Macht ist, seine Gliedmaßen Gott unterwerfend, wie jemand, der furchtsam ist und sich sorgt, was er von den Nutzen der sich Niederbeugenden verpassen könnte.

Es wurde überliefert, dass Rabi ibn Khuthaym gewöhnlich die ganze Nacht bis zum Morgengrauen in einer einzigen Niederbeugung stehen blieb. Am Morgen seufzte er und sagte: „Oh! Die Aufrichtigen sind vorausgegangen, und wir sind abgeschnitten!“  Mache deine Niederbeugung richtig, deinen Rücken gerade haltend, von deinen Erwartungen herabkommend aus dem Stehen, um Ihm zu dienen, Der nur mit Seiner Hilfe kommt.

Lasse dein Herz vor den Einflüsterungen, Täuschungen und Listen Satans fliehen. Gott wird Seine Diener im Maße ihrer Demut Ihm gegenüber erhöhen, und wird sie zu den Wurzeln der Demut, Unterwerfung und Erniedrigung führen, je nachdem, wie gut ihr Innerstes Sein mit Seiner Größe bekannt ist.

Niederwerfung im Gebet

Ein Mensch, der eine wahre Niederwerfung verrichtet, verliert Gott niemals, auch wenn er dies nur ein einziges Mal in seinem Leben tut; aber der Mensch, der seinen Herrn in diesem Zustand verlässt, entfaltet sich nicht. Er ist wie jemand, der sich selbst täuscht und die unmittelbare Freude und Leichtigkeit nach diesem Leben, die Gott für diejenigen vorbereitet hat, die sich selbst niederwerfen, vernachlässigt und vergisst.

Der Mensch, der seine Niederwerfung gut durchführt, ist niemals weit von Gott entfernt; während derjenige, der Unhöflichkeit zeigt und es vernachlässigt, Ihn zu ehren, weil sein Herz an etwas anderes gebunden ist als Gott, im Zustand der Niederwerfung Ihm niemals nahe kommen wird. Deshalb werfe dich nieder mit einer Niederwerfung desjenigen, der erniedrigt ist, der weiß, dass  er aus der Erde erschaffen ist, auf der die Menschen umherlaufen, dass ihm Sein verliehen wurde, als er nicht existierte.

Gott hat die Niederwerfung zu der Gelegenheit gemacht, Ihm nahe zu kommen in seinem Herzen, im innersten Sein und im Geist. Wer Ihm nahe kommt, ist weit entfernt von allem anderen außer Ihm. Siehst du denn nicht, dass in seiner äußeren Erscheinung der Zustand der Niederwerfung nicht vollständig ist, es sei denn, er ist von allen Dingen gelöst und verschleiert vor allem, das das Auge sehen kann? Gott möchte, dass das innere Sein so ist. Wenn ein Herz im Gebet an etwas anderes außer Gott gebunden ist, dann ist der Mensch dieser Sache nah und fern von der Wirklichkeit dessen, was Gott in Seinem Gebet wünscht. Denn Er hat gesagt: „Gott hat keinem Menschen zwei Herzen in seinem Inneren gegeben…“(al-Ahzab | 33:4). In den Worten des Gesandten Gottes: „Gott, der Allmächtige, hat gesagt: ‚Wenn ich auf das Herz eines Dieners schaue, weiß Ich, ob er eine aufrichtige Liebe und Ergebenheit für mich hat und Mein Wohlgefallen damit sucht. Dann kümmere Ich mich um ihn und gehe nah zu ihm. Wer mit anderem als Mir beschäftigt ist in seinem Gebet, ist jemand von denjenigen, die sich lustig machen, und sein Name ist unter den Verlieren aufgezeichnet.“

Das Glaubensbekenntnis

Das Glaubensbekenntnis  ist ein Lobpreis Gottes. Sei in deinem innersten Sein ein Sklave von Ihm, ehrfürchtig und demütig Ihm gegenüber im Handeln, wie du auch Sein Diener bist in der Rede und Behauptung. Verbinde die Wahrhaftigkeit deiner Zunge mit der reinen Wahrhaftigkeit deines innersten Seins.

Er hat dich als Diener erschaffen und dir geboten, Ihn mit deinem Herzen, deiner Zunge und deinen Gliedmaßen anzubeten. Erkenne deine Knechtschaft Ihm gegenüber durch Seine Herrschaft über dich an. Wisse, dass die Stirnlocken der Schöpfung alle in Seiner Hand sind. Geschöpfe haben weder Atem noch Sicht, ausgenommen durch Seine Macht und Seinen Willen. Sie sind unfähig, das Geringste in Seinem Königreich zustande zu bringen, es sei denn, mit Seiner Erlaubnis und Seinem Willen. Gott, der Erhabene, hat gesagt: „Dein Herr erschafft, was Er will, und erwählt, was Ihm gefällt. Nicht ihnen steht die Wahl zu. Gepriesen sei Gott und hoch erhaben über das, was sie (Ihm) beigesellen.“ (al-Qasas | 28:68).

Deshalb sei ein Diener Gottes, Seiner mittels Rede und Erklärungen gedenkend, und verbinde die Wahrhaftigkeit deiner Zunge mit der Reinheit deines innersten Seins, denn Er hat dich erschaffen. Er ist zu mächtig und erhaben, als dass irgendjemand denn Willen oder Wunsch haben könnte, ausgenommen durch Seinen Willen und Wunsch. Erfülle denn Zustand der Knechtschaft, indem du mit Seiner Weisheit zufrieden bist, und mittels Anbetungen, um Seine Gebote zu erfüllen.

Er hat dir geboten, Segnungen für Seinen geliebten Muhammad, Möge Gott ihn und seine Familie segnen und ihnen Frieden schenken, auszusprechen. Deshalb verbinde dein Gebet für Muhammad mit deinem Gebet zu Gott, Gehorsam für Muhammad mit Gehorsam für Gott, und dein Bezeugen von Muhammad mit deinem Bezeugen Gottes. Nimm dich in Acht, dass du die Segnungen des Wissens nicht verpasst, die enthalten sind im Respektieren seiner Heiligkeit, mit dem Ergebnis, dass dir der Nutzen des Gebetes für ihn nicht vorenthalten werden. Gott hat ihm geboten, Vergebung für  dich zu erbitten, und für dich Fürsprache einzulegen, wenn du das tust, was Pflicht ist in den Geboten und Verboten, und in der Sunna und den Empfehlungen, die dem Menschen durch den Heiligen Propheten (s.) gezeigt wurden. Du solltest die Erhabenheit dieses Ranges bei Gott kennen.

Segensgruß

Die Bedeutung des Segensgrußes am Ende des Gebetes bedeutet Sicherheit, d. h. jemand, der aus Demut Ihm gegenüber Sein Gebot und die Sunna Seines Heiligen Propheten (s.) praktiziert und Ehrfurcht zeigt, hat Sicherheit vor den Kümmernissen dieser Welt und ist von der Bestrafung in der nächsten Welt befreit.

Al-Salām (Friede) ist einer der Namen Gottes, den Er Seiner Schöpfung anvertraute, damit sie davon in ihrem Verhalten Gebrauch machen und gesunde soziale Beziehungen schaffen. Wenn du diesen Frieden an seinem richtigen Platz einbringen und seine Bedeutung erfüllen willst, dann fürchte Gott und lasse deinen Glauben, dein Herz und deinen Geist erklingen. Beschmutze sie nicht mit der Ungerechtigkeit von Handlungen der Widerspenstigkeit. Lasse deine Wächter sicher sein vor dir; langweile sie nicht, lasse sie nicht ermüden oder sich entfremden durch dein schlechtes Verhalten ihnen gegenüber noch gegenüber deinem Freund oder deinem Feind. Wenn diejenigen, die jemandem nah sind, nicht sicher sind vor ihm, dann sind diejenigen, die am weitesten von ihm entfernt sind, am sichersten. Jeder, der keinen Friedensgruß entrichtet bei den Gelegenheiten, bei denen er entrichtet werden sollte, hat keinen Frieden und keine Ergebenheit: er ist ein Lügner in seinem Gruß, auch wenn er ihn als eine Form der Begrüßung von Menschen gebraucht.

Wisse, dass die Existenz des Menschen in dieser Welt zwischen Prüfungen und Heimsuchungen liegt. Gott, der Erhabene, kann ihn mit Segnungen prüfen, um seine Dankbarkeit zu sehen, oder mit Schwierigkeiten, um zu sehen, ob er Standhaftigkeit zeigt und den Edelmut im Gehorsam Ihm gegenüber oder Schande in der Widerspenstigkeit Ihm gegenüber, obwohl es keinen Weg gibt, Sein Wohlgefallen und Seine Barmherzigkeit zu erlangen, ausgenommen durch Seine Gnade. Das einzige Mittel, Ihm zu gehorchen ist, wenn er Erfolg verleiht: niemand kann Fürsprache einlegen bei Ihm, ausgenommen mit Seiner Erlaubnis und Barmherzigkeit.

Eine Beschreibung dieser Welt

Diese Welt ist wie ein Körper, dessen Haupt Stolz, dessen Augen Habsucht, dessen Ohren Gier, dessen Zunge Heuchelei, dessen Hand Begehren, dessen Beine Eitelkeit, dessen Herz Nachlässigkeit, dessen Sein Vernichtung und dessen Ergebnis die Auslöschung ist. Sie bringt dem Stolz, der sie liebt, dem Habsucht, der sie bevorzugt, dem Gier, der nach ihr strebt, und verhüllt den mit  Heuchelei, der sie preist. Sie gibt der Eitelkeit Macht über den, der sie begehrt, sie führt zu Nachlässigkeit bei dem, der auf sie vertraut. Sie verführt den, welcher ihre Waren bewundert, aber diese werden für ihn nicht dauerhaft sein.