Motive des Massakers von Karbala

1. Einleitung

Gerechtigkeit, Freiheit, Würde und Humanität sind hohe Ideale der Menschheit, die sowohl stetig erkämpft als auch ebenso kontinuierlich bekämpft worden sind. Befürworter und Widersacher dieser Normen standen sich in der Geschichte oft unversöhnlich gegenüber, weshalb es angesichts vieler Herausforderungen und Probleme notwendig ist, auf die Wichtigkeit und Dringlichkeit dieser menschlichen Ideale und ihre aufrichtigen Verteidiger und Vertreter hinzuweisen. Unverzichtbar in diesem Zusammenhang ist das Wirken und Leben von Hussayn ibn Ali (a.s.).

Mit seinem mutigen und wegweisenden Aufstand sowie seiner vorbildlichen Aufopferung hat er für nachfolgende Generationen die Botschaft gefestigt, hohe menschliche Ideale, wie Gerechtigkeit, Anstand, Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Humanität und Freiheit mit höchstem Einsatz und Gottvertrauen zu verteidigen. Das Schaffen des Enkelkindes des Propheten (s.a.) ist ein geistiges Gut für Menschen jeglicher Herkunft und Kultur und eine Botschaft an alle, die aufrichtig in einer besseren Welt, abseits von Hass, Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Tyrannei, Korruption und Krieg, leben wollen.

Der folgende Beitrag soll dazu dienen, Hintergründe und Motive dieses Aufstands zu beleuchten. Es soll aufgezeigt werden, dass der Islam hohe und standfeste Ideale vertritt, die nicht zweckentfremdet werden können. Jenen Menschen, die im Namen des Glaubens tyrannisch und ungerecht handeln und leben, steht der Islam als unversöhnliche Opposition gegenüber.

2. Geschichtlicher Rückblick

Das große Leid, dass Hussayn ibn Ali (a.s.) und seine Gemeinschaft erfuhren, hat ihren Ursprung in dem Zwiespalt, der nach dem Ableben des heiligen Propheten (s.a.) bezüglich seiner Nachfolgerschaft entstand. Während eine Gruppe Ali ibn Abi Talib (a.s.) als den vom Propheten berufenen und bestimmten Nachfolger ansah, war eine andere einflussreiche Gruppierung der Ansicht, dass die Angelegenheit der Nachfolgerschaft anders als durch die Berufung des Propheten (s.a.) geregelt werden müsste. Viele religiös motivierte Rivalitäten, Feindseligkeiten und kriegerische Auseinandersetzungen innerhalb der islamischen Welt schöpfen ihre Motive aus dieser Zerrissenheit.

Als erster Kalif nahm Abu Bakr sein Amt wahr. Nach seinem Tod wurde die politische Machthaberschaft an Umar ibn Khattab übertragen. Nach seiner Ermordung übernahm Uthman ibn Affan das Kalifat. Auch dieser dritte Machthaber wurde ermordet und das Amt des Kalifats schließlich Ali ibn Abi Talib (a.s.) übertragen. Das gesamte Hoheitsgebiet des Kalifats gab ihm den Treueeid, bis auf Muawiya ibn Abu Sufyan, der Herrscher der Umayyaden, der während der Regierungszeit des zweiten Kalifen zum Statthalter des eroberten Damaskus ernannt worden war.

Imam Alis (a.s.) kurze Amtszeit war bestimmt von vielen Auseinandersetzungen, die oft von Muawiya und seinen Anhängern aufgehetzt wurden. Nach der Ermordung Imam Alis (a.s.) wurde Imam Hassan (a.s.) mit der Nachfolge beauftragt. Sein Führungsstil ähnelte dem seines Vaters und wehrte sich gegen den korrupten Muawiya, der über Damaskus und Ägypten herrschte. Muawiya versuchte, die Gemeinschaft der Gläubigen zu spalten, indem er viele Kommandeure und Beamte von Imam Hassan (a.s.) bestach und begünstigte.

Die Regierung Imam Hassans (a.s.) sah sich mit viel Korruption und Aufruhr konfrontiert. Um ein Blutvergießen zu verhindern, akzeptierten beide Parteien einen Friedensvertrag. Wenige Tage später verwarf Muawiya alle Vereinbarungen und erklärte, dass er sich nicht an das halten werde, was er zuvor unterschrieben hatte. Später ließ er Imam Hassan (a.s.) durch eine Vergiftung ermorden. Nach dem Mord an Imam Hassan (a.s.) wurde die religiöse und politische Führung der Muslime auf Imam Hussayn (a.s.) übertragen.

Auch Imam Hussayn (a.s.) konnte wegen dem tyrannischen Umayyaden-Herrscher seine Aufgaben nicht ungehindert wahrnehmen. Neun Jahre nach der Machtübernahme durch Imam Hussayn (a.s.) starb Muawiya. Sein Sohn Yazid wurde zum Herrscher der Umayyaden ernannt und mit ihm begann eines der dunkelsten Kapitel der islamischen Geschichte. Die Tragödie von Karbala bildet den Höhepunkt des verbrecherischen und barbarischen Führungsstils der Umayyaden-Dynastie durch Yazid.

2.1 Die Herrschaft der Umayyaden-Dynastie in Damaskus

Innerhalb eines halben Jahrhunderts nach dem Ableben des gesegneten Propheten (s.a.) entwickelten sich die Herrschenden in Damaskus, dem Zentrum der Macht, zu einer Schar von Tyrannen und korrupten Machthabern, die den vielen prophetischen Idealen und Einweisungen weder folgten noch gebührenden Respekt erwiesen. Die Regierung in Damaskus, die von Veruntreuungen und Vetternwirtschaft geprägt war, führte dazu, dass die Kluft zwischen den wenigen Reichen und vielen Armen wuchs und das Volk unterdrückt wurde. Die Herrschenden hatten kein Interesse daran, die islamischen Gesetze und Vorschriften einzuhalten bzw. weiterzuführen.

Was dem Islam während der Machthaberschaft Muawiyas angetan worden war, ließ sein frevelhafter Sohn Yazid während seiner kurzen Herrschaftszeit völlig offenkundig zu Tage treten. Während seiner Regentschaft ereignete sich nicht nur die Tragödie von Karbala, sondern auf seinen Befehl hin verwüsteten seine Söldner die Prophetenstadt Medina, in der drei Tage lang gemordet, geplündert und brutal gefoltert wurde. Sogar das Heiligtum in Mekka, die Stadt, in der kriegerische Handlungen strikt verboten sind, ließ er schwer beschädigen.

Im ersten Jahr seiner Herrschaft befahl Yazid seinen Gefolgsleuten, Imam Hussayn (a.s.) zum Treueeid zu zwingen. Sollte er sich weigern, so wäre er zu töten und der abgeschlagene Kopf nach Damaskus zu schicken. Imam Hussayn (a.s.) weigerte sich, dem Wunsch des Despoten nachzukommen und betonte: „Einer wie ich, kann niemals jemandem wie Yazid den Treueid geben!“ Mit der Differenzierung zwischen seiner Person und Yazid hob Imam Hussayn (a.s.) das Grundprinzip des Rechts hervor.

In Yazid sah er das exakte Gegenteil und den Widersacher seiner Ideale. Zur Klarstellung dieser Unterschiede und zum Wachrütteln der Gesellschaft wanderte er aus Medina aus. Seine leidgeprüfte und mutige Schwester Zaynab (a.s.), seine Söhne und Töchter, weitere enge Familienmitglieder und Gefährten begleiteten ihn. Sieben Monate lebte die kleine Gemeinschaft zwischen Medina und Mekka und kam schließlich nach Karbala, wo 72 von ihnen dem Sterben in Würde mehr Achtung zollten, als dem Leben in Unterdrückung, Unterwerfung und Heuchelei.

2.2 Die Ankunft in Karbala

Seit dem Verlassen der Stadt Medina bis zu ihrer Ankunft in Karbala, war die treue und tief miteinander verbundene und verbrüderte Gemeinschaft sieben Monate unterwegs. In dieser Zeit unternahm Imam Hussayn (a.s.) alles Erdenkliche, um seine Absichten und die darin enthaltenen Botschaften den Menschen nahe zu bringen und seine Position zu bekräftigen.

Über die Grundzüge des Glaubens, die Bedeutung der Gerechtigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung, die Würde des Menschen, die Aufgaben der Gelehrten und Regierenden erzählte er ebenso eindringlich wie über den Sinn des Lebens, den Tod, die Schöpfung und die Grundzüge des Glaubens, um die Menschen auf ihre Rechte und Pflichten aufmerksam zu machen. Die Karawane der Aufklärung und Aufopferung war im Begriff, in der Kürze der Zeit alle Lücken und Mängel im Denken und Handeln der Menschen zu erschließen und zu reformieren.

Die Geduld und die Energie, mit der Imam Hussayn (a.s.) unbeirrt seinen Weg ging, legt Zeugnis für einen Menschen ab, der der Überzeugung war, dass der Weg des Gottesdienstes nur über den Menschendienst zu erreichen sei. Er wollte jene Ideale wieder zum Leben erwecken, deren Befolgung als Garant gilt für eine Welt in Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Anständigkeit, Aufrichtigkeit, Freiheit und Würde. Etwa 60 Jahre nach der Hidschra wurden Imam Hussayn (a.s.) und seine letzten Gefährten nach einem langen Martyrium in Karbala brutal getötet.

Die feindlichen Soldaten nahmen die übrig gebliebenen Angehörigen, Frauen und Kinder gefangen und verschleppten sie mitsamt den abgeschlagenen Häuptern der Märtyrer nach Damaskus. Die Ermordung von Imam Hussayn (a.s.) und seinen Gefährten konnte weder verborgen noch für Propagandazwecke missbraucht werden, da die gefangen genommenen Frauen mutig, geduldig und geschickt dazu beitrugen, die Mörder anzuprangern und die Absicht der Märtyrer zu verbreiten.

Das Fundament der Umayyaden wurde zum Wanken gebracht und ermöglichte eine allmähliche Wiederbelebung jener Ideale, für die Imam Hussayn (a.s.) und seine treuesten Gefährten ihr Leben opferten. Seine Schwester Zainab (a.s.) wurde zum Synonym für Klugheit, Beredsamkeit, Geduld und Mut. Ihre Stellung und Bedeutung für den Fortbestand der Revolution Imam Hussayns (a.s.) ist unumstritten groß.

„Bei der (flüchtigen) Zeit, Wahrlich, der Mensch ist in einem Zustande des Verlusts, außer denen, die glauben und gute Werke tun und einander zur Wahrheit mahnen und einander zum Ausharren mahnen“ (Al-Asr | 103:1-3).

 

3. Motive des Aufstandes

Die Gründe, weshalb Imam Hussayn (a.s.) Yazid unter keinen Umständen den Treueeid schwor und sich gegen Unterdrückung erhob, sind historisch ausführlich und authentisch dokumentiert. Seit seiner Auswanderung aus Medina sagte er: „Ich erhebe mich, um das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren, um die Gemeinschaft meines Großvaters Muhammad (s.a.) zu reformieren und den Weg des Propheten (s.a.) und meines Vaters Ali (a.s.) zu folgen.”

Er folgte damit den Anweisungen Gottes, auf die der Heilige Qur’an hinweist: „Es sollte unter euch eine Gemeinschaft sein, die zum Rechten auffordert und das Gute gebietet und das Unrechte verwehrt. Diese allein sollen Erfolg haben“ (Al-Imran | 3:104).

Ayatollah Morteza Motahhari schreibt in einem Artikel über die Bedeutung jenes göttlichen Prinzips: „Der Gedanke das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren hat die Bewegung Imam Hussayns (a.s.) so wertvoll gemacht. Hussayn ibn Ali (a.s.) hat auf dem Weg der Durchführung dieses Gebotes […] sein Leben hergegeben […]. Es ist ein elementarer Grundsatz, dessen Fehlen die Spaltung und Zerstörung der Gesellschaft zur Folge hat.“

Die Herrschaft Yazids entsprach nicht annähernd der eines aufrichtigen und gerechten Politikers und Führers. Er war weder weitsichtig im Denken und Handeln noch hatte er ein diplomatisches Entscheidungsvermögen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der klug genug war, um eine scheinbare Nähe zum Glauben zu wahren, hütete Yazid seinen Palast mit Alkohol, Unzucht und vielen Orgien. Mit all seinen perfiden Eigenschaften markierte er eindeutig den Höhepunkt einer Entwicklung, in der bewusst und kalkuliert die prophetischen Ideale und göttlichen Gebote verspottet und missachtet wurden und fatal umgedeutet werden sollten.

Die Propagandamaschinerie des Tyrannen arbeitete gezielt, um all das zu unterbinden, was seine Herrschaft ins Wanken bringen könnte. Macht und Machterhalt waren ihm wichtiger als Gottesglaube und Gottvertrauen. Die geistige Entfremdung und Anfeindung zwischen der Stadt Medina zu Lebzeiten des Propheten (s.a.) und dem Damaskus unter Yazid waren so hoch, dass Imam Hussayn (a.s.) diese nicht mehr hinnehmen konnte. Er sah sich verpflichtet, dem alkoholsüchtigen Emir Einhalt zu gebieten.

Als der eigentliche und entrechtete Imam und Kalif der Gläubigen und als Oberhaupt der Prophetenfamilie, besaß Hussayn (a.s.) nicht nur außergewöhnliche Tugenden wie Tapferkeit, Frömmigkeit und Selbstlosigkeit, sondern war der Wahrer dessen, was der Islam im wahren Sinn beinhaltet und ausmacht: Qur’an und Sunna, d.h. das Buch und das Wissen darüber sowie die Handlungsweisen des Propheten (s.a.). In diesen Angelegenheiten ist er ein hervorragendes Beispiel der prophetischen Erziehung und Unterweisung und als solches musste und wollte er die einstigen Ideale des Glaubens wiederherstellen.

3.1 Widerstand gegen Unterdrückung

Yazid war der Regent der damaligen Umayyaden-Dynastie, ausgestattet mit den besten Kampfausrüstungen und abertausenden Kämpfern und Soldaten. Über Macht und Geld verfügte er ebenso reichlich wie über Unterstützer. Imam Hussayn (a.s.) waren all diese äußeren und weltlichen Aspekte des Herrschers bekannt; außerdem war ihm bewusst, dass er, wie einst sein Vater und sein Bruder, von vielen Leuten im Stich gelassen werden würde. Dennoch war er fest entschlossen, gegen die Unterdrücker und Frevler anzutreten. Ihn interessierten Sieg oder Niederlage nicht.

Auf dem Weg der Erneuerung der Gesellschaft erinnerte er seine Gefährten immer wieder an die Eigenschaften seines Vaters, Imam Ali (a.s.), der felsenfest dem Pfad der Rechtleitung folgte und Furcht vor personeller und materieller Übermacht der Gegner keine Beachtung schenkte. Die Pflichterfüllung gegenüber Gott war Imam Hussayn (a.s.) das höchste Ziel seines Aufstandes. Überall, wo er Rast einlegte, mahnte er die Menschen mit den Worten des Propheten (s.a.), indem er sagte:

„Wer einen brutalen Herrscher sieht, der Verbote Gottes für erlaubt erklärt, sich an Vereinbarungen und Verträge nicht hält, mit den Handlungsweisen [Sunna] des Gesandten Gottes bricht, das Volk unterdrückt und drangsaliert und bei all dem mit Wort und Tat sich dagegen nicht wehrt und ins Feld zieht, der wird mit den gleichen Unterdrückern in der Hölle landen.“ Durch die Verweigerung des Treueeids entlarvte Imam Hussayn (a.s.) Yazid und entzog ihm, gemäß seinem Credo „Unterdrückt nicht und lasst euch nicht unterdrücken“, jegliche Anerkennung.

3.2 Aufklärung gegen die Kräfte der Finsternis

Mit seinem Aufstand versuchte Imam Hussayn (a.s.) auf die Bedeutung der Grundwerte des Glaubens hinzuweisen und ermutigte die Menschen, ihr Herz und ihren Verstand für das Wort Gottes zu öffnen. Fehlende Rechtsgelehrte und einflussreiche islamische Persönlichkeiten waren das Produkt einer Strategie, die zum Zweck des Machterhalts diente. Auch die Vertreibung oder Ermordung vieler rechtschaffener Gefährten des Propheten (s.a.) führte dazu, dass das Wissen über Glaubensfragen durch den Machtapparat der Umayyaden verbreitet wurde und an Authentizität verlor.

Durch die Zunahme der Hoheitsgebiete gewann Damaskus stetig an Macht und Einfluss, der Verwirklichung der Ideale des Propheten (s.a.) schenkte man dabei jedoch keine Beachtung. Durch List und Intrige schafften es Yazid und seine Unterstützer, falsche Meinungsbilder und Informationen zu verbreiten. Dies ging sogar soweit, dass viele Menschen Yazid als rechtmäßigen Kalifen der Gläubigen ansahen und jene, die gegen ihn waren, als Heuchler und Ungläubige bezeichneten. Vermeintliche islamische Rechtsgutachten mussten angenommen und ins Leben integriert werden.

Wer gegen die Verfälschungen stimmte oder eine abweichende Meinung vertrat, wurde entweder durch Beschenkung bzw. Bestechung gefügig gemacht oder aber durch Vertreibung oder Tod entmündigt. Eine derartige Führung der islamischen Gesellschaft widersprach den Weisungen Gottes und Seines Gesandten (s.a.). Diese Entwicklung wollte Imam Hussayn (a.s.) aufhalten und zum Ausdruck bringen, dass dem rechtmäßigen Oberhaupt zur Rechtleitung der islamischen Gemeinschaft die Macht entrissen wurde: „[…] Wir aus dem Hause des Propheten sind die rechtschaffensten und würdigsten für die Führung der Gesellschaft […]. Ich befinde mich in einer Zeit, in der die Sunna des Propheten (s.a.) vernichtet wurde und an ihrer Stelle Ketzereien traten. Wenn ihr meinem Aufruf folgt, werde ich euch den Weg des Gedeihens und des Wohls zeigen.“

4. Aschura – Ein Tag des Gedenkens

Der Aufstand Imam Hussayns (a.s.) hat nicht nur eine nachhaltige Wirkung zum Verständnis und zur Entwicklung des Islams hinterlassen, sondern sein grenzübergreifender und idealer Charakter ist ein Gut für die gesamte Menschheit. Die Tragik seines barbarischen Todes darf nicht seine innere Schönheit und die darin enthaltenen Botschaften überdecken. Unzählige Bücher, Lieder, Gesänge, Gedichte und Gemälde veranschaulichen der Nachwelt seit Jahrhunderten die Bedeutung dieses außergewöhnlichen Ereignisses. Die Grabstätten von Imam Hussayn (a.s.) und seinen gefallenen Gefährten sind Pilgerorte, aus denen Menschen Hoffnung, Zuversicht, Mut und Kraft schöpfen und in denen sie Gottesnähe und Barmherzigkeit suchen.

Die Ereignisse von Karbala haben eindeutig und einmalig bewiesen, dass nichts in der Welt, weder Macht und Reichtum noch List und Tücke, die Festigkeit und Beständigkeit des Gottesvertrauens, der Gerechtigkeit, Wahrheit, Liebe, Menschlichkeit und Aufrichtigkeit brechen oder eliminieren können. Imam Hussayn (a.s.) war einer der aufrichtigsten Vertreter und beispielhaftesten Schüler der göttlichen Offenbarungen, die allen Propheten, beginnend von Abraham, Moses und Jesus bis hin zu Muhammad (der Friede und Segen Gottes sei mit ihnen allen), herabgesandt wurde. Die Botschaft aller Offenbarungen ist der Frieden. Der Frieden mit dem Schöpfer, der Frieden mit den Geschöpfen des Schöpfers und der Frieden mit sich selbst.

Der Tag, an welchem man diesem großartigen Schüler aus dem Hause des Propheten (s.a.) gedenkt, soll daher der Tag des Friedens, der Gerechtigkeit, der Liebe, der Anständigkeit, der Freiheit und der Selbstlosigkeit sein. Er soll Völker und Nationen trotz aller Differenzen einander näher bringen. Das Ziel Yazids war die Vernichtung der Ideale Imam Hussayns (a.s.). Außer seinem Scheitern sorgte Yazid mit seinem verbrecherischen Vorgehen dafür, dass die Menschen seine wahre Persönlichkeit erkannten und gegen seine Herrschaft protestierten. Sein Name wird seitdem als Synonym für Fluch und Brutalität verwendet. Der Name Imam Hussayns (a.s.) hat an wohlem Duft und Schönheit nichts verloren. Der Friede und Segen Gottes sei mit Hussayn (a.s.) und seinen Gefährten.

5. Drei Zitate über Imam Hussayn (a.s.)

„Ich habe mich genau mit dem Leben Imam Hussayns, des großen Märtyrers des Islams, beschäftigt, ebenso wie mit dem Geschehen zu Karbela, und bin dabei zu dem Ergebnis gelangt: Wenn Indien siegen will, muss es dem Weg Hussayns folgen.“ (Mahatma Gandhi (1869-1948), Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung)

„Die beste Lehre, die wir aus der Tragödie von Kerbela ziehen ist die, dass Imam Hussayn und seine treuen Helfer unerschütterlich an Gott glaubten. Sie haben mir in ihrem Vorgehen verdeutlicht, dass zahlenmäßige Überlegenheit dort, wo das Recht dem Unrecht gegenübertritt, nichts bedeutet. Dass Imam Hussayn trotz der Minderheit, die ihm zur Verfügung stand, gesiegt hat, versetzt mich in Erstaunen.“ (Thomas Carlyle (1795-1881) schottischer Essayist und Historiker)

„Was ist ein Herz wert, wenn es über das Geschehen von Karbala erfährt, ohne sich mit Trauer und Schmerz zu füllen? Selbst Nichtmuslime leugnen nicht die spirituelle Reinheit, die aus diesem Geschehen entsprang.“ (Edward Granville Browne (1862-1926), britischer Orientalist)

Farid Ahmadi

Literaturangaben: • Allameh Tabatabai: Das „ABC“ des Islam. • Ayatollah Motahhari: Homase Husayni. • Sayyid Abdalhussain Scharaffuddin al-Musawi: Al-Muradscha´at – Die Konsultation. • Annemarie Schimmel: Kerbela und Imam Husayn in der persischen und indomuslimischen Literatur. • Kirste, R./Schwarzenau, P./Tworuschka, Udo: Wegmarken zur Transzendenz – Religionen im Gespräch. Bd. 8 (RIG 8), S. 122-133.