Qur’an-Exegese: Al-Anbiya – Vers 107

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وَ مَا أرْسَلْنَاكَ إِلاّ رَحْمَةً لِلْعَالَمِين

Transliteration

Wa Mā ‚Arsalnāka ‚Illā Raĥmatan Lil`ālamīna

Übersetzung

Und Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die Weltenbewohner gesandt.

Erläuterung

Da die Neigung zu Barmherzigkeit und Mitgefühl zum Wesen und zur Natur eines jeden Menschen gehört, ist es erforderlich, dass der Mensch sich eine Persönlichkeit als Vorbild für sein Verhalten und seine Spiritualität aussucht, welche den Inbegriff der Barmherzigkeit und Vergebung darstellt. Aus diesem Grund hat der allmächtige Gott der Menschheit eine Persönlichkeit als Vorbild gesandt, welche diese besonderen Eigenschaften verkörpert. Als er den Menschen nämlich den letzten göttlichen Propheten sandte, segnete er dessen moralische und verhaltensbezogene Besonderheiten in Gestalt der Barmherzigkeit allen Geschöpfen auf der Welt gegenüber. Aus diesem Grund stellt dieser heilige Koranvers selbst eine Antwort auf die Unterstellungen einiger befangener Menschen dar, welche Zweifel verbreiten und behaupten, dass der edelmütige Prophet des Islam eine gewalttätige Person sei. Daher werden im Folgenden Aspekte aufgeführt, welche die Barmherzigkeit des heiligen Propheten des Islam unter Berücksichtigung der Interpretation dieses heiligen Koranverses belegen.

Die Bedeutung und Definition der Barmherzigkeit

Die Barmherzigkeit steht für die Freundlichkeit und Güte des Herzens. Wenn der allmächtige Gott mit der Eigenschaft der Barmherzigkeit beschrieben wird, sind jedoch nur der Großmut und die Wohltätigkeit gemeint und nicht die Güte des Herzens. Mit anderen Worten besteht die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes aus der Vergebung und Gnade und die Barmherzigkeit der Menschen aus Herzensgüte, Mitgefühl und der Äußerung von Gefühlen.[1]

In seinem Werk Tafsir Al-Mizan merkt Allameh Tabatabaei seiner Interpretation des „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“ folgendes an: „Die Barmherzigkeit stellt eine Tatenlosigkeit und ein besonderes Mitgefühl dar, welches einen Menschen überkommt, sobald er einen bedürftigen Menschen erblickt, sodass er durch dieses Mitgefühl dazu gezwungen wird, die Bedürfnisse und Mängel seines Gegenübers zu lindern und zu beheben. Wenn der allmächtige Gott jedoch als barmherzig beschrieben wird, so besteht die Barmherzigkeit Gottes aus Freundlichkeit, Vergebung und Wohltätigkeit und nicht aus Tatenlosigkeit und Trauer des Herzens. Im Wesen des allmächtigen Gottes existiert nämlich keine Tatenlosigkeit und Verstörtheit.“[2]

Die Bedeutung und Definition der Weltenbürger

Die Buchstaben „A“ und „L“ des Begriffes Al-Aalamin (Weltenbürger) stehen für die Generalisierung und beziehen alle Personen mit ein. Also bedeutet die Aussage folgendes: Oh Mohammad, das Ziel deiner Entsendung an die Menschheit liegt darin, dass du für alle Weltenbewohner eine Quelle der Barmherzigkeit und Nächstenliebe bist.[3] Aus diesem Grund besitzt der Begriff „Weltenbürger“ eine solch weit reichende Bedeutung, dass alle Menschen aus jeder Zeitepoche und jedem Jahrhundert mit einbezogen werden. Andererseits erachten einige Kommentatoren des heiligen Koran diesen Vers als Andeutung der Eigenschaft des edelmütigen Propheten des Islam als letzten göttlichen Propheten an, da seine Existenz für alle Menschen der Zukunft bis zum Ende der Welt Barmherzigkeit und Leitung versinnbildlicht.[4]

Die Bedeutung und Definition des Koranverses

Seine Exzellenz Morteza Motahari ist der Meinung, dass Koranverse, welche alle Menschen der Welt direkt ansprechen, in Wirklichkeit die Tatsache zum Ausdruck bringen möchten, dass der Koran nicht auf ein bestimmtes Volk und eine bestimmte Gruppe von Menschen beschränkt ist, sondern jeder Mensch, der sich dem heiligen Koran nähert, auch Erlösung findet.

In den Koranversen, in denen der heilige Koran als ein Leitungsfaktor der Gläubigen und Frommen erwähnt wird, wird der Aspekt verdeutlicht, welche Personen schließlich zum Koran geleitet werden und welche Gruppe von Personen sich vom heiligen Koran abwendet. Der heilige Koran spricht nicht von einem besonderen Volk oder einem besonderen Stamm von Personen, die den heiligen Koran respektieren und lieben; der heilige Koran äußert nicht, dass er für dieses oder jenes Volk offenbart wurde. Im Gegensatz zu anderen Denkschulen betont der heilige Koran nicht die Vorteile einer bestimmten sozialen Schicht; beispielsweise behauptet der heilige Koran nicht, dass er ausschließlich zur Erfüllung der Vorteile einer bestimmten sozialen Schicht offenbart wurde; der heilige Koran offenbart nicht, dass sein Ziel allein in der Unterstützung der Arbeiterklasse oder dem Schutz der Landwirte liegt.[5]

Wie aber stellt er die Barmherzigkeit für alle Weltenbürger dar? Die Antwort liegt darin, dass er den Menschen eine Religion offenbart hat, durch deren Befolgung die Glückseligkeit der Menschen im Diesseits als auch im Jenseits gesichert ist. Jawohl, seine Exzellenz stellt für die Weltenbewohner in Bezug auf die segensreichen Einflüsse seiner Mission und seiner Einladung zum Recht innerhalb der menschlichen Gesellschaften Barmherzigkeit dar. Wenn man nämlich die Lebenssituation der Menschheit vor der Einladung seiner Exzellenz betrachtet und mit der Lebenssituation nach seiner Berufung zum Propheten vergleicht und untersucht, so ist dies sehr deutlich zu erkennen.[6]

Um die Tatsache zu belegen, dass der edelmütige Prophet des Islam Barmherzigkeit für die Weltenbürger – ob Muslime oder Nichtmuslime – verkörpert, kann man sich auf eine Überlieferung seitens des verstorbenen At-Tabrisi berufen, der im Zusammenhang mit diesem Koranvers folgendes von Ibn Abbas überliefert: Ibn Abbas äußerte folgendes: „Der edelmütige Prophet personifiziert für Gute und Schlechte und Gläubige und Ungläubige die Barmherzigkeit. Dementsprechend stellt der edelmütige Prophet die Barmherzigkeit für die Gläubigen im Diesseits und Jenseits und gleichzeitig bedeutet es für die Ungläubigen, dass sie in dieser Welt vor Plagen und Unheil bewahrt werden.[7]

Ein weiterer Beweis für das barmherzige Wesen des heiligen Propheten des Islam ist, dass der Gesandte Gottes während der Offenbarung dieses heiligen Koranverses den Erzengel Gabriel folgendes fragte: „Hast du denn etwas von dieser Barmherzigkeit erlangt? Dieser antwortete: Ja. Ich fürchtete die Konsequenzen. Ich begann an dich zu glauben und der allmächtige Gott lobte mich und offenbarte folgendes: ,[…] der mit Macht begabt ist bei dem Herrn des Throns und in Ansehen steht (At-Takwir | 81:20).‘“[8]

Andere äußern folgendes: Die Bedeutung seiner segensreichen Existenz für Ungläubige liegt darin, dass er sie zum Glauben und zum dauerhaften Gotteslohn einlädt. Auch wenn der Ungläubige diese Einladung und Leitung nicht akzeptieren mag. Das gleicht der Tatsache, dass man einem hungernden Menschen Essen hinstellt, welches dieser aber nicht anrührt.[9] Mit anderen Worten besitzt die Barmherzigkeit der Existenz des edelmütigen Propheten für alle Weltenbürger Aspekte der Zweckmäßigkeit und der Aktivität der ausführenden Person; der Erfolg einer Tat hängt somit selbstverständlich von den Fähigkeiten und Talenten der betroffenen Person ab.

In diesem Zusammenhang äußerte der edelmütige Prophet folgendes: „Meine Entsendung seitens des allmächtigen Gottes – also meine Prophetie und Mission und Einladung – gleicht dem Regen. Der Regen fällt in gleichem Maße auf alle Böden herab, aber die Böden selbst unterscheiden sich voneinander.“ Im Anschluss teilte seine Exzellenz die Böden in drei Gruppen ein und äußerte folgendes: „Einige Böden sind sandig; der Regen fällt zwar auf sie herab, sickert aber gleichzeitig herunter. Sobald ein Tag und eine Sonne verstrichen sind, scheint es so, als ob es nie geregnet hätte. Einerseits fiel zwar das Wasser auf den Boden, aber andererseits wurde es wieder weitergeleitet und gelangte unter den Boden und der Boden an sich verwendete nicht einen Tropfen dieses Wassers. Einige Menschen gleichen diesem Phänomen.“[10]

Aspekte und Botschaften dieses Koranverses

  1. Die Regierung rechtschaffener Menschen über die Welt stellt eine Kristallisation der Liebe und Barmherzigkeit dar, welche im Schatten der Prophetie erlangt wird. All die Dinge, welche die Menschen seitens der prophetischen Barmherzigkeit im Diesseits und Jenseits erlangen, stellen einen Strahl der göttlichen Barmherzigkeit dar.
  2. Alle Vorgaben und Gebote, welche mittels des edelmütigen Propheten offenbart wurden, sogar der Jihad, die Rache und weitere juristische Bestrafungen, stellen eine Barmherzigkeit für die menschliche Gesellschaft dar.
  3. Der allmächtige Gott ist „der Herr der Welten“ („Rabel Alamin“) und sein Prophet ist „die Barmherzigkeit der Welten“ („Rahmat al-Alamin“), also kann die wahrhaftige Erziehung im Schatten der prophetischen Leitung erfolgen.
  4. Der edelmütige Prophet des Islam stellt für alle Menschen, in allen Zeitepochen und an allen Orten Barmherzigkeit dar und es bedarf keines weiteren Propheten.
  5. Der verehrte Gesandte des Islam stellt sogar für die göttlichen Erzengel Barmherzigkeit dar.
  6. Die Gebote des Islam umfassen die ganze Welt.
  7. Ein Mensch kann mit dem göttlichen Willen die gesamte Existenz und Schöpfung beeinflussen.[11]

Unter Beachtung der erwähnten Aussagen umfasst die Prophetie des Islam und die Einladung des heiligen Koran alle Gesellschaften und alle Menschen und Offenbarungen wie beispielsweise „Und Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die Weltenbewohner gesandt.“ belegen die Universalität und Globalität dieser Religion und die Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Menschen bei dieser himmlischen Einladung, damit keine Person annimmt, die Einladung des Islam wäre eine spezifische Einladung und eine geographische und ortsgebundene sowie volksgebundene Prophetie, dessen Ziel allein in der Reformation eines bestimmten Volkes und die Erhaltung der Vorteile einer bestimmten Nation und der Bewohner einer spezifischen Region liegen würde.

Die Einladung des Islam beschränkt sich nicht auf bestimmte Personen, denn dessen Segen umfasst alle Menschen und die Leitung von Frauen und Männern, schwarz und weiß, Stadt- und Dorfbewohner und die Angehörigen aller gesellschaftlichen Schichten. Das Ziel der islamischen Prophetie ist nämlich die Aufhebung der Entfernungen und der Ausnahmen und die Errichtung einer globalen Gesellschaft. Sie bezieht sich auf alle Orte und unterscheidet nicht zwischen Asiaten, Afrikanern, Europäern und Amerikanern und betrachtet alle Menschen auf gleiche Art und Weise. Die Flagge des Islam beschränkt sich auf kein Land, Volk, Stamm und keine Person und gehört dem allmächtigen Gott und dem Islam und den Gläubigen, gleich an welchem Ort und auf welchem Land sie sich befinden und welcher Region sie angehören und sie bildet den Schlüssel zur Einigkeit und Brüderlichkeit.[12]

Die Barmherzigkeit in den Praktiken des edelmütigen Propheten

Die Praktiken des edelmütigen Propheten des Islam stellen weitere Belege für die Barmherzigkeit der Welten dieser heiligen Existenz dar. In zahlreichen Begegnungen mit Ungläubigen tendierte er an Stelle von Rachsucht und einem proportionalen Verhalten zu den Taten einiger Ungläubiger eher zu grenzenloser Barmherzigkeit und Vergebung diesen Menschen gegenüber. Im Folgenden sind einige dieser Vorfälle aufgeführt.

  1. Die Barmherzigkeit und das Mitgefühl des edelmütigen Propheten in der Schlacht von Uhud

Eines der äußerst emotionalen und unerfreulichen Geschehnisse aus dem Leben des edelmütigen Propheten bildet die Schlacht von Uhud. 70 Heerführer der islamischen Armee wurden in dieser Schlacht getötet. Die Stirn des heiligen Propheten wurde von Steinen getroffen und seine heiligen Zähne wurden gebrochen. Man versammelte sich um ihn [und sagte]: „O Gesandter Gottes! Gibt es denn eine schlimmere Situation? Verfluche dieses Volk! Sag auch du wie der Prophet Noah (a.) folgendes: (Und Noah sagte: ,Mein Herr, lass auf der Erdoberfläche keinen einzigen von den Ungläubigen (übrig); denn wenn Du sie (leben) lässt, so werden sie nur Deine Diener verführen und werden nur eine unverschämte Nachkommenschaft von Ungläubigen zeugen.‘)“ (Nuh | 71: 26-27).

Er aber ist der Prophet der Barmherzigkeit aller Weltenbürger. Als Antwort auf diese Gruppe von Menschen erhob er seine Hände zum Gebet und alle um ihn herumstehenden Personen freuten sich darüber, dass der edelmütige Prophet nun betete und die Armee der Ungläubigen vernichtet würde; [aber] er äußerte folgendes: „Lieber Gott! Leite bitte mein Volk; sie scheinen nämlich nicht zu verstehen.[13] Lieber Gott! Bringe bitte kein Unheil über dieses Volk! Sie verstehen es nicht. Insch‘Allah (wenn Gott will) werden sie es in Zukunft verstehen.“ Dieses Verhalten des edelmütigen Propheten unterstreicht deutlich die Tatsache, dass sein Verhalten anderen Menschen gegenüber in hohem Maße von Zuneigung und Barmherzigkeit und Vergebung  bestimmt war.

  1. Der Einmarsch der islamischen Armee in Mekka

Nach der Aufhebung des Friedensvertrages zwischen den Muslimen und den Götzenanbetern in Mekka seitens der Bewohner Mekkas im 8. Jahr der arabisch-islamischen Zeitrechnung stellte der edelmütige Prophet des Islam in Medina eine Armee zusammen, um Mekka wieder einzunehmen. Die islamische Armee näherte sich der Stadt Mekka. Während „Sa’d ibn Ubada“ als Heerführer der Chazradschiden die Flagge der islamischen Armee in Händen hielt, dichtete er in dem Moment, in dem er Abu Sufyan begegnete, einige Verse und sprach Abu Sufyan folgendermaßen an: „Heute, heute ist der Tag der Schlacht, heute wird euer Leben und euer Hab und Gut als halal erachtet, heute ist der Tag der Entwürdigung Quraischs.“

Als der edelmütige Prophet diese Aussage hörte, überkam ihn Trauer. Damit sich die Herzen der Bewohner Mekkas nicht mit Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit anfüllten und seine Versprechungen über Vergebung nicht als Intrigen und List gesehen wurden, äußerte er sofort folgendes: „Heute ist der Tag der Barmherzigkeit, heute ist der Tag der Ehre Quraischs, heute ist der Tag, an dem der allmächtige Gott Mekka mit Größe und Pracht segnet.“

Daraufhin enthob er Sa’d seiner Position und übertrug seiner Exzellenz Imam Ali (a.) die Position des Heerführers und befahl ihm, sofort Sa’d aufzusuchen und ihm die Flagge des Islam abzunehmen. Auf diese Art und Weise marschierte die starke islamische Armee mit 10.000 bewaffneten Männern unter Heerleitung seiner Exzellenz Imam Ali (a.) mit der Parole der Barmherzigkeit in die heilige Stadt Mekka.[14] Jawohl, der edelmütige Prophet (s.) eroberte Mekka und zerstörte die Götzen. Aber er vergab seinen schlimmsten Feinden und sogar einer Frau, welche ein vergiftetes Essen zubereitet hatte, um intrigant den Gesandten Gottes (s.) zu töten. Und im Anschluss daran äußerte er folgendes: „Geht, heute seid ihr alle frei.“[15]

Einer der Führer der Götzenanbeter namens Safwan aus dem Volk der Bani Umayyaden flüchtete in die Stadt Dschidda, welche einige Kilometer von Mekka entfernt ist. Einige Personen suchten den Gesandten Gottes auf und ersuchten Safwan um Vergebung. Der edelmütige Prophet schickte Safwan als Zeichen für deren Sicherheit seinen Turban, sodass er wieder nach Mekka zurückkehren konnte. Daraufhin kehrte Safwan aus Dschidda zurück nach Mekka, suchte den edelmütigen Propheten auf und äußerte folgendes: „Geben Sie mir bitte zwei Monate Zeit, damit ich überlegen kann. Der edelmütige Prophe gab ihm sogar vier Monate Zeit. Da Safwan den edelmütigen Gesandten Gottes begleitete und bei einigen Reisen an dessen Seite stand, wurde er in den Bann dieses göttlichen Anführers gezogen und entschied sich aus freiem Willen für die Religion des Islam und nahm diese an.“[16]

  1. Bitte um Vergebung für Übeltäter

Sehr oft wurde seine Exzellenz von seinen gewalttätigen Feinden mit Steinen beworfen und beleidigt. Manchmal führte das dazu, dass er Mekka verlassen musste und in den umliegenden Bergen Schutz suchte. Seine liebevolle Ehefrau Chadidscha folgte ihm, um ihn zu suchen. Als sie die Wunden seiner Beine gesund pflegte, konnte sie hören, wie der edelmütige Prophet des Islam folgendes äußerte: „Lieber Gott, vergib bitte meinem Volk (für meine Beleidigung und Bewerfung mit Steinen), weil sie es nicht besser wissen.“[17]

  1. Bemühungen um Barmherzigkeit im Umgang mit Gefangenen

Als der edelmütige Gesandte Gottes seinen Gefährten eine Gruppe der Gefangenen aus Quraisch für unterschiedliche Angelegenheiten zur Verfügung stellte, äußerte er folgendes: Behandelt die Gefangenen gut. Einer der Gefangenen war „Abu Aziz Ibn Umayer“, der zu den schlimmsten Feinden des Islam zählte. „Abu Aziz“ sagt folgendes: Ich war unter einem Stamm der Ansar gefangen. Als diese sich mittags oder abends ihr Essen holten, übergaben sie mir ihr Brot und gaben sich selbst mit Datteln zufrieden. Und wenn ich sogar manchmal aufgrund von Scham mein Brot zurückgab, so gaben sie es mir zurück, und rührten selbst das Brot nicht an.[18]

Eine ähnliche Geschichte spielte sich bei der Gefangenschaft von Thumamah Ibn Uthal ab, der zu den Herrschern der Al-Yamamah gehörte. Der heilige Prophet des Islam brachte ihm immer Essen und überließ ihm sein weibliches Kamel, welches Milch gab, und befahl ihn gut zu behandeln. Jedesmal, wenn der edelmütige Prophet Thumamah besuchte, bat er ihn, den Islam anzunehmen. Dieser widersprach jedoch. Nichtsdestotrotz befreite der edelmütige Prophet des Islam Thumamah, ohne dass dieser die Religion des Islam annahm. Nach diesem Verhalten des edelmütigen Propheten ging Thumamah in sich und nahm die Religion des Islam an.[19]

  1. Das Mitgefühl und die Freundlichkeit des Gesandten Gottes

Eines Tages übergab der edelmütige Prophet des Islam seiner Exzellenz Imam Ali (a.) zwölf Derham und äußerte folgendes: „Kauf mir bitte Kleidung!“ Seine Exzellenz (a.) ging zum Basar und kaufte dem edelmütigen Propheten Kleidung. Der Prophet sagte, dass günstigere und schlichtere Kleidung besser gewesen wäre; falls der Verkäufer damit einverstanden sei, wäre es besser, wenn er die Kleidung umtausche. Imam Ali (a.) gab die Kleidung zurück, bekam das Geld erstattet und kam zum edelmütigen Propheten. Daraufhin gingen der Gesandte Gottes und seine Exzellenz Imam Ali (a.), gemeinsam zum Basar.

Auf dem Weg sahen sie eine Sklavin, die weinte. Sie fragten nach ihrem Wohl und diese antwortete: man hat mir vier Derham zum Einkaufen mitgegeben, aber ich habe das Geld verloren und fürchte mich nun davor, nach Hause zurückzukehren. Der edelmütige Prophet der Barmherzigkeit gab ihr vier Derham und sie liefen weiter zum Basar und sie kauften ein Hemd für vier Derham.

Auf ihrem Nachhauseweg sahen sie eine nackte Person, schenkten ihr das Hemd und kehrten wieder zum Basar zurück, um ein weiteres Hemd zu kaufen. Auf ihrem Rückweg sahen sie wieder die Sklavin, welche traurig war. Sie fragten sie nach dem Grund ihrer Trauer. Diese antwortete folgendes: Da ich zu lange gebraucht habe, um nach Hause zu kommen, befürchte ich, dass man mich bestraft. Der ehrenwerte Prophet begleitete die Sklavin zu dem Haus ihres Besitzers. Der Hausbesitzer vergab seiner Sklavin aus Respekt vor dem edelmütigen Propheten und sprach sie generell frei. Der Gesandte Gottes äußerte folgendes: „Wie segensreich waren denn die zwölf Derham, dass zwei Unbekleidete damit bekleidet wurden und eine Person freigesprochen wurde.“[20]

Nach der Überlegung und Reflexion über die Praktiken des verehrten Gesandten des Islam kann man zweifellos äußern, dass diese Exzellenz den Inbegriff göttlicher Barmherzigkeit darstellt. Auch in weiteren Versen des heiligen Koran werden nämlich die Vergebungsbereitschaft, die Barmherzigkeit und das Mitgefühl des heiligen Gesandten des Islam (s.) erwähnt und verdeutlicht. Im folgenden werden in diesem Zusammenhang einige Verse aus dem heiligen Koran als Beispiel aufgeführt:

  1. „Wahrlich, ein Gesandter ist aus eurer Mitte zu euch gekommen; es schmerzt ihn sehr, wenn ihr unter etwas leidet; er setzt sich eifrig für euer Wohl ein; gegen die Gläubigen ist er mitleidig und barmherzig.“ (At-Tauba | 9:128).
  2. „Und in Anbetracht der Barmherzigkeit Allahs warst du mild zu ihnen; wärst du aber rau und harten Herzens gewesen, so wären sie dir davongelaufen.“ (Al-i-Imran | 3:159).

Schlussfolgerung

Die ersten Koranverse, welche dem edelmütigen Propheten des Islam offenbart wurden, handeln von der Schrift und Bildung und der Einladung: und folgendes wurde im heiligen Koran offenbart: „ Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. Lies; denn dein Herr ist Allgütig. Der mit dem Schreibrohr lehrt, lehrt den Menschen, was er nicht wusste.“ (Al-Alaq | 96:1-5). Es ist offensichtlich, dass ein gewalttätiger Mensch niemals von der Schrift und dem Wissen und der Bildung spricht. Zusätzlich dazu lag seine erste Einladung auf deutliche Art und Weise in folgender Aussage: „Bezeugt, dass es keinen weiteren Gott außer dem allmächtigen Gott gibt und ihr erlangt die Glückseligkeit.“

Außerdem verbrachte der edelmütige Prophet 13 Jahre seiner Mission in Mekka; drei Jahre davon lud er Menschen indirekt zum Glauben Gottes ein und zehn Jahre tat er dies auf offensichtliche und deutliche Art und Weise. In dieser Zeit erduldeten der Prophet und seine Gefährten die schlimmsten und schrecklichsten Gewalttaten. All diese Dinge stellen Belege für die Annahme dar, dass er und seine Gefährten keinesfalls gewalttätig und gewaltverherrlichend waren, sondern sogar die schlimmsten Misshandlungen und Qualen seitens gewalttätiger Personen erlebten und erduldeten; an jenem Tag, an dem sie diesen gewalttätigen Person gegenüberstanden, brachten sie diesen Menschen die langwierigste Vergebung und Barmherzigkeit entgegen.

Aus diesem Grund es ist unfair, eine Persönlichkeit, deren Mission und Entsendung nach Belegen des heiligen Koran aus Barmherzigkeit für alle Weltenbürger erfolgte, als gewalttätige und kriegssüchtige Person vorzustellen. Die Belege aus dem heiligen Koran und die geschichtlichen Belege über die Praktiken des edelmütigen Propheten verdeutlichen seine Existenz als personifizierte Barmherzigkeit. Aus diesem Grund stellen die islamischen Gebote sowohl in verhaltensbezogener als auch spiritueller Dimension und aus materieller und wirtschaftlicher Sicht, welche seitens des allmächtigen Gottes mittels des Propheten der Barmherzigkeit offenbart wurden, dauerhaft Barmherzigkeit und Segen für alle Weltenbürger dar.

Seyed Mohsen Ale Batoul

Literaturquellen

  1. Tabatabaei, Seyed Mohammad Hossein. Almizan Fi Tafsir Al-Qur’an. Islamischer Verlag der Hawza-Gesellschaft. 1417 der arabisch-islamischen Zeitrechnung.
  2. Ayatollah Makarem Shirazi, Naser. Tafsir Nemouneh. Teheran. Darolketabol Eslami. 1. Auflage, 1374 der iranischen Zeitrechnung.
  3. Motahari, Morteza. Sammlung der Werke des SHahid Motahari. Sadra.
  4. Mohammadi Rey Shahri, Mohammad. Mizan Al-Hekamah. Beirut. Darolhadis. 1. Auflage, 1419 der arabisch-islamischen Zeitrechnung.
  5. Gharaati, Mohsen. Tafsir Nour. Bd. 5. S. 505. Tehran. Kulturelles Zentrum der Lehren aus dem Koran. 1. Auflage, 1389 der iranischen Zeitrechnung.
  6. Al-Himyari, Ibn Hischam. Al-Sirah Al-Nabaviah. Kairo. 1383 der arabisch-islamischen Zeitrechnung.

[1] Ragheb Esfahani, Hossein Ibn Mohammad. Mofredat Alfaz Al-Qur’an. S. 347.

[2] Tabatabaei, Seyed Mohammad Hossein. Al-Mizan Fi Tafsir Al-Qur’an. Bd. 1. S. 18.

[3] Najafi Khomeyni, Mohammad Javad. Tafsir Asan. Bd. 12. S. 388.

[4] Ayatollah Makarem Shirazi, Naser. Tafsir Nemouneh. Bd. 13. S. 527.

[5] Motahari, Morteza. Sammlung der Werke seiner Exzellenz Shahid Motahari. Bd. 26. S. 5.

[6] Tabatabaei, Seyed Mohammad Hossein. Almizan Fi Tafsir Al-Qur’an. Bd. 14. S. 331.

[7] At- Tabrisi, Fadl Ibn Al- Hassan. Majma Albayan Fi Tafsir Al-Qur’an. Bd. 7. S. 107.

[8] At- Tabrisi, Fadl Ibn Al- Hassan. Majma Albayan Fi Tafsir Al-Qur’an. Bd. 7. S. 107.

[9] At- Tabrisi, Fadl Ibn Al- Hassan. Majma Albayan Fi Tafsir Al-Qur’an. Bd. 7. S. 107.

[10] Shahid Sani, Zeynoddin Ibn Ali. Monyah Al-Morid. S. 102.

[11] Gharaati, Mohsen. Tafsir Nour. Bd. 5. S. 505.

[12] Ayatollah Safi, Lotfollah. In Richtung des Schöpfers (Be Souye Afaridegar). S. 178.

[13] Majlesi, Mohammad Bagher. Behar Al-Aanvar. Bd. 20. S. 20-21.

[14] Sireh Halabi. Bd. 3. S. 22. ; Sireh Ibn Hesham. Bd. 4. S. 49. ; Sharh Nahjolbalagheh Ibn Abi Al-Hadid. Bd. 17. S. 272.

[15] Majlesi. Behar Al-Aanvar. Bd. 21. S. 132.

[16] Gharaati, Mohsen. Die Lebensweise des Propheten (S.A.S.) unter Beachtung des heiligen Qur’an. S. 62.

[17] Mohammadi Rey Shahri, Mohammad. Mizan Al-Hekamah. Bd. 7. S. 3228.

[18] Ayati, Mohammad Ebrahim. Die Geschichte des islamischen Propheten (S.A.S.). S. 274.

[19] Al-Himyari, Ibn Hischam. Al-Sirah Al-Nabaviah. Bd. 4. S. 4054.

[20] Majlesi. Behar Al-Aanvar Bd. 16. S. 214.