Qur’an-Exegese: Al-Mudschadila – Vers 11

Seyed Mohsen Ale Batoul

يَرْفَعِ اللَّهُ الَّذِينَ آمَنُوا مِنْكُمْ وَ الَّذِينَ أُوتُوا الْعِلْمَ دَرَجاتٍ وَ اللَّهُ بِما تَعْمَلُونَ خَبِيرٌ

Transliteration

Yā ‚Ayyuhā Al-Ladhīna ‚Āmanū ‚Idhā Qīla Lakum Tafassaĥū Fī Al-Majālisi Fāfsaĥū Yafsaĥi Al-Lahu Lakum ۖ Wa ‚Idhā Qīla Anshuzū Fānshuzū Yarfa`i Al-Lahu Al-Ladhīna ‚Āmanū Minkum Wa Al-Ladhīna ‚Ūtū Al-`Ilma Darajātin Wa ۚ Allāhu Bimā Ta`malūna Khabīrun

Übersetzung

O ihr, die ihr glaubt, wenn in Versammlungen zu euch gesagt wird: „Macht Platz!“ dann macht Platz; Allah wird ausgiebig Platz für euch machen. Und wenn gesagt wird: „Erhebt euch!“ – dann erhebt euch; Allah wird die unter euch, die gläubig sind, und die, denen Wissen gegeben wurde, um Rangstufen erhöhen. Und Allah ist dessen wohl kundig, was ihr tut.

Erläuterung

Der Wunsch nach Wahrheitsfindung gehört zu den wesensbezogenen Zielen des Menschen und eine bedeutende Fähigkeit des Menschen liegt in der Wissensaneignung und Erkenntnis der Wahrheit. Heutzutage wird die Aneignung von Wissen und Weisheit keinem Menschen verwehrt und die Notwendigkeit der Wissensaneignung wird anerkannt. Die bedeutendste Rolle des Wissens im Leben liegt zweifellos darin, dass die notwendigen Indikatoren für Glückseligkeit, Vollkommenheit und das Finden des akkuraten Lebensweges mithilfe von Wissensaneignung und der Verwendung der Reflektions- und Überlegungskraft erlangt wird. Aus diesem Grund bestehen alle göttlichen Religionen auf Wissen und Weisheit und sehen den Fortschritt und die Entwicklung auf dem Weg des Wissens als ehrenhaft an.

Hierbei schenkt die Religion des Islam der Thematik des Wissens eine hohe Beachtung und ordnet ihr eine hohe Bedeutung zu, sodass Gott im heiligen Koran das Schreibrohr gehuldigt und folgendes offenbart hat: „Nûn. Beim Schreibrohr und bei dem, was damit geschrieben wird!“ (Al-Qalam | 68:1) Die Größe dieser Huldigung wird in jenem Moment deutlicher, in dem man der Tatsache Beachtung schenkt, dass die Anzahl der Intellektuellen, die alphabetisiert waren im gesamten Bereich Mekkas zu der Zeit, zu der dieser Vers offenbart wurde, nicht einmal 20 Personen umfasste. Jawohl, die Huldigung des Schreibrohres in einer solchen Umgebung zeugt sicherlich von der besonderen Bedeutung der Wissensaneignung im Islam[1].

Die Erhabenheit religiöser Theologen

Der heilige Koran gibt in Vers 11 der Sure al-Mudschadila die Bedeutung von Wissen, die Erhabenheit der Theologen und die Würde ihrer Stellung bekannt und offenbart folgendes: Der allmächtige Allah wird die unter euch, die gläubig sind, und die, denen Wissen gegeben wurde, um Rangstufen erhöhen.

Der Begriff „Daradscha’at“ (Ränge), welcher absolut und ohne Festlegung von besonderen Grenzen und Einschränkungen verwendet wurde, zeugt philologisch im  heiligen Koran von dessen Pracht und Größe. Der verstorbene Theologe Allameh Tabatabaei erklärt diesen heiligen Vers folgendermaßen:  „Dieser Vers deute an, dass es zwei Gruppen von Gläubigen gibt; eine Gruppe von Gläubigen, welche nur religiös sind und eine zweite Gruppe von Gläubigen, welche sowohl religiös als auch Theologen sind. Und dieser Vers besteht darauf, dass die zweite Gruppe gegenüber der ersten erhabener ist. Mit dieser Aussage wird deutlich, dass der Aspekt der höheren Ränge, welche im heiligen Vers angesprochen werden, sich auf die Theologen unter den Gläubigen bezieht.“ Die Erhabenheit der anderen Gläubigen liegt nicht in mehreren Rängen, sondern allein in einem Rang[2].

Bei der Deutung dieses heiligen Verses berichtet seine Exzellez Abu Dhar Al-Ghifari, dass der Prophet folgendes geäußert habe: „Oh Abu Dhar, Gott und die Engel und Propheten lieben den Wissbegierigen. Kein Mensch sehnt sich mehr nach Wissen als ein glückseliger Mensch; wie glücklich ist also der Wissbegierige. Oh Abu Dhar, du solltest wissen, das jeder Schritt eines Menschen, der sein Haus verlässt, um eine Pforte des Wissens zu öffnen, seitens des allmächtigen Gottes als Märtyrersegen unter den Märtyrern von Badr gezählt wird und der Wissbegierige von Gott geliebt wird und derjenige, der Wissen liebt, sicherlich in den Himmel eintreten wird und er morgens bis abends im Besitz von Gottes Zufriedenheit ist und er die Welt nicht verlässt, bevor er nicht von der Kowsarquelle[3] getrunken und von den Früchten des Himmels gegessen hat. Danach offenbarte seine Exzellenz folgendes: All diese Privilegien kommen denjenigen Personen zuteil, von denen im 11. Vers der Sure al-Mudschadila gesprochen wird.“[4]

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Theologen bei Gott nicht denselben Stellenwert genießen wie andere Menschen und dass der Mensch, je mehr Wissen er besitzt, bei Gott einen höheren Stellenwert und eine höhere Würdigkeit genießt. Neben Vers 11 der Sure al-Mudschadila hat der heilige Koran diese Thematik auch in der Sure az-Zumar aufgegriffen und folgendes offenbart: Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?! (az-Zumar | 39:9) Imam Sadegh (a.) hat auch folgendes geäußert: „Die Erhabenheit des Theologen über den Frommen gleicht der Erhabenheit des Vollmondes über andere Sterne.“[5]

Wissensvermittlung – Das Ziel der Propheten

Ein weiterer Aspekt, welcher die überragende Bedeutung von Wissen und Wissensbelehrung aus der Sicht des heiligen Koran beweist, liegt darin, dass die Belehrung der Menschheit mittels der Propheten als ein Ziel ihrer Mission erwähnt wird: „Allah hat den Gläubigen wirklich eine Wohltat erwiesen, als Er unter ihnen einen Gesandten von ihnen selbst geschickt hat, der ihnen Seine Zeichen verliest, und sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt, obgleich sie sich zuvor wahrlich in deutlichem Irrtum befanden.“ (Al-i-Imran 3 | 3:164) Der Mensch irrt ohne die Belehrung seitens des allmächtigen Schöpfers in Unwissenheit und allein der Schöpfer der Existenz kennt alle Bosheiten, Rechtschaffenheiten und Verderbtheiten, Glückseligkeiten und Grausamkeiten usw. Und er ist dazu verpflichtet, seinen Geschöpfen die Hand zu reichen und sie aus der Unwissenheit zu ziehen und in Richtung der Wahrhaftigkeit und Glückseligkeit zu leiten. Der allmächtige Gott hat aber einige selbst erzogen und diese zu seinen Gesandten ernannt und die restlichen Menschen mittels seiner Propheten erzogen. Der allmächtige Gott hat nämlich sowohl im obigen Vers als auch in anderen ähnlichen Versen wie beispielsweise Vers 2 der Sure Al-Dschumua und Vers 129 der Sure Al-Baqara die Belehrung der Menschheit mittels der Propheten als eines der Missionsziele erwähnt.

Die Obliegenheiten der Wissensbelehrung

Die heiligen Verse, welche in den vorangehenden Diskussionen erwähnt wurden und ihnen gleichende Verse zeugen nicht nur von dem hohen Stellenwert des Wissens und der Wissensvermittlung, sondern auch davon, dass die Propheten zur Belehrung und deren Völker zur Wissensaneignung verpflichtet sind. Wenn die Wissensvermittlung nämlich das Ziel der Mission darstellt und die Propheten diese Angelegenheit nicht einhielten, so würden sie den Pflichten ihrer Prophezeiung nicht nachkommen und ein solcher Fehler in Bezug auf die Propheten ist unmöglich, da sie rein sind und sich der Durchführung ihrer göttlichen Prophezeiung niemals entziehen würden.

Andererseits sind die Menschen auch dazu verpflichtet, sich von den Propheten Wissen anzueignen und nach deren Ermessen zu handeln; wenn sie nämlich nicht zur Wissensaneignung verpflichtet wären, so würden die Obliegenheiten der Propheten zur Wissensbelehrung für ungültig erklärt werden und der allwissende Gott erklärt nichts für ungültig. Gott hat die Menschen nämlich auch zur Wissensaneignung durch seine Propheten ermutigt und hat die Obliegenheiten der Wissensaneignung und Befragung der frommen Theologen an zwei Stellen des Korans deutlich hervorgehoben: „Wir entsandten vor dir lediglich Männer, denen Wir die Offenbarung zuteil werden ließen! Fragt nur diejenigen, die von der Ermahnung wissen, wenn ihr (davon) nichts wisset.“ (Sure al-Anbiya | 21:7; Sure An-Nahl | 16: 43)

وَ ما أَرْسَلْنا قَبْلَكَ إِلاَّ رِجالاً نُوحي‏ إِلَيْهِمْ فَسْئَلُوا أَهْلَ الذِّكْرِ إِنْ كُنْتُمْ لا تَعْلَمُون

Ein beachtlicher Aspekt bei diesem heiligen Vers liegt darin, dass er nicht folgendes offenbart: „Oh Ihr Menschen, falls Ihr etwas nicht wisst, so geht und fragt nicht jeden Theologen, den ihr fragen wollt, sondern sprecht davon, die Prediger zu fragen.“ Nicht jeder Theologe muss nämlich Prediger sein. Mit anderen Worten gesagt sollte man sich darum bemühen, einen Theologen zu befragen, der selbst ein Mann der Taten ist, ein gottesfürchtiger und rationaler Mensch und ein gerechter und frommer Mensch. Ansonsten kann es vorkommen, dass ein Mensch Theologe ist, sein Wissen aber vergessen hat; daher sollte man eine Person befragen, welche erstens Theologe ist und zweitens im Besitz seines Gedächtnisses und klarer Beweisgründe ist.

Ein weiterer Aspekt liegt darin, dass einige Kommentatoren des Koran folgendes geäußert haben: Dieser Vers richtet sich an die Heiden, da diese die Einladung des Gesandten Gottes leugnen; der Kern dieses Verses besagt nämlich folgendes: „Oh Ihr Heiden, wenn ihr den Reden des Propheten Gottes nicht Glauben schenkt und die Wahrheit nicht kennt, so geht und fragt die Theologen.“ Nach dieser Auffassung sind mit Prediger ausschließlich Theologen und Wissenschaftler gemeint.[6]

Andererseits sehen gültige Überlieferungen und auch große schiitische Kommentatoren des Koran, unter anderem der verstorbene Theologe Allameh Tabatabaei die „Prediger“ als die Ahl-ul-Bayt an. In einer Überlieferung von Imam Bagher (a.) steht, dass er gesagt habe, mit den Predigern in diesem heiligen Vers sind wir gemeint. Imam Reza (a.) hat auch in einer Sitzung neben seiner Rede folgendes geäußert: „Wir sind Prediger, weil Gott in seinem Buch folgendes offenbart hat:

فَسْئَلُوا أَهْلَ الذِّکْرِ إِنْ کُنْتُمْ لا تَعْلَمُونَ

Seyed Hashem Bohrani berichtet auch in seiner Interpretation über Imam Sadegh (a.), dass er folgendes gesagt habe: „Mit Predigt ist der heilige Koran und mit Predigern sind Muhammad (s.) und seine reine Nachkommenschaft gemeint.“

Die Philosophie der Nachahmung

Die Nachahmung (taqlid) steht als Begriff für Befolgung und Folgen. Im religiösen Sinne bedeutet der Begriff „die Handlung nach der Fatwa[7] des islamischen Gelehrten in islamrechtlichen Angelegenheiten“. Obwohl einige die Nachahmung ohne jegliche Widersetzung nicht ganz nachvollziehen können, ist der Nachahmer in den islamischen Lehren jemand, der das Ergebnis wissenschaftlicher Bemühungen des islamischen Gelehrten nutzt und dem islamischen Gelehrten die Verantwortung über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Gebote überlässt. Andererseits muss man sagen, dass die Nachahmung keine grundlose Akzeptanz darstellt. Es ist natürlich, dass der menschliche Verstand niemals etwas grundlos für wahr halten kann. Die Nachahmung im islamischen Sinne ist jedoch keine grundlose Akzeptanz.

Beispielsweise gibt ein islamischer Gelehrter zur Angelegenheit der Obliegenheiten des Khums[8] eine Fatwa und belegt diese mittels des 41. Verses der Sure Al-Anfal und der Überlieferung, welche in diesem Zusammenhang existiert. Der Nachahmer akzeptiert diese Fatwa auch niemals grundlos. Sein Grund zur Akzeptanz dieser Fatwa liegt darin, dass er sich dessen bewusst ist, dass der allwissende Gott dem Menschen bestimmte Verpflichtungen auferlegt hat. Dies bedeutet, dass er ihm für einige Dinge Obliegenheiten und Verbote auferlegt hat und er annimmt, dass eine dieser Verpflichtungen die Obliegenheiten des Khums darstellen. Dieser Anteil von Wissen verpflichtet ihn dazu. Er muss nämlich die Gebote kennen und in Erfahrung bringen, ob Khums verpflichtend sind oder nicht und welche Voraussetzungen bestehen.

Man muss jedoch beachten, dass ein Verständnis über diese Gebote seitens des Korans, der Tradition, des Verstandes und der Gesellschaft vielen Voraussetzungen und einer umfangreichen Kenntnis der Wissenschaft bedarf. Da der Mensch kein Spezialist dieser Wissenschaft ist, muss er diese Gebote mittels eines anderen Weges erlernen und dieser Weg liegt darin, sich an einen Spezialisten dieser Wissenschaft zu wenden. Die nachahmende Person hält sich mit einer Begründung an die Fatwa des islamischen Gelehrten und nicht grundlos; Ebenso verurteilt kein rationaler Mensch einen anderen Menschen, der sich im Falle einer Erkrankung an einen Arzt wendet und nach dessen Vorgaben und Verschreibungen handelt, sondern sieht seine Handlung als durchaus sinnvoll an. Mit anderen Worten ist es der Verstand, der den Muslim dazu zwingt, seinen islamischen Gelehrten als Spezialist nachzuahmen. Also baut die Nachahmung auf Weisheit auf.

Ein weiterer Aspekt liegt darin, dass einige fälschlicherweise behaupten, der Grund, wieso islamische Gelehrte die Nachahmung als Pflicht der Menschen sehen, sei der, dass sie die Menschen als unwissend und ungebildet ansehen! Genau dieser Aspekt führt dazu, dass der intellektuelle und akademische Teil der Bevölkerung sich niemals in Richtung der Nachahmung bewegt. Als Antwort hierauf muss man äußern, dass die Nachahmung eine Hinwendung des Unwissenden zum Theologen darstellt und diese Aussage keinerlei negative Konnotation besitzt; der Begriff Unwissender steht hierbei nicht in der Bedeutung einer unwissenden Person, welche ungebildet und nichtakademisch ist, sondern besitzt eine übertragene Bedeutung. Unwissender steht in diesem Zusammenhang für eine Person, die in islamrechtlichen Angelegenheiten kein islamischer Gelehrter oder Experte ist, wobei sie in anderen Bereichen durchaus ein Spezialist und Experte sein oder sogar in theologischen Angelegenheiten über ein relativ umfangreiches Wissen verfügen kann.

Der islamische Gelehrte selbst kann in vielen weiteren Bereichen wie beispielsweise der Medizin ein Unwissender sein und sich an dessen Spezialisten wenden. Die Hinwendung des Unwissenden zum Theologen und Experten in religiösen Angelegenheiten ist nämlich ein rationaler Aspekt, auf den der heilige Koran in Vers 7 der Sure al-Anbiya (al-Anbiya | 21:7) und auch in Vers 43 der Sure an-Nahl besteht (an-Nahl | 16:43) und folgendes offenbart: „Falls Ihr es also nicht wisst, so fragt die Wissenden.“

فَسْئَلُوا أَهْلَ الذِّكْرِ إِنْ كُنْتُمْ لا تَعْلَمُون

Die Wahrhaftigkeit des Wissens

Ein weiterer Aspekt, welcher beachtet werden muss, liegt darin, dass die Natur des Wissens in den islamischen Lehren als Licht gedeutet wird. In einer Überlieferung von Imam Sadegh (a.) steht geschrieben, dass er folgendes geäußert hat: „Ihr sollt wissen, dass Wissen nicht von der Quantität des Erlernens abhängt. Das Wissen ist nämlich Licht, mit welchem Gott das Herz jedes Menschen nach seinem Ermessen erhellt.“

ليس العلم بكثرة التعلم إنما هو نورٌ یَقذِفُهُ الله فی قَلبِ مَن یَشاء

Der Begriff „Licht“ steht in der Bedeutung von hell und erhellend. Wenn man sagt, dass Wissen Licht ist, so meint man damit, dass Wissen hell und erhellend ist. Neben dem Wissen besteht auch der Verstand aus Licht; der Glaube an Gott wird im heiligen Koran nämlich auch als Licht dargestellt: „Kann wohl einer, der tot war und dem Wir Leben gaben und für den Wir ein Licht machten, um damit unter den Menschen zu wandeln, dem gleich sein, der in Finsternis ist und nicht daraus hervorzugehen vermag?“ (Al-An’am | 6:122)

أَوَ مَن كانَ مَيْتاً فَأَحْيَيْنَهُ وَ جَعَلْنَا لَهُ نُوراً يَمْشي بِهِ في النَّاس   كَمَن مَّثَلُهُ في الظلُمَتِ لَيْس بخَارِجٍ مِّنهَا كَذَلِك زُيِّنَ لِلْكَفِرِينَ مَاكانُوا يَعْمَلُونَ

In den Interpretationen steht, dass mit dem Licht das Licht des Glaubens und der Erleuchtung des Herzens gemeint ist. Der Glaube ist eine immaterielle Wahrheit, dessen Wesen in der Erleuchtung liegt, da er dem Menschen in seinem Inneren eine Art Bewusstsein schenkt, indem  er ihm das Ziel und die Bestimmung aufzeigt, die ihn in  Richtung der Glückseligkeit orientiert. Außerdem gehört Licht zu den Namen Gottes, welchen man in den islamischen Versen und Überlieferungen oft zu sehen bekommt. Der allmächtige Gott stellt sich in Vers 35 der Sure an-Nur selbst als Licht vor und offenbart folgendes: „Allah ist das Licht der Himmel und der Erde.“ Unter Beachtung dieser Bedeutung erscheint gegenüber Gott nichts mehr als Licht; dies bedeutet, dass alle Lichter in seiner Anwesenheit Finsternis darstellen. Aus diesem Grund besagt die Spiritualität, dass alle Dinge, welche keinen Anschein von Gott besitzen, Dunkelheit und Finsternis und Irreführung darstellen.

Die Vorteile der Wissensaneignung

In den Überlieferungen steht, dass der heilige Prophet sehr auf die Dringlichkeit der Wissensaneignung bestanden hat. Der heilige Prophet offenbart in einer Überlieferung folgendes: „Die Wissensaneignung ist für jede muslimische Frau und jeden muslimischen Mann verpflichtend; seid euch der Tatsache bewusst, dass Gott diejenigen liebt, die sehr nach Wissen dürsten.“[9]

طَلَبُ العِلمِ فَريضَةٌ عَلى كُلِّ مُسلِمٍ وَ مُسْلِمَة أَلا إِنَّ اللّه‏َ يُحِبُ بُغاةَ العِلمِ

Es ist offensichtlich, dass die Überschreitung von Grenzen in allen Dingen außerhalb des Wissens verurteilt werden muss und unangebracht ist. Die Bedeutung hinter dieser Phrase besagt nämlich, dass Wissen keinerlei Grenzen besitzt und man niemals das Ende des Wissens erlangt und diejenigen, welche auf dem Weg der Wissensaneignung mehr Aufwand auf sich nehmen, auch beim allmächtigen Gott beliebter sind. Außerdem gehört die Wissensaneignung in allen göttlichen Denkschulen, vor allem im Islam, nicht zu den Privilegien einer besonderen Gruppe oder eines besonderen Stammes.

Alle Frauen und Männer müssen sich nämlich um Wissen, dessen Befolgung und die Überwindung von Unwissenheit und Ignoranz bemühen und auf diesem Wege Schritte wagen. Es ist offensichtlich, dass ein Mangel an Initiative auf diesem Wege den Niedergang in die Fänge der Unwissenheit zur Folge hat;  das Missionsziel der Propheten war jedoch die Errettung der Menschheit von der Unwissenheit. Aus diesem Grund gibt es keinen Zweifel daran, dass alle Menschen, Frauen, Männer, Jung und Alt, Händler, Geschäftsmänner, Bauern, und jeder einzelne sich um die Aneignung von Wissen und Weisheit bemühen muss, da die Propheten die Lehrer der gesamten Menschheit sind und die Errettung der Menschheit in der Erlangung von wahrem Wissen liegt.

Unter Beachtung der obigen Aussagen wird die Bedeutung des Wissens und der Weisheit und die Überlegenheit der gelehrten Gläubigen über die ungelehrten vollkommen klar. Neben den obigen Aussagen hilft auch der Vergleich und die Lektüre der islamischen Geschichte dem Menschen beim Verstehen dieses Aspekts; man erkennt nämlich bei der Beachtung der islamischen Geschichte, dass die unwissenden Frommen die Säulen des Islam und die islamische Gesellschaft dauernd mit immensen Schlägen getroffen haben. Beispielsweise war unter anderem der verfluchte Ibn Muldscham einer der Frommen, welcher Imam Ali (a.), dem Oberhaupt der Gläubigen, aufgrund seiner Unwissenheit zahlreiche Probleme bereitet hat und schließlich dessen Tod verursacht hat.

 

[1] N. M. Schirazi: Tafsir Nemooneh – Bd. 24, S. 369.

[2] Al-Mizan – Bd. 19, S. 327.

[3] Nach islamischen Lehren eine Wasserquelle im Paradies.

[4] Allameh Madschlesi: Bihar Al-Anwar – Bd. 1, Seite 178; Jame-ul-Akhbar, S. 37.

[5] Shaykh Kulayni: Usul al-Kafi – Band 1, S. 34.

[6] Al-Mizan – Bd. 12, S. 373.

[7] Erteilte Rechtsauskunft eines autorisierten islamischen Gelehrten.

[8] Islamische Regelung über eine Abgabe in Höhe von 1/5 des Einkommens.

[9] Usul al-Kafi: Bd. 1, S. 30; Wasail al-Shia: Bd. 27, S. 26.