Qur’an-Exegese – Al-Nahl – 97

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مَنْ عَمِلَ صالِحاً مِنْ ذَكَرٍ أَوْ أُنْثى‏ وَ هُوَ مُؤْمِنٌ فَلَنُحْيِيَنَّهُ حَياةً طَيِّبَةً وَ لَنَجْزِيَنَّهُمْ أَجْرَهُمْ بِأَحْسَنِ ما كانُوا يَعْمَلُونَ

(An-Nahl | 16:97)

Transliteration

Man `Amila Şāliĥāan Min Dhakarin ‚Aw ‚Unthá Wa Huwa Mu’uminun Falanuĥyiyannahu Ĥayāatan Ţayyibatan  Wa Lanajziyannahum ‚Ajrahum Bi’aĥsani Mā Kānū Ya`malūna

Übersetzung

Dem, der recht handelt – ob Mann oder Frau – und gläubig ist, werden Wir gewiss ein gutes Leben gewähren; und Wir werden gewiss solchen (Leuten) ihren Lohn nach der besten ihrer Taten bemessen.

Erläuterung

Der heilige Koran lehrt alle aufmerksamen und reflektierenden Menschen, eine oberflächliche und beschränkte Sichtweise der Existenz gegenüber zu vermeiden und das Leben mit Reflektion zu betrachten. Aus der Sicht des heiligen Koran besteht das Leben des Menschen nicht daraus, dass ein Mensch sich wie Pflanzen und Tiere über einen bestimmten Zeitraum hinweg in der Natur bewegt und Gefühle empfindet und die Akte seiner Existenz sich nach der Überbrückung des Alltags schließt. Dies stellt nämlich die niedrigste Stufe und den Beginn seiner wahren Existenz dar.

In Wirklichkeit existiert der Mensch auf dieser Stufe bzw. Phase und lebt, seine wahrhaftige Existenz besteht jedoch nicht daraus. Er lebt zwar die Existenz seiner Gefühle und Vorstellungskraft aus, hat seine rationale und spirituelle Existenz aber noch nicht erlangt. Basierend auf dieser Grundlage lädt der heilige Koran eben diese lebenden Menschen mit den genauesten Definitionen zur Existenz ein. Wenn sich die wahre Existenz lediglich auf die Bewegung und das Atmen und die Überbrückung des Alltags mit der Beschäftigung mit unterschiedlichen individuellen und gesellschaftlichen Angelegenheiten beschränken würde, bestünde keinesfalls Bedarf an einer Einladung des Menschen seitens des allmächtigen Gottes zur weiteren Existenz.[1]

Die Quiddität der edlen Existenz

Um ein besseres Verständnis von der Quiddität der edlen Existenz zu erlangen, ist es erforderlich, zunächst einmal die beiden Begriffe „Existenz“ und „edel“ in ihrer Bedeutung zu definieren.

Der Begriff Existenz steht im Gegensatz zum Tod in der Bedeutung des Lebens und der Lebendigkeit und wird auch als Entwicklungs- und Bewegungs- sowie Gefühlsenergie erachtet und genannt. Zur Existenz zählen aus der Sicht des heiligen Qur‘ans unter anderem die pflanzliche, die tierische und die menschliche Existenz.

Der Begriff „edel“ steht für Sauberkeit und Reinheit und bildet die Eigenschaft, zu der ein Mensch auf natürliche Art und Weise tendiert. Die edle Eigenschaft steht im Gegensatz zur Boshaftigkeit und der Unreinheit, die der Mensch verabscheut.[2] Der verstorbene Allameh Tabatabaei äußert in dem Werk Al-Mizan folgendes: „Eine edle Existenz steht für ein reines und von jeglicher Art Sünde und Boshaftigkeit befreites und distanziertes Leben. Eine Existenz, welche durch Licht definiert ist.“[3]

Die edle Existenz stellt in Wirklichkeit die Erlangung einer neuen Existenz dar, welche weit über der üblichen und äußerlichen Existenz liegt. Neben dieser äußerlichen Existenz hat der allmächtige Gott auch eine weitere Existenz des Menschen offenbart, deren Ergebnis die Vollkommenheit des menschlichen Seins und die Erlangung der geistlichen und spirituellen Zwecke des Menschen bildet. Der allmächtige Gott offenbart im 24. Vers der heiligen Sure Al-Anfal folgendes: „O ihr, die ihr glaubt, hört auf Allah und den Gesandten, wenn er euch zu etwas aufruft, das euch Leben verleiht, und wisset, dass Allah zwischen den Menschen und sein Herz tritt, und dass ihr vor Ihm versammelt werdet.“ (Al-Anfal | 8: 24).

Dieser heilige Qur‘anvers offenbart und schildert denjenigen Menschen, der selbst im Besitz einer Existenz sind, klar und deutlich eine weitere Existenz. Selbstverständlich müsste sich diese Existenz von der üblichen Existenz der Menschen unterscheiden. In diesem Zusammenhang schreibt der verstorbene Märtyrer Motahari folgendes: „Einer der Koranverse, welche die Menschen offiziell in zwei Gruppen unterteilen – die Gruppe der Lebenden und die Gruppe der Toten – und den heiligen Qur‘an als entscheidenden Faktor für die Existenz und den edelmütigen Propheten (s.) als Leben schenkend und zum Leben erweckend vorstellt, ist der 24. Vers der heiligen Sure Al-Anfal.

Dieser heilige Qur‘anvers stellt in diesem Zusammenhang den deutlichsten Vers dar. Die Bedeutung dieses heiligen Qur‘anverses liegt in folgender Aussage: Der edelmütige Prophet (s.) hat euch das Leben und die Existenz überbracht. Momentan seid ihr alle tot, wisst es aber noch nicht. Kommt und ergebt euch diesem geistlichen erlösenden Arzt, damit ihr erkennt, wie er euch das Leben schenkt.“[4]

Im Zusammenhang mit der Quiddität des reinen und edlen Lebens wird der Aspekt verdeutlicht, dass diese Existenz die wahre Existenz jenseits der äußerlichen Existenz darstellt. Der allmächtige Gott offenbart im 122. Vers der heiligen Sure Al-An’am in diesem Zusammenhang folgendes: „Kann wohl einer, der tot war und dem Wir Leben gaben und für den Wir ein Licht machten, um damit unter den Menschen zu wandeln, dem gleich sein, der in Finsternis ist und nicht daraus hervorzugehen vermag? Und so wurde den Ungläubigen schön gemacht, was sie zu tun pflegten.“ (Al-An’am | 6:122).

Dieser heilige Qur‘anvers spricht von der Existenz des Gläubigen und dem Tod des Ungläubigen. In diesem Vers wird eine Person angesprochen, welche im Herzen tot war und vom allmächtigen Gott mit einer Existenz jenseits der äußerlichen Existenz gesegnet wird. Diese Existenz und dieses Leben ist eben genau diese spirituelle, reine und edle Existenz. Ein Mensch, der mit einer solchen Existenz gesegnet ist, lebt umhüllt von der Liebe und Zuneigung des allmächtigen Gottes und erfährt ausschließlich Segen und Glückseligkeit.

Der Verstand und der Wille des Menschen mit einer solchen Existenz erfolgen in einem von anderen Menschen weit distanzierten Horizont, obwohl eine solche Wahrheit sich in ihrer äußeren Erscheinung nicht widerspiegelt. Solche Menschen kommen mit Dingen in Berührung und verstehen Thematiken, welche weit jenseits des Verstandes und der Kapazität anderer Menschen liegen. Außerdem sind sie im Stande, Dinge anzustreben, welche sich die anderen Menschen überhaupt nicht vorstellen können, da sie diese niemals erlangen könnten.

Zu Beginn des 122. Verses der heiligen Sure Al-An’am wird von dem Menschen gesprochen, der seitens des allmächtigen Gottes mit einer besonderen Existenz und einem individuellen Licht gesegnet wurde und zum Schluss dieses Verses werden die Ungläubigen angesprochen, welche die Existenz des allmächtigen Gottes, seiner Propheten und das Jüngste Gericht leugnen. Aus diesem Grund wird verdeutlicht, dass der Ungläubige in der Kultur des heiligen Qur‘an als Toter angesehen wird.

Der zeitgenössische Qur‘ankommentator Ayatollah Jawadi Amoli schreibt in diesem Zusammenhang folgendes: „Der heilige Qur‘an erachtet den gläubigen Menschen als lebendig und stellt ihm den ungläubigen Menschen gegenüber; dementsprechend ist ein Mensch entweder lebendig oder ungläubig; sodass im 22. Vers der heiligen Sure Fatir folgendes offenbart wird: „[…] und du kannst diejenigen nicht hörend machen, die in den Gräbern sind.“ (Fatir | 35:22). Dieser Vers trägt folgende Bedeutung: O mein Prophet, du kannst diejenigen Menschen, welche sich im Grab des Körpers und der Natur befinden und lebendig darin vergraben sind, nicht dazu bringen zu hören und du kannst sie auch nicht rechtleiten; diese Aussage bedeutet, dass der Ungläubige tot ist.“[5]

Ein weiterer Aspekt, welcher im 97. Vers der heiligen Sure An-Nahl angesprochen wird, besteht darin, dass das spirituelle Leben und die edle Existenz sich nicht auf das Leben nach dem Tod und das Jenseits beschränken; die edle Existenz kann mit der Realisierung der Voraussetzungen bereits im Diesseits erlangt werden. Der Glaube und ein rechtschaffenes Verhalten, welche in diesem heiligen Qur`aanvers als Mittel zur Erlangung der edlen Existenz aufgezählt werden, zählen nämlich zu den spirituellen Dingen, welche bereits im Diesseits realisiert werden und infolgedessen sollte die edle Existenz als deren Ergebnis auch im Diesseits umgesetzt werden. Die Folgen dieser spirituellen Existenz zeigen sich jedoch auch im Jenseits. Der allmächtige Gott segnet den Menschen im Jenseits nämlich mit den Ergebnissen und Folgen von dessen diesseitigen Segnungen. In diesem Zusammenhang wird die Aussage nämlich auch vom heiligen Vers, welcher von den besseren jenseitigen Folgen guter diesseitiger Taten spricht, bestätigt.[6]

Grundlegende Voraussetzungen zur Realisierung einer edlen Existenz

Nach der Diskussion über die Quiddität der edlen Existenz ist es erforderlich, auch einige voraussetzende Aspekte zur Erlangung und Realisierung dieser Existenz in den Fokus zu nehmen. Die bedeutendsten Voraussetzungen in diesem Rahmen werden im Folgenden aufgeführt:

  1. Ein akkurater Glaube und akkurate Ansichten

Der Begriff Glaube (Iman im Arabischen) stammt von den Begriffen Amn (= sicher) und Amniat (= Sicherheit) ab und umfasst die Definition der Zuversicht und Sicherheit des Wesens. Unter Beachtung genau dieser wörtlichen Bedeutung des Begriffes wird der Glaube in den islamischen Lehren als eine innerliche und herzensbezogene Überzeugung gesehen, welche von der inneren Zufriedenheit des Menschen begleitet wird und zum Gefühl der Sicherheit führt. Außerdem kann der Glaube sowohl gesteigert als auch verringert werden oder sich in Blasphemie oder Leugnung verwandeln. Des Weiteren kann man den Glauben, da er sich im Herzen befindet, auch verdecken oder verstecken.

Man sollte auch der Tatsache Beachtung schenken, dass der Glaube sich von der Naturwissenschaft und der Wissenschaft an sich unterscheidet; man wird nämlich oft Zeuge davon, dass ein Mensch sich der Tatsache bewusst war, dass eine Tat schlecht und unpassend war, er diese jedoch trotzdem beging, da er nicht an diese glaubte. Aus der Sicht des heiligen Qur`ans besteht ein akkurater Glaube aus einem Glauben und einer Überzeugung vom allmächtigen Gott und den göttlichen Propheten sowie den himmlischen Schriften. Im 136. Vers der heiligen Sure An-Nisa offenbart der allmächtige Gott folgendes: „O ihr, die ihr gläubig geworden seid, glaubt an Allah und Seinen Gesandten und an das Buch, das Er auf Seinen Gesandten herabgesandt hat, und an die Schrift, die Er zuvor herabsandte.“ (An-Nisa | 4:136)

Ein bedeutender Aspekt liegt darin, dass nicht jede Person, die ein Moslem ist oder sich zum Islam bekehrt, gleichzeitig auch eine gläubige Person sein muss. Es kann nämlich durchaus vorkommen, dass Menschen zwar Muslime sind, der wahre Glaube mit der oben aufgeführten Definition jedoch noch keinen Weg in ihre Herzen gefunden hat. Der allmächtige Gott hebt diesen Aspekt im 14. Vers der heiligen Sure Al- Hudschurat deutlich hervor und offenbart folgendes: „Die Wüstenaraber sagen: „Wir glauben.“ Sprich: „lhr glaubt nicht; sagt vielmehr: „Wir haben den Islam angenommen“, und der Glaube ist noch nicht in eure Herzen eingedrungen.“ (Al- Hudschurat | 49:14)

Nach dem vorangehenden Qur`anvers besteht der Unterschied zwischen dem Islam und dem Glauben darin, dass der Islam die äußerliche Erscheinung der Religion darstellt. Sobald eine Person nämlich das islamische Glaubensbekenntnis ausgesprochen hat, tritt er in den Kreis der Muslime ein und ist somit auch dazu verpflichtet, die islamischen Gebote einzuhalten; der Glaube jedoch ist eine innerliche und persönliche Angelegenheit, welche sich im Herzen des Menschen wieder findet. Sich zum Islam zu bekehren, kann unterschiedliche Motivationen und Beweggründe besitzen, sogar bis hin zu materiellen oder persönlichen Motivationen und Vorteilen; die Hinwendung zum Glauben jedoch kann allein aus einer spirituellen Motivation herrühren.

In Bezug auf die Eigenschaften und Besonderheiten eines wahren Gläubigen offenbart der allmächtige Gott in den Versen zwei und drei der heiligen Suren Al-Anfal im Koran folgendes: „Gläubig sind wahrlich diejenigen, deren Herzen erbeben, wenn Allah genannt wird, und die in ihrem Glauben gestärkt werden, wenn ihnen Seine Verse verlesen werden, und die auf ihren Herrn vertrauen. Das sind jene, die das Gebet verrichten und von dem spenden, was Wir ihnen gegeben haben.“ (Al-Anfal | 8:2-3)

Zweifellos stellt der wahre Glaube die bedeutendste Voraussetzung zur Erlangung einer edlen Existenz dar; in diesem Zusammenhang äußert seine Exzellenz Imam Ali (a.) nämlich folgendes: „Mithilfe des Glaubens erlangt der Mensch die höchsten Stufen der Glückseligkeit, grenzenlose Freude und Zufriedenheit.“[7]

  1. Akkurates Handeln

Das akkurate Handeln bildet eine weitere grundlegende Voraussetzung zur Erlangung einer edlen Existenz; es wird im 97. Vers der heiligen Sure An-Nahl auch erwähnt. Obwohl ein akkurater Glaube eine zentrale und bedeutende Voraussetzung zur Erlangung der edlen Existenz darstellt, bildet sie sicherlich nicht die einzige Voraussetzung zum Erwerb der Glückseligkeit und der edlen Existenz. Der heilige Qur`an offenbart nämlich im 67. Vers der Sure Al-Qasas folgendes: „Der aber, der bereut und glaubt und das Rechte wirkt – (es ist) wohl, dass er unter den Erfolgreichen sein wird.“ (Al-Qasas | 28:67)

In der heiligen Sure Al-Asr offenbart der heilige Qur`an auch klar und deutlich, dass alle Menschen Verluste erleiden außer denjenigen Menschen, welche glauben und rechtschaffen handeln: „Beim Nachmittag! Die Menschen sind wahrhaftig im Verlust, außer denjenigen, die glauben und gute Werke tun und sich gegenseitig die Wahrheit ans Herz legen und sich gegenseitig zur Geduld anhalten.“ (Al-Asr | 103:1-3)

Das akkurate und rechtschaffene Handeln umfasst ein gutes, würdiges und angemessenes Verhalten. Die Definition eines akkuraten Verhaltens ist so weitreichend und tiefgründig, dass alle positiven, nützlichen, guten und konstruktiven Aktivitäten des Menschen in allen wissenschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen, staatlichen und organisierten Bereichen mit eingeschlossen sind.

Alle Bemühungen, angefangen bei der Erfindung eines Wissenschaftlers zur Unterstützung der Menschheit und bei seinen jahrelangen Bemühungen über die Schmerzen und Qualen, welche eine Mutter bei der Geburt ihres Kindes durchlebt und auch später bei der Erziehung dieses Kindes aufbringt und übernimmt bis hin zu den Bemühungen der Wissenschaftler und Gelehrten beim Schreiben und Zusammenstellen ihrer wertvollen Bücher werden alle zu akkuraten Taten und Handlungen gezählt.

Aus diesem Grund kann man behaupten, dass ein akkurates und rechtschaffenes Handeln sich nicht nur auf die Durchführung der religiösen Pflichten und Gebote, wie beispielsweise das Gebet, das Fasten usw. … beschränkt; jede noch so kleine und unbedeutende Handlung, wie beispielsweise das Wegfegen eines kleinen Steines vom Gehweg zur Erleichterung für die Mitmenschen wird nämlich auch als eine akkurate und rechtschaffene Handlung gesehen.

Außerdem offenbart der 97. Vers der heiligen Sure An-Nahl auch auf deutliche Art und Weise die gesamte Logik und Vernunft des Islam; dass der Islam im Gegensatz zu der Annahme kurzsichtiger Personen nicht nur eine männliche Religion darstellt, sondern den Frauen im selben Ausmaß wie den Männern zukommt. Mann und Frau erlangen, solange sie sich auf dem Pfad des Glaubens und der akkuraten und rechtschaffenen Handlung bewegen,  im selben Ausmaß eine „edle Existenz“ und beide erwerben beim allmächtigen Gott das gleich Ausmaß an Segen und Belohnung; außer wenn sie sich in Bezug auf ihren Glauben und ihr akkurates und rechtschaffenes Handeln voneinander unterscheiden.

Man sollte erwähnen, dass die edle Existenz selbst im Besitz unterschiedlicher Stufen und Ränge ist; je mehr der Mensch seinen Glauben und sein akkurates und rechtschaffenes Handeln steigert, desto mehr gewinnt seine edle Existenz in gleichem Ausmaß an Existenz, Stärke und Intensität und steigern sich außerdem seine spirituellen und geistigen Ränge.

Eigenschaften einer edlen Existenz

Ein Mensch, welcher den akkuraten Glauben und das rechtschaffene Verhalten aus der Sicht des Islam besitzt, unterscheidet sich in den folgenden vier zentralen Eigenschaften von anderen Menschen:

  1. Reine Glaubensansichten und Überzeugungen

Ein Mensch mit monotheistischem Glauben betrachtet seine Umweltphänomene nicht ausschließlich aus einem materiellen und natürlichen Blickwinkel; sein Wissen und seine Wissenschaft umfassen neben seinem Verstand, seiner Intuition, seinen Gefühlen und seiner Erfahrung auch eine weitere sicherere Quelle wie die Offenbarung. In den meisten Fällen gewinnen die oben genannten Quellen mittels der Bestätigung durch die Offenbarung eine große Glaubwürdigkeit. Ein monotheistischer Mensch besitzt eine besondere Erkenntnis über die Schöpfung und die geschaffene Natur, welche sich durchaus von der Erkenntnis anderer Menschen unterscheidet. Er erachtet die Phänomene in seiner Umgebung als Verse und Zeichen des allmächtigen Gottes.

  1. Reine Neigungen und Vorlieben

Diese reinen Glaubensansichten führen zu reinen und wunderschönen Neigungen und Vorlieben. In seiner Natur ist das Wesen des Menschen auf der Suche nach reinen Neigungen und Vorlieben. Der Faktor, welcher das Wesen antreibt und dieses Wesen vor dem Versagen gegenüber unreiner Vorlieben und Neigungen beschützt und bewahrt, bildet genau diese reine Betrachtungsweise.

Die Neigung zur Untreue, der Wunsch nach Untreue, die Neigung zum Selbstmord usw. … sind alles Dinge, die dem gläubigen Menschen fremd sind; es vergeht jedoch kein Tag und keine Nacht, an dem man nicht die Spuren dieser Dinge im Leben ungläubiger Menschen erkennt. Im Rahmen dieser reinen Vorlieben und Neigungen befindet sich auch die Vorliebe für den Schöpfer all dieser Reinheit und reinen Dinge. Ein gläubiger Mensch liebt den allmächtigen Gott, er die Freunde Gottes und er liebt  selbstverständlich auch die Gebote Gottes.

  1. Reiner Wille und Entschluss

Diese Erkenntnis und diese Neigung entfacht ein Feuer und eine Energie im Wesen des gläubigen Menschen, sodass dieser unbedingt das wahrhaftige Ziel erlangen möchte und keine Ruhe gibt, bis er dieses erreicht hat. Ein gläubiger Mensch, welcher den Schöpfer der edlen Existenz erlangt hat, orientiert sich allein am Willen und Wunsch des allmächtigen Gottes. Ein Gott, welcher die Quelle aller guten, schönen und reinen Dinge darstellt. Für einen solchen Menschen stellen andere Dinge ein Mittel zum Zweck dar, aber das endgültige Ziel ist der allmächtige Gott. Dieser Mensch trinkt für Gott, er ernährt sich für Gott, er erlangt Wissen für Gott, nur für Gott.

  1. Reine Taten

Das Ergebnis dieser reinen Glaubensansicht und Neigung und dieses reinen Willens bildet ein reines Verhalten, welches im heiligen Qur`an als akkurates und rechtschaffenes Verhalten dargestellt und benannt wird. Ein Verhalten, welches entweder in seinem Wesen rein und unverhohlen ist, wie das Gebet und andere Anbetung, oder welches mittels eines göttlichen Willens und einer göttlichen Absicht rein und schön wird, wie beispielsweise der Verzehr der Nahrung zur Erlangung von Energie für ein Gebet. Ebenso, wie der gläubige Mensch sich von unreinen und finsteren Neigungen distanziert, so entfernt er sich dementsprechend auch von unreinen und finsteren Taten, wie beispielsweise dem Lügen, dem Verzehr von Alkohol usw. … .

Schlussfolgerung

Aus der Sammlung der oben aufgeführten Qur`anverse und Überlieferungen kommt man zur Schlussfolgerung, dass der allmächtige Gott den gläubigen Menschen, welcher rechtschaffen handelt, mit einer neuen Existenz segnet und Leben einhaucht, welche sich von der Existenz, mit der andere Menschen gesegnet werden, unterscheidet. Der gläubige Mensch erlangt im Rahmen seines akkuraten Glaubens und seines rechtschaffenen Handelns eine edle Existenz, welche viele Vorteile bringt. Im folgenden sind einige dieser Besonderheiten und Errungenschaften aufgeführt:

  1. Die Erlangung des wissenschaftlichen und rationalen Lichtes, mittels dessen der Mensch sich auf dem rechten Pfad des allmächtigen Gottes entwickelt und die Glückseligkeit erlangt.
  2. Der Genuss eines reinen Lebens, distanziert und befreit von jeglicher Art von Sünde, Unterdrückung, Untreue, Feindseligkeit, Feindschaften, Gefangenschaft, Demütigungen und Entwürdigung.
  3. Die Erlangung vollkommener Zufriedenheit und Befriedigung durch all jene Dinge, mit welchen der allmächtige Gott den Menschen mit einer edlen Existenz gesegnet und für diesen als passend und angemessen erachtet hat.

„O du ruhige Seele! Komm zufrieden zurück zu deinem Herrn und mit (Allahs) Wohlwollen schließ‘ dich so dem Kreis Meiner Diener an. Und tritt ein in Mein Paradies.“ (Al-Fadschr | 89:27-30)

Literaturangaben:

  • Der heilige Qur`an
  • Allameh Seyed Mohammad Hossein Tabatabaei. Tafsir Al-Mizan.
  • Ayatollah Abdollah Jawadi Amoli. Tafsir Tasnim. Qom. Asraa Verlag.
  • Ayatollah Abdollah Jawadi Amoli. Monotheismus im Qur`an (Tohid dar Qur`an). Qom. Asraa Verlag.
  • Ayatollah Abdollah Jawadi Amoli. Gesellschaft im Qur`an (Jame’e dar Qur`an). Qom. Asraa Verlag.
  • Morteza Motahari. Die Sammlung seiner Werke (Majmou’eh Asar). Teheran. Sadra-Verlag.
  • Ayatollah Naser Makarem Shirazi. Tafsir Nemouneh.

[1] Ayatollah Javadi Amoli. Tafsir Tasnim. Bd. 13, S. 621.
[2] Ibn Manzour. Lesan Alarab. Bd. 1, S. 563.
[3] Allameh Tabatabaei. Tafsir Al- Mizan. Bd. 12, S. 494.
[4] Morteza Motahari. Die Sammlung seiner Werke (Majmou’eh Asar). Bd. 25, S. 449.
[5] Ayatollah Javadi Amoli. Tafsir Tasnim. Bd. 9, S. 588.
[6] Morteza Motahari. Die Sammlung seiner Werke (Majmou’eh Asar). Bd. 22, S. 89.
[7] Mohammad Ibn Hossein KHansari. Sharh Ghorar Alhekam. Bd. 3, S. 234.