Religiöse Freiheit und Sicherheit

Ayatollah Dr. Reza Ramezani

Es wurde bewiesen, dass der Mensch natürliche und innere Bedürfnisse hat, die in jedem Menschen verankert sind. Obwohl es bei einigen Menschen möglich ist, dass sie durch die Anbindung ihres Herzens an weltliche Angelegenheiten Staub auf diese göttlichen und reinen Bedürfnisse gelegt haben, existieren diese dennoch. Dies tritt besonders zum Vorschein, wenn Menschen in Zeiten schwerer Not durch weltliche Hilfe und Mittel in Hoffnungslosigkeit geraten. In jedem Fall existieren diese Bedürfnisse und sie sind im Besitz verschiedener Arten, darunter das Bedürfnis nach Tugendhaftigkeit oder nach dem Gottesdienst. Allerdings ist dieses Problem im Laufe der Geschichte leider stets mit dem Menschen gewesen, dass viele aufgrund der Anbetung von ungültigen Angelegenheiten auf einen abweichenden Pfad gelangt sind. Es ist wichtig festzuhalten, dass trotz der Existenz eines solchen heiligen Bedürfnisses die Menschen keineswegs zur Wahl einer Religion gezwungen sind.

Den Menschen wurde das Recht gegeben, durch ihren freien Willen dem Weg zu folgen, welchen sie für sich ausgewählt haben. Der Islam erlaubt nicht, dass jemand aufgrund seiner Überzeugung angegriffen wird. Die Bedeutung der religiösen Sicherheit ist von derartiger Tragweite, dass sie von allen menschlichen Gesellschaften anerkannt worden ist. So steht im 18. Paragraph der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

Auch im 4. Artikel des deutschen Grundgesetzes, dem 1. Zusatzartikel zur Verfassung der USA von 1791 und dem 10. Paragraphen der französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 wurde die Meinungs- und Religionsfreiheit derart festgeschrieben, auch wenn in diesen Erklärungen die Religion aus der Perspektive der freien Willensbildung geehrt wird und nicht aufgrund dessen, dass die Religion zu den Unbedingtheiten des gedanklichen Lebens des Menschen gehört. Allerdings ist es wertvoll, dass überall die religiöse Sicherheit geehrt wird, doch da die Themen, die hier besprochen werden, stärker die islamische Sicht behandeln, widmen wir uns in dieser Sitzung nun der islamischen Betrachtung der religiösen Sicherheit.

Der Islam als eine allgemeine Religion unterstreicht strengstens den Punkt, dass der Mensch von seinem Wesen her ein selbstbestimmendes Geschöpf ist und in Freiheit erschaffen wurde. Der Qur’an sagt hierzu: „Allah hat den überzeugenden Beweis. Hätte Er es gewollt, so hätte Er euch alle rechtgeleitet.“ (al-Araf | 7:149) An einer anderen Stelle heißt es: „Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf der Erde sind, geglaubt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, Gläubige zu werden?“ (Yunus | 10:99) Es ist äußerst klar, dass die Überzeugung eine Angelegenheit des Herzens und des Willens ist, wo kein Platz für Zwang und Nötigung besteht. Aus diesem Grund stellt alles, was dem Menschen eine Hilfe zur Auswahl einer Überzeugung leistet, einen Vorzug für ihn dar, u.a.: Der Intellekt, die natürliche Veranlagung oder die Rechtleitung durch Propheten und heilige Bücher. Die islamischen Denker sind der Auffassung, dass der Zwang im Hinblick auf die Überzeugungen, die eine Angelegenheit des Herzens darstellen, ungültig ist.

Gebieten des Guten und Verwehren des Verwerflichen

In einer islamischen Gesellschaft sind die Menschen zueinander und zur Regierung im Rahmen der gegenseitigen Hilfe, des Gebietens des Guten und Verbietens des Verwerflichen, des Aufwerfens von Kritik, sowie der Beratung positiv eigenstellt. Jeder verspürt im Hinblick auf den anderen das Gefühl von Sicherheit und Ruhe und in Wahrheit zählt ein solcher Blick aufeinander zu den Verpflichtungen im Glauben, wodurch man durch gemeinsame Zusammenarbeit und Mitgefühl einander zur Hilfe kommt. Ohne Zweifel führt die Implementierung einer solchen Kultur in der Auseinandersetzung mit den Angelegenheiten zur Versicherung einer religiösen Gesellschaft und ihrem Schutz vor schädlichen Vorfällen. Aus diesem Grund legt der heilige Qur’an auf den Besitz eines solchen Geistes besonderen Wert und gebietet den Muslimen eine solche Einstellung: „Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung.“ (al-Mai‘da | 5:1)

Ohne Zweifel besteht in allgemeiner Art und Weise in der islamischen Gesellschaft der Geist der Zusammenarbeit und das Gefühl der Verbundenheit. Der Besitz einer solchen Kultur führt dazu, dass die Gesellschaft vor allem, was offenkundig eine Sünde darstellt, geschützt bleibt. Der Islam legt auf die Beratung und die Erteilung von Ratschlägen einen derartigen Stellenwert, dass  nicht nur gegenüber normalen Personen, sondern auch gegenüber Arbeitgebern und Herrschern  für die Menschen das Recht besteht, ihnen ihre Fehler aufzuzeigen und Kritik an ihnen vorzubringen. Aus diesem Grund rührt es her, dass in allgemeiner Art und Weise den Menschen die Erlaubnis gegeben wurde, ihre Interessensverwalter unter Beobachtung zu haben, damit sie ihren Aufgaben in geordneter Art und Weise nachgehen und falls sie einen Fehler begangen haben sollten, dafür von ihnen entsprechend belangt werden. Dieser Punkt ist im politischen System von besonderer Wichtigkeit, sodass man mit Bedachtsamkeit gegenüber seinem Verhalten und seiner Rede handelt und seinen Pflichten ordnungsgemäß nachgeht.

Der Besitz eines mitfühlenden Geistes hat die Versicherung und Gesundheit einer Gesellschaft zur Folge und falls eine solche Verpflichtung in Vergessenheit geraten sollte und  man sich gar davon abwenden sollte, so muss das Gebot des Gebietens des Guten und Verwehrens des Verwerflichen auf richtige Art und Weise umgesetzt werden, selbst wenn es irgendwo zu Kritik kommen sollte, denn der Mensch muss seiner Pflicht nachgehen. Was jedoch wichtig ist, ist die Beachtung der Würde der Personen. Die Grenzen des Respekts müssen gewahrt bleiben und es darf nicht derart sein, dass ein Verantwortlicher beleidigt und seine Ehre in den Schmutz gezogen wird, ohne dass etwas bewiesen wäre. Der Islam verbietet die Verletzung der Achtung nicht nur gegenüber den Arbeitgebern und Verantwortlichen, sondern auch gegenüber jedem anderen Menschen. Die Würde des Menschen muss in jedem Fall geschützt bleiben.

Familiäre Sicherheit

Die Zerstörung der familiären Sicherheit sorgt für zahlreiche Probleme im familiären Zusammenleben und sogar der Gesellschaft. Aus diesem Grund stellt der Prophet (s.) die Heirat als den bei Gott am höchsten stehenden Grundstein zur Familiengründung dar. Zur Etablierung dieser Sicherheit müssen zunächst die gegenseitigen Rechte von Mann und Frau gekannt und eingehalten werden. Dann müssen die Grundlagen der Erziehung einer Familie eingeleitet werden. Drittens muss die Regierung Gesetze zur Erleichterung der Familiengründung erstellen und die Bedingungen zum Wachstum und zur Festigung der Familie bereitstellen. Wenn die Angelegenheit der Familie ein heiliges Gebot darstellt, so muss ihr Schutz und ihre Sicherheit aus jeder Blickrichtung her verstärkt werden.

Auf Grundlage dessen gibt es keine andere Wahl, als den rechtlichen und moralischen Aspekten der Familie, die zur Sicherheit dieser heiligen Institution führen, unbedingte Aufmerksamkeit zu schenken. Auch die Regierung muss um jeden Preis den Boden zur Vereinfachung von Familiengründungen bereiten, so beispielsweise in der Schaffung von Arbeitsplätzen, Wohnraum, der Deckung von Kosten für die Heirat, sowie der Brautgabe etc., damit Mann und Frau zu Beginn ihres Ehelebens nicht mit finanziellen Problemen konfrontiert werden, welches Konfliktpotential birgt. Sollte die entsprechenden Vorbeugung in diesem Bereich erfolgen, sowie Mann und Frau als Gründer einer Familie gemäß den religiösen und moralischen Lehren belehrt worden sein, werden die Probleme in diesem Bereich geringer sein.

Leider gibt es viele Faktoren, die die Familie bedrohen und sollten diese nicht bekämpft werden, würden Sorge, Trostlosigkeit und Unsicherheit das Familie Zusammenleben prägen. Zu diesen Faktoren zählen u.a.: Drogensucht, welche aus verschiedenen Aspekten zahlreiche Schäden für die Familie hervorruft. Die Verschwendung von Zeit und der Jugend, die Verschwendung von materiellem Vermögen, physische sowie psychische Mängel, spirituelle und geistliche Schäden, Verletzungen der Ehre und Würde, die alle zum Zusammenbruch der Stabilität der Familie führen. Zu den Faktoren, welche eine ernsthafte Bedrohung für die Familie darstellen, zählen Armut und Arbeitslosigkeit. In jedem Fall muss man akzeptieren, dass die Armut und Mittellosigkeit zum Unglauben führt. Sie ist ein wichtiger Faktor zur Zerstörung der Familie, da ein mittelloser Mensch auch im Hinblick auf seine Frau und Kinder mittellos ist. Deshalb wurde in unserer Überlieferung darauf hingewiesen, dass sich alle um die Deckung ihres Lebensunterhaltes bemühen müssen, um somit Entspannung in der Familie hervorzurufen. Sie weist ebenfalls auf die Wichtigkeit der Arbeit im Islam hin und es obliegt zum Großteil den Arbeitgebern, für genug Arbeit zu sorgen.

Überhaupt dass die Arbeit als ein großer Gottesdienst vorgestellt wird, liegt darin begründet, dass die Menschen in einer Gesellschaft die Arbeit und  Mühe ernst nehmen sollen. Dies bezeugt, dass die Arbeit sowohl ein Gottesdienst ist als auch ein Faktor zur Erziehung des Menschen, des Wachstums und des verhältnismäßigen Wohlstandes in der Gesellschaft. Der Angelegenheit der Arbeit wird ein derartiger Wert beigemessen, dass die Bittgebete desjenigen, der sich vor ihr drückt, nicht angenommen werden. Auf Basis dessen muss sowohl die Möglichkeit zum Arbeiten vorhanden sein als auch der Wille zur Arbeit bei den Menschen , um ihrer Verpflichtung zur Errichtung der familiären Sicherheit  entsprechen zu können. Von Imam Sadiq (a.) wird überliefert: „Bemühe dich um den Wohlstand und die Entwicklung deiner Familie und hüte dich vor Sachen, die sie dazu verleitet, dir Schaden zuzufügen.“

Zu den Punkten, die bezüglich der Sicherheit der Familie aufgezählt werden müssen, kann man die Motivation zur Heirat aufführen, die der Korrektur bedarf. Man darf sein Herz nicht an schnell-vergängliche Absichten knüpfen, wie beispielsweise Schönheit, Reichtum, besondere bildungstechnische oder künstlerische Besonderheiten, den Zwang der Personen in der Umgebung, der Ethnie etc., denn ohne Zweifel werden solche Ehen nicht halten. Aber wenn man zur Rettung vor der Einsamkeit, um der Liebe willen, des Kinderwunsches willen und der Kindererziehung willen, um der Befriedigung der triebhaften Gelüste gemäß dem göttlichen Weg willen, um des Schutzes der Keuschheit willen, um der Handlung gemäß der Verfahrensweise des Islam und des Propheten (s.) und um des Strebens nach Vollkommenheit willen miteinander den Bund der Ehe schließt und die göttliche Liebe, die die Hauptrolle in der Aufrechterhaltung der Heirat spielt, einhalten will und einander Vertrauen und sich auf Gott stützen und gemäß dem göttlichen Gebot handeln und das Leben göttlich und menschlich gestalten möchte, wird ohne Zweifel die Familie die höchste Stufe der Sicherheit haben und die Familienmitglieder werden das irdische Paradies  daheim spüren.

Annäherung der Religionen

Es ist erforderlich daran zu erinnern, dass die heutige menschliche Gesellschaft sich mehr denn je auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen konzentrieren muss, damit die Menschen durch die religiösen Lehren und den göttlichen Propheten nebeneinander in Frieden leben können und einander respektieren. Allerdings sehen einige diese Annäherung zwischen den Anhängern der Religionen und Rechtsschulen zu ihrem Nachteil an und sind stets bestrebt Konflikte zu schüren. Hier müssen die religiösen Wissenschaftler, Führer und Lehrer durch den Dialog versuchen die Beziehungen zwischen den Anhängern der Religionen zu stärken. Die Feinde dieser Annäherung haben mit den göttlichen Religionen an sich kein Problem, sie sind einzig  bestrebt wieder die Flamme des Konfliktes unter den Anhängern der Religionen zu schüren und sind in Wahrheit gegen eine religiöse Herrschaft. Man muss stets vor den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Angriffen auf der Hut sein, damit sie ihren Plan der Konfliktschürung nicht realisieren können.

Es muss stets auf den Aspekt hingewiesen werden, dass keine der abrahamitischen Religionen ihre Anhänger dazu aufgefordert hat Krieg zu schüren oder Leid zu verursachen. Im Gegenteil gehören der Frieden, die Ruhe, Entspannung und Sicherheit zu den wichtigsten Lehren im gesellschaftlichen Leben der Menschen, worauf alle ihre Aufmerksamkeit richten müssen. Doch sind leider einige durch Machtgier und Geldhunger bestrebt, schwache Gesellschaften unter ihrer Kontrolle zu bringen und ohne Zweifel kann man dadurch eine Gesellschaft nicht zur Sicherheit und Ruhe führen. Das Recht aller Völker und Menschen muss im internationalen System respektiert und beachtet werden. Aus diesem Blickwinkel müssen die internationalen Organisationen ihre wichtigste Aufgabe darin sehen, für die Verteidigung der Rechte der Menschen und Völker einzustehen. Speziell trifft dies auf schwache Gesellschaften zu. Sie müssen Konflikten vorbeugen und die Sicherheit und Ruhe in allen Gesellschaften wieder gewährleisten und die Rechte eines Volkes in der Bestimmung des Schicksals ihres Landes respektieren. Mächte, die bestrebt sind andere Nationen unter ihre Kontrolle zu bringen, müssen in ihrem Vorhaben gestoppt werden, damit sie die menschliche Gesellschaft nicht mit Unsicherheit und Unruhe konfrontieren.

Genauso wie politische oder religiöse Unruhen in der menschlichen Gesellschaft ein Faktor für die Bedrohung der Sicherheit sein können, können auch wirtschaftliche Faktoren eine Bedrohung für dieselbe darstellen. Wenn das Vermögen nicht auf gerechte Art und Weise zwischen den Menschen verteilt wird, wird dies für zahlreiche Probleme in der Gesellschaft sorgen und zahlreiche Probleme in den zwischenmenschlichen Beziehungen hervorrufen. Der heilige Qur’an verdeutlicht den Punkt, dass die Segnungen und Vermögen in den Händen der Menschen von allen genutzt werden müssen, damit die Menschen durch die Nutzung dieser Segnungen die Fähigkeit zum Begehen von rechtschaffenen Taten haben.

Faktoren zur Verhinderung der Sicherheit

Jede Gesellschaft kann den Boden für die Menschen bereiten, damit jeder gemäß seiner Kapazität in Richtung Vollkommenheit und Glückseligkeit schreiten kann. Jedoch ist es wichtig herauszufinden, welches  Faktoren darstellen, die die Entstehung der Sicherheit hemmen. Es muss darauf geachtet werden, dass die Sicherheit nicht von selbst entsteht, sondern dass sie ein Produkt verschiedener Faktoren ist, wozu die gesellschaftliche Moral als bedeutendster Faktor gezählt werden kann. Deshalb weist auch der Führer der Gläubigen in Nahdsch-ul-Balagha seine Gefährten darauf hin, sich von allem fernzuhalten, was eine Bedrohung für die gesellschaftliche Sicherheit darstellen könnte. Beispielsweise unterstreicht er bei der Verteilung der Güter die Gefahr von Diskriminierung als einen der niederen moralischen Züge und fordert sie dazu auf, sich davon fernzuhalten und die Gerechtigkeit walten zu lassen.

In einem Brief an Malik al-Aschtar schreibt Imam Ali (a.): „Beachte die Gerechtigkeit gegenüber Gott durch die Beachtung Seiner Gebote und verhalte dich gerecht gegenüber den Menschen, deinen Nahestehenden und überhaupt gegenüber jedem, den du magst. Ansonsten zählst du zu den Unterdrückern und jedem, der den Dienern Gottes Unrecht widerfahren lässt, wird Gott zum Feind und von jedem, dem Gott zum Feind wird, wird keine Entschuldigung akzeptiert werden. Er befindet sich mit Gott solange im Krieg, bis er aufgibt oder bereut.“ Als Ergebnis halten wir fest, dass es erforderlich ist, die moralischen Grundsätze wie Gerechtigkeit und die Achtung vor dem Recht der anderen als anzuwendende Gesetze umzusetzen, sodass sich jeder entsprechend verpflichtet fühlt und im Falle von Verstößen rechtmäßig belangt wird.

Somit muss gegen alles, was den Grund und Boden für Falschheit bereiten kann, vorgegangen werden, etwa  gegen die Korruption, Verschwendung, Sucht, Rowdytum usw. Sie alle rühren aus der Schwäche und dem moralischen Verfall her und können wichtige Faktoren für die Unsicherheit in der Gesellschaft sein. Leider  führte dieser moralische Verfall in der heutigen Welt jedoch dazu, dass Diskriminierung, Armut und Mittellosigkeit, Sorgen, Depressionen und Identitätslosigkeit die Menschen der Gesellschaft plagen. Das Ergebnis all dessen ist ein Wachstum der Schäden, Drohungen und gesellschaftlichen Leiden. Die Korruption und Bestechung  hat als einer dieser Schäden, obwohl sie in allen Staaten als eindeutiges Verbrechen bekannt sind und aus religionsrechtlicher Sicht eindeutig verboten,  in einigen Gesellschaften Unsicherheit und Unruhe ausgelöst. Dies führte zum Vertrauensbruch, zu Doppelzüngigkeit, Identitätslosigkeit und zur Umwandlung des spirituellen, göttlichen und menschlichen Lebens der Gesellschaft. In einigen Fällen ist es gar so, dass ohne Bestechung die Angelegenheiten trotz Anstrengung nicht mehr weiter kommen und es als Geschenk etc. deklariert wird, welches im Endeffekt dennoch Bestechung ist.

Die werte-orientierte Gesellschaft des Qur’ans bleibt auf dem Aspekt standhaft, dass die Sicherheit in umfassender Form im menschlichen Leben etabliert werden muss, damit alle im Schutze der Sicherheit zur Vollkommenheit gelangen können. Aus islamischer Sicht ist diese Sicherheit in allen Bereichen wichtig, sei es nun die Sicherheit des Lebens oder der Würde bis hin zur Sicherheit der Arbeit, Familie, des Gerichtswesens, der Politik, Kultur oder der Religion und Rechtsschule. Im heiligen Qur’an wird die Sicherheit – als einer der wichtigen menschlichen Werte unterstrichen, sowie  die Faktoren, die sie bedrohen. Aus dieser Hinsicht ist es angemessen über diese Thematik genaue Analysen und Sitzungen abzuhalten.

Moralische Faktoren

Bei der Bedrohung für die Sicherheit widmen wir uns nun den moralischen Faktoren zu. Bei der Erklärung der Angelegenheit wird daran erinnert, dass jede Ebene der moralischen Segnungen der Menschen bei der Bewahrung der Sicherheit ihre Rolle spielt. Bspw. wenn die Gesellschaft in Richtung Vernunft, Gerechtigkeit, Weisheit und dergleichen voranschreitet,  werden viele Segnungen zur Belebung der menschlichen Beziehungen führen. Auf diese Weise geschieht Form es, dass die individuellen und gemeinschaftlichen Stärken in einer richtigen Richtung positioniert werden und das Gefühl der Vertrautheit, des Dienstes, der Aufopferung, Nachsicht, die Unterstützung anderer zur Ausmerzung der Armut, Mittellosigkeit und des Unwissens für die Gesellschaft empfohlen wird. Jede dieser Eigenschaften kann einen Teil der Sicherheit in der Gesellschaft hervorbringen. Wenn die Gesellschaft jedoch von Tugenden wie Treue, Ausgeglichenheit, Nachsicht, Mitleid, Keuschheit oder Liebe zum Geschöpf Abstand nimmt, führt dies dazu, dass die Menschen kein Vertrauen mehr zueinander haben oder gar schlimmer, die Beziehung zwischen den Völkern und den Herrschern matt wird. Die Gemeinsamkeiten und die Beziehungen werden farbloser und die Sicherheit erleidet als Ergebnis auf verschiedene Art und Weise Schäden. Von daher zählen die moralischen Laster, seien sie nun individueller oder gesellschaftlicher Natur, zu den wichtigen Faktoren, die die Sicherheit bedrohen.

Vor allem ist es angemessen auf die moralischen Grundsätze zur Verwaltung der menschlichen Ressourcen hinzuweisen: Stets muss die erhabene Stellung des Menschen vor Augen geführt werden. Es muss auf die menschliche Würde geachtet werden. Für die Ressourcen der Öffentlichkeit muss auf Basis des moralischen Gewissens und ohne  Voreingenommenheit gehandelt werden. In dieser Hinsicht muss gegenüber allen der Blick der Gleichheit erfolgen. Der Diskriminierung muss dringend Einhalt geboten werden.     Die Erfüllung der Pflichten und der Verantwortlichkeiten muss ohne die Absicht zur Erlangung einer besonderen Stellung erfolgen und sollte mit der Absicht zur korrekten Ausführung derselben geschehen, die den Personen jeweils auferlegt worden sind. Es müssen Methoden angewendet werden, die die Begabung zum Erblühen bringt. Zur Schaffung von geschäftlichen Partnerschaften muss sich jeder Programmen zuwenden, die zur Entstehung der Motivation in jedem führen. Man muss sich verantwortlich gegenüber dem Recht von jedem einzelnen fühlen. Man muss auf Basis der Gerechtigkeit mit allen umgehen. Man darf nicht in private Angelegenheiten der Menschen eindringen, da der Eintritt in derartige Angelegenheiten die Atmosphäre der Familie und der Menschen unsicher macht.

Das Ziel der Moral bei der gesellschaftlichen Sicherheit ist all jenes, welches aus verhaltenstechnischer Sicht eine positive oder negative Rolle spielen kann. Wenn also die Rede von der gesellschaftlichen Sicherheit ist, muss sich mehr den moralischen Angelegenheiten, den Tugenden und Werten gewidmet werden, die einen direkten Einfluss bei der Entstehung der Sicherheit haben. Wenn die Verantwortlichen bei der Begegnung der verschiedenen gesellschaftlichen Angelegenheiten auf Basis der entsprechenden Kriterien handeln, wird dies zur Vertrauensbildung zwischen den Menschen und der Regierung führen. Andernfalls wird es sich zur Unsicherheit und Unruhe wenden. Wenn also bei der Einstellung der gesellschaftlichen Angelegenheiten die Beziehungen den Kriterien der Angelegenheiten vorgezogen werden, wird dies zur Verringerung des Vertrauens der Menschen in die Regierung führen, welches wiederum die Unsicherheit und Unruhe in der Gesellschaft verstärkt.

Allerdings unterstreicht der Islam die Stärkung der Beziehungen zu den Angehörigen, allerdings nur, wenn dies im privaten Rahmen geschieht. Wenn allerdings diese privaten Beziehungen einen Fuß in den Bereich der Verwaltung setzen, führt dies zu großen Schäden und zum Vertrauensverlust der Menschen in die Verantwortlichen. Je stärker dieser Vertrauensverlust ausfällt, desto höher steigt die Unsicherheit. Der Führer der Gläubigen sagte zu einem seiner Gefährten, dass die Übergabe der Verantwortung nicht auf Basis der persönlichen Beziehungen getroffen werden darf und so hat er in einem Brief an diesen die Kritik ausgesprochen, weshalb er dieser ungeeigneten Person Verantwortung übergeben habe. So ist der Führer der Gläubigen der Überzeugung, dass wenn ein Verantwortlicher auf Basis von familiären Beziehungen bei der Verteilung der Verantwortlichkeiten handelt und nicht die Gefühle der Angehörigen kontrollieren kann, dieser nicht die geeignete Person ist und dass ihm die Verantwortung dafür entzogen werden sollte.