Scharia und Spiritualität

Der zeitgenössische Mensch ist auf der Suche nach spiritueller Ruhe und Ausgelassenheit. Er möchte die Bedürfnisse seines Wesens durch eine angemessene und rationale Antwort würdigen. Die Erscheinung nichtgöttlicher Spiritualität stellt in der heutigen Zeit eine ernst zu nehmende Bedrohung für die wünschenswerte Spiritualität des Menschen dar. Die Diskussionsanregung der „Scharia[1] und Spiritualität“ dient zur Eröffnung des richtigen Weges und der Auseinandersetzung mit nichtreligiöser Spiritualität und kann beim Abbau eventueller Schäden einer wünschenswerten Spiritualität des Menschen eine tragende Rolle spielen.

Was ist die Scharia?

Die Scharia steht für den Weg und die Art und Weise der Religion, welche zur Erlösung der Menschheit führt. Gott hat sie durch seine Propheten den Menschen als einen allgemeinen Segen zur Verfügung gestellt und offenbart. Deren Einhaltung ist nicht nur zur Erlangung spiritueller Tugend und Vollkommenheit notwendig, sondern führt auch zu einem besseren Leben und zur Ordnung des religiösen Lebens der Menschen. Die Scharia ist also sowohl für ein weltliches Leben als auch zur Erlangung jenseitiger Vollkommenheit erforderlich. Mit anderen Worten ist die Scharia also eine Lebensweise, welche seitens des erhabenen Gottes für die Menschen mit der Absicht, dessen Verhalten zu Gott zu formen, erstellt und offenbart wurde.[2]

Was bedeutet Spiritualität?

Die Spiritualität der Religion ist aber eine reine Wahrheit, welche aus dem Bereich der Loyalität und praktischen Verpflichtung gegenüber den Programmen und Geboten der Religion für den Menschen entstehen und diesem die edle Existenz eröffnen, welche der Koran versprochen hat. Diese Wahrheit kann man aus der Sicht der Scharia auf folgende Weisen deuten:

  1. Es kann behauptet werden, dass diese reine Wahrheit der religiöse Glaube ist. Der religiöse Glaube ist der Generalschlüssel zur Spiritualität und ohne einen solchen Glauben kann ein Mensch keinesfalls eine Spiritualität erlangen.
  2. Es kann behauptet werden, dass diese reine Wahrheit ein wesensbezogener Zustand ist, welcher eine Konsequenz des religiösen Glaubens und der tugendhaften Taten darstellt. Dieser wesensbezogene Zustand ist die Königin der Tugenden, welche die Spiritualität immer mehr erweitert, je zielstrebiger sie wird. Ebenso ist es die innere Verbindung, mit deren Existenz der Mensch sich immer in der Präsenz Gottes sieht und sich unter keinen Umständen von ihm abwendet. In Bezug auf Personen in Besitz dieses Zustandes offenbart der heilige Koran folgendes: „Die Allahs gedenken im Stehen und im Sitzen und (Liegen) auf ihren Seiten und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken …“ (Al-i-Imran | 3:191)

الَّذِينَ يَذْكُرُونَ اللَّهَ قِيَامًا وَقُعُودًا وَعَلَى جُنُوبِهِمْ وَيَتَفَكَّرُونَ فِي خَلْقِ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ رَبَّنَا مَا خَلَقْتَ هَذَا بَاطِلًا سُبْحَانَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِ

Oder er offenbart noch folgendes: „Männer, die weder Ware noch Handel vom Gedenken an Allah abhält …“ (An-Nur | 24:37)

رِجَالٌ لَّا تُلْهِيهِمْ تِجَارَةٌ وَ لَا بَيْعٌ عَن ذِكْرِ اللَّهِ

Es ist offensichtlich, dass der Mensch im Besitz einer höheren Spiritualität ist, je mehr er seine herzensbezogene Beachtung und innere Verbindung vertieft. Die Spiritualität in ihren erwähnten Bedeutungen führt zahlreiche Folgen und Segen mit sich, zu denen geistige Ruhe, Zuversichtlichkeit, Fröhlichkeit und Ausgelassenheit, Vertrauen und Zuversicht auf Gott, Hoffnung und Ähnliches zählen.

  1. Es kann behauptet werden, dass mit Spiritualität ein inneres Licht gemeint ist, welches auch aus dem Bereich des Glaubens und der tugendhaften Taten für den Menschen entsteht und dass der Mensch aufgrund von deren Segen unter den Menschen lebt und sich seinen Weg zur Vollkommenheit bahnt (Al-Anam | 6:122; al-Hadid | 57:28). Genau dieses Licht wird am Jüngsten Gericht auch hervorkommen und durch die gläubigen Frauen und Männern hervorstrahlen (Al-Hadid | 57:12). Dieses innere Licht besitzt Stufen und Ränge und zeugt von Intensität und Schwäche. Daher ist es bei einigen Menschen schimmernd und schwach. Bei anderen Menschen ist es aber ein wenig stärker und intensiver, sodass der Mensch die inneren Strahlen und die Wahrheit einiger Angelegenheiten erlangen kann, einige göttliche Wahrheiten und Kenntnisse ihm jedoch verborgen bleiben. Bei einigen Menschen ist es auch sehr intensiv und wie ein starker Scheinwerfer und sogar eine leuchtende Sonne und erleuchtet Ort und Zeit, enthüllt alle Vorhänge und Schleier und offenbart dem Menschen die gesamten Zeugen und den reinen Monotheismus. Es ist deutlich, dass die Spiritualität in allen erwähnten Deutungen auf der Basis der Scharia aufbaut und sie ohne die Scharia schwer zu erlangen ist.

Der Mittelpunkt der reinen Spiritualität

Die heilige Scharia des Islam ist der Mittelpunkt der Spiritualität. Wenn jemand die wahrhaftige Spiritualität erlangen möchte, so muss er sich in das Umfeld der reinen Lehren und der Scharia des reinen Islam begeben. Die beste Leitung ist nämlich der Weg, den der allmächtige Gott der Menschheit mittels seines edelmütigen Propheten Muhammad (s.) aufgewiesen hat, indem er folgendes offenbarte: „Die höchste Leitung ist die Leitung Muhammads (s.).“[3] Da der edelmütige Prophet diese Leitung nämlich auf die zwei Hauptachsen, den Koran und die Ahl al-Bait[4] aufgebaut hat, erfolgt die wahre Leitung nur mittels des Koran und der Ahl al-Bait und keiner erlangt die wahre Mystik und Spiritualität außer im Schatten dieser beiden Hauptachsen.

  1. a) Der heilige Koran

Der allmächtige Gott hat den heiligen Koran offenbart, um den Menschen zur klaren Kowsarquelle der Spiritualität zu bringen und ihn zu erleuchten: „Er ist es, Der deutliche Zeichen auf Seinen Diener hinabsendet, auf dass Er euch aus den Finsternissen ins Licht führe. Und wahrlich, Allah ist gegen euch Gnädig, Barmherzig.“ (Al-Hadid | 57:9)

هُوَ الَّذِي يُنَزِّلُ عَلَى عَبْدِهِ آيَاتٍ بَيِّنَاتٍ لِيُخْرِجَكُم مِّنَ الظُّلُمَاتِ إِلَى النُّورِ وَإِنَّ اللَّهَ بِكُمْ لَرَؤُوفٌ رَّحِيمٌ

In der Bekanntmachung des Koran offenbart er auch folgendes: „Dies ist ein Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, auf dass du die Menschen mit der Erlaubnis ihres Herrn aus den Finsternissen zum Licht führen mögest, auf den Weg des Erhabenen, des Preiswürdigen.“ (Ibrahim | 14:1)

كِتَابٌ أَنزَلْنَاهُ إِلَيْكَ لِتُخْرِجَ النَّاسَ مِنَ الظُّلُمَاتِ إِلَى النُّورِ بِإِذْنِ رَبِّهِمْ إِلَى صِرَاطِ الْعَزِيزِ الْحَمِيدِ

Die Erkenntnissammlung, welche in den drei Bereichen des Glaubens, der Gebote und der Moral im heiligen Koran offenbart wird, bezieht sich auf dieses essentielle Ziel. Nach der Einladung unterschiedlicher menschlicher Völker zu den dreifaltigen Glaubensprinzipien hat der allmächtige Gott praktische Programme zur Glückseligkeit offenbart und alle zu seiner Gottesverehrung eingeladen: „O ihr Menschen, dient eurem Herrn, Der euch und diejenigen vor euch erschaffen hat, damit ihr gottesfürchtig sein möget.“ (Al-Baqara | 2:21) Das Verrichten des Gebets, das Fasten, die Hadsch-Pilgerreise, die Zahlung der Zakat[5], die Zahlung der Khums[6], Nächstenliebe, Wohltätigkeit, Güte und weitere tugendhafte Taten werden in vielen Versen des heiligen Koran als Wege der Gottesverehrung und Demut und der Erlangung von Mystik und Spiritualität erwähnt.

Der heilige Koran offenbart folgendes: „Und helft einander durch Geduld und Gebet.“ (Al-Baqara | 2:45) In einem weiteren Vers fordert der allmächtige Gott das Verrichten des Freitagsgebets: „O ihr, die ihr glaubt, wenn zum Freitagsgebet gerufen wird, dann eilt zum Gedenken Allahs und stellt den Geschäftsbetrieb ein.“ (Al-Dschum`a | 62:9) Oder in Bezug auf das Fasten wurde folgendes offenbart: „O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch da waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.“ (Al-Baqara | 2:183) Und nach der Aufforderung zum verpflichtenden Gebet wendet er sich an seinen Gesandten und offenbart folgendes: „Und unterbrich deswegen (für die Lesung) in der Nacht deinen Schlaf und (vollbringe) diese (Leistung) freiwillig. Es mag sein, dass dich dein Herr (dafür) zu einem löblichen Rang erweckt.“ (Al-Isra | 17:79) Ebenso zählen weitere praktische Programme und auch moralische Lehren, welche im Koran erwähnt werden, zu den einzigen Mitteln, mit denen man die wünschenswerte Spiritualität und Erleuchtung des Menschen und der menschlichen Bevölkerung erlangen kann.

  1. b) Die Ahl al-Bait

Unter Beachtung der gültigen religiösen Überlieferungen wird die Ahl al-Bait (a.) dem Koran gleichgestellt und alle Wahrheiten und Kenntnisse des Korans sind in deren Besitz. Sie sind die Schätze des Koran und die Quelle des Wissens und göttlicher Kenntnisse, der leibhaftige Koran und dem Lichte gleich. Das Oberhaupt der Gläubigen (a.) äußerte folgendes: „Wir, die Ahl al-Bait (a.) des Propheten, sind wie seine Kleidung und seine wahren Jünger und die Schatzmeister des Wissens und der Kenntnisse der Offenbarung und die Eingangspforten der Offenbarung; Man kann ein Haus außer durch die Eingangspforte nicht betreten und jeder, der in ein Haus eintritt und nicht den Eingang verwendet, wird als Dieb angesehen.“[7]

In einer weiteren Rede rät Imam Ali (a.) folgendes: „Denkt an die Ahl al-Bait (a.) eures Propheten, geht den Weg, auf dem sie schreiten, tretet in ihre Fußstapfen, sie werden euch niemals von dem Weg der Leitung abbringen und verführen euch nicht zu Niederträchtigkeit und Verhängnis. Wenn sie schweigen, so schweigt und wenn sie eine Revolution starten, so startet auch eine Bewegung, überholt sie nicht, da ihr sonst vom Weg abkommt und hinkt nicht hinter ihnen her, da das euer Untergang sein kann.“[8]

Personen, welche mittels der Verfolgung ihrer Gelüste oder irreführender Personen oder Gruppen oder teuflischer Wegen die Spiritualität erlangen möchten, werden die konventionelle islamische Spiritualität nicht erreichen und erzielen schließlich nur Niedergang und Ruin.

Die Reine Nachkommenschaft (a.), Vertreter der Scharia und Kommentatoren des heiligen Koran

Wenn man die bisherigen Aussagen zu der Ahl al-Bait (a.) beachtet, kann man behaupten, dass die Deutung und Interpretation der Einzelheiten und Details der Scharia und des heiligen Koran im Besitz der Ahl al-Bait (a.) ist; daher sollte man sich zum richtigen Verständnis der Scharia und des heiligen Koran diesen großen Persönlichkeiten nähern. Die Sammlung der Aussagen der Reinen Nachkommenschaft (a.) des Propheten in den Deutungen und Interpretationen der Scharia und des heiligen Koran wurde in unterschiedlichen Büchern gesammelt und die Schätze der theologischen Bücher und praktischen theologischen Dissertationen, welche von den großen Theologen überliefert wurden, sind Koranverse und rationale Gründe genau dieser Überlieferungen, welche in den unterschiedlichen theologischen Kapiteln von diesen großen Persönlichkeiten als Erinnerung verblieben sind.

Die Kenntnisse, welche in diesen Überlieferungen vermittelt werden, sind in Wirklichkeit Zeichen, welche zur Erlangung der wünschenswerten Spiritualität und der weltlichen und jenseitigen Glückseligkeit des Menschen seitens der Reinen Nachkommenschaft (a.) des Propheten vorgestellt werden. Aus diesem Grund haben diese großen Persönlichkeiten selbst bei ihrem praktischen Verhalten daran festgehalten und große Theologen und göttliche Mystiker haben sie auch in ihrem spirituellen Verhalten nachgeahmt.

Spiritualität verleihende Gebote der Scharia

Die Programme der Scharia zur Erlangung der reinen Spiritualität sind zu einer Komposition aus Verpflichtung und Freiwilligkeit, dem Ablegen von Sünden und unangebrachten Eigenschaften vereint. Der große Gelehrte, Feyz Kashani, hat in seiner theologischen Dissertation „Zad al-Salek „ aus den unterschiedlichen Geboten der Scharia folgende 25 Gebote zum islamrechtlichen und religiösen Verhalten hervorgehoben und auf ihnen bestanden:

  1. Die Einhaltung der fünf verschiedenen Gebete;
  2. Die Einhaltung des Freitagsgebets, der Feiertage ……
  3. Die Einhaltung der üblichen empfohlenen Gebete;
  4. Die Einhaltung des Fastens im Ramadan;
  5. Die Einhaltung des Fastens nach der dreitägigen Fastentradition im Monat;
  6. Die Einhaltung der Zakat;
  7. Die Einhaltung der Nächstenliebe im klaren Rahmen vom Besitz abzüglich der Zakat;
  8. Die Einhaltung des Hadsch in den verpflichtenden Jahren;
  9. Der Besuch der heiligen Grabstätte des Propheten (s.) und der Reinen Nachkommenschaft (a.);
  10. Der Respekt vor dem Recht der Religionsbrüder und ihre Unterstützung;
  11. Die Bereitstellung aller bereits erwähnten Aspekte;
  12. Das Ablegen unangebrachter Charaktereigenschaften und die Aneignung eines guten Charakters;
  13. Das Ablegen von verbotenen Taten;
  14. Das Ablegen von Zweifel;
  15. Das Nichtbeschäftigen mit Dingen, welche keinen Sinn haben;
  16. Das Zügeln des Essens, Schlafens und Sprechens;
  17. Das Rezitieren einiger Koranverse am Tag;
  18. Das Rezitieren von Gotteserinnerungen (Zikr) und Bittgebeten;
  19. Das Gespräch mit einem Geistlichen und dessen Befragung;
  20. Mit gutem Verhalten mit den anderen Menschen umgehen;
  21. Wahrhaftigkeit in Reden und Taten;
  22. Zuversicht zu Gott;
  23. Bei der Grausamkeit der Verwandten und Bekannten Geduld zeigen;
  24. Das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten;
  25. Die Einteilung der Tageszeit und jeder Stunde ein Zikr widmen;

Gebundenheit an die Scharia im Verhalten der Reinen Nachkommenschaft (a.)

Im spirituellen Verhalten des reinen Islam gibt es bei der Befolgung der göttlichen Gebote und Verbote und der Notwendigkeit einer Bindung an die Äußerlichkeiten der Scharia zur Erlangung der Erleuchtung und Spiritualität keinen Raum für Zweifel. Die Reine Nachkommenschaft (a.), welche das Vorbild der göttlichen Mystiker ist, zeigte selbst in diesem Bereich die höchsten Anstrengungen und Bemühungen auf und war bis zum Ende ihres edlen Lebens dauerhaft damit beschäftigt, den allmächtigen Gott zu verehren und anzubeten und Ergebenheit zu zeigen, den Koran zu rezitieren und Reue und Buße zu zeigen und sie hat niemals gedacht, sie hätte diese Dinge nicht nötig. Seine Exzellenz Ali (a.), der Imam der Mystiker, äußert folgendes: „Oh ihr Menschen! Bei Gott, ich fordere euch nicht zur Verehrung auf, wenn ich nicht vor euch zur Durchführung dieser eile und ich verbiete euch keine Sünde, wenn ich sie nicht vor euch meide.“[9]

Der Rest der Reinen Nachkommenschaft (a.) war auch stets als Vorreiter bestrebt, die Gebote der Scharia zu befolgen und keiner konnte sie hierbei überholen. Obwohl die Reine Nachkommenschaft (a.) sich immer auf dem Höhepunkt der Spiritualität befand, hat sie niemals die Scharia vernachlässigt, sondern die Gebote der Scharia und sogar die Sitten und Bräuche und Kleinigkeiten in Bezug auf die Scharia mit einer besonderen Widmung und unbeschreiblichen Beachtung eingehalten.

Im Folgenden wird auf das Thema der Einhaltung dieser großen Persönlichkeiten von Äußerlichkeiten der Scharia und der Kleinigkeiten in Bezug auf die Scharia eingegangen:

  1. Reinheit – sowohl äußerliche als auch islamrechtliche – gehört zu den Bräuchen der Präsenz vor dem göttlichen Antlitz. Es gibt zahlreiche Überlieferungen über die Beachtung äußerlicher Reinheit der Reinen Nachkommenschaft (a.). Vom Schneiden der Fingernägel, Zähneputzen, Baden, vom Entfernen von Unreinheiten von der Kleidung und vom Körper über äußerlichen Schmuck, dem Anziehen sauberer Kleidung und dem Auftragen von Düften bis hin zur Einhaltung aller jeweiligen Sitten und Traditionen.

Des Weiteren gibt es auch zahlreiche Überlieferungen zur Einhaltung von innerer und islamrechtlicher Reinheit; von der dauerhaften Einhaltung der islamischen Waschung (Wudhu), der  Durchführung von freiwilligen islamischen Reinigungen (Ghusl) bis zur Hervorhebung und dem Beharren auf der Freitagsreinigung und der Einhaltung von deren Sitten und Traditionen. Die religiöse Waschung bringt Erleuchtung und diejenigen, die erleuchtet sein möchten, verbinden ihren Körper dauerhaft mit der religiösen Waschung. In den Überlieferungen liest man folgendes: „Eine religiöse Waschung nach der vorherigen religiösen Waschung ist ein Licht auf einem anderem Licht.“[10] Und Imam Sadegh (a.) äußert folgendes: „Jeder, der die religiöse Waschung vollbringt, und [zum Schlafen] in sein Bett geht, verwandelt sein Bett in eine Moschee und Pilgerstätte.“[11]

  1. Das Gebet steht in der Reihenfolge der heiligen Gebote der islamischen Scharia zur Selbstentwicklung und Erlangung der Erleuchtung an erster Stelle. Zum Gebet und dessen Sitten und Voraussetzungen und der Freiwilligkeit gibt es zahlreiche Überlieferungen. Die Nutzung des Gebets zur Erleuchtung ist keinem Menschen ohne die Einhaltung von dessen Sitten und Voraussetzungen möglich. Man sollte beachten, auf welche Art und Weise die Reine Nachkommenschaft (a.) gebetet hat und in welchem Ausmaß sie die Sitten und Traditionen des Gebets eingehalten hat. Als Beispiel wird im Folgenden die Geschichte der Art und Weise des Betens von Imam Sadegh (a.) betrachtet:

Hammad Ebn Isa sagte folgendes: „Ich war in der Anwesenheit von Imam Sadegh (a.) und er fragte mich: Kannst du gut beten? Ich erwiderte: Mein Lieber, zeigen Sie mir bitte das [gute und vollständige] Gebet. Der Imam (a.) stellte sich gerade in Richtung Mekka hin und hielt seine Hände frei und die Finger seiner Exzellenz waren zusammengedrückt und seine Füße standen nur drei Finger breit voneinander entfernt und mit Demut und aus tiefem Herzen begann er mit dem Gebet und er rezitierte die erste Sure Al-Fatiha und die 112. Sure Al-Ekhlas mit einer schönen Melodie (Tartil) und nach der Beendigung der Al-Ekhlas-Sure wartete er einen Atemzug lang, dann erhob er seine Hände bis hin zu seinem Gesicht und im Stehen sagte er „Allahu Akbar„.

Danach verbeugte er sich und legte seine Handflächen auf seine Knie. Seine Finger waren gespreizt. Er drückte seine Knie nach hinten, sodass sein Bein ausgestreckt war und der Rücken seiner Exzellenz so ausgerichtet war, dass ein Tropfen Wasser, falls man ihn darauf legen würde, zu keiner Seite fließen würde. Er hatte seinen Hals ausgestreckt und schloss die Augen und wiederholte drei Mal mit Ruhe und einer schönen Melodie: „Sobhana Rabial Azime Va Behamde سبحان ربّی العظیم و بحمده ؛ „. Dann richtete er sich auf und da er gut stand [und sein Körper ruhig war], sagte er: „Same Allaho Leman Hameda „ und im selben Zustand, in dem er stand, erhob er seine Hände bis hin zum Gesicht und sagte: „Allahu Akbar „.

Danach verneigte er sich auf den Boden und sagte, während er seine Handflächen vor seine Knie auf den Boden legte und in der Verneigung die Finger des Imam (a.) zusammengedrückt waren, drei Mal: „Sobhana Rabial Ala Va Behamdeh سبحان ربّی الاعلی و بحمده ؛ „. Dann erhob er sein Haupt von der Verneigung und sagte „Allahu Akbar „. Als er sich in die Sitzposition begab und sich auf seinen linken Oberschenkel lehnte, sagte er: „Astakhferollahe Rabi Va Atoobo Elaih „und er sagte wieder, während er saß: „Allahu Akbar „ und setzte zur zweiten Verneigung an und führte diese wie die erste durch und während der Verneigung hielt er seine Ellenbogen offen und legte sie nicht auf dem Boden ab. Während des Glaubensbekenntnisses waren die Finger seiner Exzellenz gespreizt und auf diese Weise und mit dieser Qualität betete er zwei Gebetseinheiten und als er das Gebet abgeschlossen hatte, äußerte er folgendes: Oh Hammad! Bete auf diese Art!“[12]

Die Art und Weise des Betens, wie sie in den praktischen theologischen Dissertationen der Quellen der Nachahmung in Form einer Fatwa[13] erscheint, ist in Wirklichkeit die Übertragung genau dieses Verhaltens der Reinen Nachkommenschaft (a.).

  1. Weitere Spiritualität bringende Gebote der heiligen Scharia, welche im Verhalten der Reinen Nachkommenschaft (a.) sehr oft erscheint, entsteht durch die Einhaltung und Befolgung freiwilliger Gebete und Taten; diese reichen von freiwilligen Anbetungen wie freiwilligen Gebeten, freiwilligem Fasten und freiwilligen Hadsch-Pilgerreisen über das Rezitieren von Koran, Gebeten und Liturgie, sowie über Nächstenliebe und finanzielle Hilfen an die Armen und Bedürftigen und Ähnlichem bis hin zu den jeweiligen Sitten und Traditionen dieser Taten.

Unter den unterschiedlichen freiwilligen Taten im Verhalten der Reinen Nachkommenschaft (a.) werden die alltäglichen freiwilligen Gebete und vor allem das Nachtgebet hervorgehoben. Zweifellos ist es nicht möglich, die wünschenswerte Spiritualität zu erlangen, ohne an das Nachtgebet gebunden zu sein. Imam Hassan Askari (a.) äußert folgendes: „[Die Bewegung in Richtung auf Gott und] die Erlangung göttlicher [Begegnung] ist eine Reise, die man allein durch nächtliche Verehrung und Gebete erreichen kann.“[14] Imam Ali (a.) äußerte folgendes: „Seit dem Tag, an dem der Gesandte Gottes (s.) offenbart hat, dass das Nachtgebet dem Licht gleicht, habe ich niemals mein Nachtgebet ausfallen lassen.“[15]

Die Gebundenheit der Scharia im Verhalten der mystischen Islamgelehrten

Die mystischen Islamgelehrten bestanden auch in Befolgung der Reinen Nachkommenschaft (a.) auf die Notwendigkeit der Einhaltung von Rahmen und Gesetzen der heiligen Scharia und waren von den Geboten der Scharia abhängig. Eines der Vorbilder der reinen und schiitischen Mystik und Spiritualität ist seine Exzellenz. der verstorbene Seyed Ali Agha Ghazi Tabatabaei. Für ihn hatte die heilige Scharia eine besondere Bedeutung und er selbst war ein frommer Mann im wahrsten Sinne des Wortes und glaubte daran, dass der einzige Weg zur Erlangung der mystischen und monotheistischen Wahrheit in der Scharia liegt; und er bemühte sich in diesem Rahmen so sehr, dass er nicht die kleinste freiwillige Tradition und Tat übersah.

Imam Khomeini äußerte auch Folgendes: „Du sollst wissen, dass kein Weg zur göttlichen Mystik führt außer der Mensch beginnt ihn von der äußeren Schale der Scharia her. Und solange der Mensch die Sitten der wahren Scharia nicht erkennt, wird keine Moral für ihn zur Wahrheit und es ist nicht möglich, dass sein Herz durch das Licht des göttlichen Wissens erstrahlt und er das innere Wissen und die inneren Geheimnisse der Scharia erkennt und dass er  nach der Erkennung der Wahrheit und der Erstrahlung des Lichtes der Erkenntnis in seinem Herzen auch die äußerlichen Sitten einhält und aus diesem Grund sind Streitigkeiten einiger Personen darüber, dass man mit der Abkehr von Äußerlichkeiten das innere Wissen erlangt oder nach dessen Erkennung die äußerlichen Sitten nicht mehr benötigt werden, ungültig und nicht akzeptabel.“[16]

Des Weiteren sagte er: „Das Äußere ist der Weg des Inneren … Wenn jemand sieht, dass er trotz der Durchführung göttlicher Aufgaben das Innere nicht erlangt, sollte er wissen, dass er das Äußere nicht rechtmäßig durchgeführt hat. Und jemand, der das Innere ohne den äußeren Weg erreichen möchte, besitzt seitens Gottes wie einige ungelernte Sufis keinerlei Rechtfertigung.“[17]

Unter Beachtung des bisher Erwähnten wird im Folgenden auf die Einhaltung einiger Äußerlichkeiten der Scharia seitens des großen Mystikers Imam Khomeini eingegangen:

  1. Imam Khomeini hatte dauerhaft seine islamische Waschung und man war nie Zeuge davon, dass er sein Zimmer ohne islamische Waschung betrat. Während der religiösen Waschung rezitierte er freiwillig Gotteserinnerungen und richtete sich nach der Gebetsrichtung aus
  2. Imam Khomeini war kurz vor der Gebetszeit wirklich unruhig und sagte jeder Person, die sich mit ihm im Raum befand, sehr direkt: Geht, denn es ist Gebetszeit; und in diesen Momenten strahlte sein Antlitz mit einem sanften Lächeln, welches darauf hindeutete, dass er auf einen solch süßen Moment gewartet hatte.
  3. Imam Khomeini hielt bei jedem Gebet alle freiwilligen Taten, welche er in seiner theologischen Dissertation erwähnt, ein und verwendete für jedes Gebet auch während seiner Krankheit und auf dem Krankenbett einen besonderen Turban. Er bürstete seinen Bart mit höchster Sorgfalt. Danach schaute er sich in einem kleinen Spiegel, den er hatte, an und richtete seinen Turban zwei oder drei Mal. Er strich über seine Augenbrauen und trug nach dem Richten seines Äußeren Parfum auf.

Während jedes Gebets rezitierte er den Muezzin und den Gebetsaufruf (Eghame) und band seinen Turban um den Hals: Beim Sitzen nach der Verneigung für sein Glaubensbekenntnis setzte er sich auf sein linkes Bein und legte seinen rechten Fußrücken auf die linke Fußsohle und führte alle freiwilligen Taten vollständig durch. Er ließ kein Ghofeyleh-Gebet[18] aus. Nach der Verrichtung des Pflichtgebetes legte er beide Hände auf seine Augen und rezitierte das Ayat al-Kursi (Al-Baqara | 2:255-257). Er vergaß auch nicht, nach jedem Gebet die Reine Nachkommenschaft (a.) zu grüßen.[19]

[1] Die Scharia stellt die religiöse Gesetzesgebung des Islam dar.

[2] Allama Tabatabai: Übersetzung von Al-Mizan. Bd. 5, Seite 573.

[3]Baharolanvar Bd. 2, S. 263.

[4]Mit Ahl al-Bait bezeichnet man die Reine Nachkommenschaft (A.) des Propheten (S.).

[5]Die Zakat bezeichnet die für Muslime verpflichtende Almosensteuer.

[6]Die Khoms bezeichnet die für Muslime verpflichtende Steuerabgabe i.H.v. 1/5 ihres ungebrauchten Besitzes.

[7] Nahdsch-ul-Balagha, Predigt 154.

[8] Nahdsch-ul-Balagha, Predigt 97.

[9]Nahjulbalaghe, Predigt 175.

[10]Man La Yahzarolfaghih, Sheykh Sadoogh, Bd. 1, S. 42.

[11] Bihar-ul-Anwar, Bd. 73, S. 182.

[12] Wasail al-Schia, Bd. 5, S. 459.

[13] Eine Fatwa ist eine islamrechtliche Auskunft, welche im Islam von Quellen der Nachahmung erteilt wird.

[14] Bihar-ul-Anwar, Bd. 75, S. 379.

[15] Bihar-ul-Anwar, Bd. 41, S. 17.

[16] Chehel Hadis, Imam Khomeini, S. 8.

[17] Ser o Salat, Imam Khomeini, S. 22.

[18] Als Ghofeyleh-Gebet bezeichnet man ein freiwilliges Gebet zwischen den zwei Abendgebeten.

[19] Gholamali Rajaei, Interpretationen des Verhaltens des Imam Khomeini, Bd. 3, S. 45.