Wert und Bedeutung der Gerechtigkeit

Ein sehr wichtiger Bereich im Leben, den alle Religionen, vor allem aber der Islam im Besonderen, hervorhebt, ist die Gerechtigkeit in ihrer umfassenden Bedeutung. Hierzu lädt der Heilige Qur‘an die gesamte Menschheit mit folgenden Worten ein: „Gott gebietet, Gerechtigkeit walten zu lassen, das Gute zu tun und den Verwandten zu geben, und Er verbietet abscheuliche, rechtswidrige und unwürdige Taten. Er ermahnt euch, auf dass ihr nachdenken mögt“. (Al-Nahl:90) Alle heiligen Propheten haben ihre Bestimmung der Durchsetzung von Gerechtigkeit, Frieden und Freundschaft zwischen den Menschen gewidmet. In diesem Zusammenhang offenbart der Heilige Qur‘an: „Wir haben Unsere Gesandten mit den Beweiszeichen zu ihren Völkern geschickt, ihnen die offenbarten Schriften und die der genauen Waage entsprechende Gerechtigkeit gegeben, damit die Menschen Gerechtigkeit walten lassen.“ (Al-Hadid:25) Wenn im Leben der Menschen keine Gerechtigkeit herrscht und sie ihren Mitmenschen gegenüber nicht gerecht sind, erlangt das Leben der Menschen im wahrsten Sinne keine Vollkommenheit. Hierzu erwähnt Imam Ali (a.): „Gerechtigkeit bildet die Quelle des wahren Lebens.“ [1]

Gerechtigkeit als eine göttliche Eigenschaft

Gerechtigkeit ist eine göttliche Eigenschaft. Dass „Gott gerecht ist“, bedeutet Folgendes: Der allmächtige Gott hat jedes Lebewesen mit besonderen Eigenschaften erschaffen und duldet keinerlei Gewalt und Unterdrückung. Aus diesem Grund wird Gott auf gar keinen Fall mit Gewalt und Unterdrückung in Verbindung gebracht. „Und dein Herr ist keiner, der den Dienern Unrecht zufügt.“ (Fussilat:46)

Gerechtigkeit in der Schöpfungsordnung

Die Gerechtigkeit in der Schöpfungsordnung steht dafür, dass die Gesamtheit aller Lebewesen, ihre Existenz und alle Veränderungen auf Gerechtigkeit basieren und alles an seinem passenden Platz ist. So erwähnte der gesegnete Prophet: „Die Schöpfung der Himmel und der Erde basiert auf der Gerechtigkeit.“ [2] Es scheint, dass man zur richtigen Auffassung der gerechten Ordnung der Lebewesen und der Natur zuerst die Weltordnung untersuchen muss. Falls man nur unwesentliche Phänomene analysiert, kommt man zu keinem logischen und richtigen Ergebnis. Dadurch würde man bei der Analyse der unterschiedlichen Probleme und Leiden und auftretender Naturkatastrophen, wie beispielsweise Überschwemmungen, Stürme, Erdbeben, u.s.w., auf Probleme stoßen.

Hierbei muss man bedenken, dass der allmächtige Gott nichts ohne Grund tätigt und alles aufgrund Seiner grenzenlosen Weisheit erschaffen und allen Dingen ihren Platz zugeordnet hat, wobei man hier zwischen der göttlichen und menschlichen Weisheit unterscheiden sollte. Der Mensch handelt weise, um einen Vorteil daraus zu ziehen, Gott jedoch handelt im Interesse der Entwicklung der Lebewesen und nicht zur Erweiterung Seiner Perfektion, Gott ist nämlich bereits vollkommen. Des Weiteren ist es wichtig zu wissen, dass Gott im Interesse aller Lebewesen handelt. Sollte daher für die Existenz eines Geschöpfes manch Mängel und Übel notwendig sein, so wird Gott diese durchführen, obwohl sie auch zu einigen Problemen für die Menschheit führen könnten.

Gerechtigkeit in der islamischen Ordnung

Ebenso wie in der Natur und im Universum herrscht die Gerechtigkeit auch in der islamischen Ordnung. Die Gerechtigkeit Gottes gegenüber Seiner Schöpfung herrscht in ihrer ausgiebigen und genauen Bedeutung. Aus diesem Grund stehen die Verantwortung und Pflichten der Menschen mit deren Kraft und Fähigkeiten im Einklang. Daher werden keinem Menschen Pflichten zugesprochen, die jenseits seiner Kapazitäten liegen. Gott fordert von keinem Menschen mehr als er tun kann. (Al-Baqara:286) Der allmächtige Gott hat bei der Anordnung dieser Pflichten vor allem auf deren Leichtigkeit und Verständlichkeit geachtet und hierzu Folgendes offenbart: Gott will es euch leicht und keineswegs schwer machen. (Al-Baqara:185) Viel wichtiger ist auch die Tatsache, dass alle Pflichten und göttlichen Anforderungen und Gesetze dem Wohle des Einzelnen und der Gesamtheit gewidmet sind, um letztendlich die Basis zur Erweiterung und Vollkommenheit des Glaubens jedes Einzelnen zu bilden, um somit den Menschen zur Glückseligkeit im Diesseits und Jenseits zu verhelfen.

Gerechtigkeit im Jenseits und am Tag des Jüngsten Gerichts

Mit Sicherheit spielt die göttliche Gerechtigkeit im Jenseits und am Tag des Jüngsten Gerichts, in welchem wirklichen Taten der Menschen dargelegt werden, eine zentrale Rolle, wodurch auch alle Angelegenheiten auf einer gerechten Basis analysiert werden. Hierzu offenbart der Heilige Qur‘an: Wir werden gerechte, genaue Waagen am Jüngsten Tag aufstellen. Keinem wird im geringsten Unrecht getan. (Al-Anbiya:47) Selbstverständlich wird das Gewicht der göttlichen Waage am Tag des Jüngsten Gericht aus Recht und Gerechtigkeit bestehen: An diesem Tag wird alles rechtens abgewogen. Diejenigen, deren gute Werke überwiegen, werden die Erfolgreichen sein.

Gerechtigkeit aus Sicht der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh)

Im Zusammenhang mit der Gerechtigkeit gibt es zahlreiche Unterteilungen. Beispielsweise kann die nichtgöttliche Gerechtigkeit (also menschliche Gerechtigkeit) in individuelle und gesellschaftliche Gerechtigkeit eingeteilt werden. Die individuelle Gerechtigkeit setzt sich in Wirklichkeit aus der ethischen und religionsrechtlichen Gerechtigkeit zusammen. Die islamische Jurisprudenz hat jedoch eine andere Definition der Gerechtigkeit als die Ethik. Daher hat die individuelle Gerechtigkeit nach den islamischen Rechtsgelehrten eine unabhängige und durchaus abweichende Bedeutung zu der ethischen Definition. Eine Gruppe von Rechtsgelehrten sieht die Bedeutung der Gerechtigkeit darin, große Sünden zu vermeiden, kleineren Versuchungen auszuweichen, stets die Wahrheit zu sagen und keinerlei Lügen auszusprechen, die Frömmigkeit zu pflegen und sich von verwerflichen Taten fernzuhalten. Manche besagen auch: Gerechtigkeit ist die innere Kraft, welche dazu führt, dass man die Gottesfurcht und Großzügigkeit bewahrt. In Bezug auf die Moral definieren einige die Gerechtigkeit folgendermaßen: Die Gerechtigkeit ist der Ausgleich der treibenden Kräfte im Inneren des Menschen. Für andere ist die Gerechtigkeit die Überlegenheit des Verstandes über die Triebe und den Zorn. Wenn der Mensch einen Schritt in die Richtung der Verwirklichung der Gerechtigkeit unternimmt, obgleich an welchem Ort oder zu welcher Zeit, nähert er sich einer erhabenen und tugendhaften Stellung, was die höchste Stufe der menschlichen Vollkommenheit darstellt. In diesem Zusammenhang offenbart Gott Folgendes: Seid gerecht, so kommt ihr der Frömmigkeit am nächsten! Fürchtet Gott! Gott weiß genau, was ihr tut. (Al-Maida:8)

Glaubensbezogene, ethische und verhaltensbezogene Gerechtigkeit

In Bezug auf die individuelle Gerechtigkeit existieren noch weitere Unterteilungen. In diesem Sinn unterscheidet man die glaubensbezogene Gerechtigkeit, die ethische Gerechtigkeit sowie die verhaltensbezogene Gerechtigkeit. Sie beziehen sich auf die relevanten Bereiche des menschlichen Lebens, seinen Glauben, seine Ethik und sein Verhalten. Es ist offensichtlich, dass jeder einzelne Bereich in eigene Stufen unterteilt ist, so dass man mit der Entwicklung seines Glaubens, seiner Ethik und der Besserung seines Verhaltens eine höhere Stufe der Gerechtigkeit erlangen kann.

Glaubensbezogene Gerechtigkeit

Im Zusammenhang mit der glaubensbezogenen Gerechtigkeit ist es nennenswert, dass jeder Mensch ein Anrecht auf seine eigene Überzeugung hat (die inneren Glaubensvorstellungen eines jeden Menschen sind etwas Persönliches und Privates und können nicht aufgezwungen werden, weshalb der Islam auch niemanden zur Annahme und zum Glauben an bestimmte Vorstellungen zwingt). Der Islam sieht es als glaubensbezogene Ungerechtigkeit an, wenn die Menschen an Polytheismus glauben. Daher wird ihnen davon abgeraten. Im Heiligen Qur‘an wird mit dem Vers Geselle Allah nicht bei, denn Götzendienst ist fürwahr ein gewaltiges Unrecht…(Luqman:13) veranschaulicht, wie wichtig die glaubensbezogene Gerechtigkeit ist und Polytheismus als glaubensbezogenes Unrecht das größte Hindernis für die Entwicklung des Menschen darstellt. Gott bezeichnet dies als „gewaltiges Unrecht“. Hierbei ist anzumerken, dass die glaubensbezogene Gerechtigkeit eine schlüssige und logische Basis für den Glauben und die Überzeugungen voraussetzt und dass alles seinen adäquaten Platz einnimmt.

Im Gegensatz dazu besteht glaubensbezogene Ungerechtigkeit darin, innerhalb der eigenen Überzeugungen und dem eigenen Glauben nicht den wahren Platz einiger Dinge einzuhalten. Daher würde ein Mensch, der an unwahre Dinge glaubt oder an unrechtmäßigen Überzeugungen festhält und dadurch die Gesetze des Universums nicht einhält, sich selbst unterdrücken und Leid zufügen. Die glaubensbezogene Gerechtigkeit im Leben des Individuums sowie der Gesellschaft bildet die Basis für alle Arten der Gerechtigkeit. Daher würde der Mangel oder gar das Fehlen dieser Gerechtigkeit dazu führen, dass die Menschheit keine weiteren Ebenen der Gerechtigkeit erlangen könnte.

Ethische Gerechtigkeit

Zu der Bedeutung der ethischen Gerechtigkeit sollte angemerkt werden, dass sie darin besteht, dass der Mensch mithilfe von Übung und Erfahrung eine Phase der geistigen Kontrolle erlangt, in der er jegliche Verschwendung und Übertreibung vermeidet, so dass er in Mäßigung und Selbstbeherrschung lebt. Hierdurch wird klar, dass die ethische Mäßigung gleichzeitig die Mäßigung der Wut und Wollust ist.

Verhaltensbezogene Gerechtigkeit

Die verhaltensbezogene Gerechtigkeit, welche einen Teil des Menschen ausmacht, muss von jedem Einzelnen als ein essentielles Prinzip angesehen werden. Die islamische Jurisprudenz, ein ehrenhafter Zweig der islamischen Lehre, befasst sich mit der verhaltensbezogenen Gerechtigkeit und offenbart den Menschen ihre Pflichten. Mit Sicherheit erlangt jeder Mensch, der sich diesen Pflichten bewusst ist und diese auch erfüllt, den Genuss der verhaltensbezogenen Gerechtigkeit. Es ist nennenswert, dass die verhaltensbezogene Gerechtigkeit im Gegensatz zu der ethischen und glaubensbezogenen Gerechtigkeit ein stärkeres, äußeres Erscheinungsbild hat. Demzufolge beziehen sich die meisten Anzeichen eines gerechten Menschen nach einigen Überlieferungen eher auf diesen Bereich.

Beispielsweise antwortete Imam Dschaafar As-Sadiq (a.s.) auf die Frage, woran man einen gerechten Menschen erkenne, um auf sein Wort und seine Bezeugungen zählen zu können, folgendermaßen: „Erkennt die Menschen an ihrer Scham, ihrer Keuschheit, der Mäßigung ihres Hungers und ihres Verlangens und daran, wie sehr sie es meiden, Verwerfliches zu tun oder zu sagen. In der Tat erkennt man gerechte Menschen daran, dass sie große Sünden (für die Gott das Feuer verspricht) meiden. Jeder Mensch, der diese Eigenschaften vorweist und seine Fehler verhüllt, muss unter den Menschen als gerecht vorgestellt werden. Das Lästern über eine solche Person ist strengstens untersagt.“ [3]

Die umgebende Gerechtigkeit

Wenn ein Mensch eine individuelle Gerechtigkeit vorweist und seinen Rechten, seiner Verantwortung und seinen Pflichten ordnungsgemäß nachgeht, so spiegelt und äußert sich diese Gerechtigkeit auch in seiner unmittelbaren Umgebung. Demzufolge erweitert sich die umgebende Gerechtigkeit eines jeden Menschen mit der Zunahme seiner individuellen Gerechtigkeit. Der Grund für die Erwähnung der umgebenden Gerechtigkeit besteht in seiner engen Verbindung mit der Verwirklichung der individuellen Gerechtigkeit jedes Menschen. Ohne Zweifel spiegelt sich die individuelle Gerechtigkeit eines jeden Menschen in seinem gerechten Verhalten gegenüber den Lebewesen aus seiner unmittelbaren Umgebung wider. Hierbei sollte es nicht von Bedeutung sein, ob es sich bei den Lebewesen um Menschen, Tiere oder gar Pflanzen handelt. In seinen religiösen und göttlichen Überzeugungen sieht der Mensch seine Umgebung als das Vermächtnis seines Schöpfers an, da alles zum Segen Gottes gehört und dieser Segen Gott gebührt.

Da der Mensch stets vom Segen Gottes umgeben ist, sollte er diesen Segen respektieren und seine Grenzen kennen. Wenn sich eine solche Sichtweise im Leben und der Existenz eines Menschen manifestiert, so bemüht er sich, sogar einer einfachen Pflanze unter gar keinen Umständen Unrecht zu tun und die Rechte der Schöpfung Gottes zu bewahren. Die Einhaltung der Ordnung und wahren Struktur aller Dinge der Schöpfung strahlt sich zweifellos durch die Einhaltung dieser natürlichen Rechte aus und wird dadurch ermöglicht. Genau aus diesem Grund überliefert der heilige Gesandte Gottes: Das Nutztier hat sechs Anrechte: Sein Besitzer muss dem Tier Futter geben, sobald er rastet, er muss ihm zu Trinken geben, sobald er auf Wasser trifft, er darf das Gesicht des Tieres nicht bedecken, weil dieses seinen Gott lobpreist, er darf das Tier nicht mit Gepäck überbelasten und es nicht anstrengen und er darf mit dem Tier nur so lange reisen, wie es nicht überanstrengt ist. Abgesehen von der Einhaltung der Gerechtigkeit gegenüber den Tieren haben religiöse Führer auch die Art und Weise des Umgangs mit Pflanzen und die Einhaltung deren Rechte gelehrt. In diesem Zusammenhang sagte Imam Dschaafar As-Sadiq (a.s.): „Fällt keinen Baum, der Früchte trägt, denn ihr werdet dafür bestraft, und meidet auch das Fällen von Palmen.“ [4]

Gerechtigkeit in der Familie

Ein weiterer Aspekt der individuellen Gerechtigkeit ist die Gerechtigkeit in der Familie. In den Augen des Islam als eine göttliche und heilige Religion, die der Menschheit als letzte offenbart wurde und zu deren Leitung sie dient, ist die Familie von sehr großer Bedeutung. Sie bittet die Menschen auch ausdrücklich um die Bemühung, die Familie als Zentrum der Wärme zu errichten, damit daraus eine gesunde und sichere Gesellschaft erblühen kann. Die Gerechtigkeit in der Familie kann als Bemühung des Zugestehens der gegenseitigen Rechte ihrer jeweiligen Mitglieder bezeichnet werden. Diese Rechte müssen auch von allen innerhalb der Familie respektiert werden. Falls diese Rechte unterdrückt oder gar verwehrt werden, kann es zur Ungerechtigkeit in der Familie kommen.

Gerechtigkeit im Umgang mit den Eltern

Der wichtigste Aspekt innerhalb der Gerechtigkeit in der Familie ist der Einhaltung der elterlichen Rechte gewidmet, welche im Islam einen hohen Stellenwert genießen. Eine wichtige Mitteilung des Heiligen Qur‘ans lautet: Wir empfehlen dem Menschen, zu seinen Eltern gut zu sein. (Al-Ankabut:8) Imam Dschaafar As-Sadiq (a.s.) spricht genau aus diesem Grund in seiner Rechtsabhandlung zuerst von den elterlichen Rechten, um diesen Aspekt zu betonen: „Das Recht der Mutter liegt darin, dass du dir bewusst wirst, dass sie dich in einem Ort bewahrt und herumgetragen hat, wie es kein anderer machen würde und sie hat dich genährt wie es kein anderer machen würde. Sie hat Durst über sich ergehen lassen, damit du genug zu trinken hast und Hunger ertragen, damit du genug zu essen hast. Du musst ihr gebührend danken. Und das Recht des Vaters liegt darin, dass du dir bewusst wirst, dass er die Wurzel ist und du der Ast. Ohne ihn würde es dich nicht geben. So musst du es ihm gebührend danken und ihn wertschätzen. [5]

Gerechtigkeit im Umgang mit dem Ehepartner

Zu einem weiteren Aspekt der Gerechtigkeit in der Familie kann man die Art und Weise des Umgangs mit dem Ehepartner innerhalb der Familie zählen. Zu diesen gegenseitigen Rechten der jeweiligen Ehepartner gehören der liebevolle Umgang, der Einklang und die Erweiterung ihrer Gemeinsamkeiten, welche im Islam sehr bedeutend sind. Zu den Rechten, welche die Frau gegenüber ihrem Mann geltend machen kann und welchem dieser sich beugen muss, gehört als erstes die Brautgabe. Diesbezüglich offenbart der Heilige Qur‘an ganz eindeutig: Den Frauen habt ihr die ihnen zustehende Brautgabe (voll und ganz) zu geben. Sollten sie euch wohlwollend etwas davon erlassen, dürft ihr es annehmen und davon ohne Bedenken Gebrauch machen. (An-Nisa:4)

Ein weiteres Recht der Frau ab dem Zeitpunkt der Eheschließung ist ihr Lebensunterhalt. Dies bedeutet, dass der Ehepartner bereits ab dem ersten Tag der Eheschließung bis zu ihrem Tod und sogar über einen bestimmten Zeitraum nach einer Scheidung für Ausgaben, wie zum Beispiel Unterkunft, Ernährung, Bekleidung und Haushalt, aufkommen muss. Es ist zu bemerken, dass es in diesem Zusammenhang nicht von Bedeutung ist, ob die Frau wohlhabend ist oder nicht. Der Mann muss für diese Ausgaben aufkommen. Ein weiteres Recht der Frau ist das würdevolle und liebevolle Verhalten ihres Mannes ihr gegenüber. Ebenso muss der Mann ihre Wünsche und Bedürfnisse in Maßen halten; es gehört nämlich auch zu den Pflichten einer Frau, den natürlichen Bedürfnissen ihres Mannes nachzugehen. Selbstverständlich sollten weder die Frau noch der Mann zu Übertreibungen neigen. Sie sollten sich gegenseitig respektieren, respektvoll miteinander sprechen und sich gegenseitig liebevoll behandeln. Gegebenenfalls sollten sie sich gegenseitig fügen, um auf diese Weise eine Basis für ein würdevolles Zusammenleben zu bilden. Die Ehe ist im Islam zweifellos etwas sehr Bedeutsames. Die Ehepartner sollten auf ihre gegenseitigen Bedürfnisse eingehen.

Die Ehe ist nämlich auch auf solche Bedürfnisse ausgerichtet, damit man aufgrund persönlicher Bedürfnisse nicht in Versuchung gerät und dadurch einen verwerflichen und unsittlichen Lebensweg einschlägt. Ehefrau und Ehemann sollten sich gegenseitig respektieren und mit Respekt behandeln sowie ihren gegenseitigen Bedürfnissen nachgehen, damit sie ihre jeweiligen Tugenden nicht in Frage stellen und den Ruf der Familie dadurch nicht gefährden. In diesem Zusammenhang betonen islamische Lehren: „Die besten Frauen unter euch sind diejenigen, die mit Liebe erfüllt sind und diese weitergeben, die versuchen, stets auf ihre Tugendhaftigkeit zu achten, sich gegen ihren Ehemann nicht auflehnen und hochmütig sind, die ihre Schönheit für ihren Mann aufbewahren, die in der Abwesenheit ihres Ehepartners sein Vertrauen nicht missbrauchen und die Rechte ihres Ehelebens bewahren.“ [6]

Gerechtigkeit im Umgang der Eltern mit ihren Kindern

Ein weiterer Aspekt der Gerechtigkeit in der Familie spiegelt sich im Umgang der Eltern mit ihren Kindern wieder. In diesem Zusammenhang offenbart der Islam viele Empfehlungen und Anweisungen. Zum Beispiel gibt es klare Empfehlungen, wie man das Kind bereits ab der Geburt erziehen sollte. Bei der Bildung und Erziehung der Kinder steht die gerechte Erziehung mit dem Ziel der Förderung ihrer Talente im Mittelpunkt.

Gerechtigkeit innerhalb der Verwandtschaft

Ein weiterer Aspekt in Bezug auf Gerechtigkeit ist die Gerechtigkeit im Umgang mit der Schwester, dem Bruder und der Verwandtschaft im Allgemeinen. Es ist offensichtlich, dass die größte Pflicht eines jeden Muslims in diesem Zusammenhang darin besteht, dass er sich über den Zustand seiner Verwandten informiert, mit ihnen in Kontakt steht, deren Probleme weitgehend löst und versucht, mit Großmut und Wohlwollen familiäre Beziehungen aufrecht zu erhalten. Im Allgemeinen schließt man aus den verschiedenen genannten Aspekten über die Gerechtigkeit innerhalb der Familie, dass der Islam und die Lehren des Heiligen Qur‘an einen Schwerpunkt auf die Gerechtigkeit innerhalb der Familie und den Respekt vor dem Recht jedes einzelnen Familienmitglieds legen und dieses Recht als achtenswert, glorreich und notwendig einstufen.

Anmerkungen: 1) Ghurar-ul-Hikam 15. 2) Feyze Kashani, Mulla Mohsen: Tafsir Safi, Anmerkung zu Vers 9 der Sure Al-Rahman. 3) Mohammadi Reyshahri, Mohammad:, Mizan AlHikmah, Bd. 6, S. 80. 4) Allama Madschlissi, Mohammad Baqer: Hiliyat Al-Muttaqin, S. 393. 5) Ibn Schuba Al-Harrani: Tuhaf Al-Uqul, S. 299. 6) Mohammad Ibn Al-Hassan Ibn Al-Hurr Ameli: Wassail Al-Shia, Bd. 14, S. 14.