Das Leben von Fatima Masuma (a.s.)

Imam Dschafar as-Sadiq (a.s.) sagte: „Gott hat ein Haus und dieses Haus befindet sich in Mekka. Prophet Muhammad (s.a.) hat ebenfalls ein Haus und dieses Haus ist in Medina. Auch Imam Ali (a.s.) hat ein Haus und dieses Haus ist in Kufa. Und auch wir Ahl-ul-Bayt haben ein Haus und unser Haus ist in Qum. Dort wird eine Frau von meinen Nachfahren begraben werden mit dem Namen Fatima. Wer ihr Grab besucht, der erfüllt die Voraussetzungen für das Paradies.“

Fatima Masuma (a.s.) war die Tochter des siebten Imams (Imam Musa al-Kazim) und die Schwester des achten Imams (Imam Reza). Diese edle Frau widmete ihr gesamtes Leben dem Dienst am Schöpfer und für den Islam. Durch den Einfluss ihres Vaters und ihres Bruders erwarb sie ein unglaublich hohes Maß an Wissen und Frömmigkeit. Es ist von großem Wert, mehr über die edle Persönlichkeit der Fatima Masuma (a.s.) zu erfahren. Bereits 45 Jahre vor ihrer Geburt wurde von Imam Dschafar as-Sadiq (a.s.) über sie vorausgesagt: „Eine Frau aus meiner Nachkommenschaft (wörtlich: von meinen Kindern) mit dem Namen Fatima wird in Qum begraben werden. Wer auch immer sie (ihren Schrein) besucht, wird gewiss in den Himmel aufgenommen.“[1] Allama Madschlisi, der die obige Überlieferung aufschrieb, sagte, dass Imam Sadiq (a.s.) diese Voraussage über die Geburt von Fatima Masuma (a.s.) sogar noch vor der Geburt ihres Vaters Imam Musa al-Kazim (a.s.) gemacht habe.

Die Mutter der edlen Fatima Masuma (a.s.) ist unter dem Namen Nadschma Khatun bekannt. Nadschma Khatun war eine ehemalige Sklavin aus Nordafrika und wurde von Hamida, der Mutter des siebten Imams, Imam Musa al-Kazim (a.s.), freigekauft. Nadschma Khatun erhielt im Haus der Ahl-ul-Bait eine sehr hohe Ausbildung und erreichte ein sehr hohes Maß an spirituellen sowie intellektuellen Fähigkeiten, welche sie durch die Lektionen und Lehren von Hamida erhielt. Es wurde von Hamida überliefert, dass sie eines Nachts einen Traum hatte, in dem sie den heiligen Propheten Muhammad (s.a.) sah, der zu ihr sagte: „Mache Nadschma zur Frau deines Sohnes, Musa ibn Dschafar, so dass bald der beste Mensch der Welt (Imam Reza) durch sie geboren wird.“ Hamida folgte der Aufforderung des Heiligen Propheten und machte Nadschma zur Frau von Imam al-Kazim (a.s.). Genauso, wie es der heilige Prophet in dem Traum vorhergesagt hatte, gebar Nadschma Imam Reza (a.s.) und die heilige Fatima Masuma (a.s.). Es ist sehr erstaunlich, dass Nadschma Fatima Masuma (a.s.) erst 25 Jahre nach der Geburt von Imam Reza gebar und das diese beiden Kinder die einzigen waren, die aus der Ehe mit Imam Musa al-Kazim (a.s.) hervorgingen. Fatima Masuma (a.s.) wurde entsprechend der Überlieferungen am ersten Dhul-Qada des Jahres 173. nach der Auswanderung (22. März 790 n.Chr.) in der heiligen Stadt Medina geboren.

Besonderes Wissen schon während der Kindheit

Überlieferungen zufolge hatte Imam Musa al-Kazim (a.s.) 37 Kinder. Der Imam hatte 19 Söhne und 18 Töchter. Unter diesen 37 Kindern hatte keines der Kinder eine Stellung wie Imam Reza (a.s.) und seine Schwester Fatima Masuma (a.s.). Aber was machte Fatima Masuma (a.s.) zu so einer besonderen Persönlichkeit, so dass sie aus all den anderen Kinder hervorstach? Die folgende Überlieferung zeigt, welch unglaublich hohes Wissen die heilige Fatima Masuma (a.s.) schon im Kindesalter besaß: „Eines Freitags ging eine Anzahl von Schiiten nach Medina, um Imam Al-Kazim (a.s.) zu treffen und einige Fragen zu stellen. Doch als sie das Haus des Imams erreichten, wurde ihnen gesagt, dass er sich auf einer Reise befinde. Sie entschieden sich, ihre Fragen auf einem Blatt Papier zu notieren und es der Familie des Imams anzuvertrauen, so dass er die Fragen beantworten könnte, wenn er von der Reise zurückgekehrt war. Nach einigen Tagen in Medina entschieden sich die Muslime nach Hause zurückzukehren. Vor ihrer Rückreise kamen sie an dem Haus des Imams (a.s.) vorbei, um Lebewohl zu sagen. Und hier bekamen sie ihr Blatt Papier zurück, auf dem all ihre Fragen beantwortet waren. Die Antworten auf ihre Fragen wurden von Fatima Masuma (a.s.) bereitgestellt, die zu der Zeit gerade einmal sechs Jahre alt gewesen war. Sie verließen Medina zufrieden mit ihren Antworten. Auf ihrer Rückreise begegneten sie Imam Musa al-Kazim (a.s.), der nach Medina zurückkehren wollte. Sie berichteten dem Imam (a.s.) die Ereignisse, die vorgefallen waren. Der Imam bat darum, das Blatt Papier mit den Fragen, die von Fatima Masuma (a.s.) beantwortet wurden, zu sehen. Nachdem er all ihre Anliegen sah und die Fragen so korrekt und redegewandt von seiner jungen Tochter beantwortet fand, sprach er: ,Möge ihr Vater sich für sie aufopfern.‘“ Er wiederholte seine Aussage dreimal.[2]

Durch diese Überlieferung wird deutlich, welch besondere Begabung Fatima Masuma (a.s.) schon im Kindesalter besaß. Die Erziehung durch ihren Vater Imam Musa al-Kazim (a.s.) und ihren Bruder Imam Reza (a.s.), brachten Fatima Masuma (a.s.) auf eine unglaublich hohe Stufe von Wissen. In der oben genannten Überlieferung sollte eine wichtige Aussage des Imams nicht außer Acht gelassen werden: „Möge ihr Vater sich für sie aufopfern.“ Es ist sehr beachtlich, das der heilige Prophet Muhammad (s.a.) dieselbe Aussage in Bezug auf Fatima Zahra (a.s.) geäußert hatte,[3] denn es zeigt zum einen, dass hier die Stellung Fatima Masumas (a.s.) mit der Stellung von Fatima Zahra (a.s.) verglichen wird und zum anderem, dass diese Aussage von einem Imam gemacht wurde, wodurch die Stellung der edlen Fatima Masuma (a.s.) angehoben wurde.

Fatima Masuma (a.s.) als Überliefererin

Durch das hohe Wissen in den verschiedenen islamischen Wissenschaften und das Wissen über die Vorzüge der Familie des heiligen Propheten Muhammad (s.a.) galt sie als eine der zuverlässigsten Überlieferer in ihrer Zeit. Leider gingen sehr viele Überlieferungen von ihr verloren, da es zu ihrer Zeit sehr schwer war, etwas von der Ahl-ul-Bait (a.s.) zu überliefern, denn die unterdrückerischen Herrscher versuchten den wahren Weg des Islams zu zerstören. Sie überlieferte unter anderem einige sehr wichtige Ereignisse und Aussagen, die die hohe Stellung Imam Alis (a.s.), bei dem heiligen Propheten verdeutlichten. Ein weiterer sehr besonderer Punkt, welcher den hohen Wert der heiligen Persönlichkeit der Fatima Masuma (a.s.) verdeutlicht, ist, dass ihr Bruder Imam Reza (a.s.) eigens für sie ein Bittgebet zur Audienz (Ziyara) diktiert hatte, welches in dieser Form für keinen anderen Nicht-Masum jemals in dieser Art von einem der heiligen Masumin[4] diktiert wurde. Wenn wir bedenken, dass diese Audienz direkt von einem der heiligen Mitglieder der Ahl-ul-Bait für diese heilige Person diktiert worden ist, ist es von großer Wichtigkeit, einige Passagen aus diesem Ziyara näher zu betrachten. In diesem Bittgebet zur Audienz heißt es in einem Teil: „Der Friede sei mit dir, oh Tochter des Gesandten Allahs. Der Friede sei mit dir, oh Tochter von Fatima und Khadidscha. Der Friede sei mit dir, oh Tochter des Befehlshabers der Gläubigen Ali. Der Friede sei mit dir, oh Tochter von Hassan und Hussayn. Der Friede sei mit dir, oh Tochter des Statthalters Gottes (Imam al-Kazim). Der Friede sei mit dir, oh Schwester des Satthalters Gottes (Imam Reza). Der Friede sei mit dir, oh Tante des Statthalters Gottes (Imam Muhammad al-Jawad).“

Dieser kurze Teil der Ziyara zeigt u.a. die ehrenvolle Abstammung und den Verwandtschaftsbezug der heiligen Fatima Masuma (a.s.) zur Familie des heiligen Propheten. An einer weiteren Stelle dieser Ziyara verweist uns ihr Bruder, der heilige Imam Reza (a.s.), auf das hohe Ansehen, welches sie bei Allah besitzt, indem er folgendes sagte: „Oh Fatima! Lege Fürsprache für mich ein, damit ich den Himmel betrete, weil du wahrlich eine große Stellung in den Augen Allahs hast.“[5] Diese Aussage des heiligen Imams verdeutlicht einmal mehr, welch hohe Stufe sie in ihrem Leben erreicht hat, weil er sie um Fürsprache bei Allah bittet. Durch die folgende Überlieferung von Imam Dschafar as-Sadiq (a.s.) wird dieser Punkt noch einmal verdeutlicht: „Eine Frau aus meiner Nachkommenschaft mit dem Namen Fatima, Tochter von Musa, wird in Qum sterben. Am Tag des Jüngsten Gerichts wird sie sich dafür einsetzen, dass alle meine Anhänger (Schia) das Paradies betreten werden.“[6] Erstaunlich ist, dass Imam Reza (a.s.) der Wallfahrt zu seiner Schwester den gleichen Wert beimisst, den er auch einer Wallfahrt zu seinem eigenen Schrein beimisst: „Wer immer Masuma in Qum besucht, ist, als hätte er mich besucht.“[7] Und Imam Reza (a.s.) sagte auch: „Seid euch dessen bewusst, dass der, welcher mich in rituell reinem Zustand besucht, von den Sünden befreit und gereinigt, so als ob er gerade von seiner Mutter geboren wäre.“[8] Daraus lässt sich schließen, dass die Wallfahrt zu Fatima Masuma (a.s.) einem die gleiche Stufe der Reinheit zuteil kommen kann.

Zählte Fatima Masuma (a.s.) zu den Reinen?

Der Beiname Masuma, den die edle Fatima nach ihrem Ableben von ihrem Bruder Imam Reza (a.s.) erhalten hat, bedeutet übersetzt „die Reine“. Hier kommt die Frage auf, ob sie den Status der Sünden- und Fehlerlosigkeit in dem Sinne erreicht hatte, wie sie die 14 Masumin erreichten? Wie im Heiligen Qur‘an beschrieben, nahm Allah jegliche Unreinheit von diesen heiligen Persönlichkeiten hinweg: „Und bleibt in euren Häusern und prunkt nicht wie in den Zeiten der Unwissenheit, und verrichtet das Gebet und zahlet die Zakat, und gehorchet Allah und Seinem Gesandten. Allah wünscht nur Unreinheit von euch zu nehmen, ihr Angehörigen des Hauses, und euch rein und lauter zu machen.“ (al-Ahzab | 33:33). Hatte also auch die edle Fatima Masuma (a.s.) diese Stellung erreicht?

Nun, die Gelehrten sind sich darüber einig, dass einige Persönlichkeiten, die aus der Nachkommenschaft des heiligen Propheten Muhammad (s.a.) stammen, eine sehr hohe Stufe der Reinheit erreicht haben. Betrachten wir Personen wie Zaynab (a.s.) und Abbas (a.s.), wird klar erkennbar, dass diese Persönlichkeiten ein besonders hohes Maß an Reinheit erreicht hatten. Diese besonderen Stufen erreichte die edle Fatima Masuma (a.s.) ebenfalls in ihrem Leben. Der arabische Begriff „al-Isma“ hat zwei Bedeutungen: 1. Sündlosigkeit und 2. Fehlerlosigkeit. In Bezug auf die 14 Masumin (a.s.) treffen beide Punkte zu. Sprechen wir jedoch über besondere Persönlichkeiten wie Zaynab (a.s.), Abbas (a.s.) oder Fatima Masuma (a.s.), so trifft auf diese Personen nur der erste Punkt zu, also die Sündlosigkeit. Wenn man bedenkt, dass ihr Bruder Imam Reza (a.s.) ihr diesen Titel gegeben hatte, so besteht kein Zweifel daran, dass sie diesen auch zu Recht trägt.

Ihre letzte Reise

Fatima Masuma (a.s.) wuchs die ersten sechs Jahre ihres Lebens unter der Vormundtschaft ihres Vaters Imam Musa al-Kazim (a.s.) auf. Ihr Vater wurde, während er im Gebet in der Moschee des Propheten (a.s.) in Medina verharrte, von dem Tyrannen und damaligen Kalifen Harun ar-Raschid verhaftet. Man brachte den Imam nach Baghdad, wo er den Rest seines Lebens in den Verließen verbrachte. Fatima Masuma (a.s.) sah ihren geliebten Vater nie wieder. Nach der bitteren Trennung von ihrem geliebten Vater verbrachte sie 21 Jahre unter der Obhut ihres Bruders, Imam Reza (a.s.), der 25 Jahre älter war als sie. An der Seite ihres Bruders wuchs Fatima Masuma (a.s.) zu einer Frau mit außergewöhnlichen Fähigkeiten heran. Sie erwarb sich durch die Erziehung und die Lehren ihres Bruders ein sehr beachtliches Maß an Wissen und Frömmigkeit, so dass sie an der Seite ihres Bruders oftmals als Beraterin und Unterstützerin tätig war. Aufgrund dieser Tatsache wird sie auch oft mit Zaynab (a.s.) verglichen, welche an der Seite Imam Hussayns (a.s.) in Karbala eine ähnliche Position eingenommen hat. Als Imam Reza (a.s.) im Jahre 200 nach der Auswanderung in Khorasan von Mamun festgehalten wurde, war sie über ein Jahr lang von ihrem geliebten Bruder getrennt.

Als ihr Bruder es ihr erlaubte, trat sie ihre Reise von Medina nach Khorasan in einer Gruppe an. An einem Ort namens Saweh, der ca. 60 Kilometer von der Stadt Qum entfernt liegt, wurde ihre Karawane plötzlich von den Feinden der Ahl-ul-Bait (a.s.) angegriffen. Bei diesem Angriff fanden viele der Familienmitglieder und Vertrauten der edlen Fatima Masuma (a.s.) den Märtyrertod. Aufgrund dieser schrecklichen Geschehnisse wird sie auch hier mit Zaynab (a.s.) verglichen, welche die schrecklichen Ereignisse in Karbala ertragen musste. Fatima Masuma (a.s.) wurde bei diesem Angriff vergiftet und erkrankte. Sie bat darum, in die nahe gelegene Stadt Qum gebracht zu werden. Zu jener Zeit war Qum bereits als eine religiöse Stadt bekannt.

Die heilige Fatima Masuma (a.s.) verbrachte die letzten Tage ihres Lebens in Qum. Aufgrund ihrer Vergiftung starb sie, noch bevor sie ihren geliebten Bruder Imam Reza (a.s.) wiedersah. In einer Überlieferung von Allama Madschlisi heißt es dazu: „Eine treffende Überlieferung besagt, dass die ganze Familie Aschari, eine angesehene Familie in Qum, davon erfuhr, dass Fatima Masuma (a.s.) sich in Saweh befand und krank war, nach Saweh ging, um sie nach Qum einzuladen. Aus dieser Familie stach vor allem Musa ibn Khazradsch ibn Sa‘ad Aschari hervor, der ein Gefährte von Imam Reza (a.s.) gewesen war. Als er Fatima Masuma (a.s.) erreichte, nahm er die Zügel ihres Kamels und brachte sie nach Qum in sein Haus. Hier verbrachte sie die letzten (16 oder 17) Tage ihres Lebens.“[9] Sie starb im Alter von ca. 28 Jahren. Die Gelehrten und Historiker sind sich einig darüber, dass Fatima Masuma (a.s.) im Jahre 201 nach der Auswanderung (816/817 n.Chr.) in Qum starb. Eine Bestätigung für dieses Jahr findet sich auch im Schrein der heiligen Fatima Masuma (a.s.) wieder. Auf den Jahrhunderte alten Fliesen ist das Jahr ihres Ablebens datiert.

Besonderes Ereignis bei ihrem Begräbnis

Nachdem die heilige Fatima Masuma (a.s.) gestorben war, stiftete Musa ibn Khazradsch zum Zweck ihres Begräbnisses einen kleinen Ort, der zu dieser Zeit unter dem Namen „Bailan“ bekannt war. Als der Platz für das Begräbnis ausgesucht worden war, bereiteten die Familienmitglieder den endgültigen Ort der Ruhe für sie vor. Nachdem das Grab ausgehoben worden war, die rituelle Vollkörperwaschung für die Verstorbene und die Bedeckung (Kafan) vollendet waren, diskutierten die Angehörigen der Familie Sa‘ads darüber, wem die große Ehre zuteil werden sollte, den Körper der heiligen Masuma (a.s.) in das Grab zu legen. Man einigte sich auf einen Mann mit dem Namen Qadir, der ein gottesfürchtiger und frommer alter Mann aus der Familie des heiligen Propheten Muhammad (s.a.) war. Doch dann traten zwei maskierte Reiter in Erscheinung. Sie näherten sich behutsam und stiegen an der Begräbnisstelle ab. Es waren Imam Reza (a.s.) und Imam Taqi (a.s.). Sie traten hervor und rezitierten das Totengebet für Fatima Masuma (a.s.). Dann betrat einer von ihnen das Grab, während der andere ihm den heiligen Körper der Fatima Masuma (a.s.) reichte. Nachdem das Begräbnis vollendet war, bestiegen die beiden Imame wieder ihre Pferde und ritten fort.

Durch eine Überlieferung von Imam al-Kazim (a.s.) wird deutlich, dass die Anwesenheit der Mitglieder der Ahl-ul-Bait (a.s.) bei Begräbnissen von wahren Anhängern ihrer Familie nichts Ungewöhnliches ist. Damals reiste Imam Musa al-Kazim (a.s.) von Medina nach Nischapur in den Iran, um an dem Begräbnis einer alten Frau namens Schatita teilzunehmen, die eine aufrichtige und fromme Anhängerin der Ahl-ul-Bait (a.s.) war. Damals sagte der Imam (a.s.) zu Abu Dschafar Nischapuri, der auch anwesend war und über die Anwesenheit von Imam Musa al-Kazim (a.s.) verwundert war, da er vom weit entfernten Medina gekommen war: „Ich und derjenige, der nach mir der Imam der Ahl-ul-Bait an meiner Stelle sein wird, werden anwesend sein, um eure toten Körper zu begleiten, in welchem Land ihr auch immer sterben möget. So seid gottesfürchtig und fromm und tut stetig Gutes, so dass wir kommen, um euch zu helfen und vom Feuer der Hölle zu befreien.“[10]

Über die Jahrhunderte wurde über dem Grab, der heiligen Fatima Masuma (a.s.) ein Schrein errichtet, der immer weiter vergrößert wird. Überall um den Schrein herum wurden Schulen, Bibliotheken und andere wichtige Institute erbaut. Durch die Heilige Anwesenheit Fatima Masumas (a.s.) in Qum, ist die Stadt zu einem der wichtigsten Zentren der Gelehrsamkeit des Islam geworden. Tausende muslimische Studenten aus über 80 Ländern der Welt, befinden sich in der Stadt Qum. Menschen aus aller Welt, pilgern jedes Jahr zu Hunderttausenden zum Schrein der heiligen Fatima Masuma (a.s.), um sie zu bitten, bei Allah für sie in ihren Angelegenheiten Fürsprache einzulegen.

Eine wahre Geschichte über ihr Grab

Es wird von Ayatollah Seyyid Mahmud Maraschi Nadschafi berichtet, dass er ein großes Verlangen verspürte das Grab von Fatima Zahra (a.s.), der Tochter des Propheten Muhammad (s.a.), zu finden. Sie ist die einzige große Persönlichkeit der islamischen Frühgeschichte, deren Grabstätte bis heute unbekannt ist. Um ihr Grab zu finden beschloss der Gelehrte 40 Tage lang beim Grab von Imam Ali (a.s.) in Nadschaf zu beten, Bittgebete zu rezitieren und andere empfohlene Handlungen zu vollführen. In der 40. Nacht war es dann soweit und ihm erschien in einer Vision eine Person voller Licht. Es war Imam Ali (a.s.), der auf ihn zukam und fragte: „Warum vollführst du diese religiösen Handlungen? Wonach suchst du Seyyid Mahmud?“ Er antwortete: „Du weißt doch besser als ich, wonach sich mein Herz sehnt. Ich suche nach dem Grab meiner Mutter, Fatima Zahra (a.s.).“ Der Imam sagte: „Geh zur Karima Ahl-ul-Bayt.“

عَلَیکَ بِکَریمَة أهل البَیت

Seyyid Mahmud verstand die Worte des Imams nicht. Er dachte, dass der Imam mit seinen Worten Fatima Zahra meinte und fragte: „Ja, genau. Ich möchte zu ihr, aber ich weiß nicht wo ihr Grab sich befindet. Ich habe all diese Mühen auf mich genommen, um zu ihr zu gelangen. Bitte teile mir mit wo ihre Grabstätte liegt.“ Imam Ali (a.s.) antwortete: „Meine Worte bezogen sich auf das Grab von Fatima Masuma (a.s.) in Qum. Gott möchte aufgrund Seiner Weisheit die Grabstätte von Fatima Zahra (a.s.) geheim halten. Für all jene, die Fatima Zahra (a.s.) besuchen möchten, hat er das Grab von Fatima Masuma (a.s.) errichtet. Jede erdenkliche Pracht und Schönheit, die das Grab von Fatima Zahra gehabt hätte, hat Gott dem Grab von Fatima Masuma (a.s.) geschenkt.“ Hier endete die Vision des Gelehrten. Seyyid Mahmud beschloss daraufhin von Nadschaf nach Qum zu reisen und empfahl seinem Sohn, dem späteren Gründer der Maraschi-Bibliothek[11], nach Qum zu ziehen.

Anmerkung: Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung von Djafar Elsner über das Buch „Lady Fatima Masuma (a) of Qum“ von Masuma Jaffer.  [1] Bihar-ul-Anwar, Bd. 48, S. 317, Bd. 60, S. 216, Bd. 102, S. 266.  [2] Kaschf al-La‘ali, Bd. 7, S. 14.  [3] Bihar al-Anwar, Bd. 43, S. 86. 88.  [4] Der Begriff „Masum“ (der/die Reine) bzw. in der Mehrzahlform „Masumin“ (die Reinen) umfasst in seiner spezifischen Bedeutung die Ahl-ul-Bayt, da sie von Gott gereinigt wurden (vgl. den Reinheitsvers der Sure al-Ahzab | 33:33) und daher keine Sünden begehen.  [5] Bihar-ul-Anwar, Bd. 102, S. 267. Ziyarat von Masuma.  [6] Bihar-ul-Anwar, Bd. 48, S. 317, Bd. 60, S. 216, Bd. 102, S. 266.  [7] Nasich al-Tawarich, Bd. 3, S. 68.  [8] Uyun Achbar al-Ridda, Bd. 2, S. 260.  [9] Bihar al-Anwar, Bd. 60, S. 219.  [10] Ibn Hamza: al-Thaqib fi al-Manaqib, S. 445.  [11] Die Maraschi-Bibliothek in Qum zählt heute zu den größten Bibliotheken für alte Handschriften in der islamischen Welt. Sie wurde von Ayatollah Maraschi Nadschafi gegründet, dem Sohn von Ayatollah Seyyid Mahmud Maraschi Nadschafi.

Masuma Jaffer