Göttliche Offenbarung und menschliche Vernunft

Genauso wie die absolute Vernunft die Notwendigkeit der Offenbarung und des Prophetentums erfordert, ist die Offenbarung für die Glaubwürdigkeit des vernünftigen Beweises zuständig und bekräftigt und bestätigt diesen. Aus diesem Grunde besteht der ganze Inhalt des heiligen Qur’ans entweder aus Einladungen der Menschen zum Nachdenken, zum Erwerb von sicherem Wissen und der Wahrheit oder aus den hohen Lehren der Offenbarung, die in Form von logischen Argumenten den Leugnern gegenübergestellt werden oder daraus, dass die Ungültigkeit der unsicheren Argumente der Götzenanbeter und Materialisten bewiesen wird. Genau aus diesem Grund wird der heilige Qur’an als „Licht“ bezeichnet, weil in diesem Buch keine Zweifel, Unklarheiten oder Verwirrungen aufzufinden sind. Denn jeder Zweifel an sich birgt Unklarheit, Dunkelheit und Verwirrung und kann nicht mit der Wahrheit, die echtes Licht ausstrahlt, in Einklang gebracht werden. Deshalb betont die himmlische Offenbarung, dass der Mensch erst einmal ein Forscher und ein Suchender nach der Wahrheit sein muss, der dann mit Gewissheit handeln kann. Er soll nichts akzeptieren oder ablehnen, ohne darüber nachgeforscht zu haben. Nun werden einige Fälle für die Harmonie von Vernunft und Offenbarung angeführt:

1. Vom 6. Imam der Schiiten, Imam Sadiq (a.s.) ist überliefert worden „Zwei Verse im Qur’an haben den Menschen befohlen, nicht über Dinge, von denen sie nichts wissen, zu urteilen und sie weder zu bestätigen noch abzulehnen. Einer von diesen zwei Versen besagt: „Und auf sie folgen Generationen, welche zwar die Schrift erbten, doch nur nach den Gütern dieser Welt greifen und dabei sprechen: Gewiss wird uns verziehen. Ist ihnen denn nicht die Verpflichtung der Schrift abgenommen worden, dass sie gegen Gott nichts aussagen, außer die Wahrheit? Und sie haben über den Inhalt der Schrift geforscht. Doch die Behausung des Jenseits ist besser für die Gottesfürchtigen. Haben sie denn keine Einsicht?“ (Al-A’raf, 169). Der zweite Vers sagt: „Aber was ihr Wissen nicht umfasste und was ihnen doch nicht erläutert worden war, nannten sie Lüge. So leugneten auch schon jene, die vor ihnen lebten. Und schau, wie das Ende der Ungerechten war.“ (Yunus, 39).

2. Der 7. Imam der Schiiten, Imam Musa al-Kazem (a.s.) hat gesagt, dass Gott den Wissenden und diejenigen, die mit Vernunft handeln, mit freudigen Nachrichten gesegnet hat. Dann hat er diesen Vers vorgelesen: „In Wahrheit hat Gott zwei Beweise für die Menschen. Einen offensichtlichen und einen verborgenen Beweis. Der offensichtliche Beweis sind die Propheten und die unfehlbaren Imame und der verborgene Beweis ist die Vernunft.“ [2]

3. Der 8. Imam der Schiiten, Imam Reza (a.s.), antwortete auf die Frage von Ibn al-Sakkit, was der Beweis (für die Rechtleitung) heutzutage für die Menschen sei, wie folgt: „Mit dem Maßstab für Akzeptanz und Ablehnung.“ Allein, dass er in Anwesenheit des Imam diese Worte gesagt hat und der Imam ruhig geblieben ist, ist selbst ein Beweis dafür, dass Vernunft und Logik absolut vertrauenswürdig sind.

4. Der heilige Qur’an spricht zu den Götzenanbetern von Hijaz und zu allen Nichtmonotheisten der Geschichte Folgendes: „Und sie sagen: Hätte der Erbarmer es gewollt, hätten wir sie nicht verehrt. Sie haben aber hiervon kein Wissen, sondern vermuten nur. Oder gaben wir ihnen etwa eine Offenbarung vor diesem Buch, an das sie sich halten könnten? Nein! Sie sagen: Wir fanden unsere Väter auf einem Glaubensweg und folgten ihren Spuren.“ (Az-Zukhruf, 20-22). Die Götzenanbeter akzeptieren Gott als Schöpfer der Welten, aber ernennen für jeden Teil der Schöpfung z. B. für Himmel, Meer, Wüste, usw., einen bestimmten Gott, der in seinem Kompetenzbereich frei und unabhängig ist. Er bestimmt den Nutzen und Schaden seiner Diener direkt. Alle diese Götter unterstehen jedoch einem großen Gott, der Gott der Götter heißt. Da diese Gruppe von Leuten in der Einheit Gottes polytheistisch war, waren sie auch in der Anbetung polytheistisch. Deshalb verneinten sie grundsätzlich die Offenbarung und das Prophetentum und abgesehen davon meinten sie, dass der Mensch dieser hohen Stelle und dieser Funktion nicht würdig ist. Sie meinten weiter, dass Gott keinen direkten und unmittelbaren Überblick über alle Dimensionen der Schöpfung habe, um ihnen Richtlinien zu setzen oder ihnen etwas vorzuschreiben.

Ihre Gelehrten und Forscher begründen diese Behauptung, indem sie sagen, wenn Gott nicht gewollt hätte, dass wir die Götzen anbeten, hätten wir sie nicht angebetet. So hat also Gott nicht gewollt, dass wir die Götzen nicht anbeten, sonst wäre sein Wille geschehen. Aus diesem Grunde ist es nicht erforderlich, Gott anzubeten. Es reicht, wenn man die Götzen anbetet. Auch in der Sure Al-An’am Vers 148 und 149 steht über diese falsche Argumentation Folgendes: „Gewiss diejenigen, welche (Allah) Gefährten geben, werden sagen: Wenn Allah es gewollt hätte, hätten wir ihm keine anderen Götter gegeben, wie auch unsere Väter nicht; wir hätten auch nichts (Erlaubtes) verboten.

So leugneten auch die, welche vor ihnen lebten, bis sie unsere Strenge zu fühlen bekamen. Sprich: Wisst ihr etwas darüber, dann bringt es uns zum Vorschein. Ihr folgt nur einem Wahn und ihr lügt nur. Sprich: Bei Allah ist der umfassende Beweis, und mit der Vernunft kann man den wahren Gesandten Gottes erkennen und ihn akzeptieren. Man kann genauso einen Lügner erkennen und ihn ablehnen. Die Vernunft ist der beste Maßstab zur Akzeptanz der Wahrheit und zur Ablehnung des Falschen.“ Nach dieser weisen Antwort sagte Ibn Al-Sakkit abermals: „Ich schwöre bei Gott, dass diese die einzige Antwort ist, die ausreicht.“ Ebenfalls steht in einem anderen Vers: „Und die, welche Allah Teilhaber geben, sprechen: Wenn Allah gewollt hätte, hätten wir außer ihm nichts angebetet, weder wir noch unsere Väter, und hätten nichts ohne ihn verboten. So sprachen auch die, welche vor ihnen lebten. Aber obliegt den Gesandten etwas anderes als öffentliche Predigt?“ (An-Nahl, 35). Zusammenfassend begründen sie ihre Behauptung, dass es Götter gibt und warum sie nicht Monotheisten sind so:

Wenn es der Wille Gottes gewesen wäre, uns sozusagen auf den rechten Weg zu führen, wenn er himmlische Gesetze auferlegt hätte, um unsere sozialen und individuellen Angelegenheiten zu regeln, wären wir niemals Polytheisten geworden, hätten die Götzen nicht angebetet und hätten kein Gesetz und Gebot boykottiert. Es ist daher klar, dass der Wille Gottes nicht auf die Verneinung des einzig wahren Gottes und nicht auf die Ablehnung des Polytheismus hindeutet. Auch war sein Wille nicht, Propheten zu beauftragen, seine Worte zu offenbaren und ein Buch zu senden. So gesehen ist der Polytheismus eine gerechte Sache und es gibt keine Offenbarung und kein Prophetentum. Das war, was die Götzenanbeter zu argumentieren vermochten. Ihre Nachahmer pflegten zu sagen, dass ihre Vorgänger und Väter ihre Achtung und ihre Würde in der Anbetung der Götzen fanden und sie dies zu ihrem Vorbild machen und sich danach richten würden.

Da aber der heilige Qur’an im Recht ist, lädt er die Menschen zum Nachdenken und zum Forschen ein. Er befiehlt den Menschen, dass jedes Individuum verpflichtet ist, entweder selbst Forscher zu sein oder den Gelehrten und Wissenden zu folgen. Aus diesem Grund akzeptiert der Qur’an nur das, was sich um die Achse des Denkens, der Logik und der Wissenschaft dreht oder seinen Ursprung in der Offenbarung findet. Was weder der absoluten Logik entspricht, noch mit der Offenbarung zu vereinbaren ist, ist überflüssig und verdient kein Vertrauen und keine Achtung. „Und sie sagen: Hätte der Erbarmer es gewollt, hätten wir ihnen nie gedient. Sie haben aber hiervon kein Wissen, sondern vermuten nur.“ (Az-Zukhruf, 20). So wie: „Oder gaben wir ihnen etwa eine Offenbarung vor diesem Buch, an das sie sich halten könnten?“ (Az-Zukhruf, 21). Die Einschränkung der Argumente hinsichtlich des absoluten Verstandes und der absoluten Offenbarung ist an verschiedenen Stellen des Qur’an erwähnt worden:

“Sprich: Habt ihr denn gut überlegt, was ihr da anstelle von Allah anruft? Zeigt mir, was sie von der Erde erschufen. Oder haben sie etwa einen Anteil an den Himmeln? Bringt mir ein älteres (göttliches) Buch oder sonst eine Spur von Wissen, falls ihr wahrhaft seid.“ (Al-Ahqaf, 4) Aus allem oben Angeführten ist zu entnehmen, dass der heilige Qur’an die falschen und abweichenden Anschauungen ablehnt und Unwissenheit als ihre wahre Ursache identifiziert und er bezeichnet ihre Anhänger als oberflächliche und egoistische Kreaturen. „Wahrlich, Namen sind es bloß, die ihr ersonnen habt, ihr und eure Väter. Allah sandte keine Ermächtigung dazu hinab, sie folgen nur einer Wahnvorstellung und ihren Wünschen, obwohl die Rechtleitung ihres Herrn zu ihnen gekommen ist.“ (An-Najm, 23 u. 28). Sowie „Gehört Allah nicht alles, was in den Himmeln und was auf Erden ist? Wem folgen denn jene, welche neben Allah andere Gottheiten anrufen? Fürwahr, sie folgen nur Mutmaßungen und stellen nur Vermutungen an.“ (Yunus, 66) und letztlich: „Sie aber sagen: Es gibt nur unser irdisches Leben. Wir sterben und wir leben und nur der Zeitablauf macht uns zunichte. Sie haben davon aber kein Wissen. Sie vermuten nur.“(Jathiya, 24).

Das, was nicht völlig klar ist, und worüber der Mensch nichts weiß, ist vom Qur’an strengstens abgelehnt worden. „Und befasse dich nicht mit etwas, wovon du kein Wissen hast. Seht, die Ohren, das Gesicht und das Herz, alles wird dafür zur Rechenschaft gezogen.“ (Al-Isra, 36) Hinsichtlich der Behauptung und Argumentation der Polytheisten, die in den Suren Az-Zukhruf, An-Nahl und Al-An‘am erwähnt wurden, muss man sagen, dass zwischen der Argumentation und Beweiserbringung, die auf Basis des schöpferischen und nicht widerlegbaren Willen Gottes erbracht wurden und dem, was aus der Religion und dem Willen Gottes zu entnehmen ist, kein Unterschied gemacht wurde. Dies würde die Menschen in eine Zwangssituation und Not versetzen. Der Wille, nach dem das Gewünschte erzielt wird, ist nichts Anderes als der schöpferische Wille Gottes. Der mit der menschlichen Tat des Menschen verbundene Wille basiert auf seiner individuellen Freiheit und seiner freien Wahl. Das ist der auf die Scharia bezogene Wille Gottes. Gott leitet die Welt mit seinem schöpferischen Willen, gleichgültig ob jemand demgegenüber polytheistisch oder monotheistisch eingestellt ist, denn andere Ideen und diverse Schulen haben keinen Zugang in diese Sphäre der Schöpfung und sie schaden weder der Sache, noch nützen sie ihr.

Aber der auf die Scharia bezogene Wille Gottes geht davon aus, dass der Mensch geborener Monotheist ist und jede Art des Polytheismus ablehnt. Dieser Wille ist sowohl mit dem Gehorsam des Menschen als auch mit dem Polytheismus und dem Ungehorsam vereinbar. Deshalb kann man nicht behaupten, dass, wenn sich der Wille Gottes auf Monotheismus und die Einheit Gottes bezieht und die Offenbarung und das Prophetentum bestätigt, die Götzendiener nicht mehr Götzendienst treiben würden und die Gesetze nicht missachten würden. Aus diesem Grund ist der Polytheismus aus der Sicht des Islam gleichbedeutend mit der Unwissenheit und wird als etwas bezeichnet, was mit Verstand und Logik nicht zu rechtfertigen ist. „Und wir geboten dem Menschen Güte gegen seine Eltern. Doch wenn sie dich dazu bringen wollen, Mir an die Seite zu setzen, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht. Zu mir ist eure Heimkehr; dann werde Ich euch vorhalten, was ihr (alles) getan habt.“ (Al-Ankabut, 8). Sowie „Doch wenn sie dich dazu bringen wollen, dass du mir an die Seite setzt, wovon du kein Wissen hast, so gehorche ihnen nicht. Verkehre mit ihnen in weltlichen Dingen gleichwohl, wie es gerecht und billig ist. Doch folge dem Weg derer, die sich zu mir bekehren. Dann ist eure Rückkehr zu mir, und dann werde ich euch euer Tun vorhalten.“ (Luqman, 15).

Der Grund, warum Polytheismus und Ähnliches gleichzeitig Unwissenheit sind und nicht mit Wissenschaft zu vereinbaren und zu rechtfertigen sind, ist der, dass sie nicht existierend sind. Was nicht existiert, ist nicht identisch mit der Wahrheit und Wirklichkeit. Sie widersprechen dem Verstand und sind nie transparent. In der Sure Jonas wurde dieser Fall folgendermaßen dargestellt: „Und sie verehren neben Allah, was ihnen weder Schaden noch nützen kann und sagen: Dies sind unsere Fürsprecher bei Allah: Sprich: Wollt ihr Allah über etwas belehren, was ihm weder in den Himmeln noch auf Erden bekannt ist? Preis sei mit ihm. Erhaben ist Er über alles, was ihr Ihm beigesellt.“ Yunus, 18). Das heisst mit anderen Worten, etwas, von dem Gott nichts weiß, existiert gar nicht und es ist etwas nicht Existierendes.

5. Der Heilige Qur’an kennt für Nachahmung, Forschung, Gefolgschaft und geistige Führung keinen Maßstab außer den absoluten Verstand, der Logik und absoluter Offenbarung. Er akzeptiert nur das, was entweder mit logischem Argument oder mit Offenbarung aufgeklärt werden kann und geklärt worden ist. Der heilige Qur’an betrachtet die Nachahmung, die weder logisch ist, noch auf Anweisung der Offenbarung beruht, sowie die Forschung und die Führung, die weder mit logischen Gründen, noch mit Hilfe der Offenbarung zu vereinbaren sind, gerechtigkeitsfeindlich. Das Resultat wird nichts Anderes sein, als dem Satan zu folgen, was wiederum zum Irrweg und zur Verwirrung führen wird. Denn, wie oben erwähnt wurde, ist der Mensch für seine Forschungen und Taten verantwortlich. Der Mensch muss ein wahrer Forscher sein. Wenn ihm aber dies nicht gelingt, ist in diesem Fall die Nachahmung und Gefolgschaft selbst eine Art der Forschung. Wenn der Mensch dem Forscher nicht gehorcht, wenn er eigensinnig handelt oder Menschen folgt, die nicht nachforschen, dann ist seine Nachahmung bedeutungslos und belanglos und basiert nicht auf festen Säulen und seine Aussagen sind billig und belanglos. Wenn jemand aber die Führerrolle beansprucht und die anderen Menschen führen will, muss seine Führerschaft auf wissenschaftlicher Forschung und auf logischer Argumentation basieren oder der Offenbarung entsprechen. Dies ist der Beweis für Harmonie zwischen Verstand, Logik und der Offenbarung.

Im Zusammenhang mit Forschung, Nachahmung und Gefolgschaft sagt der Qur’an: „Und doch gibt es Menschen, die ohne jedes Wissen über Allah streiten und jedem rebellischen Satan folgen.“ (Al-Hajj, 3). Im zweiten Teil, nämlich hinsichtlich der Forschung und Führung sagt das heilige Buch: „Doch unter den Menschen gibt es manch einen, der über Allah ohne jedes Wissen streitet, ohne Rechtleitung und ohne erleuchtendes Buch. (Hochmütig) wendet er sich zur Seite, um von Allahs Weg abwendig zu machen. Schande sei sein Los im Diesseits. Und am Tag der Auferstehung werden wir ihn die Strafe des Verbrennens schmecken lassen.“ (Al-Hajj, 8 u. 9). Im ersten Paragraph bezeichnet der Qur’an die blinde und unwissende Nachahmung als Befolgung des Satans, denn diese blinde Nachahmung hat eine feste Basis. In diesem Fall wird der Nachahmer blind und wird verschiedenen Satanen folgen, aus diesem Grund sagt das heilige Buch: „Und doch gibt es Menschen, die ohne jedes Wissen über Allah streiten und jedem rebellischen Satan folgen.“ (Al-Hajj, 3).

Im zweiten Teil wird gesagt, wenn die geistliche Führung der Menschen nicht auf Gewissheit und vernünftigem Beweis basieren sollte, oder wenn es nicht aus reiner Liebe zu Gott geschieht, oder wenn sie ihre Quelle nicht in der Offenbarung findet, dann ist eine derartige Forschung ein totaler Irrweg, der den Menschen blamieren soll und das Feuer und den ewigen Schmerz der Hölle mit sich bringt. In diesem Zusammenhang sagt das heilige Buch: „Doch unter den Menschen gibt es manch einen, der über Allah ohne jedes Wissen streitet, ohne Rechtleitung und ohne erleuchtendes Buch.“ (Al-Hajj, 8). Mit dem Wort Wissen meint anscheinend der Qur’an den erwähnten vernünftigen und sicheren Beweis. Und mit dem Wort Rechtleitung meint er mystische Mittel der reinen Seele des Menschen, die sich durch kontinuierliche Bemühung und mit der Führung Gottes entwickelt. „Und diejenigen, welche sich für Uns kräftig einsetzen, werden Wir auf unseren Weg leiten.“ (Al-Ankabut, 69).

Das erleuchtende Buch ist nichts anderes als Offenbarung, das Prophetentum und die Mission des großen Propheten. Wenn die geistige Führung nicht mit vernünftigem Beweis und richtiger Gnosis und dem heiligen Qur’an zu vereinbaren wäre, wäre der Mensch auf den Irrweg geführt worden. Da sieht man, wie der absolute Verstand und die himmlische Offenbarung miteinander verflochten sind. Wenn der einzige Weg zum umfassenden Wissen nur die Offenbarung gewesen wäre und der Mensch keinen anderen Weg gehabt hätte, hätte der heilige Qur’an niemals andere Wege gezeigt und sie nicht parallel neben einander erwähnt und hätte niemals gegenüber dem erleuchtenden Buch von der Führung und Wissenschaft gesprochen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit in den Versen der Sure Haj und Logman wird klar, dass die Erforderlichkeit der Offenbarung und deren Priorität zu Nichtoffenbarung, die Monopolisierung des Realismus in der Offenbarung allein mit Hilfe und durch den absoluten Verstand machbar ist und nicht allein mit der Offenbarung. Dies zeigt, wie vertrauenswürdig der Verstand und der vernünftige Beweis aus der Sicht des Qur’an sind. Das zeigt ebenfalls, dass eine absolute Harmonie zwischen ihnen und göttlicher Offenbarung besteht.

6. Der heilige Qur’an hat die logische Argumentation und das absolute Wissen als Beweis für die Richtigkeit der göttlichen Offenbarung bezeichnet. Das Urteil des Wissenden ist ein Beweis für die Richtigkeit der Offenbarung und ein unwiderlegbarer Beweis dafür. „Doch die, denen das Wissen gegeben wurde, sehen, dass das, was zu dir von deinem Herrn herabgesandt wurde, die Wahrheit ist und auf den Weg des Mächtigen und des Lobenswerten leitet.“ (Saba, 6). Diese Verse besagt, dass die Verneinung der Offenbarung auf Mangel an Wissen beruht und nichts Anderes als Unwissenheit ist, die die Akzeptanz des Qur’ans verhindert. Bei der Bestimmung der Werte und der wissenschafl ichen Weisheit ist die logische Wissenschaft ein Mittel, mit der man die wahren Werte erkennt. Nur die Unwissenheit übersieht die wahren Werte und rechtfertigt das aufgrund von falschen Schlussfolgerungen. „So ging er in seinem vollen Schmuck zu seinem Volke hinaus. Jene nun, die auf das irdische Leben begierig sind, sprachen: Oh, dass wir doch besäßen, was Korah gegeben wurde; er hat wirklich gewaltiges Glück.“ (Al-Qasas, 79 u. 80).

So gesehen wird der wahre Wert mit dem Maßstab des Verstandes und des absoluten Wissens bemessen. Ebenso ist die Beschreibung und Klärung der wahren Wissenschaften nur mit vernünftigen Beweisen machbar. Eine Wissenschaft, die sich nicht mit göttlichen Wissenschaften befasst und die wahre Werteordnung vernachlässigt, ist eine schwache und unglaubwürdige Wissenschaft und verdient kein Vertrauen. Der Qur’an misst ihr wenig Wert bei. „Darum wende dich von dem ab, der sich von Unserer Ermahnung abkehrt und nur das irdische Leben begehrt. Das ist der Stand des Wissens, den sie erreicht haben. Dein Herr weiß wohl, wer von Seinem Wege abirrt, und er weiß sehr wohl, wer rechtgeleitet ist.“ (An-Najm 29 u. 30).

Einfluss der Offenbarung auf das Erblühen der Humanwissenschaften Verstand und Offenbarung sind miteinander vereinbar und stehen nicht im Widerspruch zueinander. Obwohl der Verstand für das Erkennen der Wissenschaften an und für sich ausreichend ist, ist die göttliche Offenbarung bei der Vorstellung und dem Aufzeigen der Wissenschaft einen Schritt dem Verstand voraus und ist vollkommener als Verstand und Logik. Was der Verstand begreift, wird auch von der Offenbarung bestätigt. Was vom Verstand nicht begriffen werden kann, wird durch die Offenbarung bestimmt und veranschaulicht. Die Offenbarung verwandelt jene Kenntnisse, die für den Verstand potentiell erreichbar sind, in aktuelles Wissen und die Wahrheiten, die dem Menschen grau und verschwommen scheinen, macht sie klar und deutlich. Mit einem Wort beseitigt die Offenbarung die bei den Menschen vorhandenen Mängel. Imam Ali (a.s.) sagt: „Die Offenbarung bringt den versteckten Verstand, welcher unter dem Staub des Irrweges unsichtbar geworden ist, zur Erscheinung und fordert ihn zu funktionieren auf, damit er die Zeichen seiner Stärke zeigt.“ [3]

Deshalb wird die Rolle des Verstandes dank der göttlichen Offenbarung zu Tage treten und mit der Anwendung der himmlischen Gebote wachsen. Denn die göttliche Offenbarung ist das Wort Gottes, das die ganze Schöpfung umfasst. Wenn Gott über einen Teil der Schöpfung spricht, spricht er es so aus, dass die Verbundenheit Gottes mit der Welt der Möglichkeiten (der Materie) eindeutig klar wird. Das zeigt gleichzeitig, wie eng die Verbindung zwischen Schöpfung, dem Universum und dem Schöpfer ist, sodass die Ebene der Verbindung dieser Schöpfung mit der ersten Ursache der Entstehung vollkommen bewiesen ist. Gottes Wort begnügt sich niemals mit der Definition und Beschreibung der Schöpfung alleine oder beschreibt nicht nur den Stoff und die Form oder die Art und ihre spezifische Differenz der Dinge und beschränkt sich auch nicht auf die Beschreibung ihrer vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Materie oder auf die Information über horizontale Prozesse und materielle Veränderungen. Einige der Human- und Experimentalwissenschaften können die Vergangenheit und die Vorgeschichte eines materiellen Phänomens klären und die gegenwärtigen Wandlungen der Materie und seine zukünftigen eventuellen Evolutionen im Zuge der Zeit und Bewegung beschreiben.

Das ist eben eine kurze Beschreibung und ein rascher Überblick über ein materielles Wesen. Mit anderen Worten wird hier nur über die innere Ordnung diskutiert, wie z.B.: in der Biologie, Mineralogie, Medizin,dem Ingenieurwesen und der Astronomie oder in anderen Bereichen der Experimentalwissenschaften und in einem Teil der Humanwissenschaften wird nur von gegenwärtigen, vergangenen und zukünftigen Veränderungen gesprochen und nur ihr inneres System zur Diskussion gestellt. Aber die Ordnung durch den Schöpfer und über die zweckbestimmte Ordnung wird niemals diskutiert und analysiert. Wie ein Bergbau zustande gekommen ist und wie er im Herzen eines Berges eingebettet ist und welche Jahre und Perioden er hinter sich hat, welche Veränderungen er jetzt erfährt und welche Veränderungen er in der Zukunft erfahren wird, ist nach Natur-und Humanwissenschaften klar. Aber wer hat ihn erschaffen und erzeugt?

Das wird nicht durch die Wissenschaft beantwortet und geklärt. Wenn dieser Schöpfer selbst materieller Natur ist, dann muss ein anderer Schöpfer ihn erschaffen haben, usw. […]. So kommen wir zur Erkenntnis, dass die Urquelle der Schöpfung der wahre Schöpfer ist, dessen Existenz mit seinem Wesen identisch ist, er ist reich genug und kann die Not und Bedürfnisse eines jeden Hilfsbedürftigen beseitigen. Aber die Ordnung durch den Schöpfer wird nicht diskutiert und analysiert. Auch über das Ziel dieses Phänomens und darüber, dass das Endziel der wahre Schöpfer selbst ist, dessen Vollkommenheit unbegrenzt ist, was seinem Wesen entspricht und er es nicht nötig hat, fern von seinem Wesen zu existieren, wird nicht besprochen. Mit einem Wort wird kein Wort über das endgültige Wort gesprochen.

Die Fächer der Experimentalwissenschaft und einige der Humanwissenschaften klären nur die innere Ordnung der Dinge und sagen nichts über die Ordnung durch den Schöpfer und die zweckbestimmte Ordnung der Dinge aus. Sie überlassen diese Fragen der Weltanschauung der Menschen und sind so getrennt und fern vom Schöpfer und der Auferstehung und blicken nur auf die weltliche und materielle Dimension der Dinge und beschränken ihre Forschungen auf sie. Selbstverständlich klärt eine solche Forschung nur die innere Ordnung der Schöpfung auf, ist jedoch getrennt und fern von einer Klärung der Ordnung durch den Schöpfer und der zweckbestimmten Ordnung.

Großayatollah Jawadi Amuli

Anmerkungen: [1] Usule Kafi , Bd. 1, S. 43.  [2] Usule Kafi ,1.Bd., S. 16.  [3] Nahdschu l-Balaqa, Khotbe 1.