Qur’an-Exegese – An-Nisa 4:32

Und begehrt nicht das, womit Allah die einen von euch vor den andern ausgezeichnet hat. Die Männer sollen ihren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst und die Frauen sollen ihren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst. Und bittet Allah um Seine Huld. Wahrlich, Allah hat vollkommene Kenntnis von allen Dingen (An-Nisa | 4:32).

Der große und bedeutende Ausleger des Qur’an Scheich Tabarsi bringt in seinem Werk Madschma-ul-Bayan folgende Überlieferung dem Leser nahe: Eines Tages trug Umm Salama, eine der Ehegattinnen des geehrten Propheten des Islam, folgende Frage vor: „Oh Prophet Gottes, wie ist es nur möglich, dass Männern erlaubt wird, am kleinen Dschihad (Dschihad-ul-Asghar) teilzunehmen, während es den Frauen verwehrt ist und wie kommt es, dass bei Erbschaftsangelegenheiten für weibliche Erbinnen ein anderer Maßstab als für männliche Erben gilt?“ Und weiter sagte sie: „Wie schade ist es doch, dass wir keine Männer sind und somit nicht in die Gunst des kleinen Dschihads kommen können. Wäre es den Frauen nur möglich gewesen, sich mit den Männern auf die gleiche soziale Ebene zu begeben!“ Laut Scheich Tabarsi sind die Fragen der Prophetengattin Umm Salama der Anlass für die Herabsendung des oben genannten Qur’an-Verses gewesen.

Dieser Vers aus dem Heiligen Qur’an kann mit folgenden Bedeutungen ausgelegt werden:

  • Zum ersten geht es bei dem Vers darum, sich von Gott keine Dinge zu erbitten, anhand derer einige Menschen anderen Personen vorgezogen oder auf eine höhere Stufe als jene gestellt werden.
  • Zweitens wird darauf verwiesen, dass es zwischen Mann und Frau in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und die diesbezügliche Entlohnung keinerlei Unterschiede gibt.
  • Und zum Dritten deutet der Qur’an-Vers auf bestimmte Auswirkungen hin, welche Bittgebete auf materialistische und ideelle Belange haben können.

Gemäß der Bedeutung dieses göttlichen Wortes ist jede materialistische und ideelle Vormachtstellung eines Menschen anderen gegenüber allein auf die Gnade Gottes zurückzuführen. Dieser Umstand darf niemals als ein verbrieftes Recht angesehen werden. Allein der göttlichen Gunst und Barmherzigkeit ist es zu verdanken, wenn manche Personen materialistische oder geistige Überlegenheit erlangen. Jener, dem diese Vorzugsstellung nicht zuteilwird, besitzt demzufolge nicht das Recht, Gott dafür zu zürnen und Kritik zu üben. Niemals darf er sich beschweren, wenn der Allmächtige ihn aufgrund Seiner göttlichen Weisheit und Kenntnis von einem solchen Vorrecht ausgeschlossen hat. Denn nur Gott weiß, was für den Menschen gut ist und Er ist es, der alles Segensreiche, Tugendhafte und Vollkommene für uns bereit hält und uns damit beschenkt, sei es nun materialistischer oder ideeller Natur. Dabei ist es für Mann und Frau gleichermaßen möglich, aus diesem unendlich weiten Ozean göttlicher Gnade und Barmherzigkeit zu schöpfen und daraus Nutzen zu ziehen. Gott will niemanden von Seiner Gunst und von Seinem Wohlwollen ausschließen und kein Mensch darf andere dafür beneiden, wenn diese in den Genuss göttlicher Gaben und göttlicher Güte gelangt sind.

Mit dem Begriff ( تمنّى ) sind folgende Sehnsüchte und kritische Aussagen gemeint, wie: „Ach, wäre doch diese oder jene Sache nicht passiert oder hätte sie wenigstens ein anderes Ende gehabt.“ Oder: „Wie schön wäre es, wenn ich folgende Vorzüge und Begabungen gehabt hätte bzw. diese oder jene Charaktereigenschaft besäße.“ Dazu muss gesagt werden, dass Gott die Menschen mit verschiedenen Eigenschaften versehen und ausgestattet hat und Er dabei natürlich auch die geschlechtlichen Unterschiede in Betracht zog und diese beachtete. Jeder Mensch, gleich ob Mann oder Frau, ist von Seinem Schöpfer mit einer bestimmten Überlegenheit anderen gegenüber bedacht worden. So gibt es zum Beispiel viele Regelungen und Gebote, welche nur auf Männer abgestimmt sind, während für das weibliche Geschlecht andere göttliche Vorschriften gelten. Denn es ist nur allzu selbstverständlich, dass Gebote und Regelungen geschlechtsspezifisch ausgerichtet sein müssen.

Als Beispiel dafür kann auf das Erbrecht verwiesen werden, wo in Bezug auf Erbschaftsangelegenheiten dem Mann ein größerer Erbteil zukommt, während die Frau sich mit einem kleineren Anteil zufrieden geben muss. Ein männlicher Erbe ist somit einer weiblichen Erbin in Bezug auf die Hinterlassenschaft überlegen und dennoch profitiert letztendlich die Frau davon, denn sie muss nicht selbst für ihre Lebenshaltungskosten aufkommen, weil dafür ihr Ehemann zuständig ist. Er ist es, der für die Deckung des Unterhalts verantwortlich ist und der die Kosten und Ausgaben für den Lebenserhalt zu bestreiten hat. Genauso ist es bei einer Heirat, wo wiederum dem Ehemann die Begleichung der materiellen Ausgaben zufällt, er hat die Kosten und den Aufwand für das Fest zu tragen und muss – sofern gefordert – auch die Morgengabe auszahlen. Die Frau hingegen kann sich auf ihre Morgengabe stützen und sie gegebenenfalls bei ihrem Ehegatten einfordern.

Gleichzeitig dürfen gerade diese unterschiedlichen Eigenschaften und Vorzüge, mit denen Gott Mann und Frau ausgestattet hat, nicht dazu verleiten, die Rechte des anderen Geschlechts zu beschneiden und ihm gegenüber ein diskriminierendes Verhalten an den Tag zu legen. Aus dem Grund liegen gerade jene mit ihrer Ansicht völlig falsch, die den Beginn des Verses damit deuten, dass Gott soziale Unterschiede geschaffen hat. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt der Vers allzu deutlich, indem er auf die Tatsache verweist, dass sowohl Männer als auch Frauen allein von ihren eigenen Anstrengungen und Bemühungen profitieren können und ihnen dabei ihr bestimmter sozialer Status und Stellenwert ebenfalls zugutekommen. Mit dem genannten Vers möchte Gott demnach andeuten, man solle nicht nach Dingen streben, die andere besitzen und mit denen Menschen des anderen Geschlechts versehen wurden, seien es nun materielle oder immaterielle Vorzüge und Privilegien. Männer sollen möglichst vermeiden, sich bestimmte, auf Frauen abgestimmte Vorzüge zu ersehnen und umgekehrt ist es für das weibliche Geschlecht nicht rühmlich, Monopole anzustreben, die dem Manne vorbehalten sind, denn diese Vorzugsstellung ist niemals grundlos erfolgt. Gott weiß am besten, was für den Menschen von Wichtigkeit ist.

لِلرِّجالِ نَصيبٌ مِمَّا اکتَسَبُوا وَ لِلنِّساءِ نَصيبٌ مِمَّا اکتَسَبنَ

Am Ende des Verses heißt es: „Und bittet Allah um Seine Huld. Wahrlich, Allah hat vollkommene Kenntnis von allen Dingen.“ Damit will Gott die Menschen auf seine Gnade und Barmherzigkeit aufmerksam machen. Er fordert sie auf, nicht nach dem Besitz und den Gütern anderer zu trachten, wie es im Naturell der Menschen liegt, sondern auf Gott zu vertrauen, denn nur Ihm obliegt es, Seinen Segen dem Menschengeschlecht zu spenden. Schließlich ist Gott der Ursprung jeder Gnade und jeden Segens und Er verschenkt Wohlwollen, Barmherzigkeit und göttliche Gaben nach Seinem Gutdünken und Belieben. Sieht man in seinem Umfeld also Menschen, denen Gott gnädig war und die in den Genuss Seiner Wohltaten kamen, so kann dies als Ansporn gelten, es ihnen gleichzutun und Gott ebenfalls um Wohlgefallen und Freundlichkeit zu bitten. Somit wird einem ermöglicht, aufzusteigen und sich über andere zu erheben, die man früher wegen ihrer Vorzugsstellung beneidet hat.

In diesem Zusammenhang kann die Frage aufkommen, weshalb Gott im Hinblick auf Seine Gerechtigkeit überhaupt Unterschiede und diverse Vorzugsstellungen für die Menschen geschaffen hat. Weshalb gibt es die Differenzierung bei den Geschlechtern? Die Antwort ist, dass Gott angesichts Seiner gerechten Erkenntnis hiermit die Abstimmung von sämtlichen harmonischen Komponenten der Schöpfung aufeinander bezweckt. Jedem soll das ihm zustehende Recht zugeschrieben werden und es darf zu keinerlei Diskriminierung kommen. Die göttliche Gerechtigkeit beruht schließlich darauf, dass keinem das ihm gehörende Anrecht abgesprochen wird und darüber hinaus niemand auf Rechte pochen darf, die ihm nicht zustehen. In der Schöpfung kann es keine Diskriminierung geben, was jedoch auffällig ist, sind bestimmte Unterschiede. Diese Differenzen beziehen sich unter anderem auch auf den menschlichen Körper, der aus vielen verschiedenen Gliedmaßen und Organen besteht, welche alle ihren eigenen Platz im Leib und Organismus des Menschen besitzen. Einerseits unterscheiden sich die Körperteile voneinander, während sie andererseits bestimmte Stellen im Körper einnehmen. Somit hat Gott aufgrund Seiner göttlichen Erkenntnis die Menschen sowohl mit sichtbaren und unsichtbaren Gaben wie auch mit materialistischen und ideellen Wohltaten beschenkt, die sich allerdings in ihrer Größe oftmals voneinander unterscheiden. So kann es sein, dass bestimmte Personen mit enormen geistigen Fähigkeiten ausgestattet wurden und darum anderen als Vorbild dienen. Jedoch waren sich selbst die Gottesgesandten nicht vollständig ähnlich und es gab Variationen in ihren Eigenschaften und Fähigkeiten. Gott sagt hierzu im 55. Vers der Sure al-Isra: „Und wir haben einige Propheten vor den anderen bevorzugt.“ Und im 253. Vers der Sure al-Baqarah heißt es: „Dies sind die Gesandten. Wir haben einigen von ihnen den Vorrang über andere gegeben. Unter ihnen sind welche, zu denen Allah gesprochen hat, und einige, die Er um Rangstufen erhöht hat.“

ولَقَدْ فَضَّلْنا بَعْضَ النَّبِيِّينَ عَلي بَعْضٍ

تِلْکَ الرُّسُلُ فَضَّلْنَا بَعْضَهُمْ عَلَى بَعْضٍ مِنْهُمْ مَنْ كَلَّمَ اللَّهُ وَرَفَعَ بَعْضَهُمْ دَرَجَاتٍ

Dieser Umstand zeigt, dass selbst bei den Propheten Unterschiede beim Empfang göttlicher Gaben vorhanden waren und einige von ihnen vor den anderen bevorzugt wurden. Einige waren gekommen, um die göttliche Offenbarung zu überbringen, während andere wiederum als deren Hüter bestimmt waren. Bei einigen wenigen Gottesgesandten handelte es sich um sogenannte Erzpropheten (Ulul-Azm), wie Noah, Abraham, Moses, Jesus und der islamische Prophet Muhammad, Friede sei mit ihnen, während die anderen einfachere Gesandten Gottes waren. Also ließ Gott auch hier angesichts Seiner Gnade und Barmherzigkeit Unterschiede walten. Wichtig ist, dass keiner der Propheten Neid oder Missgunst den anderen Gottgesandten gegenüber aufkommen ließ und jeder nur die Mission seines Vorgängers lobte und sie auch bestätigte. Die Pflicht der Menschen ist es, jeden dieser Propheten als spezielle Gesandte Gottes anzuerkennen und ihren Anweisungen und Offenbarungen in Bezug auf die Religion zu folgen. Diese Differenzierung und Bevorzugung seitens des allmächtigen Schöpfers lässt sich auch auf andere Lebewesen beziehen. So heißt es zum Beispiel im 32. Vers der Sure az-Zukhruf: „Sind sie es etwa, die Gottes Gnade verteilen? Wir sind es, die unter ihnen den Unterhalt im irdischen Leben verteilen. Und Wir haben die einen um mehrere Rangstufen über die anderen erhoben, damit die einen die anderen in ihren Dienst stellen.“

أَهُمْ يَقْسِمُونَ رَحْمَتَ رَبِّکَ نَحْنُ قَسَمْنَا بَيْنَهُمْ مَعِيشَتَهُمْ فِي الْحَيَاةِ الدُّنْيَا وَرَفَعْنَا بَعْضَهُمْ فَوْقَ بَعْضٍ دَرَجَاتٍ لِيَتَّخِذَ بَعْضُهُمْ بَعْضًا سُخْرِيًّا

Demnach lässt sich die individuelle ideelle und von Gott gegebene Bevorzugung, die bei Propheten, Gottgläubigen und den Paradiesbewohnern zu beobachten ist, auch aus materialistischer Sicht auf andere Geschöpfe übertragen. Kein Mensch ist im Hinblick auf seinen Unterhalt den anderen gleichgestellt und jeder erhält nur den Anteil, der für ihn durch die göttliche Erkenntnis bestimmt wurde. Dabei ist Gott der Allmächtige im genannten Vers auch auf den Ursprung dieser Tatsache und auf die göttliche Bevorzugung eingegangen. Er hat die Gesellschaft so erschaffen, dass es viele Unterschiede zwischen den Menschen gibt. Jedem wurden Bedürfnisse gegeben, mit denen er sich an seine Mitmenschen wenden soll. Niemand ist vollkommen bedürfnislos, sondern alle sind auf ihren Nächsten angewiesen. Eine Gesellschaft, in der alle denselben Stand und die gleiche Rangstufe haben und in der keine Bedürfnisse vorherrschen, wäre zum Scheitern verurteilt. Man kann sich kein soziales System vorstellen, in dem alle Mitmenschen auf den Gebieten Wissenschaft, Handel und Landwirtschaft auf gleicher Ebene stehen und alle dieselben Ideen und Begabungen besitzen. Natürlich hätten dann alle Mitglieder dieser Gesellschaft die gleichen und selben Voraussetzungen und wären einander ebenbürtig, aber es ließen sich keine Fortschritte erzielen und im Endeffekt würde es nur Stillstand geben. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass eine Gesellschaft nicht einseitig aufgebaut sein kann. Es gibt verschiedene und unterschiedliche Gebiete und Belange, die ein soziales System ausmachen, wobei für jeden einzelnen Bereich unterschiedliche Elemente und individuelle Begabungen erforderlich sind.

Und obwohl sich Mann und Frau im Hinblick auf ihren Ursprung und ihren Schöpfungshergang sowie im Hinblick auf ihre Grundbedürfnisse und existenziellen Belange gleichen, so gibt es doch in mancher Hinsicht Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern, insbesondere wenn es sich um rechtliche und persönliche Angelegenheiten handelt. Das darf jedoch nicht dahingehend beurteilt werden, dass der Mann womöglich über der Frau steht bzw. einen höheren Stellenwert besitzt. Das einzige Gebiet, wo es zu einer Vorzugsstellung zwischen männlichen und weiblichen Geschöpfen kommen kann, ist der Gottglauben. Hier wird empfohlen, andere bei der Hingabe zu Gott zu übertrumpfen und den Aufstieg in höhere Sphären anzustreben. Jeder ist dabei seines eigenen Glückes Schmied und jedem einzelnen obliegt es, aus dem Gottglauben den größten Profit und Nutzen zu ziehen.

Finanzielle Unabhängigkeit der Frau im Islam

Während vor rund 1400 Jahren den Frauen in Bezug auf ihre individuellen Rechte relativ wenige Freiheiten zustanden, hat der Islam auf diesem Gebiet rasch Abhilfe geschaffen. So werden zum Beispiel Frauen im Islam in Bezug auf ihre Erwerbstätigkeit und ihre arbeitsrechtlichen Anteile dieselben Rechte zugestanden wie den Männern. Hierzu heißt es im 32. Vers der Sure an-Nisa: „Die Männer sollen ihren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst und die Frauen sollen ihren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst.“

لِلرِّجالِ نَصيبٌ مِمَّا اکتَسَبُوا وَ لِلنِّساءِ نَصيبٌ مِمَّا اکتَسَبن

Es war in der damaligen Zeit üblich, dass nur der Mann bei Erbschaftsangelegenheiten mit bestimmten Anteilen aus der Hinterlassenschaft bedacht wurde, während die Frau leer ausging. Männliche Erben beerbten Vater und Mutter, oder aber verwandtschaftliche Familienmiglieder, wohingegen weiblichen Hinterbliebenen nichts zustand. Mit dem Einzug des Islam änderten sich diese Verhältnisse und ab nun hatten auch Frauen ein Anrecht auf Anteile aus einer Hinterlassenschaft. In diesem Zusammenhang heißt es im 7. Vers der Sure an-Nisa: „Den Männern steht ein festgesetzter Pflichtanteil an der Hinterlassenschaft der Eltern und der Verwandten zu, mag es viel oder wenig sein. Auch den Frauen steht ein festgesetzter Pflichtanteil an der Hinterlassenschaft der Eltern und der Verwandten zu, mag es viel oder wenig sein.“

لِّلرِّجَالِ نَصيِبٌ مِّمَّا تَرَكَ الْوَالِدَانِ وَالأَقْرَبُونَ وَلِلنِّسَاء نَصِيبٌ مِّمَّا تَرَكَ الْوَالِدَانِ وَالأَقْرَبُونَ مِمَّا قَلَّ مِنْهُ أَوْ كَثُرَ نَصِيباً مَّفْرُوضاً

Ebenso wurden durch das Erscheinen des Islam auf der finanziellen und steuerrechtlichen Ebene Veränderungen für die Frauen sichtbar, denn auch hier wurden mittels der islamischen Gesetzgebung die Frauen den Männern gleichgestellt. Was die finanziellen Eigentumsrechte des weiblichen Geschlechts im Islam angeht, so kann auf das direkte und persönliche Eigentumsrecht, das natürliche Eigentum und das Eigentum durch sogenannte Unterhaltszahlungen hingewiesen werden.

  • Mit dem persönlichen und direkten Eigentum der Frau ist das übliche finanzielle Einkommen gemeint, das beiden Geschlechtern im Falle einer Erwerbstätigkeit gesetzmäßig zusteht, da jede Person, sowohl männlich wie auch weiblich, für ihre geleistete Arbeit entlohnt werden muss. Ein wichtiger Grundsatz im Islam ist die individuelle Unabhängigkeit bei finanziellen Belangen, wobei absolut keine geschlechtsbezogenen Unterschiede vorhanden sind und die Frau also keine Diskriminierung erleiden darf.
  • Das natürliche und unabhängige Vermögen, in dessen Besitz eine Frau gelangen kann, bezieht sich auf Erbschaftsangelegenheiten oder Schadensersatz, in dem Sinne, dass Frauen bei Nachlassangelegenheiten ein gewisser Anteil der Hinterlassenschaft zusteht und sie auch bei der Auszahlung von Schadensersatz empfangsberechtigt sind. Im Allgemeinen wird bei diesen beiden Belangen also nicht nach Mann und Frau getrennt vorgegangen, prinzipiell jedoch unterscheiden sich die jeweiligen Anteile sowohl bei Erbangelegenheiten wie auch bei dem Erhalt von Schadensersatzzahlungen dahingehend, dass Männern ein größerer Abschlag zusteht als Frauen. Grund dafür ist die enorme finanzielle Belastung, die auf den Schultern eines Mannes lastet.
  • Mit einem sogenannten Vermögen mittels Unterhalt sind finanzielle Leistungen gemeint, welche Frauen seitens der islamischen Gesetzgebung zugesprochen werden. Im Islam sind verheiratete Frauen nicht verpflichtet, für den Unterhalt der Familie aufzukommen oder irgendeinen Anteil ihres Eigentums und ihres Einkommens als Lebenshaltungskosten auszugeben. Der Ehemann hingegen ist für die Auszahlung der Morgengabe verantwortlich, muss für den Unterhalt der Frau aufkommen und eine angemessene Wohnsituation schaffen. Darüber hinaus verpflichtet ihn der Islam zu einer finanziellen Unterstützung während der Verlobungszeit.

Obwohl der Islam die Morgengabe nicht als ein Gebot ansieht, hat sie doch mit dem Erscheinen des Islam einen ideellen Aspekt angenommen. Mit der Morgengabe will der Ehemann seine ehrliche Absicht kund tun. Sie ist ein Geschenk an die Ehefrau und soll zugleich als Liebesbeweis dienen. Dabei hat die Frau freie Wahl, ob sie den Betrag gleich nach der Eheschließung erhalten will oder ob sie mit dem Empfang der Morgengabe bis zu einer unbestimmten Zeit wartet. Der Islam hat der Frau auch noch eine weitere Möglichkeit offeriert, nämlich die, dass sie ihrem Ehemann die Begleichung der Morgengabe erlässt.

Ein weiterer Vermögenswert von Frauen laut islamischer Sicht ist der Unterhalt, für den ebenfalls ihr Ehemann aufkommen muss. Er ist für die Kosten und Ausgaben, welche für seine Ehegattin und die gemeinsamen Kinder entstehen, verantwortlich. Der Mann und Familienvater muss die Spesen für den Lebensunterhalt, die Miete sowie Lebensmittel, Kosmetikartikel, Kleidung, Einrichtungsgegenstände etc. aufbringen. Besonders wichtig ist dabei, den sozialen Status der Ehegattin zu beachten und ihr keinen gesellschaftlichen Schaden zuzufügen. Der Grund dafür, dass die Aufbringung des Lebensunterhalts dem Ehemann aufgebürdet wurde, ist, dass die Ehefrau als Mutter für den Nachwuchs verantwortlich ist, den sie unter großen Strapazen geboren hat und für deren Erziehung sie zuständig ist. Das ist von Natur aus der Frau auferlegt worden. Zudem gibt es noch die monatliche Menstruation, welche den Frauen ebenfalls Mühen bereitet, dazu kommen Schwangerschaften und die darauf folgenden Geburten mit den eventuellen dazugehörenden Komplikationen. Das alles zehrt am weiblichen Körper und nimmt ihn sehr mit. Was hier besonders interessant erscheint, ist die Tatsache, dass selbst vermögende Frauen ihr persönliches Eigentum für sich verwenden können und nicht verpflichtet sind, es in die Ehe einzubringen. Für die Aufbringung der Lebenshaltungskosten und die Deckung der nötigen Bedürfnisse seiner Ehefrau ist stets einzig und allein der Ehemann verantwortlich.

Aber der Islam setzt sich sogar noch intensiver für die weiblichen Geschöpfe ein, indem er fordert, dass selbst beim Stillen der Frau erlaubt wird, sich das Bereitstellen der Muttermilch vom Ehemann entlohnen zu lassen. Soll demnach das gemeinsame Kind von der Mutter gestillt werden, so darf sie sich mit dem Ehemann eine finanzielle Entlohnung aushandeln. Die Muttermilch gehört nämlich zu jenen Lebenshaltungskosten, welche die gemeinsamen Kinder betreffen und die, wie schon erwähnt, dem Ehemann obliegen. Dieselbe Regelung betrifft die Hausarbeit und Arbeiten im gemeinsamen Haushalt, für die wie schon gesagt der Mann die Kosten zu tragen hat. Eine weitere Regelung, durch welche der Ehefrau Unterhalt zugesprochen wird, tritt dann in Kraft, wenn ihr Ehemann aus welchen Gründen auch immer verschollen oder verschwunden, also nicht auffindbar ist. Aufgrund dessen, dass der Lebensunterhalt der Frau während der gemeinsamen Ehe durch den Ehemann gewährleistet werden muss, ist der oben genannte Fall durch eine juristische Regelung gelöst worden. Ein Fond aus dem Staatsvermögen dient darum dazu, Frauen in diesen Fällen während der Abwesenheit ihres Ehegatten finanziell zu versorgen und ihre Lebenshaltungskosten zu tragen.

Ebenso können sich Ehefrauen an juristische Instanzen wenden, falls der Ehemann sich weigert, die Ausgaben im gemeinsamen Haushalt zu bestreiten oder er nicht fähig ist, dafür aufzukommen. Zugleich wird dieser Umstand auch als ein Scheidungsgrund für die Frau bewertet, die hiermit eine gerichtliche Trennung von ihrem Ehemann beantragen kann. Entschieden wird durch den zuständigen Richter beim Scheidungsgericht. Im Islam wird Ehefrauen bei derartigen Fällen somit juristischer Rückhalt zugesagt, wobei ein Unterschied zur Gerichtsbarkeit in anderen Gesellschaften besteht. Dadurch, dass die islamische Gesetzgebung sehr um die finanzielle Sicherheit von Frauen während ihrer Ehe bemüht ist und ihr rechtlichen Schutz und Rückhalt gewährt, will man Eheschließungen fördern und Frauen dazu anregen, den Heiligen Bund der Ehe einzugehen.

Bei einer genaueren Betrachtung lässt sich feststellen, dass Frauen aus der Sicht des Islam völlige Freiheit beim Ergreifen eines Berufs besitzen und dass sie auch völlig frei wirtschaftliche und kaufmännische Aktivitäten betreiben können. Durch das Akzeptieren der finanziellen Unabhängigkeit von Frauen hat der Islam mit der eingesessenen und althergebrachten früheren These zu diesem Thema aufgeräumt. Im islamischen Rechtssystem stehen Mann und Frau in Bezug auf die finanzielle Unabhängigkeit beim Vermögen bzw. Eigentum die gleichen Rechte zu, egal ob es sich um bewegliche oder unbewegliche Güter handelt. Der geschlechtliche Unterschied spielt somit diesbezüglich nicht die geringste Rolle.

Betrachtet man die Frauenrechte im Islam, welche in der göttlichen Gesetzgebung verankert sind, so kann man feststellen, dass der besondere Stellenwert und die Würde der Frauen es erforderlich machten, dass bestimmte Rechte und Regelungen in Bezug auf deren finanzielle und wirtschaftliche Belange geschaffen wurden. Diese wurden speziell auf die Frau maßgeschneidert, um einerseits deren Unabhängigkeit und Sicherheit zu wahren und ihr andererseits den nötigen Respekt zu verschaffen. Außerdem wurde auf diese Weise auch ihre materialistische und ideelle Gesundheit gewährleistet sowohl in persönlichen wie auch sozialen Belangen. Somit können die Frauen ruhigen Gewissens ihrer von Gott gegebenen Aufgabe, nämlich der Kindererziehung und Aufzucht der kommenden Generation nachgehen. Demzufolge besitzen weibliche Geschöpfe im Islam in Bezug auf finanzielle und wirtschaftliche Belange zwar bestimmte Anrechte, es werden ihnen jedoch keinerlei Verpflichtungen abverlangt. Grund dafür ist die exakte Struktur der Scharia im Islam, denn die islamische Gesetzgebung ist so aufgebaut, dass den Frauen mehr Rechte zugesprochen werden als dem männlichen Geschlecht. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Schöpfung und die Natur derartig aufeinander abgestimmt sind, dass sämtliche Lebewesen in einem bestimmten Zusammenhang zueinander stehen. Fortschritt und Entwicklung kann es also nur bei einem exakt funktionierenden sozialen System geben. So sind zum Beispiel bei der islamischen Rechtsprechung alle Regelungen und Gebote kettengliedmäßig aufeinander abgestimmt und ineinander verwoben, denn Voraussetzung für die intakte Funktion einer Gesellschaft ist eine kommunikative Zusammenarbeit und das Mitwirken aller Lebewesen und Mitmenschen.

Erläuterung auf Basis der folgenden Qur’an-Exegesen: Al-Mizan von Allama Tabatabai, Tafsir-e-Tasnim von Großayatollah Dschawadi Amuli, Tafsir-e-Nemune von Großayatollah Makarem Schirazi, Madschma-ul-Bayan von Scheich Tusi.