Qur’an-Exegese: Ar-Rad – Vers 28 bis 29

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الَّذِينَ آمَنُوا وَ تَطْمَئِنُّ قُلُوبُهُمْ بِذِكْرِ اللَّهِ أَلا بِذِكْرِ اللَّهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ

الَّذِينَ آمَنُوا وَ عَمِلُوا الصَّالِحاتِ طُوبى‏ لَهُمْ وَ حُسْنُ مَآب

Transliteration

Al-Ladhīna ‚Āmanū Wa Taţma’innu Qulūbuhum Bidhikri Al-Lahi ‚Alā Bidhikri Al-Lahi Taţma’innu Al-Qulūbu

Übersetzung

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Es sind diejenigen, die glauben und deren Herzen im Gedenken Allahs Ruhe finden. Wahrlich, im Gedenken an Allah finden die Herzen Ruhe. Denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun, wird das reinste Leben zuteil und die beste Heimkehr.

(Ar-Rad | 13:28-29)

Erläuterung

Diese gesegneten Verse sind bestrebt einen allgemeinen Grundsatz zu erläutern, nämlich dass die Ruhe der Herzen nur durch das Gedenken an den großen und lieben Gott möglich ist und keine andere Angelegenheit die ruhelosen Herzen der Menschen zu entspannen vermag. Diese Verse stellen eine Mahnung an die Menschen zur Aufmerksamkeit gegenüber ihrem Herrn dar, sodass ihr Gedenken an ihn ihre Herzen trösten und beruhigen.

Natürlicherweise hat ein Mensch in seinem Leben kein anderes Ziel als die Erlösung und Erlangung von Glückseligkeit und Frieden und seine wichtigste Furcht stellt das Unheil und der fehlende Zugang zum Segen des Friedens dar. Auf der anderen Seite wird das Heil und Unheil der Menschen in ihrer Beziehung zu Gott bestimmt, fallen doch alle Angelegenheiten auf Ihn zurück und ist Er doch der Statthalter der Gläubigen und ihr Zufluchtsort. Angesichts dessen ist das Gedenken an Gott für einen jeden, der von verschiedenen Vorfällen und Angelegenheiten gezeichnet ist, das Mittel zur Erlangung von innerer Ruhe und Frieden.

Der Mensch ist stets bestrebt nach einem Mittel zu suchen, welches seine Glückseligkeit garantiert. Das Gedenken an Gott und die Konzentration des Herzens auf den allmächtigen Schöpfer ist für jemanden, der in einer Angelegenheit ratlos ist und nicht weiß, wohin er geht und weshalb er gekommen ist, eine Quelle der Entspannung und des Friedens, genauso wie ein Gegenmittel eine Quelle der Beruhigung für jemanden ist, der von einer Schlange gebissen wurde. Genauso wie eine kranke Person dem Heilmittel seines Arztes Vertrauen schenkt und sich nach dessen Einnahme wieder munter und gesund fühlt, empfindet die menschliche Seele durch das Gedenken an Gott und seine Lobpreisung Wohlbefinden und Frieden.

Die Bedeutung von Glauben

Das arabische Wort „Iman“ (Glaube) hat seine Wurzel im Wort „Amn“ (Sicherheit) und die Bedeutung von innerer Entspannung und dem Verschwinden von Angst. Ein gläubiger Mensch bereinigt seinen Glauben von Krankheiten wie Zweifel und Ungewissheit, und errichtet ihn auf sicherem Boden. Der Glaube versetzt den Gläubigen in eine sichere Festung, die ihn vor dem Sündigen in der Welt und der Bestrafung durch das Höllenfeuer schützt. Der Gesandte Gottes stellte den Glauben als eine der vom erhabenen Herrn am meisten geliebten Angelegenheiten vor und sagte: „Keine Angelegenheit wird wie der Glaube von Gott geliebt.“

ما من شیء أحب إلی الله من الایمان

Die Wahrheit des Glaubens stellt die Hingabe dar. Der gläubige Mensch ist in der Hinsicht, dass er an Gott glaubt und von ihm als Allweisem (Hakim) und Allwissendem (Alim) überzeugt ist, ein sich Hingebender in Seinem Willen, Seiner Entscheidung und den Befehlen und Verpflichtungen, die durch Seinen Gesandten für uns erleuchtet wurden. Das Licht, welches durch den Glauben im Herzen und der Seele eines Menschen beheimatet ist, bringt ihn zur Hingabe an den göttlichen Willen. Die Auswirkungen dieser Hingabe werden zunächst in der gedanklichen Welt des Menschen erkennbar und spiegeln sich anschließend in den Neigungen und jeder einzelnen Phase des menschlichen Wesens wider.

Aus dieser Sicht wird der Glaube des Menschen umso stärker, je größer seine Hingabe ist. Auf der anderen Seite sollte bedacht werden, dass nicht erst die vollständigsten Stufen der Überzeugung, der Bekanntschaft mit der Erkenntnis und der Verpflichtungen bedürfen, sondern dass diese bereits in den anfänglichen Phasen des Glaubens vonnöten sind. Die Bekanntschaft mit den Verpflichtungen ist in einer Art und Weise auf einige grundlegende Erkenntnisse, wie beispielsweise die Kenntnis über den Tod, die Gesandtschaft und die göttlichen Namen und Eigenschaften gestützt, sodass sich der Glaube ohne die Bekanntschaft mit diesen Kenntnissen nicht entfalten kann.

Gemäß einer Überlieferung des ehrenwerten Gesandten des Islam kann sich der Glaube eines Gläubigen nicht eher vervollständigen, als dass er fortwährend Gottes gedenkt. Lobpreisung bedeutet, dass man mit der Zunge oder dem Herzen etwas oder jemandem gedenkt. Allerdings ist mit der Lobpreisung Gottes, welche zur Beruhigung der Herzen führt, nicht nur gemeint, dass der Mensch seinen Namen auf die Zunge bringt und wiederholt Allahu-Akbar, La Ilaha Illa Allah oder Subhan-Allah rezitiert, sondern dass man sich mit dem ganzen Herzen Seine Anwesenheit, Größe, Herrschaft, Beobachtung und Bewusstsein vergegenwärtigt und diese spürt. In einer Überlieferung von Imam Ali (a.s.) heißt es: „Das Gedenken ist zweierlei, nämlich das Gedenken Gottes während einer Katastrophe (der man mit Besonnenheit und Ausdauer begegnet), aber besser als dies ist das Gedenken Gottes gegenüber dem Verbotenem und der Errichtung eines Dammes zwischen Ihm und dem Verbot.“

Das Herz des Gläubigen

Der Gesandte Gottes sagte: „Gott hat auf der Erde Spiegel, von denen der Liebste bei Gott der ist, der von allen am leuchtendsten und gefestigtsten ist und dies ist das Spiegelbild des Herzens, welches gegenüber den Freunden lieb und freundlich ist und bei der Standhaftigkeit gegenüber den Feinden Gottes Dimensionen erreicht, wo er sich bis auf Gott vor keinem anderen fürchtet und von Sünden rein ist.“ Anas ibn Malik berichtete: „Der Gesandte Gottes sprach: Dawud sagte in seiner Anrufung: Oh Herr, jeder König hat eine Schatzkammer, wo befindet sich deine Schatzkammer? Gott sagte: Ich habe eine Schatzkammer, welche sogar größer als der göttliche Thron ist. Jene Schatzkammer ist wohlriechender als das Paradies und schöner als das Himmelsreich.

Sein Boden ist die Erkenntnis, sein Himmel der Glaube, seine Sonne der Enthusiasmus, sein Mond die Nächstenliebe, seine Sterne die Gedanken, seine Wolken die Vernunft, sein Regen die Barmherzigkeit, seine Früchte die Gehorsamkeit und Weisheit. Jene Schatzkammer hat vier Tore, die sich aus Wissen, Sanftmut, Geduld und Zufriedenheit konstituieren. Wisset, dass jene Schatzkammer das Herz eines gläubigen Menschen darstellt.“ Im Hinblick auf die bereits aufgeführte Einleitung wird deutlich, dass während der Mensch durch die göttliche Lobpreisung und das Gedenken die Tore seines Herzens in Richtung auf Gott hin öffnet, der erhabene Herr darin erscheint und er dem Menschen vollkommene Beruhigung bringt.

Die zwei Arten der Rechtleitung

Im vorherigen Vers sprechen die Wahrheitsbedecker (Kafirs) zum Gesandten Gottes und kritisieren, weshalb ihm kein Vers und Wunder offenbart wurde. Gott spricht, dass er darauf antworten solle, dass Er jeden, den Er möchte, in die Irre führt und jeden, der darum bittet, rechtleiten kann. Allerdings stellt jene Form der Irreführung eine Bestrafung für diejenigen dar, die trotz des Wissens und der Leitung Gottes der Wahrheit ihren Rücken zukehren und Gott und seinen Gesandten verleugnen. Diese Irreführung stellt nichts dar, was Gott einem zuführen würde, sondern sie ist die Abwesenheit der besonderen Gnade Gottes, die für den Gläubigen bestimmt ist und welcher sich die Wahrheitsbedecker und Heuchler durch ihre eigenen Handlungen versagen.

Es muss an den Aspekt erinnert werden, dass die Rechtleitung aus zwei Teilen besteht. Ein Teil stellt die allgemeine und universale Rechtleitung dar, wobei Gott alle Menschen in jedem Zustand und in jeder Situation rechtleitet, welches die Einladung zur Religion und die Vorstellung des Weges durch die Propheten ist und kein Mensch ist von dieser Art der Rechtleitung ausgenommen. Die Propheten sind zur Rechtleitung aller Menschen geschickt worden. Diese allgemeine Rechtleitung ist eine dauerhafte Einladung zur Wahrheit, d.h. sie hat zu jeder Zeit und an jedem Ort existiert. Gegenüber dieser Form der allgemeinen Rechtleitung gibt es keine Irreführung, d.h. Gott ist kein Irreführer und niemand, der jemanden in die Irre führen würde.

Die zweite Form der Rechtleitung stellt die besondere Rechtleitung dar und diese Form ist von der Art und Weise her eine Belohnung, die einigen Personen zuteil wird. Wenn die Phase der Vorstellung des Weges und der anfänglichen Rechtleitung vorüber ist, teilen sich die Menschen in zwei Gruppen auf: Eine Gruppe schlägt den Weg der Rechtschaffenheit ein und die andere Gruppe den Pfad des Unheils und des Übels. Denjenigen, die den Weg der Rechtschaffenheit gehen, gibt Gott von seiner besonderen Rechtleitung, er schenkt ihnen Segen und Licht und stellt ihnen die Mittel zur Ausführung von rechtschaffenen Taten bereit.

Aber diejenigen, die durch ihren eigenen Willen den Weg des Unheils und Übels einschlagen und die Gelegenheiten zur Reue nicht wahrnehmen, führt der gepriesene Gott in die Irre, das heißt Er schenkt ihnen keinen Segen und Licht und überlässt sie ihrem Schicksal. Ein solcher Mensch, der seinem eigenen Schicksal übergeben wurde, weiß nicht, wie er in diesem langen und gefährlichen Strom (des Lebens) seine Schritte richtig setzen muss. Diese bestrafende Irreführung, die voller Weisheit ist, steht der belohnenden Rechtleitung gegenüber und weil der Diener aus der universellen Gnade, der göttlichen Hilfen und der umfassenden Barmherzigkeit einen missbrauchenden Nutzen zog, verdiente er sich eine solche Bestrafung und wurde seinem eigenen Schicksal überlassen.

Gemäß der Meinung von Allama Tabatabai stellt der Anfang des 28. Verses der Sura Ar-Rad die Fortsetzung des vorangegangenen Verses dar, wo gesagt wird, dass Gott jeden zu Sich rechtleitet, der sich Ihm reumütig zuwendet. Seiner Meinung nach ist die vollkommene Aufmerksamkeit gegenüber der Anwesenheit des Herrn eben jene Beruhigung des Herzens durch das Gedenken Gottes. Es ist allerdings offensichtlich, dass diese Haltung des Menschen ihn darauf vorbereitet und befähigt, von der allgegenwärtigen Gnade Gottes zu schöpfen und davon wiederum zu Seiner Zufriedenheit zu profitieren, genauso wie das Sündigen und die Abkehr von der Wahrheit der Irreführung und Abweichung vom Weg Gottes den Boden bereitet.

Im heiligen Qur’an wird in der Fortsetzung des Verses ein allgemeiner Punkt ausgedrückt: „Wahrlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe.“ Dies soll uns vor Augen führen, dass nichts das Herz zu beruhigen vermag, außer das Gedenken an den Schöpfer eben jenes Herzens. Weiterhin kann nichts das Herz mit Sorgen tränken, außer das Wesen, welches sich entschieden hat bei der Rechtleitung des Menschen ihn in die Irre zu führen, und dieses Wesen ist der Schaytan.

Er ist es, der bestrebt ist das Herz aus seinen Fugen zu bringen und die Ruhe und Entspannung aus ihm zu treiben und es ist das Gedenken Gottes, welches das Herz beruhigt und zur Gewissheit leitet. In diesem Lichte spricht der heilige Qur’an, dass man jedes Mal, wenn der verfluchte Satan durch seine Einflüsterungen bestrebt ist das Licht Gottes aus dem Herzen des Gläubigen zu löschen, Gott und der Wahrheit gedenken soll, ist es doch das Gedenken an Gott, welches uns vor der Gefahr des Sturzes und dem Verfall durch die satanischen Einflüsterungen schützt und rettet.

Die Aufgabe des Teufels besteht einzig und allein im Schaffen von Sorgen, Spannung und Unruhe. Der heilige Qur’an hat die Elemente, die beim Menschen bei der Konfrontation mit dem Feind Sorgen hervorrufen, und jene Elemente, die zu seiner Beruhigung führen, aufgeführt. Er sagt, dass wenn man bei der Konfrontation mit dem Feind standhaft sein möchte, an Gott denken soll, da das Gedenken Gottes Standhaftigkeit verleiht und vor Sorgen schützt.

Und auch wenn man das Gefühl von Spannung und Unruhe in sich spürt, soll man Gottes gedenken. Gemäß dem heiligen Qur’an soll man sowohl zur Vorbeugung von Anspannung als auch, wenn man ihr bereits anheimgefallen ist, zu ihrer Entfernung Gottes gedenken. Das Gedenken Gottes weist diese beiden Effekte auf, dass wenn der Mensch Gottes gedenkt, nicht in Konflikt mit der Anspannung gerät und falls er ihr bereits anheimgefallen sein sollte, so kann er sich durch das Gedenken Gottes aus dieser Situation befreien und wieder zur Beruhigung finden.

Zwischen Gottesehrfurcht und Entspannung

Auf der anderen Seite spricht Gott im zweiten Vers der Sura Anfal (Al-Anfal | 8:2): „Die Gläubigen sind einzig diejenigen, deren Herzen sich ängstigen, sobald Gottes gedacht wird.“ Nun stellt sich die Frage, wie durch das Gedenken Gottes sowohl Ehrfurcht und Angst als auch Entspannung und Beruhigung des Herzens erreicht werden kann? Besteht da ein Widerspruch? Scheich Tusi hat im Buch „Tebyan“ wie der verstorbene Scheich Tabarsi im Buch „Majma ul-Bayan“ gesagt, dass die Bedeutung des 28. Verses der Sura Ar-Rad im Kontext der Beruhigung des Herzens gegenüber den Versen der Barmherzigkeit zu verstehen ist.

Dies soll heißen, dass wenn der Mensch der Barmherzigkeit und des Segens des Paradieses gedenkt, sein Herz sich beruhigt und er Frieden findet. Die Bedeutung vom zweiten Vers der Sura Anfal hingegen ist, dass wenn der Mensch vor der Qual Gottes, der Hölle und der Bestrafung gewarnt wird, die Schläge seines Herzens (vor Angst) toben. Aber gemäß der Meinung von Groß-Ayatollah Jawadi Amoli ist diese Antwort nicht richtig, da sich der erhabene Gott im 28. Vers der Sura Ar-Rad in grundsätzlicher Art und Weise äußert, was heißen soll, dass nur die Lobpreisung Gottes für die Beruhigung des Herzens sorgen kann und nicht, dass einzig die Verlesung von Versen der Barmherzigkeit dem Menschen Seelenfrieden bringen kann.

Auch interpretieren einige diese beiden Verse auf die Zustände der Angst und Hoffnung, in dem sich der Gläubige auf der einen Seite vor nichts außer Gott fürchtet, doch auf der anderen Seite die Furcht in sich trägt, dass seine Handlungen wirkungslos bleiben und all seine rechtschaffenen Werke bei Gott nicht angenommen werden, sodass er bezüglich seines Eintrittes in das Paradies im Ungewissen ist. Allerdings ist die Hoffnung von der Beruhigung und Entspannung zu unterscheiden.

Wie könnte nun das Herz des Gläubigen, welches sich fortwährend zwischen der Angst vor der Bestrafung in der Hölle und der Hoffnung auf die Belohnung im Paradies hin und her bewegt, Entspannung finden? Darauf antworten einige, dass sich der Gläubige aus dem Grund zu Beginn des Gedenkens an Gott fürchtet und einen unruhigen Herzschlag hat, da er noch nicht allzu vertraut darin ist und sich am Anfang des Weges befindet, doch wenn er damit vollständig vertraut ist und sich sein Glaube festigt, sodann beruhigt sich sein Herz und er erhält Frieden.

Der 23. Vers der Sura Zumar bezeugt diese Meinung, indem Gott spricht (Az-Zumar | 39:23): „Allah hat die beste Botschaft offenbart, ein Buch mit gleichartigen, sich wiederholenden Versen, vor dem die Haut derjenigen, die ihren Herrn fürchten, erschauert. Hierauf werden ihre Haut und ihr Herz weich und neigen sich zu Allahs Gedenken hin.“

ألله نزل أحسن الحدیث کتابا متشابها مثانی تقشعر منه جلود الذین یخشون ربهم ثم تلین جلودهم و قلوبهم إلی ذکر ألله

Die Haut derjenigen, die Gott fürchten, erschauert, wie es auch über die Zustände der Heiligen während dem Gebet oder der Gebetswaschung überliefert wird. So haben wir in einer Überlieferung über Imam Sadschad (a.s.) gefunden, dass seine Hüfte während des Takbirat-ul-Ihram erzittert und sich sein Angesicht gelblich färbt. Als man ihn fragte, weshalb er in diesen Zustand kommt, antwortete er: „Ich möchte das Vertraute aufsagen und weiß nicht, ob ich es richtig tue oder nicht.“

Gemäß der Meinung Allama Tabatabais besteht kein Konflikt zwischen diesen beiden Versen, da die Angst, die in diesem Vers vorkommt, keine Angst ist, die mit der Beruhigung unvereinbar wäre, sondern einen Zustand des Herzens darstellt, in dem sie es natürlicherweise vor dem Eintritt der Beruhigung belastet. Die Erklärung ist, dass jeder Segen vom gepriesenen Gott kommt und im Gegensatz dazu jede Qual und jedes Ärgernis in Wahrheit nichts ist, was durch ihn offenbart worden wäre, da es keine existente Angelegenheit darstellt.

Wenn klar wird, dass kein Übel von Gott kommt und man immer vom Übel Angst hat, welches auftreten könnte, gelangen wir zum Ergebnis, dass die Furcht vor Gott in Wahrheit die Furcht des Menschen vor seinen eigenen niederträchtigen Handlungen darstellt, welche dazu führen, dass man seine Kapazität zur Aufnahme der Barmherzigkeit Gottes verringert. Demzufolge stellt die erste Wirkung des Gott gedenkenden Herzens die Besinnung auf das eigene Versagen, die Schuld und die begangenen Sünden dar, welche es derart beeinflusst, dass seine Reaktion den Körper zum Erzittern bringt.

Die zweite Wirkung des Gott gedenkenden Herzens ist, dass sich seine Aufmerksamkeit auf seinen Schöpfer richtet, welches in die Besinnung auf seine eigene Natur und Schöpfung mündet, was zu seiner Beruhigung führt und inneren Frieden mit sich bringt. Also findet jedes Herz mit dem Gedenken Gottes Ruhe und kann sich von der Last seiner Sorgen befreien.

Auch gemäß der Meinung Groß-Ayatollah Jawadi Amolis besteht zwischen diesen beiden Versen kein Konflikt und Widerspruch. Der Vers (13:28) hat die Beruhigung und den Frieden im Gedenken Gottes zugrunde gelegt und nicht das Gedenken Gottes in der Beruhigung. Dies bedeutet, dass der Frieden des Herzens ohne das Gedenken Gottes unmöglich ist. Allerdings übt das Gedenken Gottes auf den Menschen zwei Wirkungen aus: 1. Es beruhigt den Menschen gegenüber der Welt, sodass kein Ereignis imstande wäre, ihm Sorgen zu bereiten. Jemand, der ständig Gottes gedenkt, ist als Ergebnis seiner Verbundenheit bezüglich des Gedenkens Gottes beruhigt und überzeugt.

In den wissenschaftlichen Angelegenheiten hat er seine Überzeugung und fällt nicht Zweifeln und der Ungewissheit anheim und in den Handlungen des täglichen Lebens ist keine Angelegenheit imstande bei ihm eine zögerliche oder verhaltene Reaktion hervorzurufen. 2. Der Mensch hat bei Gott verschiedene Stufen und Positionen, wobei die Stufe der Ergebenheit (Taslim) die höchste Stellung des Menschen darstellt. Auf dieser Stufe sieht sich der Mensch nicht als Herr des Herzens. Ein solcher Mensch hat von sich aus gar nichts, was sein Herz zum Schlagen oder zur Beruhigung bringen könnte, nichts beeinflusst sein Herz. Dies stellt die höchste Stellung des Menschen dar. Vor dieser Stufe befindet sich die der Angst und der Hoffnung, die Angst vor dem Verbot Gott zu treffen und die Hoffnung auf das Treffen mit Gott.

In diesem gesegneten Vers sagt der erhabene Herr, dass der einzige Weg zur Beruhigung das Gedenken Gottes ist. Die Beruhigung steht nicht der Angst gegenüber, sondern der Sorge, welche etwas anderes als die Angst darstellt. Somit besteht zwischen diesen beiden Versen überhaupt kein Konflikt, über dessen Lösung wir nachdenken müssten. Der Mensch ist manchmal furchtsam und manchmal hoffnungsvoll, aber diese Gefühle sind nicht mit der Sorge gleichzusetzen. Der beruhigte Mensch fürchtet sich vor Gott, da er sich seiner Sündenlast bewusst ist und im Lichte dessen mit schluchzender Stimme sagt: „Ich weine für die Dunkelheit meines Grabes.“

أبکی لظلمه قبری

Er hat sowohl Tränen, als auch spirituelle Vertrautheit und aus der Intensität dieser Vertrautheit sagt er sogar wie einst Imam Ali (a.s.): „O Herr, wenn du mich wegen meiner Sünden in die Hölle führst, so frage ich nach deiner Gnade und Barmherzigkeit.“ Allerdings ist bei einem solchen Gläubigen weder an seiner Handlung noch an seinem Wissen zu zweifeln. In der Bildung hat er Gewissheit und bei der Entscheidungsfindung verlässt er nicht den aufrechten Pfad. Er hat Kenntnis über den Weg und weiß, dass er diesen Pfad beschreiten muss. Ob er nun ankommen mag oder nicht, so hält er die richtige Balance zwischen der Angst und der Hoffnung und arbeitet sich Stück für Stück an das Ziel heran.

Er hat nicht in einem Ausmaß Angst, die ihn zur Verzweiflung bringen würde und auch hat er keine exzessive Hoffnung, die ihn arrogant werden ließe. Der Intensität seines Glaubens liegt seine Entspannung zugrunde und je stärker er glauben und Gott gedenken sollte, desto stärker ist die Ruhe seines Herzens. Die Zufriedenheit mit dem göttlichen Urteil, das den Händen Gottes Anheimstellen der Angelegenheiten und die Hingabe in den göttlichen Willen sind Stufen der Beruhigung. Eine solche Person wird weder durch das Aufkommen von Zweifeln geplagt noch stellt sich bei ihm Unzufriedenheit gegenüber den göttlichen Urteilen ein. Sein Herz ist gegenüber den Handlungen Gottes beruhigt und auch seine Handlungen ziehen die Zufriedenheit Gottes auf sich: „Allah hat Wohlgefallen an ihnen und sie haben Wohlgefallen an Ihm; das ist für jemanden, der seinen Herrn fürchtet.“ (Al-Bayyina | 98:8)

رضی الله عنهم و رضو ا عنه ذلک لمن خشی ربه

Schohreh Sadeghi

Literaturangaben: Erläuterung auf Basis der folgenden Qur’an-Exegesen: Al-Mizan von Allama Tabatabai, Tafsir-e-Nemune von Groß-Ayatollah Makarem Schirazi, Qur’an-Auslegung von Groß-Ayatollah Javadi Amolis auf www.esra.ir, Madschma-ul-Bayan von Scheich Tabarsi, Al-Tebyan von Scheich Tusi.